LOGINKapitel Zwei — Der Druck
Alina atmete erst richtig, als sie wieder in ihrem Auto saß.
Sie saß hinter dem Steuer, der Motor aus, und starrte auf das Lenkrad, als könnte es erklären, was sie gerade getan hatte. Hinter ihr ragte das Kingston-Empire-Gebäude empor, als würden Männer wie Adrian Kingston jede Woche Heiratsanträge von Fremden erhalten.
Sie ließ einen kurzen, ungläubigen Atemzug heraus und startete den Wagen.
Vor drei Tagen hatte ihr Leben noch Sinn ergeben – mit Kunden, Projektfristen und einer ruhigen Wohnung. Jetzt fuhr sie vom Büro eines der mächtigsten Männer des Landes weg als seine zukünftige Frau.
Vorübergehende Frau. Oder besser: Vertragsehefrau.
Welchen Namen sie dem Ganzen auch gab – es bedeutete trotzdem, dass zwischen ihnen nichts anderes war als eine Vereinbarung.
Die Fahrt nach Hause registrierte sie kaum. Die Stadt zog in einem verschwommenen Strom aus Ampeln und spätnachmittäglichem Lärm vorbei, bis sie in ihre Straße einbog. Als sie vor ihrem Gebäude parkte, stieg sie nicht sofort aus. Sie behielt beide Hände am Lenkrad und starrte auf den vertrauten Eingang, als gehöre er jemand anderem.
Drei Tage. Das war alles, was es gebraucht hatte, damit sich ihr Leben von „morgens mit Kaffee zur Arbeit hetzen“ zu „in das Büro eines CEOs gehen und ihn um die Ehe bitten“ verwandelte.
Bevor sie sich dagegen wehren konnte, ging ihr Geist zurück.
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Drei Tage zuvor
Alinas Nachmittag hatte sich schon in die Länge gezogen, als ihr Telefon auf dem Tisch vibrierte.
Sie war mitten in einem Kundengespräch, Stoffproben über den Schreibtisch verteilt, die Frau gegenüber blätterte noch durch die Stangen.
Alina hätte den Anruf ignoriert. Dann blickte sie auf den Bildschirm.
Unbekannte Nummer.
Dann nahm sie ab. „Hallo?“
Stille.
„Hallo?“
Eine kurze Pause. Dann kam eine Stimme durch die Leitung, die sie seit Jahren nicht gehört hatte.
„Alina.“ Ihre Finger schlossen sich fester um das Telefon. Sie setzte sich gerader hin.
Sie kannte diese Stimme sofort.
„… Xavier?“
Einen Moment lang konnte sie nicht sprechen. Seit sechs Jahren hatte sie nichts von ihm gehört. Nicht, seit sie endlich Abstand zwischen sich und das Leben gebracht hatte, das sie einmal geteilt hatten.
Seine Stimme hatte sich nicht verändert. Das war das Schlimmste.
Sie drehte sich leicht von ihrer Kundin weg. „Was willst du?“
„Ich muss mit dir sprechen.“
„Ich kann gerade nicht reden.“
„Es ist lange her. Wie geht es dir?“
Irritation schnitt durch ihre Brust. Sechs Jahre Schweigen, ohne jeglichen Kontakt oder irgendein Zeichen, dass sie noch denselben Planeten bewohnten – und dann rief er einfach so an.
„Was willst du?“, fragte sie erneut, fester.
„Ich brauche einen Gefallen.“
Sie hätte fast gelacht. „Einen Gefallen? Nach all der Zeit?“
„Ich hätte nicht angerufen, wenn es nicht wichtig wäre.“
Alina blickte auf den Boden. „Ich bin fertig mit dir.“
„Warum treffen wir uns nicht und …“
„Was willst du?“
Er atmete aus. „Ich brauche Zugang zu Adrian Kingston.“
Ihre Brauen zogen sich zusammen. „Adrian Kingston?“
„Ja.“
„Was hat das mit mir zu tun?“
„Ich brauche, dass du ihm nahekommst.“
Sie starrte durch das Glas neben sich. Autos fuhren die Straße entlang. Menschen gingen mit Kaffeebechern in der Hand vorbei, völlig ahnungslos, dass ein einziger Anruf gerade das Leben gestört hatte, das sie jahrelang wieder aufgebaut hatte.
„Ich kenne ihn nicht.“ Nicht persönlich zumindest – aber jeder einzelne Mensch in Amerika wusste, wer Adrian Kingston war. Die Kingstons waren schließlich die reichste Familie des Landes.
„Jeder in New York kennt ihn. Spiel nicht die Dumme mit mir. Siehst du, ich brauche etwas von den Kingstons, und niemand kann es für mich bekommen außer jemandem, der nah dran ist.“
Ich warf einen Blick auf meine Kundin, die immer noch vertieft die Materialien prüfte. „Okay, dann such sie dir selbst.“
„Ich brauche dich.“
Ich hielt inne. „Was meinst du?“
„Ich werde sehr direkt sein … Ich brauche, dass du Adrian Kingston nahekommst. Es ist mir egal, wie. Du kannst ihm die Stiefel lecken, du kannst für ihn den Arsch schütteln. Was auch immer nötig ist.“
Sie gab ein leises, ungläubiges Lachen von sich. „Du verschwindest jahrelang, rufst mich aus dem Nichts an und erwartest, dass ich in Adrian Kingstons Leben trete, nur weil du es verlangt hast?“
„Deine Familie schuldet mir Millionen von Dollar, und die Zinsen steigen seit Jahren. Hast du über 100 Millionen gespart?“
Sie antwortete nicht. Natürlich konnte sie sich nicht einmal eine Million leisten – mit der Behandlung ihres Vaters und all den Rechnungen, die auf sie fielen.
„Ich weiß“, sagte sie leise. Sie sah weg. Ein Satz, und sie war wieder neunzehn – sah zu, wie das Leben ihrer Familie zusammenbrach, wie ihre Mutter ging, wie ihr Vater versuchte, das Übriggebliebene zusammenzuhalten. Xavier war eingesprungen, als sie nichts mehr hatten. Er war nicht der Prinz auf dem weißen Pferd, zu dem die neunzehnjährige Version von ihr ihn gemacht hatte.
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten an ihrer Seite.
„Ich bitte dich nicht, ihm nachts die Kehle durchzuschneiden. Tu nicht so gequält.“
Sie schluckte. „Wie soll ich ihm denn nahekommen?“, fragte sie.
„Das bleibt dir überlassen.“
„Du verlangst von mir, einen der privatesten Männer der Stadt anzusprechen, ohne mir zu sagen, warum.“
„Du bist nicht in der Position, Forderungen zu stellen“, sagte Xavier leise.
Alinas Kiefer spannte sich an. „Drohst du mir?“
Seine Stimme blieb ruhig. „Ist es eine Drohung, wenn ich deine Familie und deinen Job ruiniere, falls du scheiterst?“
Alina erstarrte.
Ihr Vater, sein Geschäft und ihr Ruf. Er wusste alles, was ihr wichtig war.
„Du benutzt meine Familie“, sagte sie.
„Ich erinnere dich daran, dass Schulden Konsequenzen haben.“
„Drei Tage“, fügte er hinzu. „So lange hast du Zeit, dich zu entscheiden.“
„Du kannst das nicht ernst meinen.“
„Doch.“
„Xavier, ich habe eine Karriere. Ich habe Kunden. Ich kann nicht einfach—“
„Du wirst einen Weg finden.“
Wieder eine Pause.
„Triff die richtige Entscheidung.“
Der Anruf endete. Alina saß da, das Telefon noch am Ohr.
„Alina?“
Sie blinzelte. Ihre Kundin beobachtete sie.
„Alles in Ordnung?“
Alina erzwang ein kleines Lächeln. „Ja. Nur ein alter Bekannter.“
Sie steckte das Telefon in ihre Tasche und versuchte sich zu konzentrieren, aber der Rest des Treffens registrierte sie kaum. Sie antwortete, wenn nötig, nahm die Änderungen vor, die die Frau wünschte, und lächelte im richtigen Moment. Durch all das kreiste ein Name in ihrem Kopf.
Adrian Kingston.
Was wollte Xavier von ihm? Es konnte nichts Gutes sein, und sie wollte nicht zwischen zwei rücksichtslosen Männern in einen Streit gezogen werden.
Als sie an dem Abend nach Hause kam, war sie erschöpft. Sie warf ihre Tasche aufs Sofa, streifte die Absätze ab und ging direkt in die Küche. Sie hatte keinen Hunger, aber sie machte trotzdem Tee. Dann setzte sie sich an die Theke und starrte auf ihr Telefon.
Drei Tage.
Sie konnte Xavier ignorieren. Das Land verlassen konnte sie auch nicht. Xavier hatte überall Leute, und ihren Visumstatus zu verfolgen wäre nicht schwer.
Trotzdem war sie nicht bereit, ihm zu geben, was er wollte.
Das war lächerlich. Sie würde das nicht tun. Sie hatte eine Karriere, ein Leben und eine Zukunft. Sie wollte nicht wegen eines einzigen Anrufs in irgendeinen gefährlichen Scheiß hineingezogen werden.
Ihr Telefon vibrierte. Eine Nachricht erschien auf dem Bildschirm. Sie tippte sie an.
„Drei Tage.“
Alina starrte auf den Bildschirm. Fast sofort folgte eine weitere Nachricht.
„Ich schlage vor, du nutzt sie weise.“
Sie tippte eine Antwort, löschte sie. Tippt eine andere, löschte die auch. Am Ende sperrte sie das Telefon und legte es mit dem Display nach unten auf die Theke.
Sie hatte Jahre damit verbracht, ein Leben aufzubauen, das ganz ihr gehörte. Im Zeitraum eines einzigen Anrufs war die Vergangenheit zurückgekrochen.
Drei Tage. Das war die gesamte Zeit, die sie hatte.
Kapitel 7 – Erster Eindruck Das Anwesen war noch größer, als Alina es sich jemals vorgestellt hatte. Sauberer Stein, weite Fenster und sorgfältig gepflegte Gärten umgaben ein Haus, das seinen Reichtum nicht beweisen musste. Es entfaltete sich einfach. Sie hielten vor dem Herrenhaus, wo ein schöner Brunnen still auf dem offenen Platz stand. Adrian hielt an und ließ den Wagen verstummen. Die Luft zwischen ihnen fühlte sich eng an, unangenehm eng. „Ich werde den Großteil des Redens übernehmen, und du antwortest nur, wenn es wirklich nötig ist. Verstehst du das?“ „Damit kann ich arbeiten.“ „Gut. Warte hier.“ Er stieg aus, ging um das Auto herum und öffnete ihre Tür. Seine Hand streckte sich nach ihr aus. Alina starrte sie schockiert an. „Was macht er da?“, fragte sie sich. Dann klickte es. Sie waren in der Kingston-Villa. Leute würden zusehen, vielleicht sogar Kameras. Das musste echt aussehen. Sie nahm sich zusammen und ergriff seine Hand. Seine Handfläche legte sich in ihren u
Kapitel 6 – Das FamilienessenEin leises Klopfen an der Tür riss Alina aus dem Schlaf. Als sie die Augen langsam öffnete, begrüßte sie eine ungewohnte Umgebung. Das blasse Morgenlicht, das durch die dicken Vorhänge fiel, erhellte ein Zimmer, das viel zu luxuriös war, um sich wie ihres anzufühlen.Dann kam alles zurück. Die Ehe, seine Villa und der Ring, der perfekt an ihrem Finger saß, als gehöre er dorthin.Sie hätte beinahe geschnaubt. Es war nur ein Einjahresvertrag und nichts weiter. Sie würde das überstehen.Das Klopfen kam erneut und riss sie diesmal aus ihren Gedanken.„Herein“, rief sie und setzte sich im Bett auf.„Guten Morgen, Mrs. Kingston“, begrüßte die Haushälterin sie höflich.Der Titel ließ sie innerlich zusammenzucken.„Guten Morgen.“„Mr. Kingston hat mich gebeten, Ihnen mitzuteilen, dass das Styling-Team um zehn Uhr eintreffen wird, um Sie für das Abendessen in der Familienresidenz vorzubereiten.“„Natürlich, typisch Adrian – immer direkt zur Sache“, dachte sie und
Kapitel Fünf — Mrs. KingstonAm Sonntagmorgen fühlte sich ihr Wochenende nicht mehr normal an, und der Diamantring an ihrem Finger machte es nur noch unangenehmer.Dann begann ihr Telefon zu vibrieren. Einmal, zweimal und dann ohne Pause. Nachrichten füllten den Bildschirm von Kunden, alten Kontakten, Nummern, die sie nicht gespeichert hatte.„Siehst du das?“„Alina, ruf mich an.“„Ist das wahr?“Sie öffnete den ersten Link.„ADRIAN KINGSTON HEIRATET HEIMLICH INNENARCHITEKTIN ALINA HAYES“Ihr Magen zog sich zusammen. Eine weitere Schlagzeile folgte.„WER IST ALINA HAYES?“Dann eine weitere.„CEO DES KINGSTON EMPIRE NIMMT MYSTERIÖSE FRAU ZUR FRAU“Bevor sie die Seite schließen konnte, klingelte ihr Telefon.Claire Bennett, ihre beste Freundin.Alina nahm ab. „Hey.“„Sag mir, das ist fake.“„Claire—“„Ich bin ein paar Wochen weg und du heiratest Adrian Kingston?“Alina lehnte sich zurück. „Es ist echt.“Stille.„Du hast ihn tatsächlich geheiratet“, sagte Claire.„Ja.“„Warum hast du mir
Kapitel Vier — Der VertragDas war vor drei Tagen.Jetzt war Samstagmorgen, und in dieser Realität hatte Adrian Kingston Alina Hayes’ Antrag angenommen.Einen Moment nach dem Aufwachen lag sie still da und starrte an die Decke, ließ die Tatsache sacken. Der Antrag, seine Zustimmung und die Warnung in seiner Stimme, als er ihr gesagt hatte, sie solle ihn das nicht bereuen lassen. Es fühlte sich bereits zu schnell an. Ihre Hand schloss sich fester um ihr Telefon.Sollte sie Xavier informieren? Nein, sie wollte es ihm nicht sagen.Sie schob die Decke beiseite und ging aus dem Schlafzimmer, noch halb in der Stille des Morgens, als ihr Telefon klingelte.Alina nahm ab. „Dad.“„Geht es dir gut?“, fragte Daniel sofort.„Mir geht’s gut, Dad, warum …?“„Sag mir das nicht.“ Seine Stimme war rau von Schlafmangel. „Nach dem, was in jener Nacht passiert ist, sag mir das nicht.“Sie blieb in der Nähe der Küchentheke stehen. „Bist du in Sicherheit?“„Ich bin zu Hause. Die Tür ist abgeschlossen und s
Kapitel Drei — Das ZielAm dritten Tag hatte Alina sich beinahe eingeredet, sie könne ihn ignorieren.Sie kam spät nach Hause, warf ihre Tasche neben die Tür und streifte die Schuhe mit mehr Kraft als nötig ab. Die Wohnung war still. Die letzten zwei Tage hatte sie länger als üblich gearbeitet, jede Kunden-Nachricht beantwortet, jede Stunde gefüllt, damit sie nicht an Xaviers Deadline denken musste. Es hatte nicht funktioniert.Ihr Telefon klingelte, gerade als sie die Küche erreichte.Unbekannte Nummer.Sie starrte darauf und wusste es bereits.„Was ist?“, nahm sie ab.„Hast du dich entschieden?“, fragte Xavier.Sie schluckte, und ihre Finger schlossen sich fester um das Telefon.„Ja, Xavier, ich habe mich entschieden. Ich mache das nicht“, sagte Alina. „Such dir jemand anderen und bleib bitte aus meinem Leben.“Es gab eine kurze Pause am anderen Ende. Als er wieder sprach, klang er fast milde.„Ich hatte Angst, dass du das sagen würdest.“„Ich meine es ernst.“„Das merke ich.“ Ein l
Kapitel Zwei — Der DruckAlina atmete erst richtig, als sie wieder in ihrem Auto saß.Sie saß hinter dem Steuer, der Motor aus, und starrte auf das Lenkrad, als könnte es erklären, was sie gerade getan hatte. Hinter ihr ragte das Kingston-Empire-Gebäude empor, als würden Männer wie Adrian Kingston jede Woche Heiratsanträge von Fremden erhalten.Sie ließ einen kurzen, ungläubigen Atemzug heraus und startete den Wagen.Vor drei Tagen hatte ihr Leben noch Sinn ergeben – mit Kunden, Projektfristen und einer ruhigen Wohnung. Jetzt fuhr sie vom Büro eines der mächtigsten Männer des Landes weg als seine zukünftige Frau.Vorübergehende Frau. Oder besser: Vertragsehefrau.Welchen Namen sie dem Ganzen auch gab – es bedeutete trotzdem, dass zwischen ihnen nichts anderes war als eine Vereinbarung.Die Fahrt nach Hause registrierte sie kaum. Die Stadt zog in einem verschwommenen Strom aus Ampeln und spätnachmittäglichem Lärm vorbei, bis sie in ihre Straße einbog. Als sie vor ihrem Gebäude parkte,







