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Der Vertrag

Author: dee🕊️
last update publish date: 2026-10-27 07:38:19

Kapitel Vier — Der Vertrag

Das war vor drei Tagen.

Jetzt war Samstagmorgen, und in dieser Realität hatte Adrian Kingston Alina Hayes’ Antrag angenommen.

Einen Moment nach dem Aufwachen lag sie still da und starrte an die Decke, ließ die Tatsache sacken. Der Antrag, seine Zustimmung und die Warnung in seiner Stimme, als er ihr gesagt hatte, sie solle ihn das nicht bereuen lassen. Es fühlte sich bereits zu schnell an. Ihre Hand schloss sich fester um ihr Telefon.

Sollte sie Xavier informieren? Nein, sie wollte es ihm nicht sagen.

Sie schob die Decke beiseite und ging aus dem Schlafzimmer, noch halb in der Stille des Morgens, als ihr Telefon klingelte.

Alina nahm ab. „Dad.“

„Geht es dir gut?“, fragte Daniel sofort.

„Mir geht’s gut, Dad, warum …?“

„Sag mir das nicht.“ Seine Stimme war rau von Schlafmangel. „Nach dem, was in jener Nacht passiert ist, sag mir das nicht.“

Sie blieb in der Nähe der Küchentheke stehen. „Bist du in Sicherheit?“

„Ich bin zu Hause. Die Tür ist abgeschlossen und seit du gegangen bist, ist nichts passiert.“ Er hielt inne. „Danach frage ich nicht.“

Sie schloss für eine Sekunde die Augen. „Ich weiß.“

„Du solltest das nicht tun“, sagte Daniel. „Nicht für mich. Nicht für irgendjemanden.“

„Er hat dich schon einmal erwischt und wer weiß, was …“

„Und ich bin immer noch dein Vater. Ich kann mit meinen eigenen Problemen fertigwerden.“

„Nein.“ Ihre Stimme blieb leise, aber fest. „Ich werde nicht zusehen, wie er dich noch einmal benutzt.“

Daniel schwieg einen Moment. „Sag mir wenigstens, dass du noch nichts Endgültiges getan hast.“

Sie blickte auf ihre nackte linke Hand. „Ich treffe heute den Anwalt.“

„Alina.“ In seiner Stimme lag Besorgnis.

„Ich werde vorsichtig sein.“

„Das ist nicht dasselbe wie sicher oder vorsichtig. Realisierst du die Risiken, dich mit den Kingstons einzulassen – oder schlimmer, sie zu verraten?“

Sie hatte darauf keine Antwort.

„Alina …“

„Ich kann auf mich aufpassen, Dad.“

Daniel atmete langsam aus. „Ruf mich danach an. In dem Moment, in dem du fertig bist.“

„Werde ich.“

„Versprich es mir.“

„Ich verspreche es.“

Als der Anruf endete, fühlte sich die Stille in der Wohnung schwerer an als zuvor. Ihr Vater war am Leben, unverletzt und versuchte immer noch, sie zu schützen.

Was passierte, wenn zwei machtbesessene Männer sich um sie kümmern mussten.

Sie machte Kaffee und versuchte, den Morgen zu verbringen, als wäre es ein ganz normaler Samstag. Der Ring, den sie noch nicht trug, saß bereits in ihrem Kopf wie eine Entscheidung, die ihr davongelaufen war.

Würde Adrian sie jeden Moment kontaktieren?

Ihr Telefon vibrierte erneut, während sie sich nach dem Duschen die Haare trocknete.

Unbekannte Nummer.

„Hallo?“

„Ms. Hayes? Mein Name ist Jonathan Pierce. Ich bin der Anwalt von Mr. Kingston.“

Der Name registrierte sich sofort. „Mr. Pierce.“

„Ich hoffe, ich rufe nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt an.“

Alina blickte auf die Uhr. Knapp nach zehn. „Das hängt davon ab, warum Sie anrufen.“

„Ich rufe wegen der Ehe… Vereinbarung zwischen Ihnen und Mr. Kingston an.“

Vereinbarung war ein besseres Wort für das, was sie gleich teilen würden.

Mr. Pierce fuhr fort. „Er hat mich gebeten, die Heiratsdokumente vorzubereiten. Ich würde sie gerne heute mit Ihnen durchgehen, falls Sie Zeit haben.“

Natürlich. Ihr Samstag war weg. Statt sich zu entspannen und den Tag mit Yoga und Kaffee zu verbringen, würde sie Dokumente unterschreiben.

„Heute?“

„Um 14 Uhr in meinem Büro, wenn möglich.“

„In Ordnung.“

„Ich schicke Ihnen die Adresse.“

„Danke.“

Der Anruf endete. Alina senkte das Telefon und starrte darauf. Ein Tag. Das war alles, was vergangen war, seit sie in Adrian Kingstons Büro gegangen war und „Heirate mich“ gesagt hatte. Jetzt hatte sie einen Termin mit seinem Anwalt.

Gegen halb zwei stand sie vor ihrem Kleiderschrank. Ihre Finger strichen über jedes Outfit und warfen es dann beiseite. Zu formell oder zu lässig.

Was würde man zu einer Scheinehe anziehen?

Schließlich entschied sie sich für ein weinrotes, knöchellanges Kleid, einen kurzen cremefarbenen Blazer, nude Absätze und kleine goldene Ohrringe. Sie steckte ihre Locken zu einem tiefen Dutt, ließ ein paar Strähnen lose und behielt ihr Make-up dezent.

Im Spiegel sah sie professionell, ruhig und schön aus.

Das brauchte sie. Zumindest ließ das Outfit sie von außen selbstbewusster wirken als innen.

Schließlich ging sie nicht zu einer Hochzeit. Es würde keinen Priester geben, keinen Gang und definitiv keine Gäste. Sie ging, um einen Vertrag zu unterschreiben.

Das machte die ganze Sache noch seltsamer.

---

Jonathan Pierces Büro belegte eine private Anwaltsetage, die mit Kingston-Interessen verbunden war. Der Empfangsbereich war still. Sie nannte der Empfangsdame ihren Namen, und ein paar Minuten später näherte sich ein Mann im marineblauen Anzug.

„Ms. Hayes.“

„Mr. Pierce.“

Sie schüttelten sich die Hand. „Mr. Kingston ist bereits hier“, sagte er.

Natürlich war er das.

Er führte sie einen kurzen Flur hinunter in einen Konferenzraum. Adrian stand in der Nähe der Fenster und drehte sich um, als die Tür aufging. Er besaß dieselbe Kontrolle, denselben undurchschaubaren Ausdruck. Sein dunkles Haar war nach hinten gegelt und dunkle Augen trafen die ihren. Sie gab eines zu: Adrian Kingstons Gesichtskarte mogged die Hälfte der Prominenten im Land.

„Ms. Hayes.“ Sie brach den Blick von seinem Gesicht ab.

„Mr. Kingston.“

Jonathan schloss die Tür und legte einen dicken Ordner auf den Tisch.

„Das ist die vorläufige Ehevereinbarung. Bevor wir die Klauseln durchgehen – keiner von Ihnen sollte etwas unterschreiben, das er nicht versteht oder akzeptiert.“

Die Bedingungen waren klar.

Ein Jahr als Ehepaar, getrennte Finanzen, kein Anspruch auf das Vermögen des anderen, keine Einmischung in berufliche Angelegenheiten, öffentliche Auftritte nur, wenn nötig, keine emotionalen Erwartungen und definitiv keine Intimität.

Der Vertrag konnte jederzeit beendet werden, wann immer er es wünschte.

Alina hörte aufmerksam zu und stimmte zu, ohne die Diskussion in die Länge zu ziehen. Als Jonathan fertig war, fügte sie einen eigenen Punkt hinzu.

„Ich möchte klar geschrieben haben, dass keiner von uns den anderen zwingen kann, länger als das Jahr zu bleiben.“

Jonathan nickte. „Vernünftig.“

Adrian beobachtete sie. „Ich hätte keinen Grund, dich länger als ein Jahr zu behalten.“

Sie biss sich auf die Innenseite der Lippe und nickte. Jonathan machte die Notiz.

Als die endgültigen Exemplare fertig waren, schob er sie mit Stiften über den Tisch.

Alina starrte länger auf die Unterschriftszeile, als sie wollte. Ihr voller Name wartete dort gedruckt.

Einen Moment lang dachte sie an ihr jetziges Leben, ihre Wohnung, ihr Studio, das Leben, das sie allein aufgebaut hatte.

Es war sowieso nur für ein Jahr. Dann unterschrieb sie.

Adrian unterschrieb darunter.

Jonathan holte zwei kleine Schachteln hervor. Darin lagen schlichte, teure goldene Ringe.

„Die Ringe.“

Adrian nahm zuerst einen. Alina zögerte, dann streckte sie die Hand aus. Adrian blickte auf ihren Finger und hob eine Augenbraue.

Als sie begriff, was er andeutete, zog sie die Hand zurück und steckte sich ihren eigenen Ring an den Finger, und er tat dasselbe.

Jonathan stand auf. „Ich bereite morgen für jeden eine Kopie des Vertrags vor. Herzlichen Glückwunsch.“ Das Wort fühlte sich seltsam an in dem stillen Raum.

Er sammelte die Dokumente ein und ließ sie allein.

„Also, wir sind verheiratet. Rechtlich.“ Sie stellte die offensichtliche Tatsache fest.

Mrs. Kingston.

So würde sie von nun an angesprochen werden. Sie biss sich auf die Lippe.

„Wegen der Wohnsituation …“

Sie hatte bis jetzt nicht realisiert, dass sie vielleicht ihr Haus verlassen und bei ihrem … Ehemann einziehen müsste.

„Du ziehst morgen in meine private Villa. Das Treffen mit meiner Familie wird terminiert. Alles und jedes, was du zu ihnen sagst, wird vorher geprobt“, erklärte er. Seine Stimme dominierend.

Sie hatte sich mental bereits darauf vorbereitet. „In Ordnung.“

Er warf ihr einen Blick zu, seine Augen kalt. „Wir teilen uns kein Zimmer“, verkündete er.

Das brachte eine Art Erleichterung. Sie nickte und stand auf, um zu gehen.

Sie trat durch die Tür, ohne zu antworten.

Draußen vor dem Gebäude fühlte sich die Nachmittagsluft kühler an, als sie erwartet hatte. Sie hatte gerade ihr Auto erreicht, als ihr Telefon vibrierte.

Eine Nachricht von Xavier.

„Es ist erledigt, also.“

Alina blieb stehen.

Fast sofort folgte eine weitere Nachricht.

„Gut. Jetzt fang an, nützlich zu sein.“

Sie starrte auf den Bildschirm, der neue Ring kalt an ihrem Finger, und realisierte, dass der Vertrag mit Adrian nur die eine Hälfte der Falle war.

Die andere Hälfte hatte gerade erst begonnen.

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