LOGIN
Gabriel saß allein in seinem geräumigen Büro, die Haltung angespannt, doch seine Gedanken alles andere als ruhig. Die Lichter der Stadt vor den bodentiefen Fenstern verschwammen im Hintergrund, während seine Gedanken ungebeten zu der einen Person abschweiften, an die er so verzweifelt zu denken versucht hatte: seiner Ex-Freundin Ashley.
Egal wie viel Zeit verging, sie hatte immer noch die Angewohnheit, wieder aufzutauchen, wenn er es am wenigsten erwartete.
******** RÜCKBLENDE ********
„Ich habe die Nase voll davon, Gabriel!“, fuhr Ashley ihn wütend an, ihre Stimme erhoben und scharf.
Gabriel erstarrte und blinzelte überrascht. Er war gerade erst von der Arbeit nach Hause gekommen, erschöpft und mental ausgelaugt, und hatte ganz bestimmt nicht mit so einem Empfang gerechnet. Ihr plötzlicher Ausbruch hatte ihn verwirrt und schockiert.
„Wovon redest du?“, fragte er, sichtlich ratlos.
„Aargh!“, rief Ashley und warf frustriert die Hände in die Luft.
„Du kapierst es immer noch nicht, oder?“, fragte sie, sichtlich genervt von seiner Ahnungslosigkeit.
„Wenn Sie es viel deutlicher formulieren“, erwiderte Gabriel vorsichtig, „dann würde ich wohl verstehen, wovon Sie sprechen.“
„ICH HASSE DICH, GABRIEL!“, spuckte sie.
Gabriel erstarrte. Die Worte hatten ihn völlig überrascht. Er wich einen Schritt zurück, völlig verblüfft.
„Ich warte schon seit drei Stunden auf dich, Gabriel“, fuhr Ashley verbittert fort. „Drei Stunden, damit wir endlich dieses blöde Date haben, das du versprochen hast. Aber wieder einmal bist du nicht aufgetaucht. Oder sollte ich sagen, du hattest keine Zeit aufzutauchen?“
Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Er hatte es vergessen. Komplett vergessen, was er Ashley versprochen hatte. Sofort überkam ihn eine schwere, unausweichliche Schuld. Diesmal gab es keine andere Ausrede als die schlichte Wahrheit: Er hatte es vergessen.
„Schatz, es tut mir leid“, sagte er mit leiserer Stimme. „Ich habe es vergessen, weil ich zu einem dringenden Meeting musste.“
„Toll. Einfach toll!“, spottete Ashley sarkastisch. „Du hast immer etwas Wichtiges zu erledigen. Und was ist mit mir?! Ist deine Firma etwa wichtiger als ich?!“
Gabriel gefiel der Verlauf des Streits nicht. Er liebte Ashley, wirklich, aber die Firma, das Familienerbe, das er zu wahren hatte, war ihm ebenfalls wichtig. Das konnte er nicht einfach ignorieren.
„Tut mir leid, okay?“, sagte er schnell, in der Hoffnung, die Situation nicht eskalieren zu lassen. „Ich werde es wieder gutmachen.“
„DAS WILL ICH NICHT, OKAY?!“, schrie sie.
„Das sagst du immer, aber du hältst nie dein Wort“, fuhr sie fort, ihre Stimme zitterte vor Wut und Verletztheit. „Du erfindest immer neue Ausreden. Du bist einfach unglaublich, Gabriel!“, fügte sie hinzu, der Sarkasmus unverkennbar.
„Du bist darin echt schlecht, Gabe…“
„Ashley, können wir bitte aufhören?“, flehte Gabriel. „Ich verspreche dir, es wiedergutzumachen. Wenn du willst, können wir den morgigen Tag für uns haben.“
Er machte diesen Vorschlag in der verzweifelten Hoffnung, sie damit zu beruhigen, obwohl er die Wahrheit nicht leugnen konnte : Er war ein schrecklicher Freund gewesen.
„Und was kommt nach morgen?“, fragte sie leise.
Gabriel runzelte die Stirn, wirkte ratlos und verstand nicht ganz, was sie meinte.
Ashley schloss die Augen und atmete tief ein, als wolle sie sich auf das vorbereiten, was sie gleich sagen würde.
„Ich glaube nicht, dass wir morgen Zeit für uns haben müssen“, sagte sie ruhig. „Ich habe meine Sachen schon weggeräumt. Ich habe nur darauf gewartet, dass du nach Hause kommst, damit ich es dir persönlich sagen kann.“
„Was meinst du damit, dass du deine Sachen umgezogen hast?“, fragte Gabriel, und Ungläubigkeit schwang in seiner Stimme mit.
„So kann es nicht weitergehen, Gabriel“, erwiderte sie entschieden. „Du ekelst mich an. Deshalb sollten wir das beenden.“
Gabriel konnte den Schock in seinem Gesicht nicht verbergen. Ashley hatte nicht nur erwähnt, dass sie ihre Sachen aus seinem Haus holen wolle, sie wollte nun die Beziehung komplett beenden.
„Willst du mit mir Schluss machen?“, fragte er, noch immer bemüht, ihre Worte zu verarbeiten.
„Ich versuche es gar nicht erst, Gabe“, erwiderte sie kühl. „Ich mache Schluss mit dir.“
Verzweiflung überkam ihn. Hilflos stand er da, als Ashley zur Tür hinausging, ohne sich umzudrehen. Sie hatte ihnen keine zweite Chance gegeben. Sie hatte nicht gezögert. Sie hatte ihn einfach zurückgelassen, völlig am Boden zerstört.
***** ENDE DER RÜCKBLENDE *****
Der Vorfall lag fünf Jahre zurück, doch Gabriel konnte ihn einfach nicht vergessen. Die Erinnerung war schmerzhaft präsent, als wäre es erst gestern geschehen, und er bezweifelte, dass er diesen Tag jemals vergessen würde. Deshalb widmete er sich seiner Arbeit mit noch größerem Eifer als je zuvor. Das Unternehmen, das Vermächtnis seiner Familie , war das Einzige, was ihm Halt gab, das Einzige, was ihn zu lieben und zu verstehen schien.
Seine Mutter sah das jedoch anders.
Seine Eltern machten sich ständig Sorgen um ihn. Sie wollten, dass er endlich über die Trennung hinwegkam und jemanden Neues fand, besonders seine Mutter. Jeden Monat rief sie an und fragte, ob er endlich eine neue Freundin hätte. Sie wünschte sich sehnlichst, Großmutter zu werden, aber Gabriel glaubte ihr kein Wort.
******** RÜCKBLENDE ********
„Gabe, mein Sohn, du musst mir zuhören“, flehte seine Mutter. „Du musst nach vorne schauen. Vergiss Ashley. Wenn sie dich wirklich geliebt hätte, hätte sie dich nicht so verlassen.“
„Mama, bitte“, seufzte Gabriel. „Können wir nicht darüber reden?“
„Wir müssen, Schatz“, beharrte sie. „Du wirst ja auch nicht jünger. In ein paar Monaten wirst du vierzig, Gabe. Hör auf, dir das anzutun. Sie ist es nicht wert.“
„Ich muss zurück an die Arbeit, Mama“, sagte er und versuchte, das Gespräch zu beenden. „Wir sprechen später.“
„Genau das, wovon ich gesprochen habe“, antwortete sie. „Hör auf, dich in Arbeit zu stürzen. Geh raus. Geh unter Leute. Lerne neue Freunde kennen. Schatz, tu es für deine Mutter.“
„Hmm… ich werde darüber nachdenken“, murmelte er.
„Da gibt es nichts zu überlegen“, sagte sie bestimmt. „Ich will hören, dass du eine neue Freundin hast, wenn ich dich das nächste Mal anrufe.“
„Aber mo—“
„Tschüss, Schatz.“
Und damit legte seine Mutter auf.
***** ENDE DER RÜCKBLENDE *****
Das war sein letztes Gespräch mit seiner Mutter.
Er stand unter enormem Druck, nicht nur von ihr, sondern auch von der Öffentlichkeit und der Presse. Ständig wurde über sein Privatleben spekuliert, Vermutungen wurden angestellt und ihm verschiedene sexuelle Orientierungen zugeschrieben, nur weil er sich weigerte, sich festzulegen. Die Beobachtung war unerbittlich.
Gabriel wusste, dass er sich etwas einfallen lassen musste.
Und er musste schnell denken.
KAPITEL 6Nicole hatte darauf geachtet, ihre beste Unterwäsche einzupacken. Nicht, dass Gabriel sie in Unterwäsche sehen würde – zumindest hatte sie das nicht geplant –, aber ein Mädchen musste sich innerlich wohlfühlen, bevor sie sich äußerlich schön fühlen konnte. Davon war sie fest überzeugt. Als sie ihren Koffer halb zuzog, dankte sie im Stillen ihrem Glück, dass sie am Vortag einkaufen gewesen war. Die zusätzlichen Kleider, Unterwäsche und Schuhe, die sie ihrer ohnehin schon bescheidenen Sammlung hinzugefügt hatte, fühlten sich plötzlich wie ein Segen an, von dem sie nicht gewusst hatte, dass sie ihn so bald brauchen würde. Wenigstens würde sie jetzt nicht mehr so aussehen, als hätte sie nichts.Nachdem sie ihre Sachen gepackt hatte, ging Nicole ins Badezimmer und nahm eine lange Dusche, um ihre Nervosität abzuwaschen. Als sie, nur in ihr Handtuch gehüllt, aus der Dusche trat, stand sie vor ihrem Schminktisch und betrachtete ihr Spiegelbild. Einen Moment lang erka
Gabriel trat aus dem Wohnhaus und stieß einen langen, tiefen Seufzer aus, den er unbewusst zurückgehalten hatte. Es fühlte sich an, als ob die Last der Nacht endlich auf seinen Schultern ruhte, als die kühle Luft sein Gesicht streifte. Ohne sich umzudrehen, stieg er in seinen Wagen und wies seinen Chauffeur an, ihn nach Hause zu bringen.Als er an seiner Villa ankam, blieb er einen Moment stehen und starrte auf das gewaltige Gebäude vor ihm. Der Ort wirkte wie immer prachtvoll und beeindruckend, doch heute Abend fühlte er sich seltsam leer an. Nicoles Worte hallten in seinem Kopf wider, und zum ersten Mal seit Langem musste er sich eingestehen, dass sie recht hatte. Unter normalen Umständen wäre er längst verheiratet. Aber nichts in seinem Leben fühlte sich mehr normal an. Der Druck seiner Mutter, die Erwartungen, die ständigen Erinnerungen daran, wie sein Leben auszusehen hatte – all das trieb ihn zu etwas, das er sich nie hätte vorstellen können. Wenn es nötig war, sie endlich loszu
„Guten Abend“, sagte Gabriel schließlich, nachdem sie sich gefühlt stundenlang angestarrt hatten.„Ähm … wie kann ich Ihnen helfen?“, brachte Nicole hervor. Heimlich war sie dankbar, dass er das Schweigen brach, denn ehrlich gesagt war ihr Kopf wie leergefegt. Sie hatte absolut keine Ahnung, was sie dem fast zwei Meter großen Mann sagen sollte, der selbstbewusst vor ihrer Tür stand und den kleinen Türrahmen mit seiner Präsenz ausfüllte.„Darf ich mit Ihnen sprechen?“, fragte er ruhig.Nicole runzelte leicht die Stirn, Verwirrung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie konnte nicht verstehen, warum ein Mann wie er, jemand, der offensichtlich Reichtum, Macht und Bedeutung ausstrahlte, mit ihr sprechen wollte.„Ich… ähm… Entschuldigung, ich glaube, Sie haben die falsche Adresse“, sagte sie mit einem nervösen Kichern und hoffte, damit die Begegnung beenden zu können.„Tatsächlich bin ich an der richtigen Adresse. Darf ich hereinkommen?“, erwiderte er gelassen.Nicole konnte die Überraschun
Nach einem stressigen Arbeitstag beschloss Gabriel, endlich Feierabend zu machen. Er nahm sich einen Moment Zeit, um seinen Schreibtisch aufzuräumen, ordnete Dokumente und vergewisserte sich, dass alles an seinem Platz war – eine Gewohnheit, die er sich über die Jahre angeeignet hatte. Zufrieden schnappte er sich seine Jacke und verließ sein Büro.Am Eingang des Firmengebäudes wartete bereits sein Chauffeur neben einem eleganten schwarzen Rolls-Royce, der wie immer kerzengerade stand.„Guten Abend, mein Herr“, begrüßte ihn der Chauffeur höflich und öffnete ihm die Tür.Gabriel nickte kurz als Antwort, als er ins Auto stieg. Kaum hatte er sich auf dem Ledersitz niedergelassen, lockerte er seine Krawatte ein wenig und atmete aus, als wollte er die Last des Tages abwerfen. Fast im selben Moment klingelte sein Handy. Er warf einen Blick auf die Anrufer-ID und seufzte, als er sah, dass es seine Mutter war.Er war nicht bereit für ihre aufmunternden Worte, nicht heute Abend.Er ignorierte d
Nicole stand ein letztes Mal vor dem Spiegel und betrachtete ihr Spiegelbild lange und eindringlich. Sie wollte sich vergewissern, dass sie für den bevorstehenden Tag bereit war. Ihre schwarze High-Waist-Hose saß perfekt auf ihren Hüften, der Stoff fühlte sich glatt unter ihren Fingerspitzen an. Sie rückte ihre graue Rollkragenbluse zurecht und achtete darauf, dass sie faltenfrei ihre Figur betonte. Ihre schwarze Handtasche, ordentlich auf dem Bett platziert, passte perfekt zu ihrem Outfit – ein kleines, aber feines Detail, das sie sehr schätzte. Sie schlüpfte in ihre schwarzen Stilettos und klapperte ein-, zweimal über den Schlafzimmerboden, um ihr Gleichgewicht und ihre Eleganz zu testen. Mit einem tiefen Atemzug griff sie nach ihrer Handtasche und ging zur Tür. Ein Gefühl der Aufregung durchströmte sie.Als Nicole ihr Apartmentgebäude verließ, atmete sie die frische, pulsierende Luft New Yorks ein. Die Stadt schien immer vor Leben zu vibrieren, aber heute fühlte sie sich besonders
Gabriel saß allein in seinem geräumigen Büro, die Haltung angespannt, doch seine Gedanken alles andere als ruhig. Die Lichter der Stadt vor den bodentiefen Fenstern verschwammen im Hintergrund, während seine Gedanken ungebeten zu der einen Person abschweiften, an die er so verzweifelt zu denken versucht hatte: seiner Ex-Freundin Ashley.Egal wie viel Zeit verging, sie hatte immer noch die Angewohnheit, wieder aufzutauchen, wenn er es am wenigsten erwartete.******** RÜCKBLENDE ********„Ich habe die Nase voll davon, Gabriel!“, fuhr Ashley ihn wütend an, ihre Stimme erhoben und scharf.Gabriel erstarrte und blinzelte überrascht. Er war gerade erst von der Arbeit nach Hause gekommen, erschöpft und mental ausgelaugt, und hatte ganz bestimmt nicht mit so einem Empfang gerechnet. Ihr plötzlicher Ausbruch hatte ihn verwirrt und schockiert.„Wovon redest du?“, fragte er, sichtlich ratlos.„Aargh!“, rief Ashley und warf frustriert die Hände in die Luft.„Du kapierst es immer noch nicht, oder?







