LOGINEs war das erste Mal, dass Julien sie in einem Abendkleid aus Seide sah – schulterfrei, unter der Brust tailliert, um ihre Kurven und ihre perfekte Silhouette zu betonen. Der Saum des Kleides reichte bis zu ihren Knöcheln, und ihre hochgesteckten Haare ließen ihre verführerische Ausstrahlung voll zur Geltung kommen.
Sie drehte sich um und folgte dem direkten Blick, der auf sie gerichtet war. Als sie den Kopf leicht neigte, entdeckte sie den Mann, der neben dem Auto stand.Sie wollte iEr nahm den Löffel und benutzte ihn als Mikrofon. Dann lächelte er und sah Sylvia an. — Fräulein Dumont, richtig? Darf ich Sie ansehen? Sylvia sah auf den Suppentopf auf seinem Kopf. Die gefaltete Spitze um den Rand der Schüssel sah aus wie die lockigen Haare eines Clowns. Im Vergleich zu Juliens Härte war Norbert sanft. Er hatte einen hellen Teint und wohlgeformte Gesichtszüge, aber sie waren nicht kantig. Seine Augen unter den geschwungenen Brauen strahlten immer ein sanftes Licht aus. Es schien, als läge ihm ständig ein Lächeln auf den Lippen. Seine Augen waren hell wie der Halbmond, der nachts am Himmel leuchtete. Jetzt sah er sie an wie ein Kind, das sich absichtlich zum Narren machte, nur um sie zum Lachen zu bringen. Sie drehte den Kopf weg und sagte kühl: — Warum sehen Sie mich an? — Fräulein Dumont ist die einzige Person hier, die mich dieses Lied singen hören kann. Ich kann doch kein Liebeslied für Kinder und Männer singen, oder? Ich glaube nicht, dass Fräulein Dumon
— Das ist es. Ariel schob den Suppentopf vor Norbert. Norberts Augen weiteten sich. — Was machst du da? — Du stellst dich auf diesen Suppentopf und singst das ganze Lied vom Schwein, und ich sage dir, wo Tante Sylvia ist, sagte Ariel seelenruhig. — … Norbert war sprachlos. — Selbst ich könnte diesen Suppentopf zerquetschen, mischte Ariana sich ein. — Siehst du? Sogar deine Schwester weiß, wie stark du bist. Der Suppentopf war aus Porzellan und wirkte ziemlich zerbrechlich. Norbert könnte ihn mit einem Fuß sicherlich zerbrechen! Norbert sah Ariana dankbar an. Zum Glück war wenigstens jemand auf seiner Seite. Er war nicht allein. — Bruder, ich finde, du solltest Onkel Norbert den Suppentopf auf den Kopf setzen lassen. Dann soll er sich in die Eingangshalle stellen und „Das göttliche Lied“ singen. Wenn er fertig ist und niemand über ihn lacht, kannst du ihm sagen, wo Tante Sylvia ist. Norberts Gesicht wurde immer dunkler, während Ariana sprach. Wenn er wirklich
Als bei der Ausstellung an diesem Tag der Taffet erwähnt wurde, konnte Norbert nur an Aurora denken, aber es gab keinen Beweis. Nun schien es, als stünde der Taffet tatsächlich in direktem Zusammenhang mit Aurora und als hätte sie wahrscheinlich die Ausstellung organisiert, wäre jedoch einfach nicht selbst erschienen. Damit stellte sich die Frage: Wer war diese Frau? Renée Dumont und Sylvia Dumont trugen beide denselben Nachnamen Dumont? War das ein Zufall oder …? Es schien jedoch nicht sehr wahrscheinlich. Warum sollte Sylvia sonst einen anderen Namen tragen? Renée und Aurora kannten sich, und sie kannte auch die beiden Kinder. Es war also eindeutig Sylvia. Ariel war ein kluger Junge und konnte die aktuelle Situation verstehen: Jeder hier wusste, dass Renée Sylvia war, nur Norbert hatte es noch nicht begriffen. Da er sich daran erinnerte, dass er Sylvia verletzt und sie sogar dazu gebracht hatte, ihr Aussehen und ihre Stimme zu verändern, wollte er ihm die Wahrheit nicht sagen
Sylvia hatte recht, denn sie waren die Einzigen, die das Passwort kannten. Yvon wirkte zwar überhaupt nicht ernst, aber er war dennoch sehr aufmerksam und rücksichtsvoll. Er wäre nicht einfach hereingekommen, ohne sie zu begrüßen, da er wusste, dass hier Frauen und Kinder lebten. Außerdem hätte er niemals in ihrem Bett geschlafen. — Gut, was möchtest du essen? Ich bringe es dir mit. Ruh dich ein wenig aus. — Ich möchte Radieschen essen. Sie wusste selbst nicht warum, aber plots loch hatte sie Lust darauf. Zu Beginn ihrer Schwangerschaft hatte sie keinen Appetit gehabt und auch keine besonderen Gelüste. Doch plötzlich wollte sie unbedingt Radieschen essen. — Die grünen und knackigen, sagte Aurora. — … Sylvia war sprachlos. — Willst du zum Abendessen etwa nur Radieschen essen? Sylvia hielt sich die Stirn. Aurora konnte doch nicht so vergesslich sein, oder? — Es gibt nichts Bestimmtes, das ich essen möchte. Ich habe einfach plötzlich Lust darauf bekommen, aber ich weiß nicht, o
Sylvia hingegen war definitiv niemand, der einfach untätig bleiben konnte. Er rechnete immer weiter und stellte alle möglichen Überlegungen an. Julien wollte nicht länger mit ihm reden, weil er so dumm war. Auch Norbert war genervt und kratzte sich am Kopf. — Wo soll ich sie finden? Weißt du es? Norbert drehte plötzlich den Kopf und starrte ihn an. Schließlich war Julien derjenige gewesen, der ihre Krankenhausbehandlung organisiert hatte, und er wusste, dass Sylvia entlassen worden war. Dann musste er doch wissen, wohin sie gegangen war, oder? Norbert wurde noch aufgeregter, und seine Augen leuchteten. — Du weißt es doch, oder? Juliens Gesicht veränderte sich auffällig. Schließlich waren sie alle gute Freunde, und Julien konnte es nicht ertragen, Norbert so offensichtlich anzulügen. — Sag es mir. Norbert war nun noch neugieriger, doch Julien zögerte, weil er wusste, was wirklich hinter der ganzen Geschichte steckte. — Sag es mir schnell, damit ich sie suchen kann. Ich we
Als Norbert gerade aus dem Flugzeug gestiegen war, wusste er nicht, wohin er gehen sollte. Er kannte sich in Cité C nicht besonders gut aus, da er nicht oft hier gewesen war. Als Julien sagte, dass er sich in Cité C befand, sagte Norbert sofort: — Hol mich am Flughafen ab. Er hatte hier weder Freunde noch Verwandte, auf die er zurückgreifen konnte, also konnte er nur auf Julien zählen. Julien hob die Hand, um auf die Uhr zu sehen, und sagte: — Ich bin in zehn Minuten da. Nachdem er das gesagt hatte, legte er auf. Er rief Norbert am Flughafen an und sagte ihm, er solle herauskommen. Er hatte keine Zeit, aus dem Auto auszusteigen und Norbert zu suchen. Norbert kam aus dem Flughafen, öffnete die Autotür und setzte sich hinein. Er kam sofort zum Punkt: — Hast du Aurora gefunden? Was sonst hätte ihn dazu bringen können, den ganzen Weg hierherzukommen? Nur Aurora konnte ihn hierherlocken. Julien blieb ernst und sagte ruhig: — Was ist los? Bist du etwa nur gekommen, um mir abs
— Aurora, eine Ehe ist eine wichtige Entscheidung. Ich werde nicht zulassen, dass du so etwas tust.Jeannine versteht ungefähr, was Aurora vorhat.Aurora stellt die Tupperdose auf den Nachttisch. Während sie das Essen herausholt, sagt sie:— Ich werde keinen Fremden heiraten. Er ist doch der Sohn d
Eine Wärme breitet sich von hinten über ihren Körper aus, während eine Stimme ihr ins Ohr flüstert.— Hast du Angst?Ein fremder Duft liegt ganz nah bei ihr und lässt sie erschauern, doch sie wagt nicht, einen Laut von sich zu geben.Aurora Dumont spürt, wie der Mann einen Moment innehält, bevor er
Aurora scheint verstanden zu haben, warum Chloé gerade geseufzt hat. Sie erklärt nichts weiter, sondern lächelt nur leicht.Ihre Ehe mit Julien ist nichts weiter als ein gegenseitiger Austausch. Sie hat kein Recht, Fragen über sein Privatleben zu stellen.In seiner Abwesenheit fühlt sie sich endlic
Obwohl es wie eine Frage klingt, lässt Julien Aurora keine Möglichkeit, abzulehnen.Sie nickt. Offenbar möchte er mit ihr sprechen.Und auch sie möchte mit ihm reden.Gautier wirft Aurora einen warnenden Blick zu.— Sei vorsichtig.Er hat Angst, dass Aurora Julien beleidigen könnte, bevor sie ihn h







