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Kapitel 3

작가: Rena May
Als Monica ins Büro zurückkehrte, sah sie, dass Calvin gerade Flüge buchte.

„Wo ist Elijah? Und warum buchst du Flugtickets?“

„Er ist im Ruheraum. In einer unserer ausländischen Niederlassungen ist etwas Unerwartetes passiert. Herr Galloway muss sofort hinfliegen.“

Noch bevor Calvin zu Ende sprechen konnte, holte Monica ihren Ausweis aus der Handtasche und reichte ihn ihm.

„Buch mir auch ein Ticket. Ich fliege mit.“

„Wie bitte?“

Calvin hielt inne und sah sie überrascht an.

Monica hob wie selbstverständlich das Kinn.

„Was ist denn? Musst du erst warten, bis Elijah es dir persönlich befiehlt?“

Seit ihrer Rückkehr begleitete sie Elijah beinahe überallhin.

Calvin dachte kurz darüber nach. Schließlich kam ihm ihre Forderung gar nicht mehr so ungewöhnlich vor. Deshalb nahm er ihren Ausweis entgegen.

„In Ordnung.“

Monicas Blick fiel auf den geöffneten Umschlag.

Elijah hatte das Schreiben bereits herausgenommen.

Sie runzelte die Stirn. Sofort trat unverhohlenes Misstrauen in ihre Augen.

Kurze Zeit später kam Elijah in frischer Kleidung aus dem Ruheraum. In der Hand hielt er seine Aktentasche. Mit langen Schritten ging er auf die Tür zu.

Das noch immer zusammengefaltete Kündigungsschreiben hatte er achtlos neben dem Bett abgelegt. Als er seine Sachen zusammensuchte, glitt es unbemerkt zu Boden.

Vanessa suchte im Internet nach Dingen, auf die sie während der Schwangerschaft achten musste. Plötzlich erschien auf ihrem Bildschirm eine Meldung aus den Wirtschaftsnachrichten.

Erst dadurch erfuhr sie, dass Elijah ins Ausland geflogen war.

Kurz vor dem Weihnachten herrschte in der Firma besonders viel Betrieb. Trotzdem ließ Elijah seine Arbeit liegen und reiste gemeinsam mit Monica ab.

Die Medien vermuteten, dass ihre Hochzeit unmittelbar bevorstand. Angeblich flogen die beiden ins Ausland, um sich nach einem geeigneten Veranstaltungsort umzusehen und erste Vorbereitungen zu treffen.

Im vergangenen halben Jahr gab es unzählige Gerüchte über sie.

Vanessa öffnete keinen einzigen dieser Artikel.

Sie wich der Wahrheit bewusst aus.

Doch selbst nach einem halben Jahr brachte sie es bei ihrem zufälligen Treffen im Hotel nicht fertig, Elijah von sich zu stoßen.

Am Ende landete sie wieder mit ihm im Bett.

Jetzt wollte sie nicht länger davonlaufen.

Sie verließ Nordheim ohnehin bald. Dann konnte sie sich der Wahrheit ebenso gut stellen.

Je eher es wehtat, desto eher konnte sie ihre letzte Hoffnung endgültig begraben.

Vanessa öffnete den Artikel und vergrößerte die Fotos.

Elijah trug einen schwarzen Anzug. In einer Hand hielt er einen rosafarbenen Koffer. Über seinem Arm hing außerdem eine Damenhandtasche.

Er stand vor dem Eingang einer Damentoilette.

Vanessa musste nicht lange überlegen. Natürlich wartete er dort auf Monica.

Elijah stand an der Spitze der Ehrenberg-Gruppe. Gleichzeitig war er der älteste Sohn und einzige Erbe der Familie Galloway.

Schon einer dieser Titel genügte, um ihn für gewöhnliche Menschen unerreichbar erscheinen zu lassen.

Dieser Mann würdigte Vanessa kaum eines richtigen Blickes.

Für Monica dagegen wartete er vor aller Augen geduldig vor einer Damentoilette.

Die Fotos waren offensichtlich heimlich aufgenommen worden. Trotzdem wirkte Elijah aus jedem Blickwinkel makellos.

Seine Gesichtszüge waren außergewöhnlich markant. Auf jeder Aufnahme strahlte er eine natürliche Eleganz und unnahbare Vornehmheit aus.

Sogar durch den Bildschirm glaubte Vanessa, seine vertraute Gegenwart zu spüren.

Sie schaltete das Handy aus und legte eine Hand auf ihren Unterbauch.

Ihr Blick fiel auf das schmale Sofa gegenüber. Es war kaum eineinhalb Meter breit.

Nachdem sie und Elijah ihre Ehe eintragen ließen, kehrte Vanessa noch einmal in ihre Wohnung zurück, um ihre Sachen zu packen. Elijah kam persönlich, um sie abzuholen.

Damit rechnete sie damals nicht.

Kurz vor seiner Ankunft hatte sie geduscht. Als er die Wohnung betrat, trug sie nur dünne Kleidung. Ihr Haar war noch feucht.

Der Anblick brachte Elijah um seine sonst so eiserne Selbstbeherrschung.

Auf diesem Sofa schliefen sie zum zweiten Mal miteinander.

Es war das erste und zugleich letzte Mal, dass es in dieser Wohnung geschah.

Vanessa hob die Hand an den Mund und biss nachdenklich auf ihre Fingerspitze.

Sie verdiente gut und sparte in den vergangenen Jahren eine beträchtliche Summe.

Selbst wenn sie mehrere Jahre nicht arbeitete, reichte das Geld aus, um für sich und ihr Kind zu sorgen.

Doch Vanessa wollte sich nicht darauf ausruhen.

Auch in Zukunft wollte sie hart arbeiten und ihrem Kind ein besseres Leben ermöglichen.

Nachdem sie mehrere Tage vergeblich auf eine Antwort zu ihrer Kündigung gewartet hatte, verlor sie allmählich die Geduld.

Unter dem Vorwand einer geschäftlichen Angelegenheit fuhr sie zur Zentrale. Dort wollte sie eine Bekannte aus der Personalabteilung fragen, wie weit ihr Kündigungsverfahren inzwischen bearbeitet war.

Leider kam sie zu einem ungünstigen Zeitpunkt.

Die gesamte Abteilung befand sich in ihrer Abschlussbesprechung. Die Sitzung sollte erst mittags enden.

In ihrer Niederlassung wartete noch eine Menge Arbeit auf Vanessa. So lange konnte sie nicht bleiben.

Gerade als sie sich umdrehte, schloss sich plötzlich eine Hand um ihr Handgelenk.

„Meine liebste Schwägerin! Endlich habe ich dich erwischt!“

Freya Galloway rief die Worte gedämpft aus. Dann zog sie Vanessa in Richtung Treppenhaus und schloss die Tür hinter ihnen.

Das geräuschgesteuerte Licht flammte auf.

Vanessa betrachtete das Mädchen, das beinahe einen halben Kopf größer war als sie und sich trotzdem wie ein Kind an ihre Schulter schmiegte.

„Elijah und ich sind geschieden. Außerdem sind wir fast gleich alt. Nenn mich einfach Vanessa.“

Freya war Elijahs leibliche Schwester und drei Jahre jünger als er.

Vor einem Jahr trat sie in die Firma ein und begann ganz unten. Vanessa half ihr damals mehrmals im Hintergrund, ohne dass jemand etwas davon bemerkte.

Deshalb mochte Freya sie besonders gern.

„Auch nach der Scheidung bleibst du meine Schwägerin! Oma und Opa reden schon ewig von dir. Heute habe ich dich endlich erwischt. Ich nehme sofort frei, und dann fahren wir nach Hause!“

Freya war durchaus in der Lage, genau das zu tun.

Vanessa hielt sie hastig zurück.

„Kurz vor dem Jahresende gibt es besonders viel zu tun. Wenn du jetzt Urlaub beantragst, gefährdest du womöglich deine endgültige Übernahme.“

„Meine liebste Schwägerin ...“

Freya brach ab und korrigierte sich sofort.

„Nein, Vanessa. Komm doch bitte mit nach Hause. Besuch sie wenigstens einmal. Bitte!“

Vanessa konnte ihrem Drängen kaum widerstehen.

„Dann fahren wir heute Abend hin. Einverstanden?“

Ihre Ehe mit Elijah hatte beinahe keine Nachteile gehabt.

Abgesehen davon, dass Elijah sie nicht liebte.

Als er damals auf einer geheimen Ehe bestand, glaubte Vanessa zunächst, dass nicht einmal die Familie Galloway davon erfahren durfte.

Doch direkt nach der Eintragung nahm Elijah sie mit auf das Anwesen seiner Familie.

Sein Vater war wütend, weil Elijah ohne jede Rücksprache heiratete. Am Ende sagte er jedoch nicht viel dazu.

Seine Mutter akzeptierte Vanessa nie wirklich. Schlecht behandelte sie sie allerdings auch nicht. Stattdessen begegnete sie ihr kühl und distanziert.

Elijahs Großeltern dagegen mochten Vanessa sehr.

Einmal pro Woche kehrte das Paar zum gemeinsamen Essen auf das Anwesen zurück. Bei jedem Besuch spürte Vanessa dort die Fürsorge und Wärme, die ihr seit ihrer Kindheit gefehlt hatten.

Nun wollte sie Nordheim verlassen.

Wahrscheinlich kehrte sie danach nie wieder zurück.

Bevor sie ging, konnte sie Elijahs Großeltern wenigstens ein letztes Mal besuchen und sich im Stillen von ihnen verabschieden.

Elijah war ohnehin nicht da.

„Wirklich?“

Nach der Scheidung rief Freya sie unzählige Male an und schickte ihr immer wieder Nachrichten. Vanessa lehnte bisher jede Einladung auf das Galloway-Anwesen ab.

„Du willst mich nicht wieder loswerden, oder?“

Vanessa lächelte und richtete die Schleife an Freyas Kleidung.

„Wann habe ich dich jemals angelogen?“

Kaum waren die Worte ausgesprochen, zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen.

Normalerweise log Vanessa tatsächlich nie.

Doch Elijah erzählte sie diesmal eine gewaltige Lüge.

Eine Lüge, für die er sie am liebsten auf der Stelle hinrichten würde, sobald er die Wahrheit erfuhr.

„Gut! Dann rufe ich sie sofort an!“

Freya war von Natur aus naiv und unkompliziert.

Sie verstand nicht, dass Vanessa nach der Scheidung nicht mehr zur Familie Galloway gehörte und deshalb nicht ständig in deren Haus auftauchen konnte.

Vanessa gab innerlich nach.

Nur dieses eine Mal.

Nachdem sie die Zentrale verlassen hatte, fuhr sie zurück zu ihrer Niederlassung. Unterwegs kam sie an einer Konditorei vorbei und kaufte das Gebäck, das Elijahs Großeltern besonders gern mochten.

Um sieben Uhr abends war es bereits dunkel.

Auf dem weitläufigen Anwesen der Familie Galloway brannten überall die Lichter.

Kaum saß Vanessa im Wohnzimmer, hallte Megan Galloways wütendes Schimpfen durch die gesamte Villa.

„Dieser verdammte Junge! Er hatte eine so wunderbare Frau und wusste sie nicht zu schätzen. Ich will sehen, wie er den Rest seines Lebens allein verbringt!“

Nach der Scheidung rief Megan Vanessa bereits einmal an und beschimpfte Elijah ausführlich.

Nun saß Vanessa vor ihr und hörte erneut, wie Megan ihrem Enkel die gesamte Schuld gab.

Das wurde ihr zunehmend unangenehm.

„Megan, ich war wirklich diejenige, die die Scheidung verlangt hat.“

Während ihrer Ehe verlief beinahe jeder Besuch auf dem Anwesen auf ähnliche Weise.

Elijahs Großeltern sahen ihn streng an und tadelten ihn. Gleichzeitig überschütteten sie Vanessa mit Zuneigung.

Elijahs Eltern waren darüber meistens wenig erfreut.

Inzwischen waren sie bereits geschieden. Trotzdem schimpften die beiden weiterhin seinetwegen.

„Wenn mein Bruder dich gut behandelt hätte, hättest du dich doch gar nicht scheiden lassen!“

Freya stellte einen Obstteller auf den Tisch und unterstützte ihre Großeltern bereitwillig bei jeder Anschuldigung gegen Elijah.

Vanessa warf ihr einen warnenden Blick zu.

Sie hoffte, dieses verwöhnte Mädchen würde wenigstens für einige Minuten schweigen.

Elijahs Großvater John Galloway bemerkte, wie unwohl Vanessa die Situation war, und wechselte das Thema.

„Vanessa, hast du dich inzwischen an die Arbeit in der Niederlassung gewöhnt?“

„Ja.“

Vanessa nickte.

„Megan, John, ihr müsst gut auf eure Gesundheit achten. Bei mir ist alles in Ordnung.“

Megan nahm sofort Vanessas Hand und betrachtete sie besorgt.

„Warum bist du so dünn geworden? Arbeitest du zu viel? Kannst du nicht auf eine andere Position wechseln? Du bekommst weiterhin das Gehalt einer Geschäftsführerin, musst aber nur halb so viel arbeiten! Und warum hast du dir bei der Scheidung nicht die Hälfte seines Vermögens geben lassen?“

Wer die Hintergründe nicht kannte, musste Megan für Vanessas leibliche Großmutter halten.

Die Hälfte von Elijahs Vermögen genügte vermutlich, damit Vanessa und ihre Nachkommen mehrere Leben lang keinen Finger mehr rühren mussten.

Da die Scheidung ohnehin nicht mehr rückgängig zu machen war, beschimpften Megan und John Elijah nur noch ein paar Mal.

Danach erkundigten sie sich nach Vanessas Leben in den vergangenen Monaten. Außerdem erzählten sie von Freya und von den kleinen, amüsanten Dingen, die sich zwischen ihnen ereigneten.

Die Stimmung wurde allmählich entspannter.

Gerade als sich alle angeregt unterhielten, erklang plötzlich das tiefe Brummen eines Motors im Hof.

Vanessa wandte den Kopf zum Fenster.

Ein vertrauter Bugatti fuhr vor dem Haus vor.

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