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Kapitel 4 — Der letzte Bruch

Author: L'invincible
last update Petsa ng paglalathala: 2026-02-09 22:02:45

Nathan  

Ich sehe sie eintreten. Immer dieser zögerliche Schritt, dieses angespannte Gesicht, diese Augen, die meinen ausweichen. Léa. Mein letzter Bezug zur Welt, die ich genauso sehr hasse, wie ich sie anflehe, zu bleiben.

Sie setzt sich. Redet über Konten, Verträge, Adrien. Ich höre nicht mehr zu. Ich fixiere ihren Mund, der sich bei jedem Wort verzieht, ihre Stirn, die sich unter dem Versuch, mich davon zu überzeugen, dass das Leben weitergeht, runzelt.

Was für ein Witz.

Ich unterbreche sie abrupt.  

– Du bist wirklich pathetisch, Léa. Als ob du das magst, dir ins Gesicht spucken zu lassen.

Sie zuckt zusammen. Dann hebt sie den Kopf.

Léa  

Ich schaue ihn an. Und zum ersten Mal fühle ich keine Mitleid mehr. Nur Wut.

– Du hast recht. Ich bin pathetisch. Pathetisch, weil ich geglaubt habe, dass noch etwas Menschliches in dir bleibt.  

Meine Stimme zittert. Ich balle die Fäuste. Meine Nägel graben sich in meine Handfläche.  

– Ich stehe jeden Morgen auf in der Hoffnung, dass du dich bewegst. Dass du den Kopf hebst. Aber nein. Du ziehst es vor, dich in deinem Mist zu suhlen.

Er starrt mich an, die Kiefer zusammengepresst.  

– Hau ab.

Ich lache, ein bitteres Lachen.  

– Willst du, dass ich gehe? Sehr gut. Aber eines solltest du wissen, Nathan… Das nächste Mal, wenn ich diese Tür überschreite, ist es, um dir endgültig Lebewohl zu sagen.

Nathan  

Sie fordert mich mit ihrem Blick heraus. Und verdammtes Glück, sie ist schön, wenn sie wütend ist.

– Mach schon. Hau ab. Was ändert das? Sophia hat es getan. Du bist nur ein Name mehr auf der Liste.

Ich sehe, wie ihre Augen mit Tränen gefüllt sind. Sie wendet den Kopf. Aber sie geht nicht. Noch nicht.

Léa  

Er ist grausam. Viskal grausam.

Ich stehe auf.  

– Weißt du, was mich umbringt, Nathan? Du bist nicht einmal mehr ein Mann. Du bist ein Kind, das weint, weil man ihm sein Spielzeug weggenommen hat.

Er kichert.  

– Hast du deinen Vortrag beendet?

Ich fixiere ihn, kalt.  

– Du hast nicht einmal eine Ahnung, was es mich kostet, hierher zu kommen. Dich Tag für Tag tiefer sinken zu sehen. Aber das ist jetzt vorbei.

Er antwortet nicht. Er sieht mich nur an, mit diesem Licht der Leere in seinen Augen.

Nathan  

Sie kommt näher. Zu nah.

– Was willst du, dass ich fühle, hm? Dankbarkeit? Liebe?  

Ich spucke die Worte beinahe aus.  

– Tut mir leid, Léa. Das alles ist tot. Wie meine Beine. Wie alles andere.

Sie schließt die Augen. Atmet tief ein.

Und dann lässt sie los.  

– Glaubst du, du bist der Einzige, der leidet? Glaubst du, du hast das Monopol auf das Unglück, Nathan? Aber schau mich an, verdammte Scheiße! Auch ich verbrenne langsam. Weil ich dich in Stille liebe.

Das Wort fällt. Brutal. Lieben.

Ich bleibe wie erstarrt. Eine Minute. Eine Ewigkeit.

Léa  

Ich habe mich verraten. Und es ist mir egal.

– Ja, ich liebe dich, Nathan. Seit Jahren. Aber du bist unfähig zu sehen, was dir bleibt. Du schaust lieber auf das, was du verloren hast.

Ich tritt zurück.  

– Es ist vorbei. Hörst du? Ich kann nicht mehr.

Er sagt nichts.

Ich gehe.

Diesmal weiß ich, dass ich nicht zurückkommen werde.

Nathan  

Die Tür schlägt zu.

Die Stille schlägt mir ins Gesicht.

Sie liebt mich. Und sie ist gegangen.

Ich fixiere die Leere vor mir. Und zum ersten Mal fühle ich etwas anderes als Hass.

Ich fühle die Abwesenheit.

Die wahre.

Nathan  

Die Nacht bricht herein. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich hier sitze, regungslos in meinem Sessel. Starren auf die Tür, die sie beim Gehen zugeschlagen hat.

Sie liebt mich. Sie hat es gesagt. Wie eine Bombe, die sie geworfen hat, bevor sie geflohen ist. Und ich? Ich habe sie gehen lassen. Wie ein Feigling. Wie immer.

Ich strecke die Hand nach der Whiskyflasche aus. Das Glas rutscht, zerbricht auf dem Boden. Ist mir egal. Was ändert das? Ich habe Sophia verloren. Jetzt Léa. Die einzige Idiotin, die noch an meiner Seite geblieben ist.

Ich schließe die Augen. Ihre Stimme hallt noch in meinem Kopf. Auch ich verbrenne langsam. Weil ich dich in Stille liebe.

Verdammte Scheiße. Warum hast du das gesagt, Léa? Warum jetzt? Warum, wenn ich schon tot bin?

Léa  

Ich gehe die Straße entlang. Die Kälte beißt in meine Haut, aber ich mache weiter. Fliehen. Immer weiter. Mich von ihm entfernen. Mich von dieser Wohnung entfernen, in der ich mein Herz zurückgelassen habe.

Ich habe nachgegeben. Ich habe es ihm gesagt. Drei Worte, die ich jahrelang hinuntergeschluckt habe. Ich liebe dich. Und er hat mich angesehen… Als ob er nichts hörte. Als wäre es zu spät.

Die Tränen rollen. Es tut weh. Physisch weh. Als ob mein Herz in meiner Brust zerplatzt.

Ich hasse mich dafür, dass ich ihn immer noch liebe. Ich hasse mich dafür, gehofft zu haben, dass er mich zurückhält.

Ich habe ihn allein gelassen. Ich weiß, was das bedeutet. Er wird untergehen. Und ich mit ihm.

Nathan  

Die Nacht ist lang. Zu lang.

Ich sehe Sophia wieder. Ihr Gesicht erstarrt, als sie verstanden hat, dass ich nicht mehr gehen kann.  

Ich kann nicht, Nathan. Ich liebe dich, aber… nicht so.

Und sie ist gegangen.

Und jetzt Léa.

Ich war immer dieser starke Mann, dieser arrogante Idiot, der niemanden an sich heranließ. Und sieh mich an. Ein Wrack in einem Sessel. Unfähig, ein Wort auszusprechen, das sie hätte halten können.

Ich wollte sie hier. Aber ich habe mich für den Hass entschieden. Weil es einfacher ist, als zuzugeben, dass ich sie brauche.

Ich bin allein. Definitiv allein.

Léa  

Ich komme nach Hause. Die Wohnung ist leer. Zu leer.

Ich breche auf dem Boden zusammen. Ich bekomme keine Luft. Und ich weine. Für ihn. Für mich. Für alles, was wir jemals hatten.

Ich hätte gewollt, dass er etwas sagt. Dass er mich festhält, dass er mich anfleht zu bleiben. Aber nein. Nathan Levasseur zieht es vor, alles zu verlieren, als seine Abwehr zu senken.

Ich liebe ihn. Ich werde ihn immer lieben.

Aber ich kann mich nicht mehr an diesem Feuer verbrennen.

Ich schließe die Augen. Morgen kündige ich.

Nathan  

Der Tag bricht an. Und sie ist nicht da.

Ich spüre es. Es ist vorbei.

Sie wird nicht zurückkommen.

Und ich… ich werde lernen müssen, mit dieser Leere zu leben.

Oder sterben.

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