LOGINVeronica warf sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die verschlossene Tür und rüttelte am goldenen Türgriff, bis ihre Handflächen rot brannten.
„Damien! Mach diese Tür auf!“, schrie sie, und ihre Stimme hallte nutzlos den leeren Flur hinunter.
Stille war ihre einzige Antwort. Das scharfe Klacken seiner Schritte verblasste im Nichts und ließ sie eingesperrt in der ruhigen, riesigen Suite zurück.
Sie drehte sich um, ihre Brust hob und senkte sich schwer, gefangen zwischen Wut und Erschöpfung. Zehn Minuten vergingen, ehe das elektronische Schloss piepte und die schwere Eichentür knarrend aufging.
Veronica wappnete sich und erwartete, dass Damien wieder hereinspazieren würde. Stattdessen traten zwei Frauen in eleganten schwarzen Uniformen in den Raum und schoben einen hohen Kleiderständer auf Rollen hinein, der von einer schützenden Seidenhülle abgedeckt war. Hinter ihnen kamen zwei professionelle Make-up-Artistinnen mit großen Licht-Kits und silbernen Kosmetikkoffern herein.
„Guten Morgen, Mrs. Steel“, sagte die Chef-Stylistin mit einem höflichen, geübten Lächeln. „Mr. Steel hat uns angewiesen, Sie für die heutige Wohltätigkeitsgala vorzubereiten. Wir haben drei Stunden.“
Veronica starrte sie an, und der Atem stockte ihr im Hals. Sie war nicht nur eine Gefangene; sie war eine Trophäe, die für die Ausstellung hergerichtet wurde.
Die Stylistinnen öffneten den Reißverschluss der Hülle und enthüllten ein smaragdgrünes Samtkleid, das aussah, als gehöre es in ein High-Fashion-Magazin. Es war atemberaubend, elegant und darauf ausgelegt, umwerfend zu wirken – ein goldener Käfig in Form eines Kleides.
Die nächsten zwei Stunden saß Veronica reglos vor dem Frisiertisch, während Pinsel über ihre Haut strichen und die dunklen Schatten unter ihren Augen mit nahtloser Foundation kaschierten. Ihr dunkles Haar wurde zu einem aufwendigen Dutt hochgesteckt, der die schlanke Wölbung ihres Halses freilegte. Schließlich legte die Chef-Stylistin ihr eine schwere, kalte Diamantenkette um den Hals.
Als sie vortraten, sah das Spiegelbild, das Veronica anstarrte, nicht aus wie das einer Frau, deren Familie ruiniert war. Sie sah aus wie der wertvollste Besitz eines Milliardärs.
Ein scharfes Klopfen ertönte an der Tür, und Damien trat ein.
Er trug einen eleganten schwarzen Smocking, der seine breiten Schultern und seine überragende Statur betonte. Sein dunkler Blick glitt an ihr herab, kalt und scharf. Für einen flüchtigen Moment verweilten seine Augen auf dem entblößten Ansatz ihres Halses, ehe sich sein Gesichtsausdruck wieder zu Stein verhärtete.
„Der Wagen steht unten“, sagte Damien, und seine tiefe Stimme schnitt durch den Raum. „Bist du bereit?“
Veronica drehte sich um, während ihr Seidenrock sanft um ihre Knöchel rauschte. „Habe ich eine Wahl?“
„Nein“, antwortete Damien kühl. Er ging auf sie zu und zog eine Samtschatulle aus seiner Sakko-Tasche. Er klappte sie auf und enthüllte ein glitzerndes Diamantarmband. „Zieh das an.“
„Ich trage schon genug Schmuck“, sagte Veronica, und ihre Kiefermuskeln spannten sich an.
Damien ignorierte sie. Er ergriff ihr linkes Handgelenk – seine langen Finger lagen kühl auf ihrer Haut – und schloss den dicken Platinreif um ihren Arm. Sein Daumen verweilte auf ihrem Pulspunkt und spürte das unregelmäßige, hektische Pochen ihres Herzens.
„Du bist nervös“, murmelte er, sein Gesicht nur Zentimeter von ihrem entfernt.
„Ich bin angewidert“, schoss Veronica zurück und starrte direkt in seine pechschwarzen Augen. „Du zwingst mich, wie deine feile kleine Puppe herumzuspazieren, während mein Vater im Krankenhaus um sein Leben kämpft.“
Ein langsames, gefährliches Lächeln berührte Damiens Lippen. Er beugte sich hinunter, sein Atem warm an ihrem Ohr, was ihr einen unerwünschten Schauer über den Rücken jagte.
„Du bist meine Ehefrau, Veronica. Und heute Abend muss jeder in dieser Stadt glauben, dass ich dich abgöttisch liebe. Denn wenn sie auch nur einen einzigen Riss in dieser Ehe spüren, werden die verbliebenen Geschäftspartner deines Vaters ihre Gelder bis Mitternacht abziehen.“
Veronicas Atem stockte in ihrer Kehle. Sie hasste es, wie mühelos er ihre Familie als Druckmittel benutzte.
„Wenn ich heute Abend mitspiele“, flüsterte Veronica, während sich ihre Finger in den Samt ihres Kleides gruben, „was bekomme ich dafür?“
„Ich bezahle die Krankenhausrechnungen deines Vaters für einen weiteren Monat“, sagte Damien kalt. Er bot ihr seinen Arm an, den Ellenbogen in einer formalen Einladung angewinkelt. „Und jetzt nimm meinen Arm.“
Sie schluckte ihren Stolz hinunter und schob ihre Hand in seine Armbeuge. Seine Muskeln fühlten sich unter dem Anzugstoff wie Eisen an.
Der große Ballsaal des St. Regis Hotels war ein verschwommenes Meer aus blitzenden Kameras, Champagnerflöten und klirrenden Kristallgläsern. Hunderte der einflussreichsten Persönlichkeiten der Stadt bewegten sich wie Haie in teurer Kleidung durch den Raum.
In dem Moment, als Damien und Veronica durch die Doppeltür traten, schwenkte jede Kameralinse zu ihnen herum. Blendende Blitzlichter explodierten vor Veronicas Augen.
„Lächeln, Mrs. Steel“, murmelte Damien, während seine Hand sich sanft auf ihren unteren Rücken legte. Seine Handfläche war warm, drückte fest gegen ihre Wirbelsäule und zog sie nah an seine Seite.
Veronica zwang ein sanftes, strahlendes Lächeln auf ihr Gesicht und wandte sich den blitzenden Kameras zu. „Du bist ein Monster“, flüsterte sie durch ihr starres Lächeln.
„Und du bist ein Naturtalent“, erwiderte Damien reibungslos und neigte den Kopf, als würde er ihr eine süße Liebkoosung ins Ohr flüstern.
Für die Menge wirkten sie wie ein leidenschaftlich verliebtes Paar. Doch unter seiner schweren Hand an ihrer Taille fühlte sich Veronica wie eine Gefangene mit einer Pistole im Rücken.
„Damien! Hier drüben, mein Junge!“
Eine laute, dröhnende Stimme schnitt durch den Lärm. Ein älterer Mann mit silbernem Haar und einem scharfen, kalkulierenden Spottlächeln näherte sich ihnen mit einem Glas Scotch in der Hand. Es war Arthur Vance – einer der ältesten Firmenrivalen ihres Vaters.
Arthurs scharfe Augen wanderten von Damien zu Veronica, und seine Lippen verzogen sich zu einem hönischen Grinsen.
„Ich muss schon sagen, Damien, die Stadt war schockiert über die plötzliche Hochzeit“, sagte Arthur, und sein Tonfall troff vor gespielter Wärme. „Die Tochter von Henry Hayes direkt nach dem Zusammenbruch seiner Firma zu heiraten ... ein ziemlich kühner Schritt. Manche Leute sagen, es war eine Barmherzigkeitsaktion.“
Veronica spürte, wie sich Damiens Hand um ihre Taille verengte, seine Finger gruben sich mit einer subtilen, beschützenden Kraft in ihre Hüfte, die sie völlig unvorbereitet traf.
„Barmherzigkeit hat damit überhaupt nichts zu tun, Arthur“, sagte Damien, und seine Stimme sank zu einem dunklen, bedrohlichen Knurren herab. „Veronica ist meine Ehefrau. Die Angelegenheiten ihrer Familie sind jetzt meine Angelegenheiten. Wer auch immer versucht, ihre Familie ins Visier zu nehmen, wird sich direkt vor Steel Holdings verantworten müssen.“
Arthur blinzelte, völlig überrascht von der Feindseligkeit in Damiens Augen. Er hob schnell sein Glas und schlich zurück in die Menge.
Veronica blickte zu Damien auf, ihre Brust hob und senkte sich sanft. Für einen Bruchteil einer Sekunde, als er sich vor Arthur gestellt hatte, hatte sie eine seltsame Illusion von Sicherheit an seiner Seite gespürt.
„Warum hast du das gesagt?“, fragte Veronica leise, während ihre Augen sein Gesicht absuchten. „Du hasst meinen Vater.“
Damien sah zu ihr herab, sein Kiefer spannte sich hart an. „Ich habe es dir gesagt. Niemand außer mir bekommt das Recht, deine Familie zu zerstören.“
Ehe sie antworten konnte, näherte sich ein Kellner mit einem Tablett voller Eiswasser und Champagner. Veronica streckte die Hand aus, um nach einem Glas Wasser zu greifen und ihre trockene Kehle zu beruhigen.
Als ihre Finger das kalte Glas berührten, traf sie ein plötzlicher, scharfer Schwindelanfall wie ein Vorschlaghammer. Der Raum kippte eisern zur Seite. Die Blitzlichter verschmolzen zu langen, weißen Streifen. Ihre Knie gaben unter dem schweren Kleid nach.
„Veronica?“ Damiens Stimme klang gedämpft, als wäre er unter Wasser.
Ihre Hand glitt von seinem Arm ab. Die Welt wurde dunkel, und ihr Körper sackte nach vorne – direkt in Damiens wartende Arme, ehe sie auf dem Boden aufschlug.
Die digitale Uhr auf Veronicas Handy flackerte in der nebligen Dunkelheit: 6:00 Uhr.Die Türen des Gerichtsgebäudes öffneten sich. In weniger als zehn Minuten würden Arthur Vances teure Anwälte das Büro des Rechtspflegers betreten, um die lebenserhaltenden Maschinen ihres Vaters abzuschalten und das aufzufressen, was vom Erbe ihrer Familie noch übrig war.Eine blendende Säule aus Halogenlicht durchschnitt den morgendlichen Seenebel und nagelte ihr Abfangboot in einem unausweichlichen Scheinwerferstrahl fest. Voraus drehte sich das schwere montierte Maschinengewehr von Vances Söldner-Kanonenboot mit einem übelkeiterregenden metallischen Klacken auf sie zu.„Festhalten!“, brüllte Dr. Evans und riss den Biturbo-Schubhebel in ein gewaltsames, hochprozentiges Ausweichmanöver.Das Boot neigte sich scharf nach links und wirbelte eine türmhohe Wand aus Gischt auf, die die Zielsensoren des Feindes blendete. Eine Bruchteil einer Sekunde später fraß sich schweres Gewehrfeuer Zentimeter von ihrem
Die Nachtluft riss in einem blendenen Blitz aus Feuer und verdrehtem Eisen zu Staub. Schwere taktische Fahrzeuge pflügten durch die zertrümmerten Überreste der äußeren Tore des Anwesens, ihre Reifen quietschten auf der nassen Steinauffahrt. Halogenscheinwerfer durchschnitten den dunklen Küstennebel und tauchten die große Steintreppe in ein unheimliches, blendend weißes Licht.„Zurück!“, bellte der zweite Wächter, packte Veronica am Arm und zog sie hinter die massiven Marmorsäulen, während automatisches Gewehrfeuer über den Eingang prasselte.Kugeln schlugen in die Steinfassade ein und überschütteten sie mit messerscharfen Trümmern. Fest an Veronicas Brust gepresst lagen die frisch unterzeichneten Eilantragsdokumente und der kalte, verschlüsselte USB-Stick, der die Wahrheit über Arthur Vance enthielt. Wenn diese Dokumente heute Nacht zerstört würden, würden die lebenserhaltenden Maschinen ihres Vaters bei Sonnenaufgang abgeschaltet werden.Der Wächter schlug seine Hand auf das Notfall-
Veronica stand wie erstarrt in dem sterilen, schwach beleuchteten Flur, ihre Finger zitterten an der kühlen Hülle ihres zweiten Handys. 3:15 Uhr. Die leuchtenden Ziffern starrten sie an wie ein Countdown-Timer zu einer Hinrichtung. Sie hatte weniger als drei Stunden, bevor das zentrale Gerichtsgebäude bei Sonnenaufgang öffnete, und Arthur Vance zog das Netz um die lebenserhaltenden Maschinen ihres Vaters bereits eng zusammen.„Wenn Damien Steel nicht am Leben ist, um die Gegendarstellung bis Sonnenaufgang mitzuunterzeichnen“, hallte die panische Stimme ihres Anwalts in ihrem Kopf wider, „übernimmt Vance die Kontrolle über alles.“Im Operationssaal durchbrach plötzlich ein Choral aus schrillen elektronischen Pieptönen die Stille. Rote Warnlichter flackerten über den Milchglastüren auf, während das medizinische Personal mit Blutbeuteln und Notfallwagen hin und her eilte. Der Dauerton des Herzmonitors stimmte sein furchterregendes, ununterbrochenes Summen an.Panik schoss durch Veronicas
Veronica hatte noch nie zuvor einen sterbenden Mann gehalten, schon gar nicht den skrupellosen Milliardär, der sie noch vor wenigen Stunden in einer Suite eingesperrt hatte. Nun pulsierte Damiens Leben buchstäblich zwischen ihren nackten Handflächen. Jedes Mal, wenn der schwere SUV auf den regennassen Kurven der Klippenstraße gewaltsam ausbrach, rollte sein Kopf kraftlos gegen ihren Oberschenkel, sein Gesicht unter den vorbeiziehenden Straßenlaternen so blass wie Marmor.Hinter ihnen hallte das Brüllen getunter Motoren und das Feuer automatischer Gewehre durch den Sturm. Arthur Vances Leute ließen nicht locker.Veronica kieferte wütend und verengte ihren blutverschmierten Griff um den verschlüsselten Stick in ihrer Tasche. Er hat eine Kugel für mich abgefangen, dachte sie, während ihr Herz wild gegen ihre Rippen hämmerte. Ich werde nicht zulassen, dass sie uns auf dieser Straße den Rest geben.„Halten Sie den Druck auf die Brustwunde aufrecht, Mrs. Steel!“, schrie der Wächter auf dem
Damiens schwerer Körper drückte Veronica flach gegen die kalte Betonwand, sein Gewicht zerquetschte sie beinahe. Der metallische Geruch von Blut erfüllte das enge Treppenhaus, heiß und erstickend.„Damien!“, keuchte Veronica, während ihre Hände zu seiner Brust schnellten.Ihre Finger versanken in einer nassen, warmen Flüssigkeit. Die Vorderseite seines makellosen weißen Hemdes verfärbte sich direkt über seinem Herzen tiefrot. Sein Kopf sackte auf ihre Schulter, sein unregelmäßiger Atem brannte auf ihrem Hals.Über ihnen hohnlächelte Arthur Vance. Er trat langsam eine Stufe auf dem Betonpodest nach unten, seine schallgedämpfte Pistole direkt auf Veronicas Kopf gerichtet.„Eine rührende Vorstellung, Mrs. Steel“, schnurrte Vance, während sich sein Finger um den Abzug spannte. „Lassen Sie uns dieses Erbe nun ein für alle Mal beenden.“Bevor Vance abdrücken konnte, flog die schwere Paniktür aus Stahl oben im Treppenhaus mit einem ohrenbetäubenden Krachen nach innen auf.„Sicherheitsdienst!
Veronicas Atem entwich in einem harten Keuchlaut.Ihre Augen waren auf das leuchtende Handydisplay in Damiens Hand geheftet. Das verschwommene Sicherheitsvideo zeigte einen Mann in grüner OP-Kleidung, der sich über ihren schlafenden Vater beugte. Die behaandshuhte Hand hielt eine transparente Spritze, deren Spitze direkt in den Infusionsschlauch aus Plastik drückte.„Dad“, stieß sie hervor. Ihre Beine zitterten so stark, dass sie sich an der Sofalehne festhalten musste, um aufrecht zu bleiben. Kalte Angst fror ihr Blut ein.Damien verschwendete keine Sekunde. Er tippte schnell auf eine Taste seines Handys, führte es ans Ohr und bellte einen Befehl in die Leitung, bevor irgendjemand sprechen konnte.„Code Schwarz in Zimmer 412. Einbruch im Gange. Kappt den Feed und lasst sofort die Sicherheitsrollos runter.“Er steckte das Handy in die Tasche, schnappte sich seine Smokingjacke vom Stuhl und warf sie sich über die Schultern. Er griff nach unten, packte Veronicas Handgelenk und riss sie







