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KAPITEL 9

Author: NEON ON LIGHT
last update publish date: 2026-10-14 00:35:54

KAPITEL 9

Lucians Handy erhellte um 1:14 Uhr die dunkle Küchentheke.

Julians Stimme ertönte aus dem Lautsprecher, emotionslos und präzise. „Die Kamera sollte offline sein. Jemand hat sie in der Schießnacht für vier Minuten und zwölf Sekunden reaktiviert. Die Übertragung lief über einen alten Wartungsserver im Ostflügel. Das Foto wurde von diesem Fenster aufgenommen.“

Lucians Kiefer zuckte. „Kannst du das komplette Videomaterial sichern?“

„Nach dem Standbild beschädigt. Wer auch immer das getan
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    KAPITEL 12Ich hielt Lucian den Zettel hin, sobald er die Küche betrat.Er nahm ihn vorsichtig entgegen, so wie man etwas behandelt, das vielleicht noch immer die Last desjenigen trägt, der es geschrieben hat. Er las die vier Worte einmal, dann noch einmal. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, aber etwas in seinen Schultern löste sich, eine Anspannung, die mir erst aufgefallen war, als sie verschwunden war.„Es ist echt“, sagte er. „Leonard hat es am Tag vor seinem Tod geschrieben. Er hatte Nathan schon Wochen zuvor verdächtigt. Er hat mich auf einem privaten Weg kontaktiert und um ein Treffen gebeten. Wir haben zweimal miteinander gesprochen. Er sammelte Beweise – Überweisungsunterlagen, gefälschte Rezepte, Namen – und er wollte, dass jemand außerhalb der Familie sie aufbewahrt, falls ihm etwas zustoßen sollte.“Ich starrte auf die vertraute Handschrift, die scharfe Schräge, die ich seit meiner Kindheit kannte. Das Papier fühlte sich noch leicht warm von meiner Hand an. „Waru

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    KAPITEL 11Arabella stand am Kopfende des langen Konferenztisches im Sitzungssaal von Cross Industries. Ihr schwarzes Kleid saß perfekt, ihre Stimme war so ruhig, dass man damit Glas hätte schneiden können.„Aus Respekt vor Leonard und den laufenden Ermittlungen werden beide anstehenden Zeremonien auf unbestimmte Zeit verschoben. Der Vorstand unterstützt diese Entscheidung einstimmig.“Nathan saß zwei Plätze von mir entfernt, sein Gesichtsausdruck war sorgfältig ernst, die Hände gefaltet wie bei einem Mann in aufrichtiger Trauer. Lucian schwieg am anderen Ende des Tisches; die Rolle des trauernden zukünftigen Stiefvaters lag ihm wie auf den Lippen. Niemand widersprach. Niemand rührte sich auch nur. Die Entscheidung war bereits gefallen, bevor wir den Raum betreten hatten.Die Sitzung endete nach zwanzig Minuten. Draußen warteten Kameras im grauen Nachmittagslicht. Arabella gab eine kurze Erklärung über familiären Zusammenhalt und Heilung ab; ihre Stimme war sanft genug für die Mikrofo

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    KAPITEL 10Nathan schloss meine Schlafzimmertür ab.Das sanfte Lächeln seines Verlobten war verschwunden. Seine Augen waren ausdruckslos, so ausdruckslos, dass die Luft im Raum noch dünner wirkte.„Du warst beschäftigt“, sagte er. „Finanzberichte. Briefkastenfirmen. Meine Reiseaufzeichnungen. Sogar das kleine Handy, das du aus dem Arbeitszimmer deines Vaters geklaut hast.“Mein Puls raste so heftig, dass ich ihn im Hals spürte. „Ich weiß nicht, wovon du redest.“„Hör auf.“ Er kam näher. Der Abstand zwischen uns schrumpfte fast auf null. „Ich habe es in deinem Schmuckkästchen gefunden. Cleveres Versteck. Nicht clever genug.“ Er hielt das zweite Handy zwischen zwei Fingern hoch, drehte es so, dass der schwarze Bildschirm das Licht einfing, und steckte es dann in seine Tasche, als wäre es schon immer sein Eigentum gewesen. „Du gräbst an Orten, die dir wehtun werden, Rosalie. Hör auf.“„Oder was?“Er sah mich lange an. Die Stille dehnte sich aus, bis sie fast schon absichtlich wirkte. „O

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    KAPITEL 9Lucians Handy erhellte um 1:14 Uhr die dunkle Küchentheke.Julians Stimme ertönte aus dem Lautsprecher, emotionslos und präzise. „Die Kamera sollte offline sein. Jemand hat sie in der Schießnacht für vier Minuten und zwölf Sekunden reaktiviert. Die Übertragung lief über einen alten Wartungsserver im Ostflügel. Das Foto wurde von diesem Fenster aufgenommen.“Lucians Kiefer zuckte. „Kannst du das komplette Videomaterial sichern?“„Nach dem Standbild beschädigt. Wer auch immer das getan hat, wusste genau, wie viel Zeit er brauchte.“Das Gespräch war beendet. Lucian legte den Hörer auf und sah mich an. Die Küche wirkte plötzlich kleiner, die Luft stickiger.„Dieser Flur grenzt an das Wohnzimmer deiner Mutter.“Ich wusste es bereits. Die Tapete auf dem Foto hatte mir alles verraten. Creme und Gold, dasselbe Muster, an dem ich schon tausendmal achtlos vorbeigegangen war. Jetzt war es mir jedes Mal präsent, wenn ich die Augen schloss. Ich verbrachte den nächsten Morgen im Büro mei

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    KAPITEL 8Das Krankenzimmer roch nach Desinfektionsmittel und altem Blut.Thomas Rivera lag, an weiße Kissen gelehnt, den linken Arm dick bandagiert, das Gesicht grau unter dem grellen Deckenlicht. Ein Mann, den ich noch nie zuvor gesehen hatte, stand mit verschränkten Armen in der Ecke – groß, dunkel gekleidet, mit einem Blick, dem nichts entging. Lucian nickte ihm einmal zu.„Julian Vance. Er arbeitet für mich.“Julian bot ihm nicht die Hand. Er beobachtete nur die Tür, als könnte sie jeden Moment aufbrechen und eine Bedrohung hereinbrechen.Thomas’ Stimme klang rau, rau von Schmerz und Medikamenten. „Miss Rosalie.“Ich trat ans Bett. Mein Puls raste bereits. „Ich bin hier.“Er schluckte langsam und vorsichtig. „Ich habe jemanden gesehen. Dunkler Mantel. Kapuze hochgezogen. Stand kurz vor den Schüssen in der Nähe des Seitentors. Durchschnittliche Größe. Bewegte sich leise. Als wüsste er genau, wo die Kameras waren.“„Haben Sie ein Gesicht gesehen?“ „Nein.“ Er schüttelte einmal den

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    KAPITEL 7Ich schloss die Badezimmertür ab und spielte die Sprachnachricht erneut ab.Die Stimme meines Vaters erfüllte den kleinen Raum, leise und eindringlich, dieselben Worte, die mir seit letzter Nacht im Kopf herumgingen.„Wenn mir etwas zustößt, trifft es nicht Rosalie. Es trifft denjenigen, der ihr am nächsten steht. Sag es Hayes. Er weiß schon einen Teil davon.“Die Aufnahme endete. Ich starrte auf das schwarze Handy in meiner Hand. Sieben verschlüsselte Nachrichten. Keine Namen. Keine klaren Daten. Nur diese eine Sprachnachricht, unverschlüsselt, als hätte er gewollt, dass sie jemand findet.Ich steckte das Handy zurück in die versteckte Tasche meines Bademantels und ging nach unten.Nathan war in der Küche und schenkte Kaffee ein, als wäre die Welt nicht vor zwei Nächten untergegangen. Er sah auf, als ich hereinkam, sein Lächeln war bereits auf seinem Gesicht.„Konntest du nicht schlafen?“„Nein.“Er stellte mir eine Tasse hin. „Komm her.“Ich rührte mich nicht. „Vor sechs

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