LOGINSechs Jahre lang liebte Helena Schulz Noah Müller. Als er für ein weiterführendes Studium ins Ausland ging, wartete sie still auf ihn. Doch als er zurückkehrte, brachte er eine andere Frau an seiner Seite mit. In der Nacht, als Helena in Gefahr geriet, rief sie Noah an. Doch er sagte nur: „Emma hat Angst im Dunkeln. Stell dich nicht so an.“ Dieser eine Satz stürzte Helena in den Abgrund. Niedergeschlagen drehte Helena sich zu Bert Müller, dem Onkel ihres Freundes, um. Tränen standen ihr in den Augen, doch sie weigerte sich zu weinen. „Bert, nimm mich mit.“ ... Später sank Noah vor ihr auf die Knie und flehte sie unter Tränen an. Doch Helena sah nicht ein einziges Mal zurück. Stattdessen nahm sie Bert an der Hand und sagte: „Ich bin jetzt die Frau deines Onkels.“ Der Mann an ihrer Seite senkte den Blick und lächelte. „Ja, du solltest mich Tante nennen.“
View MoreHelena sagte nichts mehr. Als sie seinem dunklen Blick begegnete, entschied sie sich lieber dafür, still weiterzuessen.Bert drängte sie nicht. Er sah sie nur weiter ruhig an, ohne den Blick von ihr zu nehmen.Als sie endlich fertig war, tupfte Helena sich über die Lippen und hob den Blick.„Wenn ich dir jetzt sage, dass ich nach Hause will, lässt du mich sowieso nicht gehen, oder?“Bert nickte gelassen.„Es ist mitten in der Nacht.“Wieder dieser Ton, wieder diese Haltung. Schon wieder nahm er ihr die Entscheidung aus der Hand. Helena warf einen Blick auf die Uhr.„Dann bleibe ich eben bis zum Morgen hier und gehe bei Tagesanbruch.“„Willst du nicht wenigstens noch ein bisschen schlafen?“ fragte er.Helena schüttelte den Kopf.„Du kannst schlafen gehen. Das Wohnzimmer und die Küche räume ich auf. Ich bleibe bis zum Morgen, dann kannst du beruhigt sein.“Bert rieb sich mit einem Anflug von Kopfschmerz über die Stirn.„...“Am Ende tat Helena trotzdem gar nichts. Bert setzte sie auf das
Helena richtete sich halb auf und knipste die Lampe auf dem Nachttisch an.Das Licht war zu grell. Reflexartig hob sie die Hand vor die Augen und stellte es dunkler.Einmal war schon peinlich genug, zweimal erst recht.Wenn das noch einmal passierte, konnte sie ihm bald gar nicht mehr ins Gesicht sehen.Helena stand auf, schlüpfte in die Hausschuhe und öffnete leise die Schlafzimmertür. Mitten in der Nacht wollte sie einfach nur noch von hier verschwinden.Doch kaum kam sie die Treppe hinunter, sah sie ihn schon.Bert saß im Wohnzimmer, ruhig und kerzengerade, und sah sich ein Spiel an.Offenbar hatte er genau damit gerechnet.Er drehte den Kopf und stellte den Fernseher etwas lauter.„Du bist wach. Hast du Hunger?“Helena hielt das Handy in der Hand und sah ihn verlegen an.„Warum bist du noch hier?“„Das ist mein Haus. Wo sonst sollte ich sein?“ Bert klang fast amüsiert.Helena biss sich auf die Lippe.„Ich meine, warum sitzt du noch im Wohnzimmer?“Bert hob leicht die Brauen.„Ich h
Ihre Worte trafen Bert mit voller Wucht. Seine Brust zog sich so schmerzhaft zusammen, dass ihm fast die Luft wegblieb.Helena war immer das Mädchen gewesen, das er am meisten hatte beschützen wollen.Seit seinem plötzlichen Weggang war nichts mehr geblieben, wie es einmal gewesen war. Und vieles von dem, was Helena später ertragen musste, begann genau dort.Sein Kehlkopf bewegte sich. Mit rauer Stimme sagte er: „Es tut mir leid, Heni ...“„Das ist meine Schuld. Ich habe dich damit allein gelassen.“Helena weinte leise weiter und wischte sich die Tränen einfach an seinem Hemd ab.Als Michael nach draußen kam, sah er genau dieses Bild.Der große Mann hielt die Frau fest in den Armen und strich ihr mit erstaunlicher Geduld über den Rücken, um sie zu beruhigen.Michael blieb abrupt stehen.Seit wann war Bert bitte so sanft?Und war Helena nicht Noahs Freundin?Was zum Teufel lief hier gerade?Ein völlig absurder Gedanke schoss ihm durch den Kopf, und plötzlich riss er die Augen auf.Verda
Bert schlug Michaels Hand ohne jede Zärtlichkeit beiseite.Michael warf ihm sofort einen finsteren Blick zu.„Der Kerl ist genauso nervig wie dein Freund. Ehrlich, so hübsch wie du bist und trotzdem sitzt du hier allein. Wir zwei haben echt dasselbe Los gezogen.“Bert war sprachlos. Michael schaffte es immer wieder, genau die falschen Dinge zu sagen.Helena blinzelte zweimal und sah ihn verschwommen an.„Dich hat auch jemand sitzen lassen? Wegen so einer, die sich in fremde Beziehungen drängt?“„Und ob.“ Michael nickte mit Nachdruck, zog sich den Hocker neben sie und winkte dem Barkeeper. „Ich sag dir, diese ...“Bert verpasste ihm eine Ohrfeige gegen den Hinterkopf.„Verschwinde.“Michael hatte endlich mal jemanden gefunden, der ähnlich mies dran war wie er, und wollte seinen Frust loswerden. Er warf Bert einen schrägen Blick zu.„Ich rede mit ihr. Was ist dein Problem?“An Berts Schläfe zuckte es.„Heni. Ich bringe dich nach Hause.“„Nein, ich will zuhören ...“ Helena hatte schon ein





