تسجيل الدخولMike
Mein Telefon hat nicht aufgehört zu klingeln. Ich wusste, dass es mein Vater war, er hatte darauf bestanden, dass wir herkommen, und das ist das Ergebnis. Ich wollte nicht kommen. Ich wäre lieber in einer guten Bar geblieben, in guter Gesellschaft getrunken, anstatt in dieser Farce gefangen zu sein. Ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich gehe ran.
— Was hast du schon wieder angestellt?
— Warum muss immer ich derjenige sein, der Blödsinn macht? Diesmal war es nicht meine Schuld. — Immer die gleiche Leier! Du wirst deinen Mist wieder ausbügeln. — Aber ich habe nichts getan! — Egal. Such dir einen Ring und frag sie, ob sie dich heiratet. — Nein. — Du hast keine Wahl. Ich will keine Auseinandersetzung mit ihm. Tu ausnahmsweise, was ich dir sage. Hast du mich verstanden?Ich bleibe stumm.
— Mike Donovan. (So nennt er mich immer, wenn er wütend ist.) — Ja, Sir, verstanden. Wie immer werde ich tun, was Sie erwarten.Er legt auf. Die Wut steigt in mir auf. Sie wird dafür bezahlen. Ich werde sie bereuen lassen, mich reingelegt zu haben. Ich durchstreife das Hotel auf der Suche nach einem Juweliergeschäft und finde eines im zehnten Stock. Ich suche aus, schätze die Größe mit meinem kleinen Finger ab: Das sollte passen. Ich kann es nicht fassen. Verdammt, sie hat mich erwischt. Aber ich werde ihr das Leben zur Hölle machen. Nach einem Monat wird sie die Scheidung einreichen. Sie ist nur ein verwöhntes kleines Mädchen; sie wird schnell merken, mit wem sie es zu tun hat.
Ich gehe zurück in den Saal, wo sich alle versammelt haben, und gehe direkt auf sie und ihren Vater zu. Dieser richtet sich bei meinem Eintreffen sofort auf.
— Ich bin gekommen, um um die Hand Ihrer Tochter anzuhalten.Er mustert mich von oben bis unten.
— Hast du vergessen, wie man einen Antrag macht? — Nein, Sir.Ich knie nieder und erkläre:
— Biene … willst du mich heiraten? — Was? Frag Papa!Sie weiß genau, warum ich sie so nenne. Sie schaltet sich ungeniert ein:
— Lass ihn, Papa, so nennt er mich. — Ihr habt schon Kosenamen? sagt ihre Mutter, gerührt. Wie süß. Ich hoffe, du kümmerst dich gut um meine Tochter, sie ist zerbrechlich.Zerbrechlich? Von wegen. Opportunistisch, ja. SKORPION wäre passender. Sie streckt mir die Hand hin; ich streife ihr den Ring über.
— Oh, wie schön! Danke, mein Schatz!Sie so nennen zu hören, macht mich wahnsinnig. Sie küsst mich, und ich bin gezwungen, es zu akzeptieren. Sie schmiegt sich an mich, küsst mich leidenschaftlich; nach ein paar Sekunden schiebe ich sie sanft weg.
— Komm, lass uns zu Mama und Tante Apryl setzen. Sie werden die Hochzeit organisieren. Wir machen sie am gleichen Tag wie mein Bruder, ist das nicht süß? sagt sie lächelnd.Mein Gott, ich habe Lust, einen Mord zu begehen.
— Darum kannst du dich sehr gut alleine kümmern. Dafür brauchst du mich nicht.Ich drehe mich um.
Sie hält mich an der Hand fest. — Schatz … — Ich schwöre dir, wenn du mich weiterhin so nennst …Ich lächle den Leuten zu, die uns ansehen, und fahre fort:
— … könnte ich dir den Hals umdrehen. — Oh … und du glaubst, das macht mir Angst? höhnt sie. Hast du immer noch nicht verstanden, dass ich es liebe, dich zu ärgern? Ich liebe es, wenn du kochst. Wenigstens rufe ich etwas in dir hervor, und sei es Wut. — Kleiner Skorpion, ich schwöre dir, ich werde dich zertreten. Ich werde Brei aus deinem Kadaver machen. — Und du, hirnloser Mann, wirst lernen, anders zu reden. Ich bin jetzt deine Verlobte und ich verlange Respekt. — Du kannst verlangen, was du willst, aber du wirst nichts bekommen. Ich schwöre dir, nach einem Monat Ehe wirst du deinen lieben Papa anflehen, für dich die Scheidung zu beantragen. Du kannst nichts anderes, als zu ihm weinen zu gehen! Was für eine Frau von Welt … Du bist nichts als ein Papas Mädchen. — Glaubst du, mich damit zu verletzen? Das trifft mich gar nicht. Ja, ich bin die Tochter meines Vaters und ich bin stolz darauf. Mein Vater würde alles für mich tun, sogar einen Schwiegersohn umbringen, der seine Tochter schlecht behandelt. Du solltest lieber höflich zu mir sein. Ich verdiene es.Ich sehe sie an, müde. Diese Verbindung wird … interessant.
MIKESECHS MONATE SPÄTERDas Haus ist voller Menschen. Gelächter. Musik. Überall Essen.Wir feiern. Was? Ich weiß es nicht. Das Leben. Das Überleben. Die Tatsache, dass wir noch da sind.Viktor ist da, mit seiner Frau und seinen Kindern. Angelo hat seine neue Freundin mitgebracht. Sogar César ist gekommen, mit seiner Tochter Camila. Sie ist schön, die Kleine. Sie ähnelt ihrem Vater. Sie hat seine Augen. Seine traurigen Augen, die Danke sagen, ohne zu sprechen.Tara geht zwischen den Gästen umher. Sie lächelt. Sie lacht. Sie ist schön. So schön. Ihre Schulterwunde ist verheilt. Eine Narbe ist geblieben. Sie sagt, sie behält sie. Zur Erinnerung.Ich beobachte sie von der Ecke des Wohnzimmers aus. Ein Glas in der Hand. Glücklich. Zum ersten Mal seit Jahren bin ich glücklich. Wirklich glücklich.Sie kommt zu mir. Sie legt ihre Arme um meinen Hals.»Beobachtest du mich?«»Immer.«»Spielst du den Geheimnisvollen in deiner Ecke?«»Ich denke nach.«»Worüber?«»Über das Glück, das ich habe. Di
MIKEZWANZIG STUNDEN SPÄTERDie Lagerhalle ist in unserem Visier. Hinter Containern versteckt beobachten wir. Viktor hat Schützen auf allen umliegenden Dächern platziert. Die Männer sind in Position. Bereit zum Sturmangriff.Tara ist neben mir. Sie hält ihre MPX. Die, die sie bei uns zu Hause wieder an sich genommen, gereinigt, nachgeladen hat. Ihre Augen weichen nicht vom Ziel.»Wir gehen in zehn Minuten rein«, sage ich.»Ich gehe mit dir rein.«»Tara…«»Mike. Er ist derjenige, der mich geholt hat. Er ist derjenige, der mich unter Drogen gesetzt hat. Er ist derjenige, der seine dreckigen Pfoten auf mich gelegt hat. Ich will da sein, wenn er fällt.«Ich sehe sie an. Ich sehe die Entschlossenheit. Ich sehe die Wut. Ich sehe auch die Angst, gut versteckt, aber vorhanden.»Einverstanden. Aber du bleibst hinter mir. Immer.«»Immer.«»Und du tust, was ich sage.«»Natürlich nicht.«Sie lächelt. Ihr erstes Lächeln seit Tagen. Ich küsse sie. Schnell. Fest.»Ich liebe dich, Tara.«»Ich liebe d
MIKEDie Morgendämmerung bricht an. Wir sind auf dem Dach unseres Gebäudes.Sie sitzt auf der Kante, die Beine baumeln in der Leere. Ich stehe hinter ihr, meine Hände auf ihren Schultern. Ich spüre das Zittern, das sie noch immer durchläuft. Die Nachwirkungen. Der Schmerz. Die Angst, die sie niemals jemand anderem als mir zeigen wird.Die Nacht war lang. Die Stunden nach unserer Flucht aus der Lagerhalle, eine Mischung aus Chaos und Stille. Viktors Männer haben sauber gemacht. Die Leichen sind verschwunden. Marek? Niemand weiß es. Im Getümmel ist er verschwunden. Verwundet vielleicht. Tot vielleicht. Aber ich glaube es nicht. Noch nicht. Einen Typen wie ihn findet man immer wieder.Tara hat nicht gesprochen, seit wir hier oben sind. Sie sieht die Sonne aufgehen. Ihre Augen sind starr. Fern. Anderswo.Ich setze mich neben sie. Ich nehme ihre Hand. Sie ist kalt. Ich wärme sie zwischen meinen.»Willst du reingehen?«»Nein.«Ihre Stimme ist heiser. Aufgeraut von den Stunden des Schweigens
MIKENoch eine Stunde.Ich sitze im Wagen, einen Kilometer von der Lagerhalle entfernt geparkt. Viktor und die Teams sind ringsum verteilt. Unsichtbar. Lautlos. Bereit einzugreifen, wenn es schiefgeht.Aber wenn es schiefgeht, werden sie zu weit weg sein. Wenn es schiefgeht, werde ich bereits tot sein.Ich sehe auf die Uhr. Dreiundzwanzig Uhr. Eine Stunde vor der Hölle.Ich denke an sie. An Tara. Daran, was sie jetzt fühlen muss. Die Angst. Die Hoffnung. Die Wut.Ich denke an uns. An alles, was wir durchgemacht haben. Die Kugeln, den Verrat, die schlaflosen Nächte, die faulen Morgen, die heftigen Streits, die leidenschaftlichen Versöhnungen.Ich denke an den Tod. An meinen. An ihren. An unseren.Wenn wir heute Nacht sterben, sterben wir zusammen. Das ist das Einzige, was mich tröstet.Mein Telefon vibriert. Nachricht von Viktor.»Teams in Position. Wir geben Ihnen Feuerschutz. Viel Glück, Boss.«Ich verstaue das Telefon. Ich steige aus dem Wagen.Ich gehe auf die Lagerhalle zu. Allein
Er geht hinaus. Die Tür knallt zu.Ich sehe das Tablett an. Ich sehe die Suppe an. Ich denke an das, was er gesagt hat.Sorge dafür, dass er schnell wieder geht.Wie? Wie kann ich Mike zum Gehen bewegen? Er wird niemals gehen. Er wird bis zum Ende bleiben. Er wird bis zum Tod kämpfen.Das ist das Problem. Das ist das Schöne. Er kann nicht aufgeben. Besonders mich nicht.Also muss ich stark sein. Ich muss überleben. Ich muss ihm helfen, ohne dass er es weiß.Ich esse. Ich trinke. Ich sammle Kraft.Ich bin Tara Donovan. Und ich komme nach Hause.---MIKEZwei Tage.Zwei Tage, seit ich nicht geschlafen habe. Zwei Tage, in denen ich von Kaffee und Adrenalin lebe. Zwei Tage, in denen ich die Vargas überall angreife, wo ich kann.Drei Lagerhallen niedergebrannt. Achtzehn Männer getötet. Lieferungen beschlagnahmt. Konten gesperrt. Verträge annulliert.Sie bluten. Sie bluten überall.Aber sie reden nicht. Niemand redet. Niemand weiß, wo Tara ist. Oder niemand will es mir sagen.César ist noch
MIKEIch lege auf. Ich stehe auf. Meine Beine tragen mich kaum. Ich strecke mich. Ich betrachte die Stadt.Irgendwo in dieser verdammten Stadt ist sie eingesperrt. Irgendwo hat sie Angst. Irgendwo denkt sie an mich.Denkt sie an mich? Ist sie wütend auf mich? Hat sie Angst, dass ich nicht komme?Ich werde kommen, Tara. Ich schwöre es bei allem, was mir heilig ist. Beim Kopf unseres Kindes. Bei meinem eigenen Kopf. Ich werde kommen.Und danach werden wir uns alles sagen, was wir uns nie zu sagen getraut haben.---TARAIch habe die Stunden gezählt. Nicht mit einer Uhr. Mit meinem Herzen. Mit meinem Atem. Mit dem Durchgang des Lichts unter der Tür.Wie viele? Ich weiß es nicht. Ein Tag? Zwei? Weniger?Die Droge ist abgeklungen. Mein Kopf ist klarer. Der Schmerz in meiner Schulter ist schärfer. Das ist ein gutes Zeichen. Schmerz bedeutet Leben. Schmerz bedeutet Bewusstsein.Ich habe den Raum mit Blicken erkundet. So weit wie möglich. Mit den Armen über dem Kopf gefesselt kann ich mich ni
TaraDie Hochzeit wurde gerade gefeiert. Alles lief genau so, wie ich es mir erhofft hatte. Ich habe es sogar geschafft, den beiden Ehemännern meiner Schwester einen Kuss zu stehlen – sie waren über meine Leidenschaft überrascht. Ihre Lippen sind voll, fest … hmm, sie wird ihren Spaß haben. Ich sah
Tara— Lass mich los! Willst du mich umbringen?Sein Griff um meinen Hals wird fester. Ich habe das Gefühl, die Luft verlässt mich. Dann, plötzlich, schleudert er mich zu Boden. Er steht über mir, riesengroß. Ich fasse mir an die Kehle, ungläubig: Der Idiot hat mich fast erwürgt.Er geht murrend un
TaraHeute Morgen habe ich meine Mutter dabei ertappt, wie sie mit sich selbst sprach; das tut sie, wenn sie ein Problem beschäftigt und sie noch keine Lösung gefunden hat. Ich frage mich, welches Problem sie diesmal umtreibt. Die ganze Nacht waren meine Gedanken bei meinem lieben Verlobten. Er ist
TaraEr betritt den Aufzug. Er ist riesig. Mein Gott … ich will ihn … und diese atemberaubende Schönheit. Aber es ist nicht seine Schönheit, die mir die Sprache verschlägt, es ist sein Blick, ein Blick, der tötet. Er überragt mich, streckt mir die Hand entgegen, um sein Telefon zurückzubekommen.—







