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Der Verschleierte Rachefeldzug
Der Verschleierte Rachefeldzug
Author: Blossom writes

Kapitel 1: Die Gala vor dem Sturm

last update Petsa ng paglalathala: 2026-03-25 19:39:55

Das Anwesen der Blackwoods leuchtete wie ein Juwel vor dem dunklen Himmel von New York. Jedes Fenster strahlte hell, und das Geräusch von Lachen und klirrenden Gläsern schwebte durch die Nachtluft. Drinnen bewegte sich Eleanor Hayes durch den überfüllten Ballsaal, ihr smaragdgrünes Kleid wirbelte um sie wie flüssige Nacht. Sie lächelte und nickte den Gästen zu, doch ihre Gedanken waren weit entfernt.

Sechs Jahre. Heute waren es genau sechs Jahre, seit sie mit Marcus Blackwood vor dem Altar gestanden hatte und ihm ewige Liebe versprochen hatte. Damals hatte sie an diese Worte geglaubt. Damals hatte sie geglaubt, dass er es auch tat.

„Noch ein Glas Champagner, Mrs. Blackwood?“ Ein Kellner bot ihr mit respektvoller Verbeugung ein frisches Glas an.

„Nein, danke“, sagte Eleanor leise und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen, auf der Suche nach ihrem Ehemann.

Sie entdeckte ihn nahe dem großen Kamin, umgeben von wichtig aussehenden Männern in dunklen Anzügen. Marcus stand groß und selbstbewusst da, sein schwarzer Smoking perfekt auf seine breiten Schultern zugeschnitten. Als sich ihre Blicke durch den Raum trafen, stockte Eleanor der Atem. Für einen Moment sah sie etwas in seinen Augen – etwas Warmes, etwas Echtes. Dann verschwand es, ersetzt durch den kühlen, distanzierten Ausdruck, den er gewöhnlich trug.

„Liebling.“ Marcus’ Stimme durchschnitt das Stimmengewirr, als er sich ihr näherte. „Du siehst… angemessen aus.“

Angemessen. Das Wort traf sie, auch wenn sie es sich nicht anmerken ließ. „Du hast dich auch ganz gut herausgeputzt“, erwiderte sie und hielt ihren Ton leicht.

Er lächelte nicht. „Der Bürgermeister ist gerade angekommen. Ich brauche dich, um ihn mit mir zu begrüßen.“

„Natürlich.“ Eleanor nahm seinen Arm, spürte die vertraute Anspannung in seinen Muskeln.

Als sie sich durch die Menge bewegten, bemerkte Eleanor das Flüstern. Zuerst war es leise, wie raschelnde Blätter. Doch als sie und Marcus vorbeigingen, wurde es lauter, dringlicher.

„Hast du gesehen, wer mit dem Bürgermeister gekommen ist?“, murmelte eine Frau in einem silbernen Kleid ihrer Begleiterin zu.

„Ich kann nicht glauben, dass sie sich hierher traut“, antwortete die andere und schüttelte den Kopf.

Eleanors Lächeln wurde angespannter. Sie wusste, von wem sie sprachen. Jeder wusste es.

Cassandra Steele war genau siebenunddreißig Minuten zuvor eingetroffen, in einem blutroten Kleid, das nach Aufmerksamkeit schrie. Jetzt stand sie in der Nähe des Champagnerbrunnens und genoss die Bewunderung ihrer üblichen Anhänger.

Als Cassandras Blick auf Eleanor traf, hatte sie tatsächlich die Dreistigkeit zu grinsen, bevor sie sich wieder ihren Freunden zuwandte.

„Ignoriere sie“, sagte Marcus leise. „Sie sind nur neidisch.“

Eleanor wollte ihm glauben. Sie wollte glauben, dass das Flüstern nur belangloser Klatsch war, dass die Art, wie Marcus’ Blick manchmal auf Cassandra verweilte, nichts bedeutete.

Sie erreichten den Bürgermeister, und Eleanor setzte ihr charmantestes Lächeln auf. „Herr Bürgermeister, wie schön, Sie wiederzusehen.“

„Die Freude ist ganz meinerseits, Eleanor.“ Der ältere Mann nahm ihre Hand, seine Augen freundlich. „Sechs Jahre! Ich erinnere mich an Ihre Hochzeit, als wäre es gestern gewesen. Sie waren die schönste Braut, die ich je gesehen habe.“

Marcus’ Griff um ihren Arm wurde kaum merklich fester. „Wir wissen es zu schätzen, dass Sie gekommen sind, Sir. Ich weiß, wie voll Ihr Terminkalender ist.“

„Ach was! Ich würde mir die Feier meines Lieblingspaares nicht entgehen lassen.“ Der Bürgermeister beugte sich etwas näher. „Allerdings muss ich sagen, ich bin überrascht, Cassandra Steele heute Abend hier zu sehen.“

Eleanor spürte, wie ihre Wangen warm wurden. „Nun ja… Marcus bestand darauf, alle unsere Freunde einzuladen.“

Das Lächeln des Bürgermeisters erreichte seine Augen nicht. „Natürlich.“

In der nächsten Stunde spielte Eleanor ihre Rolle perfekt. Sie lachte an den richtigen Stellen, stellte durchdachte Fragen, erinnerte sich an Namen und Details über Familien. Sie war die perfekte Gesellschaftsdame, genau so, wie Marcus es erwartete.

Doch das Flüstern hörte nicht auf, es schwoll an wie ein aufziehender Sturm. Eleanor fing Gesprächsfetzen auf, während sie sich durch den Raum bewegte:

„…habe gehört, sie treffen sich jeden Donnerstag zum Mittagessen…“

„…ich habe sie zusammen aus dem Plaza Hotel kommen sehen…“

„…Marcus hat ihr das Diamantarmband gekauft, das sie trägt…“

Eleanors Blick fiel auf Cassandras Handgelenk. Tatsächlich funkelte dort ein Diamantarmband im Licht.

Dasselbe Design, das sie Marcus letzten Monat bei Tiffany gezeigt hatte. „Es ist zu teuer“, hatte sie gesagt. „Sei nicht albern“, hatte er geantwortet. „Du verdienst schöne Dinge.“ Doch als sie es sich zu ihrem Geburtstag gewünscht hatte, hatte er behauptet, er habe es vergessen.

„Eleanor?“ Marcus’ Stimme riss sie aus ihren Gedanken. „Der Bürgermeister geht. Komm, verabschiede dich.“

Als sie sich dem Ausgang näherten, bemerkte Eleanor, dass Cassandra sich ebenfalls auf sie zubewegte, ihr rotes Kleid wie eine Warnflagge.

„Marcus, Liebling“, säuselte Cassandra und ignorierte Eleanor vollkommen. „Ich fürchte, ich muss früher gehen. Die Arbeit ruft.“

Marcus’ Gesicht blieb neutral, doch Eleanor sah, wie seine Augen Cassandra folgten. Wie er sich leicht zu ihr hinneigte.

„Ich begleite dich nach draußen“, sagte Marcus zu Cassandra.

Eleanors Herz sank. „Aber der Bürgermeister—“

„Kann warten“, sagte Marcus scharf. Dann, mit sanfterer Stimme: „Das dauert nur einen Moment.“

Eleanor sah zu, wie ihr Ehemann eine andere Frau durch den überfüllten Ballsaal führte. Sie bemerkte, wie Cassandras Hand besitzergreifend auf seinem Arm lag. Wie Marcus sie nicht abschüttelte.

Der Bürgermeister räusperte sich. „Eleanor, es war mir ein Vergnügen.“ Er küsste sie auf die Wange. „Lassen Sie sich von dem Gerede nicht beeinflussen. Die Leute reden gern.“

„Danke“, flüsterte Eleanor, obwohl sich die Worte wie Asche in ihrem Mund anfühlten.

Sie stand allein im funkelnden Ballsaal, umgeben von zweihundert Menschen, die angeblich etwas für sie empfanden. Doch in diesem Moment hatte sie sich noch nie so allein gefühlt.

Sie sah, wie Marcus und Cassandra durch die Haupttüren verschwanden. Das Flüstern um sie herum wurde zu einem dumpfen Dröhnen. Sie spürte die mitleidigen Blicke, die neugierigen Starren.

Dann sah sie es. Auf dem Boden, nahe der Stelle, an der Cassandra gestanden hatte, lag eine kleine schwarze Samtschachtel.

Eleanors Hände zitterten, als sie sich bückte und sie aufhob. Darin, gebettet in weiches Futter, lag eine Karte. Eleanor erkannte Marcus’ Handschrift sofort:

„Für einen Neuanfang. Triff mich um Mitternacht in der Bibliothek. – M“

Eleanors Blut gefror. Die Bibliothek. Ihr besonderer Ort. Dort hatte er ihr einen Antrag gemacht. Dort hatten sie so viele ruhige Momente geteilt.

Doch jetzt… jetzt wusste sie nicht mehr, was es bedeutete.

Ihr Handy vibrierte in ihrer kleinen Abendtasche. Sie zog es heraus und erwartete eine Nachricht von einer Freundin.

Doch die Nachricht kam von einer unbekannten Nummer:

„Vertraue heute Nacht nicht seinen Versprechen. Er ist nicht der, für den du ihn hältst.“

Eleanor starrte auf die Nachricht, während ihre Gedanken rasten. Wer hatte das geschickt? Was wusste diese Person? Und warum ausgerechnet heute?

Sie blickte zu den Haupttüren. Marcus war noch immer nicht zurückgekehrt. Das Flüstern um sie herum wurde lauter, eindringlicher.

Etwas stimmte ganz und gar nicht. Sie spürte es bis in ihre Knochen.

Die Feier ging weiter – das Lachen, die Musik, das Klirren der Gläser. Doch Eleanor stand wie erstarrt da, die Samtschachtel in der einen Hand, ihr Handy in der anderen, gefangen zwischen den Geheimnissen ihres Mannes und der Warnung eines Fremden.

Und irgendwo in der Ferne begann eine Uhr zu schlagen.

BONG… BONG… BONG…

Eleanor zählte jeden Schlag.

Acht… Neun… Zehn… Elf…

Mitternacht rückte näher.

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