ログインHUNDERTEINUNDSECHZIG!Deborah warf sich nach vorn, ihre roten Röcke raschelten leise auf dem Stein.„Eure Majestät, glaubt diesem Wahnsinnigen kein Wort!“, rief Deborah, ihre Stimme überschlug sich zu einem panischen, durchdringenden Schrei. Sie sank vor dem Podium auf die Knie, ihre manikürten Hände zitterten, als sie sich an den Rand ihres bestickten Mantels klammerten. „Derek lügt! Er hat mich die ganze Zeit manipuliert! Er hat mich in den dunklen Gängen in die Enge getrieben, mir üble Drohungen ins Ohr geflüstert und gesagt, er würde mir etwas antun und den Namen meiner Familie ruinieren, wenn ich nicht täte, was er mir befahl! Ich war nur ein Opfer seiner Bosheit!“Ein neues, grobes Gemurmel erfü
HUNDERTSECHZIG!Die große Halle verstummte, als König Duke seinen schweren Eisenhandschuh hob. Die Stirn des alten Königs legte sich in tiefe Falten. Von seinem hohen Thron blickte er herab, seine scharfen, bernsteinfarbenen Augen huschten zwischen meiner steifen Haltung und Dereks unsicherem Gang hin und her.„Ruhe in diesem Saal!“, befahl der König, seine Stimme hallte wie Donner durch die Steinbögen. „Wenn hier Hochverrat vorgebracht wird, wird die Krone davon hören. Sprich, Alice. Aber wisse: Wenn du die Zeit dieses Rates mit haltlosen Anschuldigungen verschwendest, wird deine Strafe schnell kommen.“„Ich akzeptiere Eure Bedingungen, Eure Majestät“, sagte ich mit ruhiger Stimme, die bis in die entfernteste Ecke der Galerie deutlich zu hör
HUNDERTNEUNUNDFÜNFZIGDer große Ratssaal des Draven-Palastes war überfüllt.Vernarbte Lykanergeneräle, uralte Ratsälteste und hochrangige Rudelführer der nördlichen Bergkämme saßen um den halbmondförmigen Tisch aus poliertem schwarzem Granit. Sonnenlicht strömte durch die hohen Buntglasfenster und beleuchtete die Banner mit silbernen Drachenaugen, die von der gewölbten Decke hingen.König Duke saß am Kopfende des Saals auf seinem massiven eisernen Thron, der auf einem Podest aus dunklem Marmor stand. Prinzessin Isabella stand neben ihm, ihr Gesichtsausdruck ernst und wachsam, ihre dunklen Augen huschten nervös durch die Versammlung. Prinz Zane saß auf einem niedrigen, geschnitzten Stuhl zur Rechten des Königs. Sein Gesicht war noch immer fahl von dem Gift, das
HUNDERTACHUNDFÜNFZIG!Die Morgensonne lugte durch die Samtvorhänge und tauchte die polierten Dielen in ein fahles Gelb. Derek stöhnte schwer und trocken und rührte sich auf der Matratze. Seine Lider flatterten und zwangen sich gegen das helle Licht auf. Er streckte die Hand über die Seidenlaken aus, in der Erwartung, warme Haut neben sich zu spüren, doch seine Finger berührten nur kaltes Leinen. Er stützte sich auf einen Ellbogen, sein Kopf pochte, als hätte man ihm einen Eisennagel zwischen die Ohren getrieben. Als er über die Kante des Holzrahmens hinunterblickte, erstarrte er. Ich lag auf einer dicken Wolldecke auf dem Boden direkt neben dem Bett. Meine Knie waren angezogen, mein dunkles Haar fiel mir über die Schultern, mein Gesicht war dem fahlen Sonnenlicht zugewandt.&nb
HUNDERTSEITFÜNFZIG!Wir kauerten hinter dem dichten Vorhang aus Holundersträuchern, die nassen Blätter kalt an unseren Gesichtern, und beobachteten die Bande von Halunken, die auf der Lichtung auf und ab gingen.„Wir brauchen eine saubere Ablenkung“, flüsterte Mark, die Knöchel knochenweiß um den Schwertgriff. „Wenn wir die Hälfte von ihnen den Bach entlangziehen, kann Alice zwischen den Felsen hindurchschlüpfen und zum Höhleneingang gelangen.“„Nein“, flüsterte Kane, seine bernsteinfarbenen Augen folgten den beiden Spähern, die auf dem hohen Kalksteinvorsprung saßen. „Der Wind weht aus Süden. Sobald ihr euch dem Ufer nähert, werden die höheren Wöl
HUNDERTSECHSUNDFÜNFZIG!Das war alles Teil des Plans.Guter Plan.Ein gut durchdachter Plan!Die Palastgänge waren dunkel und still. Selbst der große Kriegsbär, der im unteren Hofgehege gehalten wurde, schlief um diese späte Stunde tief und fest; sein lautes Schnarchen hallte nur noch leise durch die steinernen Lüftungsschlitze.Ich stand mit dem Rücken zur Wand, meine weichen Lederstiefel glitten lautlos über die Kufen.Wie wir vor unserem inszenierten Streit im Flur vereinbart hatten, war die schwere Eichentür zu K







