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Zerbrechliche Kontrolle

Author: Veronica
last update publish date: 2026-10-20 17:26:12

Als Veronica ihre Augen öffnete, war die Welt nur ein dumpfer Schleier aus sanftem Beige und leisem Licht.

Die dröhnende Musik des Ballsaals war verschwunden. Die blendenden Blitzlichter der Kameras waren fort. Sie lag auf einem plüschigen Ledersofa in einer privaten VIP-Suite im Obergeschoss des Hotels. Ihr schweres Samtkleid drückte schwer auf ihre Brust, sodass sich jeder Atemzug flach und beengt anfühlte.

„Nicht bewegen“, befahl eine tiefe, ruhige Stimme aus dem schwach beleuchteten Raum.

Veronica blinzelte und drehte den Kopf auf dem weichen Kissen. Damien stand am schweren Glasfenster; seine dunkle Smokingjacke hatte er ausgezogen und über einen Stuhl in der Nähe gehängt. Sein weißes Hemd war am Kragen aufgeknöpft, die Ärmel bis zu den Unterarmen hochgekrempelt. In der Hand hielt er ein hohes Glas mit Eiswasser.

Die Erinnerung traf sie wie eine eiskalte Welle: der vollgestopfte Ballsaal, Arthur Vances grausames Grinsen, Damiens furchteinflößende Drohung und dann die plötzliche, schwarze Leere.

Sie stützte sich hoch und setzte sich auf, während ihr Kopf mit einem scharfen, dumpfen Schmerz pochte. „Was ist passiert?“

„Du bist in Ohnmacht gefallen“, sagte Damien tonlos, ging auf sie zu und hielt ihr das Glas hin. „Der Arzt meinte, dein Blutzucker ist im Keller. In Kombination mit starkem Stress und der Tatsache, dass du seit zwei Tagen keine richtige Mahlzeit mehr zu dir genommen hast.“

Veronica blickte auf das Glas und dann hinauf in seine dunklen, unergründlichen Augen. Sie griff nicht danach. „Hast du einen Arzt hergeholt?“

„Ich habe das Hotel angewiesen, einen privaten Raum freizumachen, und meinen persönlichen Arzt kommen lassen“, erwiderte Damien mit scharfer Stimme. „Hast du ernsthaft geglaubt, ich würde die Presse dabei zusehen lassen, wie meine Frau wie eine zerbrochene Stoffpuppe auf dem Ballsaalboden zusammenbricht?“

„Natürlich“, flüsterte Veronica, während ein bitteres Lachen ihren trockenen Lippen entwich. Sie nahm das Glas, ihre Finger streiften für eine Sekunde seine kalten Knöchel, bevor sie sie wieder wegzog. „Bei dir dreht sich doch immer alles nur um das Image, nicht wahr? Den Namen Steel zu schützen.“

„Es geht um Kontrolle“, korrigierte Damien kalt und lehnte sich gegen die Kante des Glastisches vor ihr. „Und im Moment machst du den Eindruck, zerbrechlich zu sein. Das lässt mich schwach aussehen.“

Veronica stellte das Glas mit einem harten Klacken auf dem Tisch ab. Heiße, stechende Wut flammte in ihrer Brust auf und spülte den restlichen Schwindel hinweg.

„Ich bin nicht zerbrechlich“, sagte sie mit lauter werdender Stimme, während sie ihm direkt in die pechschwarzen Augen sah. „Ich habe seit sechsunddreißig Stunden nicht geschlafen, weil du mich in einem Schlafzimmer eingesperrt hast. Ich habe nichts gegessen, weil mein Vater im Krankenhaus im Sterben liegt und sein Arzt nicht einmal ohne deine Erlaubnis mit mir spricht. Du hast mir mein Telefon, meine Freiheit und meine Würde genommen, und du erwartest, dass ich da sitze und für deine falschen High-Society-Freunde lächle?“

Damien zuckte nicht mit der Wimper. Er blinzelte nicht einmal. Aber der Muskel in seinem angespannten Kiefer zuckte so heftig, dass er Holz hätte spalten können.

„Ich habe das Leben deines Vaters gerettet“, sagte Damien leiser, und seine Stimme sank zu einem tiefen, gefährlichen Knurren herab, das durch den kleinen Raum vibrierte. „In dem Moment, als sein Herzmonitor gestern Nachmittag eine flache Linie anzeigte, hat mein Geld die Notoperation bezahlt, die sein Herz weiter schlagen ließ. Ohne mich läge Henry Hayes vor Sonnenuntergang im Sarg.“

Veronica erstarrte, der Atem stockte ihr schmerzhaft in der Lunge. „Er... er hatte einen weiteren Anfall?“

„Ja“, murmelte Damien, und seine dunklen Augen fixierten die ihren mit erbarmungsloser Intensität. „Und während du damit beschäftigt warst, mich in diesem Kleid zu hassen, habe ich die Genehmigungspapiere unterschrieben, um ihn auf die beste kardiologische Intensivstation des Landes zu verlegen.“

Die Luft entwich Veronicas Lungen in einem langen, zitternden Ausatmen. Ihre Hände zitterten heftig in ihrem Schoß. Ihr war schlecht; sie war hingerissen zwischen dem Hass auf den Mann, der sie gefangen hielt, und der furchterregenden Realität, dass er das Einzige war, was ihren Vater am Leben hielt.

„Warum?“, flüsterte sie, ihre Stimme brach, als sich eine einzelne Träne aus ihren Wimpern löste und über ihre Wange lief. „Wenn du ihn so sehr hasst; wenn du mich geheiratet hast, um uns zu vernichten – warum rettest du sein Leben?“

Damien richtete sich auf, und seine gewaltige Statur warf einen dunklen, schweren Schatten auf das Sofa. Er beugte sich hinunter, legte beide Hände auf die Lederkissen zu beiden Seiten ihrer Schultern und fing sie in seinem Bereich ein. Der Duft von dunklem Zedernholz und teurem Regen umgab sie.

„Weil der Tod zu leicht ist, Veronica“, flüsterte Damien, seine Lippen nur Zentimeter von den ihren entfernt. „Wenn dein Vater jetzt stirbt, leidet er nicht für das, was er meiner Familie angetan hat. Er lebt. Er sieht zu, wie sein Imperium verbrennt. Und er sieht zu, wie seine geliebte Tochter dem Mann gehört, den er zu vernichten versuchte.“

Veronica starrte zu ihm auf, ihr Herz hämmerte so heftig gegen ihre Rippen, dass sie sicher war, er konnte es hören. Ihre Handflächen ruhten flach auf seiner warmen, breiten Brust, um ihn wegzustoßen, doch stattdessen krallten sich ihre Finger unwillkürlich in den makellosen Leinenstoff seines Hemdes.

„Ich werde niemals dir gehören“, hauchte sie und hob trotzig das Kinn, obwohl Tränen ihre Sicht verschwimmen ließen.

Damiens Augen verdunkelten sich, sein Blick glitt zu ihren zitternden Lippen, bevor er blitzschnell wieder in ihre Augen traf.

„Das tust du bereits, Mrs. Steel“, flüsterte er.

Bevor sie etwas erwidern konnte, ertönte ein schrilles Klingeln seines Handys in seiner Tasche und durchbrach die erstickende Spannung zwischen ihnen. Damien zog sich sofort zurück, strich sein dunkles Hemd glatt, während er sein Handy herauszog und auf den Bildschirm tippte.

Während er die Nachricht las, wich langsam jede Farbe aus seinem Gesicht. Die kalte, arrogante Fassung, die er sonst trug, bekam Risse und wich einer dunklen, tödlichen Wut.

Veronica setzte sich auf, ihre Instinkte waren sofort auf höchster Alarmstufe. „Was ist los?“

Damien drehte das Handy zu ihr her, seine Augen pechschwarz vor purer Wut.

Auf dem Bildschirm war ein Live-Sicherheitsbild aus dem Krankenzimmer ihres Vaters zu sehen. Eine Gestalt in OP-Kleidung stand über dem Bett und hielt eine Spritze, die direkt in den Infusionsschlauch ihres Vaters entleert wurde.

Dann sank Damiens Stimme zu einem furchterregenden, eisigen Flüstern herab.

„Der Killer hat es nicht auf deinen Vater abgesehen, Veronica. Sieh dir den Zeitstempel der Kamera an. Er hat darauf gewartet, dass du dieses Zimmer betrittst.“

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