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Kapitel 4

작가: Rena May
Noch bevor jemand im Wohnzimmer reagieren konnte, erklangen Schritte aus dem oberen Stockwerk.

Elijahs Mutter Amy Galloway eilte die Treppe hinunter.

Obwohl sie beinahe fünfzig war, hatte sie eine ausgezeichnete Figur. Dank ihrer sorgfältigen Pflege sah sie höchstens wie eine Frau Mitte dreißig aus.

Sie warf sich lediglich einen roten Schal um die Schultern und ging hinaus, um die Ankömmlinge zu begrüßen. Die Außentemperatur von mehr als zehn Grad unter null schien sie nicht im Geringsten zu stören.

Erst als die grellen Scheinwerfer erloschen, erkannte Vanessa, dass Elijah nicht allein gekommen war.

Monica stieg gemeinsam mit ihm aus dem Wagen.

Amy, die Vanessa gegenüber stets kühl und überlegen auftrat, ließ sich bereitwillig von Monica unterhaken.

Elijah lächelte. Er ging um den Wagen herum, holte mehrere Einkaufstüten aus dem Kofferraum und wartete geduldig, während die beiden Frauen einander begrüßten.

Der Anblick versetzte Vanessa einen schmerzhaften Stich.

Sie wandte den Blick ab und fühlte sich plötzlich vollkommen fehl am Platz.

Elijah brachte seine neue Partnerin mit nach Hause.

Was hatte seine Exfrau dann noch hier zu suchen?

Zum Gehen war es jedoch bereits zu spät. Sie mussten einander zwangsläufig begegnen.

„Hat Elijah sich etwa nicht richtig um dich gekümmert? Warum bist du so dünn geworden?“

Amys Stimme kam immer näher.

„Wenn er dich schlecht behandelt, wie soll ich das deiner Familie erklären?“

Das Klacken hoher Absätze näherte sich. Monica lachte verspielt.

„Meine Mutter macht sich doch nur Sorgen, dass ich Elijah bei der Arbeit störe. Ob ich dünner geworden bin, interessiert sie überhaupt nicht. Haben wir vielleicht als Kinder die Mütter vertauscht? Ihr seht immer nur das Kind der jeweils anderen. Für eure eigenen Kinder habt ihr gar keine Augen!“

Amy lachte amüsiert und tätschelte Monica den Handrücken.

Doch sobald die beiden das Wohnzimmer betraten, verstummte ihre fröhliche Unterhaltung.

Elijah kam mit den Einkaufstüten hinter ihnen herein.

Als er Vanessa sah, hielt er abrupt inne. Seine Brauen zogen sich leicht zusammen.

Mit ihrem Eintreten endete die ausgelassene Stimmung im Wohnzimmer.

Doch vor allem die Vertrautheit zwischen Amy und Monica erhielt durch Vanessas Anwesenheit einen deutlichen Riss.

„Amy, ihr habt Besuch.“

Monica erkannte Vanessa sofort.

Sie war noch schöner, als Monica erwartet hatte.

Vanessa musste nichts sagen und nichts tun. Allein ihre Anwesenheit genügte, um andere Frauen nervös und eifersüchtig zu machen.

Kein Wunder, dass Elijah sie geheiratet hatte.

Vanessa wusste nicht, ob Amy sie beim Hinuntergehen tatsächlich übersehen hatte oder lediglich so tat.

Jedenfalls verschwand ihr Lächeln auf der Stelle.

„Was machst du hier?“, fragte sie unzufrieden.

„Ich habe Vanessa eingeladen.“

Freya stand auf und stellte den Obstteller auf den Couchtisch.

„Was ist denn dabei? Darf ich keine Freundin mit nach Hause bringen?“

Amy warf Freya einen strengen Blick zu.

„Natürlich darfst du Freunde mitbringen. Aber du musst nicht jeden beliebigen Menschen ins Haus schleppen.“

Dann zog sie Monica mit sich zum Sofa.

Elijah betrachtete Vanessa einige Sekunden lang. Sein dunkler Blick blieb undurchdringlich. Anschließend stellte er die Einkaufstüten auf den Couchtisch.

„Unterhaltet euch. Ich muss oben noch etwas erledigen.“

Er drehte sich um und ging die Treppe hinauf.

„Megan, John, Elijah und ich sind gerade aus Morgensland zurückgekommen. Wir haben euch extra Geschenke mitgebracht!“

Monica stand auf und zog die Einkaufstüten zu sich.

Für jedes Mitglied der Familie Galloway hatte sie ein Geschenk gekauft. Nun verteilte sie die Päckchen nacheinander.

Freya mochte Monica nicht. Sie nahm ihr Geschenk entgegen, murmelte ein knappes „Danke“ und legte es achtlos beiseite.

Megan und John gehörten jedoch zur älteren Generation. Außerdem galt Monica praktisch schon als ihre zukünftige Schwiegerenkelin. Deshalb wechselten sie einige höfliche Worte mit ihr.

„Ich wusste doch, dass euch die Sachen gefallen würden. Dann habe ich offenbar genau das Richtige ausgesucht.“ Monica lächelte strahlend. „In Zukunft begleite ich Elijah bestimmt häufiger ins Ausland. Dann bringe ich euch noch mehr mit.“

Sie reichte Amy die letzte Einkaufstüte.

„Das ist für Elijahs Vater. Amy, bewahrst du es bitte für ihn auf?“

Amy strahlte über das ganze Gesicht.

„Du bist wirklich aufmerksam. Elijah reist ständig durch die Welt und denkt nie daran, uns etwas mitzubringen.“

Freya schnaubte leise und beugte sich zu Vanessa.

„Als du ihr früher Geschenke mitgebracht hast, hat sie auch nie so gestrahlt.“

Vanessas Hand lag seitlich an ihrem Körper. Ihre Finger krallten sich fest in den Stoff ihrer Kleidung.

Monica stammte aus einer angesehenen Familie. Sie war schön, charmant und wusste genau, was sie sagen musste.

Vor allem war sie die Frau, die Elijah liebte.

Es war nur natürlich, dass Amy sie mochte.

Vanessa dagegen besaß weder einen angesehenen familiären Hintergrund noch das Talent, sich mit süßen Worten bei anderen einzuschmeicheln.

Sie unterdrückte ihre Gefühle und schenkte Freya ein schwaches Lächeln.

Nach außen hin saß sie ruhig da. Innerlich hielt sie es kaum noch aus.

Sobald sich eine passende Gelegenheit bot, stand sie auf.

„Megan, John, Frau Galloway, Fräulein Wainscott, ich verabschiede mich. Ich möchte Sie nicht länger stören.“

Sie nahm ihre Tasche.

Auf Megans Gesicht zeigte sich sofort deutliche Enttäuschung.

„Du wolltest doch zum Essen bleiben.“

„Heute lieber nicht. Ich habe noch etwas zu erledigen.“

Vanessa neigte vor Megan und John leicht den Kopf.

„Ich wünsche euch schon jetzt ein gesundes und glückliches neues Jahr. Passt gut auf euch auf.“

In Gedanken fügte sie ein schweres Lebt wohl hinzu.

Megan ließ sie nur ungern gehen. Doch sie verstand, dass Vanessa sich nach Elijahs Rückkehr unwohl fühlte. Deshalb hielt sie sie nicht auf.

„Freya, begleite sie hinaus.“

Freya nickte und stand auf.

„Das ist nicht nötig.“

Vanessa bemerkte, wie sich Amys Gesicht erneut verfinsterte.

Sie beschleunigte ihre Schritte. Doch kaum wechselte sie im Eingangsbereich ihre Schuhe, ertönte Elijahs Stimme vom Treppenabsatz im zweiten Stock.

„Vanessa.“

Schlagartig wurde es im gesamten Erdgeschoss vollkommen still.

Vanessas Körper erstarrte.

Sie hob den Kopf und sah zu ihm hinauf.

Elijah stand am oberen Ende der Treppe. Die obersten Knöpfe seines schwarzen Hemdes waren geöffnet. Dadurch wirkte er etwas ungezwungener als sonst, ohne etwas von seiner vornehmen Ausstrahlung zu verlieren.

Monica erhob sich vom Sofa.

Sie biss sich leicht auf die Unterlippe und blickte zuerst Vanessa, dann Elijah an.

„Ich muss noch arbeiten. Schreib für mich das Sitzungsprotokoll.“

Vanessa zog die schmalen Brauen zusammen.

„Herr Galloway, ich habe seit Langem nichts mehr mit den Vorgängen in der Zentrale zu tun. Wahrscheinlich kann ich der Sitzung nicht richtig folgen.“

Im oberen Stockwerk brannte kein Licht.

Elijah stand im Halbdunkel. Sein Gesicht war kaum zu erkennen.

Offenbar hatte er es eilig.

„Warum redest du so viel? Komm endlich hoch.“

Danach drehte er sich um und kehrte in sein Arbeitszimmer zurück.

Vanessa presste die Lippen zusammen.

Sie spürte zwei unzufriedene Blicke aus dem Wohnzimmer auf sich ruhen. Einen Moment lang zögerte sie, ob sie seiner Aufforderung wirklich folgen sollte.

„Vanessa, geh schon!“

Freya packte sie am Arm und zog sie die Treppe hinauf.

„Sonst zwingt mein Bruder am Ende mich dazu. Danach beschwert er sich wieder, dass mein Protokoll unbrauchbar ist!“

Wenn Elijah gelegentlich von zu Hause aus arbeitete, musste Freya ihm häufig helfen.

Ablehnen durfte sie nicht.

Und wenn sie ihre Aufgabe nicht gut genug erledigte, wurde sie dafür auch noch gerügt.

Freya betrachtete Vanessa als ihre Rettung. Kurzerhand schob sie sie in Elijahs Arbeitszimmer und zog die Tür mit einem lauten Knall zu.

Das Geräusch fiel vermutlich etwas zu heftig aus.

Elijah hob langsam die Lider und blickte zur Tür.

Vanessa trug eine weite schwarze Daunenjacke und eine flauschige weiße Mütze. An den Füßen hatte sie flache Schuhe.

Früher erschien sie beinahe immer in hohen Absätzen und formeller Geschäftskleidung. Selbst bei eisigen Temperaturen trug sie höchstens einen Wollmantel darüber.

Sie wirkte jederzeit wie eine makellose Geschäftsfrau.

Elijah dachte kurz an ihre beiden Ehejahre zurück.

Selbst in ihrer Freizeit sah er sie nie in flachen Schuhen oder einer Daunenjacke.

„Bist du heute nicht bei der Arbeit?“

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