MasukMit meinem Wolf in mir wach war jede Bewegung, die ich machte, schneller, flüssiger, als würde ich durch die Küche gleiten. Meine Sinne waren auch schärfer – ich konnte das leise Murmeln von Gesprächen aus dem Speisesaal hören, nicht nur die üblichen Schreie oder lautes Lachen, die früher alles waren, was ich auffangen konnte.
Ich trug die Frühstückstabletts hinaus, behielt die Augen gesenkt, während ich Teller vor den Rudelmitgliedern absetzte. Adrian war nicht da, aber ich stellte seine und Katrinas Teller trotzdem hin, dann drehte ich mich um, um den Rest aus der Küche zu holen. Als ich zurückkam, die Tabletts vorsichtig in den Händen balancierend, sah ich sie zusammen die Treppe herunterkommen, Hand in Hand. Mein Atem blieb mir im Hals stecken, als hätte mich jemand in die Brust geschlagen. Ich erstarrte, starrte Adrian an, als er seine Hand von Katrinas wegriss, als hätte ihre Berührung ihn verbrannt. Er begann auf mich zuzugehen, langsam und bedächtig, die Luft zwischen uns wurde schwer, dick von etwas, das ich nicht benennen konnte. Für den Bruchteil einer Sekunde sah ich es – seinen Wolf, der an die Oberfläche stieg, seine Augen blitzten mit etwas Wildem. Er kämpfte dagegen an, versuchte, ihn hinunterzudrücken. In meinem Kopf rief Alexas Stimme *Mate, Mate, Mate*, immer wieder, ihre Aufregung hallte durch mich. Aber ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht atmen, war wie festgenagelt an Ort und Stelle, während er die Distanz schloss. Er blieb nur wenige Zentimeter entfernt stehen, nah genug, dass ich die Hitze spüren konnte, die von ihm ausging. Seine Augen fixierten sich auf meine, lodernd mit einer Mischung aus Feuer und Hunger, als sähe er mich zum ersten Mal. Aber dann, genauso schnell, verwandelte sich dieses Feuer in Wut, sein Kiefer spannte sich an. Ich machte mich bereit, erwartete einen Ausbruch, ein grausames Wort, etwas, das mich niedermachen würde. Stattdessen öffnete er den Mund, schloss ihn dann wieder, sagte kein einziges Wort. Er streifte an mir vorbei, seine Schulter streifte meine, und ging weiter, warf nicht einmal einen Blick auf den Tisch, an dem die anderen aßen. Katrinas Kopf schnellte zu mir herum, ihre Augen schossen Dolche, während sie hinter ihm herstürmte. „Was zum Teufel geht hier vor?“ schrie sie, ihre Stimme scharf genug, um den Raum zu durchschneiden, ihr Blick beschuldigte mich wegen etwas, das ich nicht einmal laut gesagt hatte. Ich stand da, das Herz pochte, Alexa winselte in meinem Kopf. *Er wird uns zurückweisen,* sagte ich zu ihr, mein Magen verdrehte sich bei dem Gedanken. Ihre leisen Winsel lauten widerhallten meinem eigenen Schmerz, die Art, wie er einfach ohne ein Wort hinausgegangen war, stach mehr, als ich zugeben wollte. Ich zwang mich zu bewegen, setzte den Rest der Teller ab und zog mich in die Küche zurück, meine Hände zitterten, während ich mich an die Kante der Theke klammerte. Der Rest des Tages zog sich hin, und ich sah Adrian nicht wieder. Nicht ein einziges Mal. Aber Katrina tauchte natürlich auf. Sie pflanzte sich in den Küchen-Türrahmen, stand einfach nur da und starrte mich an, was sich wie eine Ewigkeit anfühlte. Ihre Augen waren kalt, berechnend, als würde sie irgendeinen Plan in ihrem Kopf zusammenbasteln. Hatte er es ihr gesagt? fragte ich mich, mein Kopf raste. Wusste sie, was Alexa gespürt hatte, was ich zu ängstlich war, laut auszusprechen? Ich sprach nicht mit ihr – was gab es zu sagen? Anfangen zu erklären, dass ich das nicht geplant hatte, dass ich ihren Mann nicht wollte? Auf keinen Fall. Außerdem brannte jeder Teil von mir bei dem Gedanken an sie in der Nähe von Adrian, meinem Mate. Ich wollte sie von ihm wegreißen, beanspruchen, was mir gehörte. Aber dann traf mich die Frage, laut und schwer: War er wirklich mein Mate? War er es wert, darum zu kämpfen, wenn er mich so ansehen konnte, mit Wut statt mit irgendetwas anderem, und dann ohne ein Wort weggehen konnte? Ich behielt den Kopf gesenkt, hackte Gemüse, rührte Töpfe, alles, um meine Hände beschäftigt zu halten, während meine Gedanken wirbelten. Die Wahrheit war, ich wusste nicht, ob Adrian es wert war. Wenn er herausfand, dass ich sein Mate war und seine erste Reaktion Wut war und er dann ohne ein Wort abhieb, was sagte das über ihn aus? Über uns? Ich war nicht dumm genug zu glauben, er würde mich über Katrina wählen, seine auserählte Luna, die, mit der er seit Jahren zusammen war. Die, die in seine Welt passte, sein Rudel, sein Leben. Während ich nur die Waise war, die Dienerin, das Mädchen, auf das alle herabschauten. Die Nacht kam schnell, und ich rang immer noch mit dem Plan, den ich so lange gehabt hatte – wegzulaufen, sobald ich achtzehn wurde. Das war der Deal, oder? Meinen Wolf bekommen, raus, Iron Fang und all sein Gift hinter mir lassen. Aber jetzt, mit Alexa in meinem Kopf, war es nicht so einfach. Sie war den ganzen Tag still, ihr üblicher Funke gedimmt, und ich wusste, dass das sie härter traf als mich. Mein Wolf war an Adrian gebunden und die Idee, ihn zurückzulassen, zerfetzte sie. Ich konnte es spüren, wie ein Schmerz tief in meinen Knochen. *Wir sollten bis morgen warten,* sagte Alexa endlich, ihre Stimme weich, durchbrach die Stille, die sich zwischen uns gelegt hatte. *Er könnte uns akzeptieren.* Ich wusste nicht, wie ich antworten sollte. Ein Teil von mir wollte ihr glauben, an diesen winzigen Fetzen Hoffnung festhalten. Aber ein anderer Teil – der Teil, der Jahre damit verbracht hatte, herumgestoßen, ignoriert und gedemütigt zu werden – wollte ihr sagen, dass sie falsch lag. Dass Adrian nicht umkehren würde, dass er seine Wahl lange getroffen hatte, bevor ich meinen Wolf bekam. Trotzdem konnte ich mich nicht dazu bringen, mit ihr zu streiten. Ich schleppte meinen Eimer Wasser hoch in mein Dachboden-Zimmer, wie jeden Abend, und nahm ein schnelles Bad, spritzte kaltes Wasser über meine Haut. Keine schicken Seifen, kein langes Einweichen – gerade genug, um den Tag abzuwaschen. Ich schlüpfte in eines meiner abgetragenen T-Shirts, der Stoff weich von zu vielen Wäschen. Dann kroch ich in mein schmales Bett, zog die dünne Decke über mich. Ich starrte an die Decke, wollte den Schlaf herbeizwingen, aber mein Kopf hörte nicht auf. Adrians Gesicht blitzte immer wieder in meinem Kopf auf – diese brennenden Augen, die Art, wie er sich vom Sprechen abgehalten hatte, die Wut, die die Oberhand gewonnen hatte. Und Katrinas Blick, als wüsste sie bereits etwas, das ich zu ängstlich war zuzugeben. Ich wollte weglaufen. Zur Hölle mit ihnen allen – Adrian, Katrina, dem ganzen Rudel. Ich könnte gehen, irgendwo neu anfangen, nur ich und Alexa. Aber mein Wolf machte es mir nicht leicht. Sie hielt fest, klammerte sich an die Idee unseres Mates, und ich wusste nicht, wie ich dagegen ankämpfen sollte. Also lag ich da, die Augen schwer, das Herz schwerer, und wartete darauf, dass der Schlaf mich hinunterzog.In der Zwischenzeit, an einem Ort, der nach Endgültigkeit stank – wie das eigene Versteck des Todes, kahl und unerbittlich – versammelten sich Kreaturen in unheimlicher Stille. Allerlei drängten sich zusammen: massige Bestien mit verdrehten Gliedern, kleinere mit leeren Blicken, eine Mischung aus Schrecken, die nicht in die lebende Welt gehörten. Sie standen absolut still, kein Sich-Rühren oder Atemgeräusche, nur erstarrte Formen, die auf das Wort ihres Meisters warteten. Keine Interaktionen gingen zwischen ihnen vor, kein Nicken, kein Blick, nur dieses einheitliche Warten, wie heruntergefahrene Maschinen. Eine Kreatur, ihr Körper jenseits der Wiedererkennung verstümmelt, hielt die Position ohne ein Zucken, ihre Augen leere Teiche. Eine andere, schmächtiger, aber nicht weniger bedrohlich, trug Spuren eines vergangenen Lebens, jetzt ausgelöscht. Die Versammlung fühlte sich falsch an, eine Perversion der Natur, ihre Stillheit ein Zeichen tieferer Kontrolle.Keine unabhängigen
Perspektive der dritten PersonDer Anblick von Ashley, die in diesen gnadenlosen Riss verschwand, schickte Angst wie eine kalte Klinge durch die Krieger, jeder für einen Herzschlag erstarrt, während sie den Albtraum wiedererlebten, wie ihre Mitpackmitglieder einer nach dem anderen verschwanden. Gesichter, die sie kannten – Freunde, mit denen sie Mahlzeiten geteilt, neben denen sie trainiert hatten – in Sekunden weg, Schreie hallten nach und verstummten dann für immer. Es war nicht nur Verlust; es war die bauchzerrende Erkenntnis, dass jeder von ihnen der Nächste sein konnte, dass der Boden, dem sie vertrauten, zum Verräter wurde. Sieg? Es schien jetzt wie ein grausamer Witz, der mit jedem Spalt in der Erde, jeder Kreatur, die ohne Ermüdung angriff, weiter wegrutschte. Ein Krieger, ein älterer Kämpfer mit Narben aus vergangenen Schlachten, biss die Zähne zusammen und schwang seine Klauen härter, aber innerlich nagte die Verzweiflung an ihm. Er hatte schon Pack
Meine Augenlider fühlten sich schwer an, als ich sie Stück für Stück aufbrach, meine Sicht verschwamm zuerst, bevor sie sich scharf stellte. Was zum Teufel passierte hier? Mein Verstand tastete nach Antworten und setzte die letzten Momente zusammen – den Sturz, den endlosen Fall in diesen gespaltenen Boden, die Schreie, die über mir verblassten. Aber das war nicht das, was ich erwartet hatte. Ich war nicht unter geborstener Erde begraben, kein Schutt drückte auf mich, kein Dreck füllte meine Lungen, wie ich befürchtet hatte. Stattdessen war alles... sauber, fast zu ordentlich. Der Lärm der Schlacht war vollständig verschwunden – keine Knurren mehr, kein Klirren von Klauen, keine verzweifelten Rufe von Kriegern. Hier war es völlig still, eine unheimliche Stille, die mir eine Gänsehaut bereitete.Wo war ich? Hatte ich mir beim Sturz den Kopf härter angeschlagen, als ich dachte? Meine Gedanken kreisten, versuchten, sich an etwas Vertrautes zu klammern, aber nichts passte. Alex
Ich versuchte, mich von ihm wegzubewegen, Distanz zwischen uns zu bringen, während ich immer noch mit drei der Kreaturen im Kampf war. Sie schienen sich zu vermehren, eine wurde zu zwei, dann mehr, ihre Formen verschoben sich auf Weisen, die der Logik widersprachen. Ich wich aus und schlug zu, versuchte, Adrian aus meinem peripheren Blickfeld zu halten, aber dieses Kribbeln folgte wie ein Schatten. Warum konnte ich ihn nicht abschütteln? Die Bindung verspottete mich, selbst im Kampf. Dann füllte sich plötzlich die Luft mit einer Menge menschlicher Schreie – unsere Leute, nicht die Kreische der Kreaturen. Der Laut durchbohrte mich, roh und verzweifelt, und ich drehte mich gerade rechtzeitig um, um zu sehen, wie der Boden sich öffnete. Ich meine, sich genau dort in zwei spaltete, ein klaffender Riss, der Krieger verschlang, während sie kämpften. Ihre Gesichter verzogen sich vor Schock, Arme zuckten, bevor die Erde sich wieder schloss und sie lebendig begrub. Mein Blut gefror
Ashleys POVMein Herz pochte unregelmäßig, übersprang Schläge, als könnte es sich nicht entscheiden, ob es vorauseilen oder komplett aussetzen sollte, während ich von Adrian wegging. Ich zwang mich, die Winselgeräusche meiner Wölfin Alexa in meinem Kopf zu ignorieren – sanfte, flehende Laute, die an mir zerrten, aber die Sache nicht erzwangen. Sie schob mich nicht mit jener wilden Dringlichkeit zurück zu ihm, die manche Wölfe hatten; es war subtiler, ein stilles Achzen der Gefährtenbindung, von dem ich wusste, dass es sie genauso belastete wie mich. Tief innen spürte ich ihren Konflikt, die Art, wie die Bindung an ihren Instinkten zerrte, trotz allem. Als ich vorhin angefangen hatte, ihn abzulehnen, hatte sie sich nicht dagegen gewehrt, hatte sich nicht an die Oberfläche gekrallt, um die Worte zu stoppen. Stattdessen hatte sie sich nur gestählt, sich auf den kommenden Schmerz vorbereitet wie ein Soldat vor der Schlacht. Das ließ Schuld in meinem Bauch rotiere
„Du hast mich abgelehnt, Adrian, erinnerst du dich? Aber du hast dich geweigert, es mich akzeptieren zu lassen. Es war dein Wunsch, mich mit dem Schmerz und der Schande der Ablehnung leben zu sehen, aber es sieht so aus, als hätte unsere liebe Mondgöttin andere Pläne.“ Sie sagte es mit einem Lächeln, dieser ruhigen, wissenden Kurve ihrer Lippen, die tiefer schnitt als jeder Schrei es hätte tun können. Ihre Worte landeten wie Steine in meiner Brust, jedes einzelne schwer von der Wahrheit, der ich so lange auszuweichen versucht hatte. Ich stand da, hielt mich kaum zusammen, mein Kopf kreiste von der Ablehnung, die sie gerade so beiläufig herausgeschleudert hatte. Ablehnung. Das Wort hallte in meinem Kopf wider und stellte alles auf den Kopf. Ich war derjenige gewesen, der sie zuerst weggestoßen hatte, damals, als ich dachte, ich wüsste es besser, als mein Stolz mich dafür blind gemacht hatte, was sie wirklich bedeutete. Und jetzt drehte sie es gegen mich um, bereit, es







