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Das falsche Gelübde, meine perfekte Partie
Das falsche Gelübde, meine perfekte Partie
Author: Emel Emerald

Kapitel 1: Zerbrochene Hoffnung.

Author: Emel Emerald
last update publish date: 2026-07-26 19:33:36

Evelyns Sicht

„Ich glaube nicht, dass er heute zurückkommt“, sagte die Obermagd leise zu mir, ihre Augen voller Sorge.

„Decken Sie einfach das Essen ab, vielleicht kommt er ja zurück“, erwiderte ich und bemühte mich, den Schmerz aus meiner Stimme zu verbergen, obwohl ich wusste, dass es sinnlos war. Sie war diesen Anblick fast täglich gewohnt.

Seit drei Jahren ist es dasselbe. Ich warte auf ihn und hoffe, er sei vielleicht gut gelaunt, aber es ändert sich nie. Er sieht mich nie als seine Frau, sondern nur als Ersatz für seine Verlobte Serena.

Ich schloss die Augen, während meine Gedanken zu der Nacht zurückwanderten, in der mein Leben endgültig endete. Es war die Nacht, in der mein elendes Leben erst richtig begann. Serena, meine jüngere Schwester, war seit achtundvierzig Stunden verschwunden und hatte nichts als einen leeren Rollstuhl und ein Haus voller Menschen zurückgelassen, die mich mit vorwurfsvollen Blicken ansahen.  Charlie, Serenas Verlobter, stürmte betrunken und wütend mit funkelnden Augen in mein Schlafzimmer.

„Sie ist wegen dir weg!“, brüllte er, seine Stimme bebte vor Schmerz, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte. Er packte meinen Arm, sein Griff riss mir blaue Flecken auf die Haut, als er mich grob zum Spiegel zerrte. „Sieh dich an, Evelyn. Du hast ihr Gesicht, ihre Haare, ihre Augen. Aber du bist es, die sie ruiniert hat. Du bist der Grund, warum sie nicht laufen kann, und jetzt bist du auch der Grund, warum sie verschwunden ist.“

Ich sah meine Eltern hilfesuchend an, doch sie standen wie immer in der Tür und wandten den Blick ab.

Serena war das Lieblingskind der Familie, die Geliebte, die Intelligente und Begabte, und ich, ich war das schwarze Schaf, unbeholfen in der Öffentlichkeit, die Schande. Sie hatten mich nie gewollt, sie wollten nur Serena, aber ich war aus Schuldgefühlen geboren.

Das machten sie mir deutlich, und Serena sorgte immer wieder dafür, dass ich das nie vergaß. Sie nahm mir alles, was mir etwas bedeutete, schon seit unserer Kindheit. Serena konnte es nicht ertragen, wenn mich jemand lobte. Selbst das kleinste Kompliment spornte sie an, sich alles anzueignen, was es verdient hatte.

Als wir jünger waren und der Kunstlehrer mein Bild lobte, zerriss Serena es an diesem Nachmittag in Stücke und weinte, bis unsere Eltern ihr ein besseres kauften. Meine Eltern sorgten dafür, dass ich nie wieder malte. Sie hinderten mich daran, das Einzige zu tun, was mir Freude bereitete, nur damit sie glücklich war.

 Und sie gab mir sogar die Schuld an ihrem Beinverlust. Sie glaubten ihr, wie immer, und der Hass wuchs nur noch.

Das Zuschlagen der Haustür riss mich zurück in die Gegenwart. Ich saß noch am Tisch, als Charlie hereinkam. Er war so gutaussehend und doch so unerreichbar, obwohl er mein Mann war. Sein kastanienbraunes Haar war zerzaust, und seine blauen Augen waren von dem vertrauten Zorn getrübt, der sie immer erfüllte. Er sah weder das Essen noch mich an. Er ging einfach zum Sideboard, schenkte sich ein Glas Scotch ein und ignorierte mich völlig.

„Du bist spät“, sagte ich kaum hörbar.

Charlie hielt inne, das Glas halb an den Lippen. Dann drehte er sich langsam um, und sein Blick musterte mich mit tiefem Hass. Ich fühlte mich so klein unter ihm.

 „Und trotzdem stehst du hier. Immer noch wartend und hoffend auf irgendeine Illusion“, höhnte er, bevor er einen langen Schluck von seinem Scotch nahm. „Hast du etwa gedacht, ich würde vergessen, wer du bist, nur weil du deine Haare offen trägst? Du kannst versuchen, ihre Schönheit nachzuahmen, so viel du willst, Evelyn, aber du wirst immer das schwarze Schaf bleiben. Das Mädchen, das nimmt und zerstört. Aber Serena war schon immer dein Gegenteil, und muss ich dich daran erinnern, dass sie mir das Leben gerettet hat?“

Ich wollte antworten, ich wollte etwas sagen, aber ich konnte nicht. Es würde nichts daran ändern, dass er mich hasst. Ich sage das schon seit Jahren, aber er glaubt mir nicht.

Das Essen ist kalt … Ich wärme es auf.  „Es wird nicht lange dauern“, flüsterte ich. Ich wünschte mir nur ein kleines bisschen Zuneigung von ihm, aber ich weiß nicht einmal, ob das jemals möglich sein wird.

Er stieß ein höhnisches Lachen aus, das seltsamerweise völlig gefühllos war. „Glaubst du wirklich, ich will irgendetwas von dir? Jedes Mal, wenn ich dich ansehe, sehe ich den Unfall. Ich sehe Serenas verschwendete Jugend und die Beine, die sie wegen deiner Eifersucht verloren hat. Du bist eine ständige Erinnerung an alles, was ich verloren habe, und dafür hasse ich dich.“

Als er mein Schweigen bemerkte, trat er einen Schritt auf mich zu und drang in meine Privatsphäre ein. Seine Hand umfasste mein Kinn so fest, dass ich sicher war, einen blauen Fleck davonzutragen.

„Du bist nur in diesem Haus, weil du ihr ähnlich siehst“, zischte er und bohrte sich kalt in meine Augen. „Du bist ein Platzhalter, und das wirst du immer bleiben. Du bleibst hier, um zu leiden, weil das der einzige Wert ist, der dir geblieben ist. Deine Eltern hatten Recht mit dir.“  „Du warst immer der Fehler, den sie nicht beheben konnten.“

Ich zitterte, als seine Worte mich trafen, während ich den Drang unterdrückte, zu schreien und ihm die Wahrheit zu sagen. Ich wollte ihm von dem Tag am See vor vielen Jahren erzählen, als wir noch Kinder waren und das Eis gebrochen war, aber was sollte das nach drei Jahren noch bringen?

Ich hatte ihm so viel zu sagen, aber wie immer schluckte ich es hinunter, denn ich hatte vor Jahren gelernt, dass Charlie die Wahrheit nicht hören wollte. Er suchte nur jemanden, an dem er seine Wut auslassen konnte, und ich war das perfekte Ziel.

„Iss dein kaltes Abendessen allein, Evelyn“, sagte er und drehte sich um. „Ich habe heute Abend keine Lust, dein böses Gesicht zu sehen.“

Ich sah ihm nach, wie er wegging, und jeder Funken Hoffnung, den ich noch hatte, zerbrach in mir.

Wie viel konnte ich davon noch ertragen?

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