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KAPITEL FÜNF

Author: Amal A. Usman
last update publish date: 2026-08-26 03:30:33

DAPHNE

„Oh mein Gott, sie sieht umwerfend aus.“

„So viele Details habe ich noch nie an einem Kleid gesehen – jedenfalls nicht in echt.“

„Das Nightfall-Rudel macht nichts halb. Sieh sie dir an.“

So geht es minutenlang weiter. Die Leute drängen sich in der Brautsuite um mich, jede Stimme überschlägt die andere, während sie das maßgeschneiderte Designerkleid begutachten, das die Familie Nightfall geschickt hat – elfenbeinfarbene Seide, die sich zu meinen Füßen sammelt, von Hand mit Silberfaden bestickt, am Mieder entlang und über die Schleppe, jede Naht sitzt, als wäre sie mir direkt auf den Körper genäht worden. Allein der Schmuck könnte das Quartalsbudget eines kleinen Rudels decken, und auch der war ein Geschenk, zusammen mit dem Kleid geliefert.

Und das war erst der Anfang. Der Tross, der heute Morgen ankam, hat mir fast das Herz stehen lassen. Kisten über Kisten, jede extravaganter als die vorige. Beinahe hätte ich alles zurückgeschickt – so eine Geste kann falsch verstanden werden, zu eifrig, zu dankbar –, aber irgendetwas hat mich davon abgehalten. Das hier war eine Ansage. Und sie abzulehnen wäre auch eine gewesen.

Ich spüre, wie mir jemand Löcher in den Hinterkopf starrt, und drehe mich um.

Sophia.

Sie sieht schön aus – das muss ich ihr lassen. Ihr Kleid ist tiefes Bordeauxrot mit Spitze an den Ärmeln, und es steht ihrem Teint gut. Aber neben meinem, in diesem Licht, vor diesem Publikum? Sie weiß es selbst. Ich sehe es daran, wie ihr Blick über mein Kleid wandert und dann zurück in mein Gesicht schneidet. Es ist nicht hässlich. Es kann nur nicht mithalten.

Je mehr die Leute schwärmen, desto härter wird ihr Gesichtsausdruck.

„Was ist denn so toll an einem maßgeschneiderten Kleid?“, sagt sie schließlich, laut genug, dass die Traube um uns herum es hört. „Reiche Werwölfe schmeißen gern mit Geld um sich, damit sie sich wichtig fühlen. Das ist billig.“ Sie verdreht die Augen. „Ich hätte lieber einen Mann, der mich liebt, als einen, der kalt wie Stein ist – oder schlimmer, einen, der seine Hände nicht bei sich behalten kann.“

Ein paar Köpfe nicken. Darin ist sie gut – so viel Wahrheit in eine Lüge zu packen, dass die Leute näher rücken.

Ich öffne den Mund, aber ich komme nicht dazu.

Irgendwo hinter Sophia ertönt das unverkennbare Geräusch eines Kusses. Laut, absichtlich, theatralisch.

Alle im Raum drehen sich um.

Arden grinst, die Lippen noch gespitzt, während Krue sich langsam mit dem Handrücken über die Wange fährt, mit der Miene eines Mannes, der gerade sämtliche Entscheidungen seines Lebens überdenkt.

Er ist tadellos gekleidet – anthrazitfarbener Anzug, scharf geschnitten, auf den Körper gearbeitet, keine Spielereien, kein Überfluss. Alles an ihm sagt Macht, ohne sie vorzuführen.

Arden neben ihm ist das perfekte Gegenstück, das stahlblaue Sakko am Kragen offen, der ganze Look in seiner Lässigkeit vollkommen kalkuliert, als hätte er beim Anziehen auf halber Strecke beschlossen, dass Förmlichkeit das Problem von jemand anderem ist.

„Komisch“, sagt Arden, das Grinsen breit und völlig reuelos, während er den Raum mustert. „Irgendwer hier scheint zu glauben, wir wären nicht zärtlich genug.“

„Mach das nie wieder“, sagt Krue tonlos und wischt sich immer noch die Wange ab.

„Es hat dir gefallen.“

„Hat es nicht.“

„Dein Gesicht sagt was anderes.“

„Mein Gesicht sagt, dass ich gerade überlege, dich zu degradieren.“

Arden lacht, völlig unbeeindruckt. „Kannst du nicht, wir haben denselben Rang.“ Er wendet sich wieder Sophia zu und legt freundlich den Kopf schief. „Außerdem – kalt wie Stein? Das ist sein Charme. Und was mich angeht –“ er legt eine Hand aufs Herz „– ich bin ein treuer Mann. Frag irgendwen.“

„Irgendwen, der zählt“, fügt Krue hinzu, und der Raum hört die Schärfe darunter.

Ein scharfes Luftholen geht durch den Raum. Jemand schlägt sich die Hand vor den Mund. Sophias Gesicht läuft rot an.

„Echter Charakter“, sage ich, und ich sehe dabei nicht sie an. Ich sehe Crux an, der gerade hereingekommen ist. „Schlägt immer eine Show.“

Er trägt einen maßgeschneiderten elfenbeinfarbenen Anzug, silberne Manschettenknöpfe, das Bild zurückhaltender Eleganz. Darin ist er gut. Früher dachte ich, das würde etwas bedeuten. Heute weiß ich, es ist nur eine weitere Schicht Verpackung.

Er runzelt die Stirn. Sein Blick wandert zwischen den Zwillingen und mir hin und her, berechnend.

Arden klopft ihm auf die Schulter, bevor er etwas sagen kann – locker, vertraut, so wie man einen alten Freund beim Grillen begrüßt.

„Crux! Schön, dass du es geschafft hast, Mann.“ Das Grinsen wankt nicht. „Wir haben gerade tatsächlich über echten Charakter geredet. Du kommst mir vor wie jemand, der dazu eine klare Meinung hat.“

Die Frage legt sich über den Raum wie angehaltener Atem.

Crux' Kiefer spannt sich fast unmerklich an. „Würde ich schon sagen“, antwortet er, glatt und vorsichtig.

„Hm.“ Arden nimmt die Hand herunter, wendet sich wieder mir zu, und die Abfuhr ist so sauber, dass sie fast elegant ist. Crux hört in seiner Aufmerksamkeit einfach auf zu existieren.

Krue sieht ihn einen Moment länger an. „Ich nicht.“

„Wie bitte?“ Jetzt schleicht sich eine Schärfe in Crux' Stimme, die Politur wird dünn.

Krue hebt seine Stimme nicht mit an. „Ich würde nicht sagen, dass Sie eine haben.“

„Und was genau gibt Ihnen das Recht –“

„Lassen wir das heute“, unterbricht Arden und legt den Kopf schief, mit einem Lächeln, das nur Oberfläche ist. „Es ist unsere Hochzeit. Wir haben unsere Dame schon lange genug warten lassen –“ ein bedeutungsvoller Blick zu Crux „ im Gegensatz zu manchen Leuten. Gehen wir.“

In Crux' Kiefer zuckt ein Muskel. „Ein paar Minuten zu spät zu kommen hat nichts zu bedeuten.“

„Doch“, sagt Krue, und er dreht sich dabei schon weg, als wäre das Gespräch seiner Aufmerksamkeit einfach nicht mehr wert.

Crux' Nasenflügel beben. Einen Moment lang sehe ich es – das Echte unter dem Charme, all diesen kalten Ehrgeiz, der hart gegen das Lächeln drückt, das er sich gleich aufzwingen wird. Und dann rutscht die Maske wieder an ihren Platz. Dieses Millionen-Dollar-Lächeln. Das, an das ich mal geglaubt habe.

„Dann verschwenden wir keine Zeit mehr“, sagt er glatt. Er bietet Sophia den Arm.

Arden tritt an meine Seite. Krue nimmt die andere ein. Und als hätte der Moment genau darauf gewartet, hallt die Ansage durch den Saal – die Zeremonie beginnt.

Ich atme langsam aus und lasse mich von ihnen nach vorn führen.

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