LOGINSOPHIA
Meine Faust ballt sich so fest, dass ich spüre, wie sich meine Nägel in die Handfläche graben.
Arden steht neben Daphne – nicht einfach nur daneben, er schirmt sie ab, und dabei kennt er kaum ihren Namen. Sein Bruder und er haben nicht ein einziges Mal so für mich dagestanden. Kein einziges Mal. Bei mir waren sie immer kalt und förmlich, zwei Wände aus Eis, an denen ich mich monatelang abgearbeitet habe.
Ich setze mein Lächeln auf, bevor die Bitterkeit mein Gesicht erreichen kann. Ich lasse Arschlöcher wie die beiden nicht merken, dass sie mich getroffen haben.
„Arden.“ Ich lasse seinen Namen mit genau der richtigen Wärme fallen, gerade genug, nicht verzweifelt. „Schön, dass du endlich zu uns stößt.“
„Wirklich? Ich bin mir nicht so sicher, ob du dich freust, mich zu sehen“, sagt er, dieses selbstgefällige Grinsen im Gesicht, als wäre er damit auf die Welt gekommen. Am liebsten würde ich es ihm herunterschlagen. Stattdessen drücke ich meine Nägel tiefer in die Handfläche.
„Warum um alles in der Welt sollte ich mich nicht freuen?“
„Weil du meine Gefährtin dann schikanieren könntest, wie es dir gefällt.“
Ich täusche ein Luftschnappen vor und presse die Hand auf die Brust. „So etwas würde ich nie tun. Ich liebe meine Schwester – wie kommst du darauf, dass ich sie jemals schikanieren würde?“ Ich sorge dafür, dass in meinem Gesicht alles steht: beleidigt, verletzt, missverstanden.
Daphne seufzt nur neben ihm und verdreht die Augen.
„Dann hast du sicher nichts dagegen, dich für das zu entschuldigen, was du gesagt hast“, sagt Arden, und ich schwöre, meine Wut verdoppelt sich auf der Stelle. Er will, dass ich mich entschuldige. Bei ihr. Vor allen.
Ich atme langsam ein. Ich darf die Beherrschung nicht verlieren. Ich kann nicht die Verrückte sein, wenn sie hier die Zicke ist.
„Natürlich.“ Ich lächle und lege alles hinein, was ich habe. „Überhaupt kein Problem. Und wenn meine Schwester etwas Frust ablassen muss – sie soll mich schlagen, was immer sie braucht. Es macht mir wirklich nichts aus.“ Ich meine jedes Wort dieser Vorstellung, denn ich weiß, dass sie es nicht tun wird. Sie tut es nie. Sie bringt es nicht fertig, mich vor ihrem zukünftigen Gefährten zu schlagen.
Das Klatschen einer Handfläche auf meiner Wange reißt mein Gesicht zur Seite.
Die Hitze blüht auf, noch bevor der Schmerz ankommt. Ich stehe da, fassungslos, ein leises Klingeln in den Ohren, und starre auf den Boden.
Ich reiße den Kopf zu ihr herum. Was zum Teufel soll das denn.
Die Wut kommt schnell und grell, und ich zwinge sie mit aller Kraft nieder.
„Ich kann nicht glauben, dass du das gerade getan hast.“ Meine Stimme bricht auf Kommando. Ich presse eine Hand an meine Wange und lasse meine Augen volllaufen – nicht zu sehr, gerade genug, dass sie schimmern. „Ich bin deine Schwester, Daphne.“ Ich drehe mich zu Arden, bevor er etwas sagen kann, und achte darauf, dass in meiner Stimme genau der richtige Ton von trauriger Fassungslosigkeit liegt. „Ich weiß, dass sie ein Temperament hat, aber ich hätte nie gedacht, dass sie – ich hoffe nur, sie richtet es nie so gegen dich, wie sie es gegen mich gerichtet hat.“
Ich drücke mein Gesicht an Crux' Brust und spüre, wie seine Arme sich um mich legen, fest und ganz automatisch.
„Ich glaube nicht, dass ich mir große Sorgen machen muss“, sagt Arden.
Ich löse mich gerade weit genug, um ihn ansehen zu können.
Er sieht Daphne an. Und in seinem Gesicht liegt etwas, das vor einem Moment noch nicht da war – kein Mitleid, keine Sorge – etwas Leiseres. Anerkennung vielleicht. Wiedererkennen. Als hätte sie ihm etwas bestätigt, das er längst vermutet hat.
Er lächelt.
Das Zittern beginnt irgendwo tief in meiner Brust und strahlt bis in meine Hände aus. Meine Finger krallen sich in den Stoff von Crux' Jackett.
„Wenn überhaupt“, sagt Arden, „habe ich wohl Glück, dass ich eine Frau heirate, die nicht einfach dasteht und sich alles gefallen lässt.“
Die Worte fallen wie Steine in stilles Wasser, und ich sehe zu, wie die Wellen über jedes Gesicht in der Nähe laufen. Leises Lachen irgendwo zu meiner Linken. Ein wissender Blick zwischen zwei Bediensteten des Nightfall-Rudels.
Er hat es gegen mich gedreht, ohne die Stimme zu heben. Ohne es auch nur zu versuchen.
Ich sehe Daphne an. Sie lächelt nicht direkt, aber da ist etwas in ihrem Mundwinkel – eine stille, private Genugtuung, die sie vor mir nicht einmal zu verbergen versucht, weil sie weiß, dass ich hier nichts dagegen tun kann.
Ich atme ein. Atme aus.
Es spielt keine Rolle.
Ich wende mich Crux an meiner Seite zu – massiv, ruhig, mächtig – und ich erinnere mich: Ich habe ihn. Alles, was sie in ihrem früheren Leben hatte, all dieser Luxus, dieser Status, gehört jetzt mir. Es ist mir völlig egal, dass sie zur Gefährtin der Zwillinge wird. Sie waren damals nachlässige Ehemänner, und sie werden auch jetzt nachlässige Ehemänner sein. Sie wird den Rest ihrer Ehe allein essen.
Ich habe bei diesem Handel das bessere Ende erwischt. Ich muss mich nur daran erinnern.
DAPHNEIch sitze am Schminktisch und ziehe eine Bürste durch mein Haar, als mir die Wirklichkeit des heutigen Abends endlich bewusst wird.Krue.Nur Krue.Ich halte mitten in der Bewegung inne und starre auf mein Spiegelbild.Letzte Nacht waren es beide gewesen – Hände und Münder und Hitze, wir drei ineinander verschlungen, bis ich nicht mehr sagen konnte, wo der eine endete und der andere begann. Ich hatte angenommen, so würde es sein. Jede Nacht. Wir drei.Aber Eleanor hatte es mir heute Nachmittag erklärt, ganz beiläufig, während wir das Inventar der medizinischen Vorräte
DAPHNEIch wache in einem leeren Bett auf.Die Laken neben mir sind kühl unter meiner Hand – auf beiden Seiten. Sie sind schon eine Weile weg. Ich richte mich langsam auf, spüre den Schmerz in Muskeln, von denen ich nicht wusste, dass ich sie habe, und die Erinnerung an letzte Nacht schießt in aller Deutlichkeit zurück. Hitze kriecht meinen Hals hinauf.Ich presse die Handflächen an mein Gesicht und atme.Ich schwinge die Beine über die Bettkante und stehe auf. Mein Kleid von letzter Nacht liegt sorgfältig über einem Stuhl – jemand hat es zusammengelegt. Einer von ihnen muss das getan haben, bevor sie gingen. Das Bild, wie einer der Zwillinge in der frühen Morgendunkelheit behutsa
DAPHNESein Mund findet meine Schulter, küsst sich an ihrer Linie entlang, während seine Hände von meiner Taille nach oben gleiten. Krue beobachtet uns, beobachtet mich, und die Hitze in seinen Augen könnte Stahl schmelzen.„Das Kleid", sagt Krue. „Zieh es aus."„Wer von uns?", fragt Arden an meiner Haut.„Spielt das eine Rolle?"„Alles spielt eine Rolle."Ich greife nach hinten, versuche den Reißverschluss zu finden, aber meine Hände zittern zu heftig. Arden fängt sie ein, hält sie ruhig.&
DAPHNEDie Tür fällt hinter uns ins Schloss, und der Riegel klickt ein.Ich bin jetzt allein mit ihnen. Mit beiden. In einem Raum mit nur einem Bett.Mein Puls beschleunigt sich, bevor ich es verhindern kann, und ich weiß, dass sie es hören können – Alphas können das immer. Die Gefährtenbindung summt unter meiner Haut, beharrlich und fordernd, und zieht mich zu beiden zugleich hin.Krue rührt sich zuerst, geht zu den Fenstern und zieht die Vorhänge mit bewusster Langsamkeit zu. Jede Bewegung ist beherrscht, präzise, als gäbe er mir Zeit, mich einzustellen. Oder als gäbe er sich selbst Zeit.Arden bleibt in der Nähe der Tür, lehnt mit verschränkten Armen daran. Aber seine Augen verfolgen jeden Atemzug, den ich mache, jede Verlagerung meines Gewichts.„Nervös?", fragt Arden.„Sollte ich es sein?"Sein Lächeln ist langsam, gefährlich. „Wahrscheinlich."Krue dreht sich vom Fenster weg. „Ignorier ihn."„Schwer, wenn er mich so anstarrt."„Wie denn?" Arden stößt sich von der Tür ab und trit
ARDENIch beobachte sie vom anderen Ende des Empfangssaals aus.Krue hat seine Hand an Daphnes Kreuz und führt sie durch die Schritte von etwas Langsamem, Förmlichem. Sie sieht genauso schön aus wie in der Nacht der Verlobungsfeier – vielleicht sogar noch schöner.Wenn ich so darüber nachdenke – ich hatte gar nicht vorgehabt, zur Verlobungsfeier zu gehen. Ich wollte nur zur eigentlichen Hochzeit auftauchen, aber irgendetwas ließ mich in Schale werfen und hinfahren.Und ich bin froh, dass ich es getan habe. Ein Grinsen legt sich über mein Gesicht, während ich noch einmal höre, wie Sophias Stimme dieses Ding tut, das sie immer tut, und da stand Daphne, ganz allein, und nahm es hin, ohne mit der Wimper zu zucken.Ich redete mir ein, ich würde nur zusehen. Die Lage einschätzen.Dann kamen die Worte heraus, bevor ich sie zu Ende denken konnte.Meine Frau. Niemand darf sie schikanieren.Ich handle nicht aus einem Impuls heraus, aber irgendetwas an der Art, wie sie dastand – die Schultern ge
DAPHNE„Oh mein Gott, sie sieht umwerfend aus.“„So viele Details habe ich noch nie an einem Kleid gesehen – jedenfalls nicht in echt.“„Das Nightfall-Rudel macht nichts halb. Sieh sie dir an.“So geht es minutenlang weiter. Die Leute drängen sich in der Brautsuite um mich, jede Stimme überschlägt die andere, während sie das maßgeschneiderte Designerkleid begutachten, das die Familie Nightfall geschickt hat – elfenbeinfarbene Seide, die sich zu meinen Füßen sammelt, von Hand mit Silberfaden bestickt, am Mieder entlang und über die Schleppe, jede Naht sitzt, als wäre sie mir direkt auf den Körper genäht worden. Allein der Schmuck könnte das Quartalsbudget eines kleinen Rudels decken, und auch der war ein Geschenk, zusammen mit dem Kleid geliefert.Und das war erst der Anfang. Der Tross, der heute Morgen ankam, hat mir fast das Herz stehen lassen. Kisten über Kisten, jede extravaganter als die vorige. Beinahe hätte ich alles zurückgeschickt – so eine Geste kann falsch verstanden werden,







