INICIAR SESIÓNAlisons Perspektive
Die Tage vergingen wie Schatten an meiner Zellwand, ohne dass sich irgendetwas änderte. Wenn ich weinte, kam niemand zu mir, wenn ich sprach, glaubte mir keine einzige Seele, und wenn ich verletzt war, tauchten die Heiler nicht auf.
Der Alpha-Rat berief nicht einmal einen Prozess ein, nicht einmal Alpha Ryder kam, um mich zu befragen. Sie sahen mich nun als die Bösewichtin an. In ihren Augen war ich die verfluchte Köchin, die Verräterin in ihrer Mitte.
„Lady Tamara ist ein Geschenk des Himmels.“
Ich hörte gedämpftes Flüstern in den Gängen der Zelle und spitzte die Ohren, um mehr zu hören.
„Du wirst es nicht glauben, aber sie hat die Kranken geheilt. Jeder Einzelne, der unter dem Essen dieser verfluchten Köchin gelitten hatte, wurde von ihr geheilt.“
Was? Tamara hat Menschen geheilt?
„Du übertreibst, Sienna“, warf eine andere Stimme ein. „Wie hat sie diese Vielzahl von Menschen geheilt?“
„Bist du neu im Dark-Crystal-Rudel?“, spottete die erste Stimme. „Selbst die kleinen Welpen wissen, dass sie mit ihrer Magie alle geheilt und gerettet hat, die durch das Essen vergiftet worden waren. Ist das nicht ein Wunder und ein göttliches Zeichen dafür, dass wir eine von einer Göttin gesegnete Erlösung erfahren haben?“
Meine Augen weiteten sich, als mir klar wurde: Tamara war eine Hexe!
Sie hatte Magie eingesetzt, um zu heilen, und niemand schien sich daran zu stören, dass Hexen nach dem Gesetz des Rudels verboten waren. Niemand fragte, woher sie ihre Kräfte überhaupt hatte oder wie sie sie erlernt hatte.
Durch die kalte Gefängnismauer hindurch, auch ohne es mit eigenen Augen zu sehen, konnte ich mir vorstellen, wie sie sie so sehr verehrten, dass sie sie geradezu vergötterten. Selbst Alpha Ryder würde das Gleiche tun. Schließlich wusste ich, dass er sich schon immer zu Stärke hingezogen gefühlt hatte und zu jemandem, der aus der Masse herausstach.
Diese Person war leider nicht ich, sondern Tamara. Sie hatte den Alpha und das gesamte Rudel in ihrer Hand, während ich einfach als Kriminelle gebrandmarkt und in die Zelle geworfen worden war, wo ich auf meine Strafe wartete.
Je mehr ich darüber nachdachte, desto stärker pochte mein Kopf vor Schmerz.
…
Das Geräusch von Schritten, die sich der Zelle näherten, riss mich aus dem Schlaf, und wütend runzelte ich die Stirn. Es war schon lange her, seit die Wachen ihre Runde gemacht hatten – wer war also hier?
Das Echo klackernder Absätze durchdrang die Stille, und mir lief ein Schauer über den Rücken.
Die Tür öffnete sich, und mein Wolf erstarrte, als ich den Blick der Eindringlingin traf – Tamara.
„Du siehst genau so aus, wie ich es mir vorgestellt habe, Schatz“, sagte sie und kündigte damit ihr Eintreten an. Ihre Stimme klang so sanft und samtig wie nur möglich.
Ihre Absätze klackerten, bis sie ein paar Schritte von mir entfernt zum Stillstand kamen. Ich rappelte mich langsam auf, den Rücken trotz der Schmerzen und Prellungen gerade.
„Was willst du von mir?“
„Nichts, Liebling“, sagte sie, neigte den Kopf zur Seite und grinste. „Ich bin nur gekommen, um zu sehen, was die Mondgöttin um den Verstand gebracht hat.“
Ich blinzelte. „Wie bitte?“
Sie trat näher an die Gitterstäbe heran, ihre Stimme klang ruhig und leise. „Du bist Ryders Gefährtin, Alison.“
Es fühlte sich an, als wäre mir die Luft aus den Lungen gedrückt worden.
Tamara fuhr fort: „Tu nicht so, als hättest du keine Ahnung von der Verbindung. In dem Moment, als du sein Büro betratst, spürte ich diese verdammte Verbindung und sah, wie er dich ansah, bevor er den Befehl gab. Es war kein Hass, Alison. Es war Wiedererkennung, von der Art, wie sie nur zwischen verbundenen Seelen existiert.“
Ich schluckte schwer, meine Fäuste waren fest geballt.
Sie lächelte. „Aber das spielt keine Rolle mehr, denn er will dich nicht.“
„Warum bist du dann hier?!“, fauchte ich.
Tamaras Gesichtsausdruck verzerrte sich, er war nicht mehr hübsch oder höflich. „Weil ich will, dass du weißt, dass ich dich selbst erledigen werde, langsam und schmerzhaft. Damit kein Zweifel daran besteht, wem Ryder gehört. Er ist und bleibt für immer mein.“
Ohne ein weiteres Wort drehte sie sich um und ging davon, ihr Kleid schlurfte hinter ihr her.
Ich stand einfach nur da, mein Herz hämmerte in meiner Brust. Meine Schultern sackten herab, als ich die Realität all dessen verarbeitete.
Ich war in dieser Zelle gefangen, in der Illusion, dass die Gefahr vorbei sei – nur damit Tamara hier hereinkam und mich daran erinnerte, dass sie gerade erst begonnen hatte.
Zu meiner eigenen Sicherheit muss ich diesen Ort verlassen. Nicht, weil ich meine Unschuld beweisen wollte, nicht einmal, um Alpha Ryder für mich zu beanspruchen, denn ehrlich gesagt wusste ich nicht, ob ich ihn überhaupt noch wollte.
Alles, was ich im Moment wollte, war zu überleben. Alles, was ich wollte, war, von hier wegzukommen, mich selbst und meine Wölfin zu beschützen, die immer noch jedes Mal wimmerte, wenn sie spürte, dass er in der Nähe war.
…
Kurz nachdem Tamara gegangen war, klopfte es leise an der Tür. Ich stand auf, eilte hin und presste meine Ohren an die Wand.
„Alison?“, rief eine Stimme.
Ich entspannte mich, als ich die Stimme erkannte. Es war mein Freund aus der Wache, Michael.
Er war freundlich, ruhig und für einen Krieger immer ein wenig zu sanftmütig. Er war der Einzige im Rudel, der mich nicht mit Feindseligkeit ansah. Und ich war die einzige Küchenkraft, die ihm ständig heimlich Essen zuschob.
„Sie reden davon, dich in die äußeren Kerker zu verlegen, Alison“, flüsterte er, während er die kleine Öffnung aufstieß, durch die ich ihn sehen konnte. „Von dort kommt niemand jemals zurück.“
Mein Herz hämmerte in meiner Brust und ich rang nach Atem.
„Dann hilf mir“, flüsterte ich zurück. „Bitte, du weißt doch, dass ich das niemals tun würde.“
Er wirkte hin- und hergerissen, die Augenbrauen zusammengezogen, als würde er innerlich zerrissen. „Sie werden mich umbringen, wenn sie es herausfinden.“
Für einen kurzen Moment herrschte Stille im Raum. Dann griff er langsam in seinen Mantel und holte einen kleinen silbernen Schlüssel hervor.
„Ich werde so tun, als hätte ich dich nicht gesehen. Du hast zehn Minuten, um einen Weg nach draußen zu finden.“
„Vielen Dank, Michael.“
Ich zögerte keine Sekunde. Mein Körper schrie vor Schmerz, weil ich ihn tagelang vernachlässigt hatte, aber der Adrenalinstoß betäubte den Schmerz.
Ich schlüpfte durch die offene Zelle, schlich den Steinkorridor entlang und wich den Patrouillen aus, so wie ich früher wütenden Köchen in der Küche aus dem Weg gegangen war.
Im Schloss oben herrschte reges Festtreiben, Musik und Gelächter. Sie veranstalteten wieder ein Bankett.
Nun, warum auch nicht? Schließlich hatte Tamara sie geheilt. Jetzt stießen sie auf ihre Macht an und tranken auf ihre Schönheit.
Ich blickte nicht zurück, während ich rannte. Raus durch die Dienstbotentunnel, über die mondbeschienenen Felder und hinein in den Wald. Ich hatte meine Freiheit noch nicht erlangt, aber zumindest war es eine Flucht.
Die kalte Nachtluft drang in meine Haut ein, und ich zitterte leicht, als ich unter einem Baum zusammenbrach. Ich blickte zu den Sternen hinauf – meiner einzigen verbliebenen Hoffnung –, die hell am weiten, dunklen Himmel leuchteten.
Zum ersten Mal, seit ich mich in dieser Lage befand, weinte ich. Nicht, weil ich schwach war, sondern weil ich noch am Leben war.
Tamara mochte zwar Magie besitzen, die Verehrung des Rudels oder sogar die Liebe von Alpha Ryder, aber ich hatte die Wahrheit auf meiner Seite. Ich wusste, dass ich niemanden vergiftet hatte und dass jemand anderes es getan hatte, der mein Essen als perfekte Tarnung für seinen grausamen Plan benutzt hatte – und dem war es völlig egal, ob ich dafür büßen musste oder nicht.
Ich biss die Zähne fest zusammen, als ich mir selbst ein Versprechen gab: Ich würde den Schuldigen um jeden Preis finden, meinen Namen reinwaschen und meine Identität zurückerobern. Ich würde sie leiden lassen und in Qualen schmachten lassen, weil sie mich in dieses Loch hineingezogen hatten.
Selbst Ryder würde ich nicht so leicht verzeihen, dass er mir nicht vertraut hatte, obwohl ich ihm gesagt hatte, dass ich jedes einzelne Gericht zweimal probiert hatte.
Ryders SichtDas Erste, was ich über den Verlust von Alison lernte, war, dass Stille mehr wehtun konnte als jedes Schreien.Ich hatte ihren Namen gerufen, als die Halle der Erstgeborenen sie verschlungen hatte. Ich hatte gegen die Magie angekämpft, die sie uns entriss, und so lange mit meinen Krallen auf die silberne Barriere eingeschlagen, bis Blut über meine Finger gelaufen war. Ich hatte von der uralten Kammer Antworten verlangt, von den Ruinen und von jedem, der dumm genug gewesen war, in Reichweite meines Zorns zu stehen.Nichts davon hatte sie zurückgebracht.Nun stand ich am Eingang des nördlichen Ganges und starrte in eine Dunkelheit, die sich jenseits der Grenzen dieser Welt zu erstrecken schien. Nicht einmal das Band, das mich seit jeher mit Alison verbunden hatte, konnte ich noch spüren.Es war, als hätte jemand in meine Brust gegriffen und einen Teil von mir herausgerissen.„Du blutest schon wieder.“Aidans Stimme riss mich aus meinen Gedanken.Ich blickte auf meine Hand.
„Hier steht, dass der Preis vom Wächter selbst gefordert wird. Bedeutet das, dass es um dein Leben geht?“„Ich weiß es nicht.“„Das reicht nicht.“„Das ist mir bewusst.“Er starrte mich an. Unter seiner Angst flackerte Wut auf.„Du darfst nicht wieder eine Entscheidung treffen, die allein darauf beruht, was du glaubst, ertragen zu können. Alison befindet sich an diesem Ort, weil die Erstgeborenen entschieden haben, dass sie ihnen gehört. Wenn deine Familie mitverantwortlich dafür ist, dass das alles geschehen ist, müssen wir genau herausfinden, was der Eid vorhat.“„Da stimme ich dir zu.“„Dann hör auf, zu versuchen, diese Last allein zu tragen.“Seine Worte trafen mich härter, als ich erwartet hatte.Für einen Moment sah ich Alison vor mir, wie sie in den Ruinen gestanden hatte. Ihre bernsteinfarbenen Augen hatten im silbernen Licht ihrer Magie geleuchtet, als sie mir erklärte, dass es kein Vertrauen geben könne, wenn man die Wahrheit verschwieg.Ich erinnerte mich an den Schmerz in
Aidans SichtIn dem Moment, in dem Alisons Präsenz verschwand, verstummte die gesamte Kammer unter den Ruinen.Nicht bloß die Geräusche wurden leiser. Es herrschte vollkommene Stille.Dieser Unterschied war wichtig, denn ich konnte noch immer hören, wie das Gestein unter meinen Stiefeln ächzte, wie in der Ferne einstürzende Mauern krachend zu Boden gingen und wie Ryder neben mir schwer und unregelmäßig atmete. Doch der Welt fehlte etwas Wesentliches. Die schwache silberne Wärme, die seit Alisons Eintritt in die Halle der Erstgeborenen am Rande meiner Wahrnehmung verweilt hatte, war so vollständig verschwunden, dass ich mir nicht länger einreden konnte, sie sei lediglich hinter einer weiteren Schicht uralter Magie verborgen.Ich streckte erneut nach ihr aus.Nichts antwortete.„Alison.“Ihr Name entwich meinen Lippen, bevor mir bewusst wurde, dass ich ihn laut ausgesprochen hatte. Ich versuchte es erneut, dehnte mein Bewusstsein über die Kammer hinaus, über die Ruinen hinweg, und sucht
Alisons Sicht„Hallo, meine Königin. Wir sehen uns wieder.“Die Stimme gehörte Ryder. Das Gesicht war Ryders. Sogar die feine Narbe nahe seiner linken Augenbraue, an die ich mich noch von unserer ersten Begegnung im Dark-Crystal-Packhaus erinnerte, war da. Doch der Mann, der vor mir stand, war nicht der Alpha, den ich kannte.Der wahre Ryder hatte mich niemals so angesehen.Selbst wenn er mich verabscheut hatte, hatte in seinen sturmgrauen Augen immer etwas gelegen. Misstrauen, Wut, Bedauern, Sehnsucht. Jahrelang hatte ich versucht, diese Augen zu lesen, weil ein törichter Teil von mir einst geglaubt hatte, ich könnte ihn dazu bringen, mich zu lieben, wenn ich ihn nur gut genug verstand.Das Wesen, das sein Gesicht trug, sah mich an, als wäre die Liebe eine amüsante Schwäche, die es schon vor Jahrhunderten überwunden hatte.Die geschwärzte silberne Krone ruhte auf seinem Haupt. Ihre scharfen Spitzen krümmten sich wie Dornen. Dunkle Magie flimmerte um ihn herum, und die uralte Kammer r
Alisons POVIch konnte Ryder nicht mehr rufen hören.Einen Moment zuvor hatte ich noch in der einstürzenden Kammer nach ihm gegriffen, und im nächsten stand ich an einem Ort, den es eigentlich gar nicht geben dürfte. Der Stein unter meinen Füßen war glatt und weiß, die Luft schimmerte in silbernem Licht, und gewaltige Säulen ragten zu einer Decke empor, die von sich bewegenden Sternbildern bedeckt war. Gestalten in uralten Rüstungen umringten mich. Ihre Köpfe waren unter Kronen aus Silber und Schwarz gesenkt. Jeder Einzelne von ihnen schien darauf zu warten, dass ich das Wort ergriff.Ich wusste nicht, wo ich mich befand, aber ich wusste, dass ich nicht allein war.Der Mann, der vor mir stand, war derselbe, den ich bereits in meinen Erinnerungen gesehen hatte. Er hatte dunkles Haar, markante Gesichtszüge und Augen, in denen dasselbe seltsame silberne Licht schimmerte wie in der uralten Krone. Auf seiner Rüstung prangte das Symbol des Gefährtenbringers, und die Klinge in seiner Hand sa
Ryders SichtIn dem Moment, in dem das schwarze Symbol über meinem Herzen erschien, wusste ich, dass etwas nicht stimmte. Die Gefährtenbindung, die Alison und mich seit dem Augenblick miteinander verband, in dem mein Wolf sie zum ersten Mal erkannt hatte, war stets wie eine lebendige Präsenz unter meinen Rippen gewesen. Sie erinnerte mich unaufhörlich an die Frau, die ich einst verletzt hatte und die ich niemals vollständig vergessen konnte. Doch das hier war anders. Das neue Mal fühlte sich an wie eine Hand, die sich um mein Herz schloss und mit einer Kraft zudrückte, die nichts mit Liebe und alles mit Kontrolle zu tun hatte.Ich taumelte rückwärts und fing mich am Altar ab, bevor meine Knie nachgeben konnten. Die uralten Symbole um meine Füße leuchteten auf, und ein stechender Schmerz schoss durch meine Brust. Ich presste die Hand auf das Mal, doch die Dunkelheit breitete sich weiter unter meiner Haut aus.„Ryder!“Alison eilte auf mich zu.Ich hob die freie Hand, um sie aufzuhalten







