로그인Lucas Okon hatte einst alles – ein Eckbüro, eine Frau, die zu laut lachte, eine Zukunft, an der er nie gezweifelt hatte. Die Trauer hat ihm all das genommen. Jetzt repariert er undichte Rohre für Leute, die ihn nicht zweimal ansehen, zieht seine Dreijährige alleine groß und lächelt nur noch mit dem Mund. Vivienne Kingston hat alles, was man mit Geld kaufen kann – und fast nichts, was es schützen kann. Sechs Monate nach der Beerdigung ihres Vaters leitet sie sein Imperium allein, umgeben von Cousins, die um das Erbe kreisen, und einem Onkel, der sie „Familie" nennt, wobei in diesem Wort eine Klinge mitschwingt. Sie ist die Einzige, die den Mann noch vermisst, nicht nur das, was er hinterlassen hat. Dann sieht sie ihn – einen Klempner in der Einfahrt ihres Nachbarn, der die Traurigkeit wie einen Mantel trägt, den er nicht ablegen kann. Sie sagt sich, sie solle aufhören, hinzuschauen. Sie tut es nicht. Was als Neugier beginnt, wird zu etwas, das keiner von beiden gewollt hat. Eine vorsichtige, gefährliche Anziehungskraft zwischen einer Frau, die in Wölfen ertrinkt, die sich als Familie tarnen, und einem Mann, der mehr als nur seine Frau begraben hat, als er seinem alten Leben den Rücken kehrte. Auch Vivienne trägt das Erbe ihrer Mutter mit sich – einer Frau, der die Kingstons nie verziehen haben, dass sie ohne Erlaubnis eine Verbindung nach oben einging –, und die Geschichte wiederholt sich gern bei denen, die sich ihr nicht beugen wollen. Er hat ihr nichts zu bieten außer Ehrlichkeit. Sie hat alles – außer jemandem, der sie umsonst will. Keiner von beiden sucht das. Beide brauchen es mehr, als sie je zugeben würden. Trauer. Erbe. Und eine Liebe, die in Arbeitsstiefeln auftaucht, nicht im Sitzungssaal – und sich weigert, wieder zu verschwinden.
더 보기Vivienne wachte vor dem Wecker auf, vor den Vögeln, vor allen anderen im Haus. Eine Minute lang lag sie still im Dunkeln und lauschte. Lucas schlief neben ihr; einen Arm hatte er sich über die Augen gelegt – so schlief er immer. Weiter unten im Flur sprach Zuri im Schlaf. Irgendetwas von Drachen und Pfannkuchen.Heute heirate ich.Sie sagte es in Gedanken, langsam, wie ein Wort in einer neuen Sprache. Vor einem Jahr hätte sie über jeden gelacht, der ihr prophezeit hätte, dass es so weit kommen würde. Damals zerfiel ihre Firma, ein Onkel lauerte auf ihren Posten, und im Haus war es so still, dass sie nachts ihren eigenen Atem hören konnte.Sie stand auf, zog Lucas’ altes Hemd über und stellte sich ans Fenster. Der Himmel über der Stadt war blassgrau. In ein paar Stunden würde der Garten in Ikoyi voller Licht sein.„Du solltest eigentlich schlafen“, sagte Lucas vom Bett aus mit rauer Stimme.„Du solltest auch schlafen.“„Das tat ich ja. Dann bist du aufgestanden.“ Er setzte sich auf und
Vivienne las die Nachricht des Veranstaltungsortes zweimal; ein warmes, leicht überwältigendes Gefühl breitete sich in ihrer Brust aus.„Sie wollen wissen, wie wir mit der Presse umgehen wollen“, sagte sie und zeigte Lucas das Display. „Anscheinend sind wir schon jetzt ‚eine der Hochzeiten, über die in der Stadt am meisten gesprochen wird‘.“„Was hältst du davon?“, fragte Lucas vorsichtig und beobachtete ihre Reaktion.Vivienne dachte darüber nach und ließ die Frage ehrlich auf sich wirken. Vor einem Jahr hätte sie dieser Gedanke mit Angst erfüllt – noch mehr öffentliche Beobachtung, noch eine Gelegenheit für das Chaos ihrer Familie, an die Öffentlichkeit zu dringen. Doch nun antwortete etwas Beständigeres in ihr.„Ich glaube, ich möchte sie im kleinen Kreis feiern, damit sie sich wirklich wie *unsere* Hochzeit anfühlt, aber öffentlich genug, damit niemand behaupten kann, diese Liebe sei ein Skandal gewesen – anstatt genau das, was sie ist.“ Sie gab ihm das Handy zurück. „Eine Handvol
Vivienne und Lucas fanden Amara im Schneidersitz auf dem Boden des Gästezimmers; vor ihr stand eine kleine, geöffnete Holzkiste, und auf dem Teppich waren sorgfältig Papiere ausgebreitet.„Es tut mir leid“, sagte Amara sofort und blickte auf. „Ich weiß, es ist spät, und ich weiß, der Abend sollte eigentlich nur schön sein. Ich hätte fast bis zum Morgen gewartet, bevor ich etwas sage.“„Schon gut.“ Vivienne setzte sich ihr gegenüber, während Lucas sich dicht neben sie setzte. „Was hast du gefunden?“Amara hielt ihr einen kleinen, gefalteten Zettel hin, dessen Knicke durch jahrzehntelange Berührung ganz weich geworden waren. „Er steckte hinter der Geburtsurkunde, in einem kleinen, separaten Fach, das ich fast übersehen hätte. Ich glaube, meine Adoptivmutter hat ihn genau deshalb aufbewahrt, weil sie nicht wusste, was sie sonst damit anfangen sollte.“Vivienne faltete ihn vorsichtig auseinander. Diesmal war es kein offizielles Dokument – nur eine kurze Notiz, handgeschrieben in derselb
Vivienne las die Nachricht des Ermittlers zweimal, bevor sie sie Lucas zeigte; beide blinzelten gegen das frühe Tageslicht, als sie das angehängte Dokument öffnete.Es war kürzer, als sie erwartet hatte – kein neuer Antrag auf Aufschub, kein weiterer Versuch, Charles ins Chaos zu stürzen, sondern lediglich eine einzelne Seite von Patiences Rechtsbeistand mit der Bitte, vor der Urteilsverkündung eine persönliche Erklärung abgeben zu dürfen – „im Interesse voller und umfassender Rechenschaftspflicht“.„Das ist alles?“, sagte Lucas langsam, während er das Schreiben noch einmal las. „Keine neuen Beweise. Keine neuen Behauptungen. Sie will einfach nur sprechen.“„Nach allem, was geschehen ist“, murmelte Vivienne, und eine gewisse Vorsicht in ihrer Brust wich einer Erleichterung. „Vielleicht hatte Charles recht. Vielleicht hat sie keine Waffen mehr, mit denen sie kämpfen könnte.“Im Gerichtssaal herrschte eine ruhige, förmliche Atmosphäre, ganz anders als bei den chaotischen, hochdramatisch

















