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Kapitel 2: Sie ist zurück

Penulis: Emel Emerald
last update Tanggal publikasi: 2026-07-26 19:34:08

Evelyns Sicht

Ich saß auf der Bettkante, meine Hände umklammerten die Kaffeetasse. Meine Augen waren schon ganz verquollen vom Weinen des Vortages, und ich konnte nichts anderes tun als weinen.

„Ich habe heute Abend ein Geschäftstreffen, warte nicht auf mich“, sagte Charlie hinter mir. Er war gerade mit seiner Krawatte beschäftigt und runzelte die Stirn, als er mein Gesicht sah.

„Ich habe heute eine Pressekonferenz im Haus. Wage es ja nicht, mit so einem Gesicht runterzukommen“, zischte er. Seine Abscheu und Verärgerung waren deutlich zu sehen.

„Okay“, flüsterte ich und umklammerte die Tasse, als hinge mein Leben davon ab.

„Tut es das?“, fragte er und sah endlich auf. Seine blauen Augen blitzten mit dem bekannten, stechenden Hass. „Wage es ja nicht, mich in Verlegenheit zu bringen. Sei brav! Ich will nicht, dass die Medien etwas Schlechtes über heute berichten.“

 Er wollte gerade etwas sagen, als ihn das Geräusch der Tür unterbrach. „Madam, Ihre Eltern sind da, um Sie zu sehen“, sagte die Oberzofe, als sie hereinkam.

„Meine Eltern? Was machen die denn hier?“, fragte ich mich.

„Würden Sie Ihre Eltern besuchen oder brauchen Sie dafür eine Einladung?“, fragte er und starrte mich an, als wolle er mich am liebsten verschwinden lassen.

„Ich komme gleich runter“, sagte ich zur Oberzofe, die nickte und den Raum verließ.

Ich eilte schnell zu meinem Spiegel und versuchte, meine geschwollenen Augen zu kaschieren. „Was wollen Sie denn verbergen? Sie wissen doch, wie unglücklich Sie hier sind, aber es ist ihnen egal. Sie verschwenden nur Ihre Zeit“, sagte er, bevor er den Raum verließ.

Ich betrachtete mein Spiegelbild und fragte mich, ob ich wenigstens die Zuneigung meiner Eltern erfahren würde, die sie meiner Schwester entgegenbrachten.

Ich ging hinaus in die Sitzecke und zwang mir ein kleines Lächeln ab. 

„Guten Morgen, Mama und Papa“, sagte ich, doch sie runzelte nur die Stirn.

„Und was ist denn heute Morgen gut?“, fragte meine Mutter. Sie versuchte nicht einmal, den Hass in ihrer Stimme zu verbergen.

„Ist irgendetwas passiert? Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragte ich kaum hörbar.

„Was zum Teufel machst du auf diesem Foto? Warum zum Teufel bist du auf der Gala, die eigentlich für deine Schwester gedacht war?“, fragte sie und warf mir eine Zeitschrift an den Kopf.

„Ich… ich… Da Serena nicht mehr da war und die Gala leer stand, meinte der Veranstalter, ich solle stattdessen hingehen, um Fragen zu vermeiden“, erklärte ich.

„Du glaubst also, du könntest sie ersetzen, ihren Platz einnehmen und beweisen, dass du besser bist?“, warf mir mein Vater vor und funkelte mich an.

„Du warst schon immer eifersüchtig auf Serena. Seit eurer Kindheit wolltest du immer das, was ihr gehörte.“

„Nein, so habe ich das nicht gemeint. Ich wollte nur helfen.“  Ich platzte es heraus, doch ich bekam eine Ohrfeige.

Ungläubig starrte ich meine Mutter an. „Wenn du mich noch einmal ansiehst, schlage ich dich wieder!“, zischte sie.

„Du bist schuld an ihrem Unfall vor Jahren und der Grund, warum sie überhaupt weggegangen ist“, fuhr meine Mutter mich an. „Serena hat uns nie angelogen. Sie war immer unser ganzer Stolz. Wir wissen genau, was für ein Mensch du bist. Was gibt dir also das Recht, an ihrer Gala teilzunehmen oder sie gar zu ersetzen?“  „Sie fragte wütend.

Ich starrte sie an. Der Schmerz in meinen Augen war deutlich zu sehen. Ich wollte weinen, ich wollte schreien, aber ich konnte nicht. Ich wollte nicht, dass sie mich so zerbrochen sahen. Ich würde es nicht an mich heranlassen. Ich sah Charlie an, aber er funkelte mich nur an.

Ich hatte nicht viel von ihnen erwartet, das hatte ich nie, und meine Hilfe hatte mich nur in diese Lage gebracht.

„Es tut mir leid“, murmelte ich.

„Wofür genau? Ich habe dich nur ertragen, weil deine Schwester nicht wollte, dass dir etwas passiert, aber ich kann das nicht mehr.“  „Ich kann nicht mit ansehen, wie du deiner Schwester alles nimmst, das ist absolut inakzeptabel!“, schrie sie.

Meine eigene Mutter sagte, sie habe mich nur ertragen, als hätte ich darum gebettelt, geboren zu werden, als wäre das das Leben, das ich leben wollte. Ich schluckte meinen Schmerz hinunter und entschuldigte mich erneut, wie immer.

„Es tut mir so leid, ich hätte nicht zu dem Galaabend gehen sollen, es ist mein Fehler.“

Gerade als meine Mutter etwas sagen wollte, hielt sie das Geräusch der aufschwingenden Haustür inne. Sie drehte sich um, um zu sehen, wer es wagte, ohne Einladung hereinzuplatzen.

Ich runzelte die Stirn beim Klacken von Absätzen. Wer würde wohl unangekündigt ins Haus spazieren, fragte ich mich, als die Schritte näher kamen.

Ich drehte mich um, und eine Frau trat in den Durchgang des Esszimmers. Einen Herzschlag lang glaubte ich, in einen Spiegel zu blicken, der nur Perfektion reflektierte, und als mein Blick auf ihrem Gesicht ruhte, erstarrte ich.

Es war Serena.

Sie stand aufrecht da, ihre Haltung von unwirklicher Perfektion, und balancierte perfekt auf ihren schlanken Beinen, die eigentlich nutzlos sein sollten. Sie sah umwerfend aus in ihrem glitzernden Kleid, das sie fast zu schön erscheinen ließ, um wahr zu sein. Ihr Haar, ein Überbleibsel meines eigenen, das nun stumpf und schmutzig war, fiel in Wellen über ihre Schultern, und ihre puppenhaften grünen Augen funkelten mit einer berechnenden Unschuld.

„Charlie?“, flüsterte sie mit geübter, verzweifelter Stimme. 

Charlie sah aus, als hätte er einen Geist gesehen, als er so abrupt aufsprang und seinen Stuhl mit einem Quietschen zurückzog. Sein Gesichtsausdruck verriet puren Schock. „Serena?“

„Ich bin wieder da, meine Liebe“, sagte sie, und ihre Lippen formten ein sanftes, tränenreiches Lächeln. Im selben Augenblick verschwand der kalte, herzlose Mann, mit dem ich einst zusammengelebt hatte. Charlie stieß einen heiseren Laut aus, der wie ein Schluchzen und Lachen zugleich klang, bevor er sich auf sie stürzte. Er fing sie in seinen Armen auf und wirbelte sie herum, als könnte sie verschwinden, wenn er sie nur zu fest drehte. Dann vergrub er sein Gesicht in ihrem Hals, seine breiten Schultern bebten vor einer Aufregung, die ich nie zuvor hatte sehen dürfen.

Bevor ich ein Wort sagen konnte, eilten meine Eltern zu ihr und umarmten sie abwechselnd. Der Zorn, der noch vor wenigen Augenblicken in ihren Augen gelegen hatte, schien sich in Luft aufgelöst zu haben.

Ich brachte kein Wort heraus, mein Blick ruhte auf diesen Beinen, die buchstäblich jeden dazu brachten, mich zu hassen.  Sie waren wieder ganz die Alten, als wäre nie etwas geschehen. Ich kannte Serena und wusste, dass sie sich irgendwann outen würde, aber so?

„Du kannst laufen“, brachte er stockend hervor und legte zitternde Hände an ihr Gesicht. „Serena, deine Beine … wie? Ich verstehe es nicht.“

Serena ließ eine einzelne, makellose Träne über ihre Wange rollen. Sie hob die Hand und ihre Finger streiften seine Wange mit einer Zuneigung, von der ich wusste, dass sie gespielt war. „Es war ein Wunder, Charlie. Ich habe mich so geschämt, dir zur Last zu fallen, war so gebrochen von dem, was passiert war, dass ich gehen und jeden Kontakt abbrechen musste. Ich bin ins Ausland gegangen, um eine hochexperimentelle Spezialbehandlung zu machen. Es war qualvoll, und es gab Momente, da dachte ich, ich würde die Schmerzen nicht überleben, aber der Gedanke, zu dir zurückzukommen … er hat mir Kraft gegeben.“

Sie blickte über Charlies Schulter, und unsere Blicke trafen sich. Ich sah, wie ihr unschuldiger Ausdruck erstarrte und sich sofort in jenen schelmischen Blick verwandelte, den sie mir immer zuwarf, wenn mich niemand beobachtete. 

„Evelyn“, hauchte sie und tat überrascht, als ob sie aufstöhnte.

Serena eilte zu mir und umarmte mich. Ihr Lächeln wurde fast unmerklich breiter.

„Ich bin zurück, Schwester, um mir alles zurückzuholen, was du mir gestohlen hast. Mach dich bereit, alles zu verlieren“, flüsterte sie.

Ich starrte sie ungläubig an. Was zum Teufel hatte sie diesmal vor?

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