ANMELDENDie gewaltige Empfangshalle der Ahnenwiege glich einer riesigen Kathedrale. Sie war aus poliertem, nachtblauem Obsidian und adamantverstärktem Gestein mit goldenen Adern gehauen worden. Hunderte Fuß hohe Bögen ragten in die Luft, während gewaltige Panoramafenster den Blick auf die bernstein-goldene Sonne freigaben, die im Zentrum des Sektors pulsierte.Zum ersten Mal seit dreitausend Jahren war die Halle wieder voller Leben.Delegationen aus zwölf verstreuten Flotten der Diaspora, darunter Älteste Alphas, Hohe Archivare, erfahrene Flottenkommandanten und Meisteringenieure in Rüstungen aus den Metallen ferner Sterne, durchquerten die Halle in ehrfürchtigem Schweigen. Die Luft vibrierte vom tiefen Brummen der Schiffstriebwerke, dem Ozon thermischer Energie und dem klaren, frischen Duft des wiederhergestellten Lebenserhaltungssystems der Ahnenwiege.Freya stand am Kopfende des erhöhten Podiums, das die zentrale Halle überblickte. Ihre dunkel-silberne Kampfrüstung saß mit chirurgischer Pr
Die neu entzündete Ahnenwiege brannte nicht mit der harten, chaotischen Strahlung eines sterbenden Sterns. Stattdessen gab sie einen tiefen, rhythmischen bernsteinfarbenen Puls ab, eine beruhigende solare Welle, die durch die Deckplatten der Orbitalstation summte und sich wie ein ewiger Herzschlag in die Tiefen des Weltraums ausbreitete.In den weitläufigen, gewölbten Hallen des zentralen Turms erwachte die uralte Architektur aus schwarzem Adamant und Himmelsilber zu neuem Leben. Leuchtende Energieleitungen entlang der Wände flackerten von stumpfem Grau zu strahlendem Platin auf und erhellten gewaltige Galerien, prunkvolle Ratssäle und längst verlassene Archive, die dreitausend Jahre lang in Dunkelheit gelegen hatten.Auf der großen Aussichtsplattform mit Blick auf die neu erwachte Sonne stand Freya still da. Ihre dunkel-silberne Kampfrüstung glänzte im warmen Sternenlicht. Das platinfarbene Haarspängchen ihrer Mutter hielt ihre dunklen Haare zurück und fing die sanften bernsteinfarbe
Der Übergang durch den Quanten-Sprungvektor war kein Sturz in kalte Dunkelheit, sondern eine plötzliche, atemberaubende Beschleunigung durch einen Tunnel aus lebendigem Sternenlicht.Auf der Hauptbrücke der Celestial Sovereign wechselte das Licht von blassem Blau zu einem intensiven, leuchtenden Bernsteinton, als das Flaggschiff den Raumfaltungsbereich verließ. Vor ihnen öffnete sich auf der riesigen Sichtkuppel ein atemberaubender Anblick: die tote Sonne, die Ahnenwiege.Sie hing im Zentrum dieses Weltraumsektors wie ein gigantischer Ring aus geschwärztem Eisen und zerklüftetem Obsidian. Drei Jahrtausende lang hatte sie reglos verharrt, eine erloschene Glut, umgeben von den stillen, verrosteten Skeletten uralter Orbitalstationen. Doch als die Celestial Sovereign in eine stabile geosynchrone Umlaufbahn glitt, begann der schlafende Kern zu pulsieren. Ein schwaches, rhythmisches Herzklopfen aus tiefrotem Licht flackerte im Zentrum der dunklen Masse auf und reagierte unmittelbar auf die
Die Stille, die sich in den Stunden nach der Schlacht über die Kommandozentrale der Celestial Sovereign legte, war anders als jede Stille, die Freya je gekannt hatte.Es war weder die schwere, angespannte Ruhe eines unterirdischen Gewölbes, in dem jeden Augenblick Sprengstoff detonieren konnte, noch das erstickende Schweigen eines uralten Gerichtssaals, kurz bevor ein Urteil verkündet wurde. Es war die gewaltige, makellose Stille des tiefen Weltraums, eine unendliche Weite aus schwarzem Samt, durchbrochen vom kalten, unablässigen Leuchten ferner Sterne.Freya stand allein auf der vorderen Aussichtsgalerie der zweiten Beobachtungsebene. Ihre dunkel-silberne Kampfrüstung war verstaut worden. Stattdessen trug sie eine elegante, lang geschnittene Tunika aus nachtschwarzer Seide, deren Schultern mit Platinfäden verziert waren. Die platinblonde Haarspange ihrer Mutter hielt ihre dunklen Wellen aus dem Gesicht. Im blassblauen Licht der Erde, die sich dreihundert Meilen unter ihnen langsam dr
Innerhalb weniger Sekunden verwandelte sich die Kommandobrücke der Celestial Sovereign in einen hochmodernen taktischen Gefechtsraum.Zuvor hatten sanftes Sternenlicht und goldenes Umgebungslicht die kugelförmige Kammer erhellt. Nun huschten harte, rhythmische Impulse obsidianroter Notbeleuchtung über die schwebenden Obsidianplattformen. Die dreidimensionale Sternenkarte im Zentrum des Observatoriums brach in sich zusammen und wurde durch ein gewaltiges, in Echtzeit aktualisiertes taktisches Raster des Sonnensystems ersetzt.Am Rand der Anzeige, vorbei an dem blass rötlichen Bogen der Marsumlaufbahn, schnitt sich ein groteskes Ungetüm von einem Raumschiff durch die Leere.Es war ein Albtraum aus gehärtetem Chitin, dunkler, knochenähnlicher Biomasse und knisternder bioelektrischer Energie. Das drei Meilen lange Flaggschiff der Geißel trug den Namen Der Abyssale Leviathan. Dutzende kleinere Enterkapseln in Nadelform umgaben es und bewegten sich wie ein Heuschreckenschwarm auf die oberen
Der Übergang von der kalten, regengepeitschten Oberfläche des Genfersees in das Innere des Flaggschiffs des Ersten Hauses war weder von dem heftigen Ruck eines Aufzugs noch von dem Druckablasszischen einer gewöhnlichen Luftschleuse begleitet.Stattdessen glitten sie schwerelos und ohne jede Unterbrechung durch einen schimmernden Korridor aus reinem, goldenem Licht. Die Luft wurde augenblicklich wärmer. Sie roch frisch und klar und trug einen schwachen, beruhigenden Duft nach zerstoßenen Kiefernnadeln und elektrischem Ozon in sich. Unter ihren Stiefeln materialisierte sich ein fester, halb durchscheinender Boden aus nachtblauem Obsidian, der über einem Meer aus wirbelnden Nebeln zu schweben schien.Freya trat als Erste hinaus. Ihre dunkle Silberrüstung fing das blasse, himmlische Licht ein, das von der gewölbten Decke ausstrahlte. Ihre Hand blieb fest mit Liams verschränkt. Sie spürte den gleichmäßigen, kraftvollen Puls seiner goldenen Alpha-Aura, die sich wie ein undurchdringlicher Sc







