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Mach das sauber

Author: POLYCARP
last update publish date: 2026-08-22 06:45:16

(Aus Velias Sicht)

KNALL.

Die letzte Kugel verließ den Lauf und traf ihn genau in die Stirn.

Ich hatte wieder getötet.

Meine Finger umklammerten die Pistole fester, bis sich der Griff in meine Handfläche bohrte. Das vertraute Gefühl breitete sich in meinem Magen aus – schwer, kalt und Übelkeit erregend. Irgendwo gab es Menschen, die auf die Rückkehr dieser Männer warteten. Menschen, die niemals eine Antwort erhalten würden.

Ich wartete darauf, dass Aldrich mich von sich stieß.

Sekunden vergingen. Sein Atem war noch immer warm auf dem Stoff meines Kleides.

Meine Schultern blieben angespannt; ich war verwirrt, weil die Zurückweisung ausblieb.

Dann löste er sich von mir, als hätte meine Haut ihn verbrannt.

Er stand auf, rückte Kragen und Krawatte zurecht, die ich zerknittert hatte, und nahm seine Jacke an sich. Er ging vorsichtig um die Blutlache herum, ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen.

„Mach das sauber.“

Das war alles. Er verschwand in einem der kleineren Büros und ließ mich mit den Leichen allein.

Die Klimaanlage blies mir den Geruch von Metall und Blut direkt ins Gesicht. Ich machte einen Schritt und spürte etwas Kaltes unter meinen nackten Füßen. Ich war die ganze Zeit über barfuß gewesen.

Ich bewegte mich zu dem nächsten Körper und ging in die Hocke. Als ich seinen Hals berührte, versetzte mich die Temperatur seiner Haut augenblicklich zurück zu Khakis Händen in jener Nacht, als sie angeschossen worden war – sie waren unter meinen Handflächen bereits erkaltet, während ich sie anflehte, bei mir zu bleiben.

Meine Hände erstarrten auf seiner kalten Haut.

Einen Moment lang brachte ich es nicht über mich, ihn weiterzuziehen.

Die Liga war mein Zuhause gewesen. Aldrich war meine Leine. Die alten Fragen drängten nach oben. Meine Kehle schnürte sich zu. Ich unterdrückte diese Gedanken, wie man es mich gelehrt hatte, und schob meine Hände wieder unter die Achseln des Toten.

Ich hakte meine Hände unter seinen Armen ein und zog ihn hinter mir her.

Meine Ärmel wurden kalt von seinem Blut.

Alle paar Schritte warf ich einen Blick auf die Glaswand. Aldrich saß dort mit einem aufgeschlagenen dicken Ordner und wirkte ruhig. Dieser Kontrast ließ mir die Brust eng werden.

Wenn er starb, starb auch Khaki.

Ich hatte den Körper erst ein Stück den Flur entlanggezogen, als der Aufzug ein Signal von sich gab.

Das Geräusch durchschnitt mich wie eine Klinge. Noch bevor ich mich ganz umgedreht hatte, griff meine Hand nach dem Messer an meinem Oberschenkel. Ich rannte los.

Die Türen öffneten sich und gaben den Blick auf Marcus frei – den Sicherheitschef – sowie auf ein Team von Leuten in hermetisch abgeschlossenen Dekontaminationsanzügen. Keiner von ihnen berührte ihn. Er sah auf mich herab, groß und mit undurchdringlichem Gesichtsausdruck.

„Zurücktreten. Wir übernehmen ab hier.“

Ich trat zur Seite, entfernte mich aber nicht weit. Ich bezog Stellung nahe der Tür zu Aldrichs Büro und beobachtete jede Gestalt, die eintrat. Ich konnte ihre Gesichter nicht sehen. Allein das reichte aus, um meinen Puls in die Höhe zu treiben. Reinigungskräfte? Spezialisten? Oder jemand, der geschickt worden war, um zu vollenden, was die beiden Männer zuvor begonnen hatten? Ich traute nichts, was ich nicht selbst überprüfen konnte.

„Warum stehst du da draußen?“

Aldrichs Stimme drang durch das Glas zu mir, scharf genug, um meine Schultern zucken zu lassen. Er hatte die Stimme nicht erhoben.

Ich drehte mich um. Er saß noch immer dort, den Ordner aufgeschlagen, doch sein Blick ruhte nun auf mir.

Ich drückte die Tür auf und trat ein.

„Setz dich“, sagte er. „Wir sind Frischvermählte. Die Leute beobachten uns. Es muss echt wirken.“

Ein heißes, enges Gefühl stieg in meiner Kehle auf.

Nach allem, was geschehen war, wurde ich immer noch wie ein Möbelstück zurechtgerückt.

Der einzige freie Platz war ein Hocker direkt neben ihm.

Ich ging hinüber und setzte mich. Der Abstand zwischen uns war zu gering.

Der reine Duft von Zedernholz schlug mir sofort entgegen – derselbe, der früher an meiner Bettwäsche gehaftet hatte. Mir stockte der Atem. Eine unerwünschte Hitze breitete sich in meinem Unterleib aus.

Dann tauchte die Erinnerung an seine Finger auf – so lebhaft, dass sich meine Oberschenkel auf dem Hocker anspannten.

Ich drängte den Gedanken gewaltsam zurück.

Ich war der Grund dafür, dass Khaki in jenem Bett lag. Ich war es gewesen, die gezögert hatte. Er hatte lediglich auf die Bedrohung reagiert, die ich in sein Haus gebracht hatte.

Ich rückte den Hocker ein Stück zurück. Meine Hände waren nicht ganz ruhig. Er kommentierte es nicht.

Stille breitete sich aus. Die einzigen Geräusche waren das leise Umblättern von Seiten und mein eigenes, vorsichtiges Atmen. Ich ließ den Blick auf den Boden gerichtet.

Ich saß ganz still da und wartete auf das, was als Nächstes kommen würde.

„Wie lange noch bis zur Pressekonferenz?“, fragte er. Sein Kiefer spannte sich kurz an.

„Zwanzig Minuten.“

Er schloss die Mappe. „Dann haben wir noch Zeit. Ich brauche Informationen. Die Liga wird hinter dir her sein. Jeder weiß, was sie mit Abtrünnigen machen.“

Bei diesem Wort sank mir das Herz in die Hose.

„Sie greifen nicht offen an“, sagte ich. Meine Stimme klang tiefer, als ich erwartet hatte. „Sie unterwandern. Wenn sie beschließen, an mir ein Exempel zu statuieren, wirst du sie nicht kommen sehen, bis alles schon vorbei ist. Vorausgesetzt natürlich, sie sind nicht schon längst hier.“

Er sah mich einen langen Moment lang an. Etwas Undurchschaubares regte sich in seinem Blick.

Dann stand er auf, ließ die Mappe auf den Schreibtisch fallen und ging hinaus.

Ich folgte ihm.

Das Hauptbüro war bereits blitzsauber. Marcus und die Reinigungskräfte hatten schnell gearbeitet – das Blut, die Leichen, die Einschusslöcher: alles verschwunden. Ich schnappte mir die Unterlagen für meine Rede vom Schreibtisch und eilte ihm hinterher.

Er befand sich bereits im Aufzug. Die Türen hatten sich schon zu schließen begonnen. Ich hob die Hand. Er hielt sie mit der flachen Hand auf und wartete.

In dem Moment, als ich einen Schritt vorwärts machte, versperrte er mir mit seinem Arm den Weg.

Sein Blick wanderte über mich – an meinem Kleid hinab, über meine Brust und dann zurück zu meinem Gesicht.

„Du kommst nicht mit.“

„Ich muss bei dir bleiben …“

„Nicht so.“

Sein Blick glitt erneut über mein Kleid. Ein nicht zu deutender Ausdruck huschte über sein Gesicht. Seine Hand verharrte einen Moment länger als nötig auf der Aufzugstür.

Ich sah an mir herab.

Getrocknetes Blut hatte den Stoff an der Vorderseite meines Kleides steif werden lassen. Unterhalb der Taille klaffte ein weiter Riss im Stoff – der Schnitt, den ich zuvor gemacht hatte, um kämpfen zu können. Der Schlitz war weiter aufgerissen. Der dunkle Rand meiner Unterwäsche war deutlich zu sehen.

Hitze schoss mir so heftig in den Nacken und ins Gesicht, dass mir schwindelig wurde. Meine Hände fuhren zu den zerrissenen Rändern und versuchten, sie zusammenzuziehen. Mein Magen schien mir in die Kniekehlen gerutscht zu sein.

Ich konnte ihn nicht ansehen.

Ich spürte seinen Blick noch einen Moment lang auf mir. Dann schlossen sich die Aufzugstüren.

Ich stand auf dem stillen Flur, die Fäuste noch immer in den zerfetzten Stoff gekrallt, das Gesicht glühend heiß vor Scham.

Die Peinlichkeit verflog nicht. Sie lastete schwer unter meiner Haut.

Wir hatten uns schon früher nackt gesehen. Doch das machte das Gefühl, so schutzlos zu sein, nicht weniger intensiv. Seit der Hochzeitsnacht hatte sich mein Körpergefühl in seiner Gegenwart verändert – es war bewusster geworden, gefährlicher.

Ich zwang mich, mich zu bewegen.

Das Hauptbüro war leer und unheimlich still. Ich legte die Unterlagen für die Rede auf meinen Schreibtisch und starrte auf das getrocknete Blut an meinen Armen. So konnte ich nicht durch das Gebäude laufen. Nicht, wenn sich bereits jemand von der Liga darin aufhielt.

Ich ging ins Badezimmer.

Die Wände waren durchsichtig. Von der Dusche aus konnte ich die Aufzugstüren sehen. Bei diesem Gedanken blieben meine Schultern angespannt.

Ich streifte das ruinierte Kleid ab, dann den Rest, und trat unter das Wasser, das heißer war, als es hätte sein müssen. Rosa gefärbtes Wasser lief in den Abfluss. Das Handy mit Khakis Live-Übertragung ließ ich auf der Ablage liegen, wo ich es im Blick behalten konnte. Ihre Brust hob und senkte sich noch immer.

Die Liga verzeiht Abtrünnigen nicht.

Dieser Gedanke schoss mir durch den Kopf, während ich noch Seife in den Augen hatte. Mir drehte sich der Magen um.

Ich wusste nicht, wann sie kommen würden. Nur, dass sie kommen würden.

DING!

Der Aufzug gab ein Signal von sich.

Ich öffnete die Augen. Wasser und Seife liefen hinein. Ich erstarrte; eine Hand lag noch an der Wand, ich bewegte mich nicht mehr.

Es waren nur Minuten vergangen.

Jemand kam herauf.

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