LOGINLéa
Ich stehe vor dem Gebäude. Der Hals eng, das Herz zerbrochen. Heute ist das Ende. Ich spüre es. Er weiß es noch nicht, aber ich werde gehen. Für immer.Ich gehe nach oben. Jeder Schritt kostet mich Kraft. Jede Etage erinnert mich daran, was wir waren… was wir nie sein konnten.
Die Sekretärin lächelt mir schüchtern zu. Jeder weiß es. Sie hören seine Schreie, seine Wut. Sie sehen die Tränen, die ich hinter einem falschen Lächeln verberge. Aber heute spiele ich nicht mehr.
Ich klopfe. Keine Antwort.
Ich trete ein.
Nathan
Ich sehe sie. Sie. Léa. Ein letztes Mal.Sie steht aufrecht, stark. Ich dagegen bin in diesen verdammten Sessel gesunken, der zu meinem Gefängnis geworden ist.
– Was ist los? Bist du gekommen, um dich zu entschuldigen?
Ich spucke es aus, der Ton trocken, zynisch. Ich spüre schon, dass dieses Gespräch mich zerstören wird.Sie antwortet nicht. Sie reicht mir einen Umschlag. Weiß. Kalt. Tödlich.
– Meine Kündigung.
Die Worte knallen in die Luft. Gewalttätiger als jeder Schlag.
Léa
Er wird blass. Zumindest glaube ich das. Er wendet den Blick ab. Flieht. Zum ersten Mal sehe ich ihn wirklich schwach.– Ich kann nicht mehr, Nathan. Ich habe alles gegeben. Alles. Und du hast nichts gesehen.
Meine Stimme ist fest. Kein Hauch von Zittern mehr. Den Sturm habe ich in dieser Nacht bereits durchlebt.
Er ballt die Fäuste. Sein Blick wird finster.
– Du lässt mich los. Du auch.
Ich lächle, traurig.
– Nein. Du hast mich hinausgedrängt. Du hast gewonnen. Du bist allein.
Ich drehe mich um. Mein Herz bricht bei jedem Schritt.
Nathan
– Bleib. Das Wort erstickt mir im Hals. Zu spät. Zu schwach.Sie bleibt stehen. Aber sie dreht sich nicht um.
– Warum sollte ich bleiben? Um gehasst zu werden? Um mir jeden Tag ins Gesicht gespuckt zu werden? Du hattest nicht einmal den Mut, dich zu entschuldigen.
Ich will ihr schreien, dass es mir leid tut. Dass ich ohne sie am Ende bin. Aber die Worte bleiben stecken.
Sie geht.
Und dieses Mal weiß ich, dass sie nicht zurückkommen wird.
Léa
Die Tür schlägt zu. Dahinter ist alles vorbei.Ich sinke im Aufzug zusammen. Die Tränen steigen auf. Aber ich schlucke sie herunter. Ich habe genug geweint.
Ich gehe. Ich rette mich. Wenn ich bleibe, sterbe ich.
Nathan
Ich starre auf diesen Umschlag. Er brennt mir in den Fingern.Ich öffne ihn. Drei Zeilen. Kein Wort mehr. Nur ihre Unterschrift. Kalt. Distanziert.
Ich lache. Ein bitteres, zerbrochenes Lachen.
Es ist vorbei.
Sie ist gegangen.
Und ich habe nichts mehr.
Nathan
Die Flasche ist leer. Eine Flasche mehr. Ich habe den Überblick verloren. Der Whisky fließt in meinen Adern wie Gift, aber er bringt mir eine Art Trost. Der Alkohol brennt, lässt mich einen Moment lang vergessen. Vergessen den Schmerz meines Körpers, meines Lebens. Vergessen, dass sie gegangen ist.Sie ist gegangen.
Léa. Ich vermisse sie auf eine Weise, von der ich nicht wusste, dass sie möglich ist. Doch ich habe nicht gewusst, wie ich sie halten kann. Ich habe die Liebe zurückgewiesen. Ich habe die Menschlichkeit zurückgewiesen. Ich wollte meine Karriere, meine Macht, meinen Ruhm. Jetzt habe ich nichts davon. Nichts außer der Leere. Der Stille meiner Wohnung. Dem Geräusch des Whiskys, der in ein zerbrochenes Glas fällt.
Ich lehne mich gegen die Couch. Jede Bewegung ist eine Qual. Aber der körperliche Schmerz ist der einzige, der jetzt zählt. Zumindest lässt er mich nicht denken. Ich schließe die Augen und lasse den Alkohol meine Sinne überfluten, mich jeden Tag ein wenig mehr zerstören.
Ich sehe ihr Gesicht. Léa. Ihren traurigen Blick. Ihren hastigen Atem.
Ich liebe dich. Aber ich kann nicht weiter versuchen, dich zu retten. Und ich… ich habe sie entkommen lassen. Ich habe die einzige Person, die mich geliebt hat, weggestoßen. Ich bin ein Idiot. Ein verdammter Idiot.Aber das Verachtenswerte ist, dass ich weiß, dass ich noch tiefer sinken werde. Ich habe nicht die Kraft, aus diesem Loch herauszukommen. Nicht die Kraft zu kämpfen. Ich bin müde. Müde von allem.
Léa
Ich bin hier, in meiner Wohnung, und sehe den Schatten der Nacht, der sich durch das Fenster zieht. Die Stadt leuchtet, ihre Lichter funkeln im Dunkeln. Und ich fühle mich leerer als je zuvor.Ich bin allein. Und diese Einsamkeit ist wie ein langsames Gift. Ich will vorankommen, ich will alles vergessen, was er mir angetan hat, alles, was wir erlebt haben. Aber ich bin zu schwach dafür. Zu schwach, um die Bande zu durchtrennen.
Die Kündigung. Ich habe gehandelt. Ich habe diese Entscheidung getroffen, aber warum fühle ich mich immer noch wie eine Zuschauerin meines eigenen Lebens? Warum diese Leere in mir, dieses Fehlen, dieses ständige Bedürfnis nach ihm? Ich versuche, mich zu überzeugen, dass es das Beste ist. Aber in jedem Moment verfolgen mich sein Gesicht, seine Stimme, seine Hände auf mir. Sie verbrennen mich.
Ich nehme mein Telefon. Ich denke an ihn. Aber ich kann nicht anrufen. Nicht jetzt. Er hat mich zurückgewiesen. Und ich habe zu leicht aufgegeben. Ich schäme mich. Ich schäme mich, ihn immer noch zu lieben, ihn retten zu wollen.
Ich lege das Telefon weg, den Kopf in die Hände. Ich weine. Und ich hasse diese Tränen. Sie machen mich noch schwächer. Jeder Seufzer, jeder Blick, jeder Gedanke bringt mich zu ihm zurück. Aber es ist vorbei. Ich weiß es. Er ist zu weit weg von mir, und ich kann nicht mehr die Person sein, die wartet.
Ich stehe auf und versuche, meinen Schmerz nicht zu zeigen. Ich muss vorankommen. Das ist alles, was mir bleibt.
Nathan
Ich bin betrunken. Völlig betrunken. Mein Kopf dreht sich, der Schmerz in meinen Knochen ist wie eine steigende Flut, aber es ist mir egal. Ich sehe auf meine Hände. Meine Arme. Diese Arme, die mir immer ermöglicht haben, alles zu kontrollieren, alles zu beherrschen. Und jetzt… jetzt sind sie nutzlos.Ich schließe die Augen und spüre das Gewicht meines eigenen Niedergangs. Mein Körper wird von einer Welle unerträglichen Schmerzes überflutet. Aber ich stehe nicht auf. Ich lasse alles mich verbrennen. Denn tief im Inneren ist das, was ich verdiene. Das bin ich. Ein gebrochener Mann, ein König ohne Thron.
Ich habe keine Pläne mehr. Kein Ziel. Nur Tage, die sich vermischen, eine unendliche Dunkelheit und eine eisige Einsamkeit. Léa hat recht. Ich habe sie zurückgewiesen. Ich habe sie zerstört.
Ich habe nicht mehr den Mut, so zu tun, als wäre alles in Ordnung. Der Zorn, die Frustration, alles, was mich geprägt hat… das berührt mich nicht mehr. Ich bin einfach nur müde. Müde, gegen mich selbst zu kämpfen.
Léa
Ich bin draußen, in einem Café, allein. Die Menschen um mich herum reden, lachen, leben ihr Leben, aber ich… ich bin einfach nur hier. Wie eine Zuschauerin. Ein Schatten unter anderen.Ich bin hierher gekommen, um frische Luft zu schnappen, um meinen Gedanken zu entfliehen, um mich zu überzeugen, dass alles gut werden wird. Aber alles ist falsch. Meine Augen suchen immer noch nach ihm. Mein Herz schlägt immer noch für ihn. So sehr ich auch versuche, ihn zu meiden, ihn zu verleugnen, tief in mir weiß ich, dass ich ihn immer noch liebe. Und vielleicht werde ich ihn immer lieben.
Ich höre sein Lachen, ich sehe seinen intensiven Blick, der mich zum Schaudern brachte. Aber wo ist er jetzt? Dieser Nathan existiert nicht mehr. Er hat sich in der Spirale seiner eigenen Zerstörung verloren.
Ich will vorankommen, aber… wie? Wo soll ich anfangen?
Nathan
Ich habe keine Worte mehr. Kein Hoffnung. Nichts mehr. Die Nacht ist unendlich.Ich schaue mich um, die Stille frisst mich auf. Ich will schreien. Alles zertrümmern. Aber alles ist bereits zerbrochen.
Léa hat mich gehen lassen, Sophia hat mich verlassen, und ich… ich bin hier, allein, am zerbrechen. Und niemand wird kommen. Weil ich es so wollte. Weil ich alles zerstört habe.
Ich lasse mich auf den Boden gleiten, der Alkohol löscht mich langsam aus. Aber das ändert nichts. Ich habe nicht die Kraft, mich wieder aufzurichten. Ich warte. Ich warte darauf, dass der Schlaf kommt und mich in einen Abgrund der Dunkelheit trägt.
Léa Ich stehe vor dem Gebäude. Der Hals eng, das Herz zerbrochen. Heute ist das Ende. Ich spüre es. Er weiß es noch nicht, aber ich werde gehen. Für immer.Ich gehe nach oben. Jeder Schritt kostet mich Kraft. Jede Etage erinnert mich daran, was wir waren… was wir nie sein konnten.Die Sekretärin lächelt mir schüchtern zu. Jeder weiß es. Sie hören seine Schreie, seine Wut. Sie sehen die Tränen, die ich hinter einem falschen Lächeln verberge. Aber heute spiele ich nicht mehr.Ich klopfe. Keine Antwort.Ich trete ein.Nathan Ich sehe sie. Sie. Léa. Ein letztes Mal.Sie steht aufrecht, stark. Ich dagegen bin in diesen verdammten Sessel gesunken, der zu meinem Gefängnis geworden ist.– Was ist los? Bist du gekommen, um dich zu entschuldigen? Ich spucke es aus, der Ton trocken, zynisch. Ich spüre schon, dass dieses Gespräch mich zerstören wird.Sie antwortet nicht. Sie reicht mir einen Umschlag. Weiß. Kalt. Tödlich.– Meine Kündigung.Die Worte knallen in die Luft. Gewalttätiger als j
Nathan Ich sehe sie eintreten. Immer dieser zögerliche Schritt, dieses angespannte Gesicht, diese Augen, die meinen ausweichen. Léa. Mein letzter Bezug zur Welt, die ich genauso sehr hasse, wie ich sie anflehe, zu bleiben.Sie setzt sich. Redet über Konten, Verträge, Adrien. Ich höre nicht mehr zu. Ich fixiere ihren Mund, der sich bei jedem Wort verzieht, ihre Stirn, die sich unter dem Versuch, mich davon zu überzeugen, dass das Leben weitergeht, runzelt.Was für ein Witz.Ich unterbreche sie abrupt. – Du bist wirklich pathetisch, Léa. Als ob du das magst, dir ins Gesicht spucken zu lassen.Sie zuckt zusammen. Dann hebt sie den Kopf.Léa Ich schaue ihn an. Und zum ersten Mal fühle ich keine Mitleid mehr. Nur Wut.– Du hast recht. Ich bin pathetisch. Pathetisch, weil ich geglaubt habe, dass noch etwas Menschliches in dir bleibt. Meine Stimme zittert. Ich balle die Fäuste. Meine Nägel graben sich in meine Handfläche. – Ich stehe jeden Morgen auf in der Hoffnung, dass du dich b
NathanIn der Nacht bleibe ich wach. Ich denke an Sophia. An ihr Hochzeitskleid, das niemals getragen wird. An ihre Tränen. An ihre Flucht.Sie hat mich verlassen.Und ich hasse sie so sehr, wie ich sie immer noch liebe.Ich denke an mein früheres Leben. Die Macht. Den Erfolg. Dieses Gefühl, unantastbar zu sein.Ich bin zu einem Geist geworden.Ein König ohne Königreich.Eines Morgens kommt Léa. Sie setzt sich, das Gesicht verschlossen.– Monsieur Levasseur… Sie wollen Sie in ein Rehabilitationszentrum überweisen. Sie müssen unterschreiben.Ich sehe sie nicht einmal an.– Und wenn ich ablehne?– Dann behalten sie Sie hier, wie ein Gemüse.Ich lächle.– Perfekt.Sie explodiert. Endlich.– Scheiße, Nathan! Glaubst du, du kannst so weiter machen? Glaubst du, Sophia wird zurückkommen, wenn du langsam vor dich hinvegetierst? Was willst du, hm? Hier sterben, allein?Die Stille sinkt herab. Kalt. Eiskalt.Ich sage mit dumpfer Stimme:– Hau ab, Léa.Sie bleibt stehen, die Augen voller Tränen,
NathanIch mag es nicht, die Kontrolle zu verlieren. Und heute Abend habe ich das Gefühl, dass alles entgleitet.Sophia wartet im Wohnzimmer auf mich. Schön, eisig. Ihre verschränkten Arme über der Brust sagen alles, was sie nicht schreit.– Du kommst schon wieder zu spät, Nathan.Ich ziehe meine Jacke aus, ohne zu antworten. Wozu? Ich kenne die Szene auswendig. Das gleiche Lied seit Wochen. Die Ehe, die Arbeit, ihre Zweifel.Sie steht auf.– Willst du wirklich heiraten? Denn ich weiß nicht mehr, was ich davon halten soll.Ich starre sie an, ein kaltes Lächeln auf den Lippen.– Bist du fertig? Oder soll ich mir Notizen machen?Sie zittert. Vor Wut oder vor Traurigkeit, das ist mir egal. Ich gehe an ihr vorbei, nehme meine Schlüssel. Heute Abend weigere ich mich zuzuhören.– Wohin gehst du?– Atmen. Weg von dir.Die Tür schlägt zu. Sie bleibt allein. Ich stürze direkt in die Nacht.Der Regen prasselt auf die Stadt. So ein Guss, der die Straßen in Fallen verwandelt.Ich fahre zu schnell
NathanDer trockene Klang der Absätze hallt über den Marmorboden. Ich hebe die Augen von meinem Bildschirm. Sophia. Immer makellos, perfekt gekleidet in ihrem beigen Anzug, der entschlossene Blick einer Frau, die bereits weiß, was sie erreichen will. Und sie wird es erreichen, wie immer.Ich lehne mich in meinen Ledersessel zurück, mein Reich, mein Imperium, dieser Glasturm, der die Stadt überragt. Hier gehört mir alles. Die Entscheidungen. Die Zeit. Die Menschen. Ich bin Nathan Levasseur, und nichts und niemand kann mir widerstehen.– Kommst du heute Abend früh nach Hause? fragt sie, scheinbar leicht.Ich ziehe die Augenbrauen zusammen. Früh existiert nicht in meinem Wortschatz.– Ich habe ein Geschäftsessen.– Du hattest es versprochen… haucht sie.Das Versprechen. Dieses Wort, das zerbricht, sobald es ihren Mund verlässt. Ich hatte nie Zeit dafür. Nicht jetzt. Nicht mit allem, was ich aufbaue.– Dieser Vertrag ist entscheidend, Sophia.Sie strafft sich.– Ich weiß. Alles ist immer







