Er wählte meine Schwester, also wählte ich mich selbst

Er wählte meine Schwester, also wählte ich mich selbst

last updateLast Updated : 2026-10-09
By:  S.S.TulipUpdated just now
Language: Deutsch
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Tanith Bellamy gab ihrem Ehemann alles – ihren Namen, ihre Verbindungen, ihr Vermögen. Fünf Jahre lang baute sie im Stillen Caspian Rourkes Imperium auf, während die Welt glaubte, er habe es ganz allein geschafft. Sie verlangte nie Anerkennung. Sie bat ihn nur, sich für sie zu entscheiden. Dann kam ihre Schwester nach Hause. Vesper ist zerbrechlich, wenn Caspian zusieht, und irgendwie immer rettungsbedürftig. Der Mann, der einst schwor, Tanith sei die einzige Frau, die er je brauchen würde, fällt auf jede inszenierte Krise herein. Selbst als Tanith allein in einem Krankenhausbett liegt, entscheidet er sich für Vesper. Also hört Tanith auf zu flehen. Sie wendet sich von der Ehe ab und kehrt zurück in das Bellamy-Imperium, das sie für ihn aufgegeben hatte. Doch das Verlassen von Caspian hat einen Preis, von dem sie nichts wusste. Ihr Großvater liegt im Sterben. Sein Testament enthält eine Bedingung, die Tanith alles kosten könnte – und Vesper hat sich jahrelang darauf vorbereitet. Ein vergrabenes Familiengeheimnis taucht auf. Ein toter Mann ist möglicherweise nicht tot. Ein Jugendfreund kehrt zurück und trägt eigene Geheimnisse mit sich. Und der Milliardär, der Tanith Antworten anbietet, manipuliert vielleicht schon die ganze Zeit ihre Fragen. Ihre Familie war nie auf Liebe oder Blut gebaut. Sie wurde auf Lügen erbaut. Und jeder, den sie liebt, hat etwas zu verbergen – einschließlich des Mannes, der sie die ganze Zeit geliebt hat.

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Chapter 1

Kapitel 1: Während ich starb

Tanith

Die Haustür von Rourke House schloss sich mit einem schweren Dumpf, der einen scharfen Schmerzsphäre in meinen Unterleib jagte.

Ich stand in der Eingangshalle, mein Atem stockte, während ich darauf wartete, dass der Krampf vorüberging. Die Luft roch nach kaltem Marmor, Lilien und Regen. Unter meinem Trenchcoat zogen drei frische Operationsschnitte an der Gaze, die über mein Becken geklebt war. Jeder Schritt vom Taxi hatte sich angefühlt wie das Gehen auf Zerbrochenem Glas — eine Erinnerung an die Notoperation, die eine geplatzte Ovarialzyste, zwei Liter Blut und fünf Stunden meines Lebens gefordert hatte.

Mein linkes Handgelenk fühlte sich immer noch schwer an. Ich blickte hinab auf das Krankenhaus-Identifikationsband. TANITH ROURKE. ZIMMER 408. NOTFALLAUFNAHME. Ich hatte zwölf Stunden lang auf diesen Streifen in der Aufwachstation gestarrt, unfähig, ihn abzuschneiden. Der Beweis, dass ich aufgerissen und wieder zusammengenäht worden war, während die Welt sich weiterdrehte.

Ich hatte ihn siebenmal angerufen, bevor sie mich in den Operationssaal rollten. Als mein Blutdruck absackte und die Krankenschwestern mit Plasmabeuteln rannten, nahm die Oberschwester mein Telefon und rief ihn noch dreimal an.

Er ging nie ran.

Ich lehnte mich gegen die Holzvertäfelung, holte flach Atem und schleppte mich in Richtung Wohnzimmer. Ich hatte ein stilles, dunkles Haus erwartet. Ich hatte erwartet, mich nach oben ins Gästezimmer zu schleppen, mich unter eine Decke zu kriechen und in Frieden zu bluten.

Stattdessen ergoss sich das bernsteinfarbene Glühen einer Lampe in den Flur und trug das leise Murmeln von Stimmen mit sich.

Ich blieb am Rundbogen der Tür stehen, die Hand fest an den Rahmen geklammert.

Caspian saß auf dem Sofa, das Sakko abgelegt, das Hemd am Kragen aufgeknöpft, das dunkle Haar zerzaust. Er war nicht allein. An seine Seite geschmiegt war Vesper. Sein Arm schlang sich um ihre Schultern, seine Handinnenfläche strich in Kreisen über ihren Rücken, während sie an seinem Hals weinte.

An Vespers rechtem Handgelenk zeichnete sich unter ihrem Ärmel ein weißer Verband ab — das Zeichen des „Unfalls“ in der Galerie an diesem Nachmittag. Der Vorfall, der Caspian aus seiner Vorstandssitzung hatte eilen lassen und der ihn meine Anrufe ignorieren ließ, während sich mein Bauchraum mit Blut füllte.

Ich stand wie erstarrt da.

Dann blickte Caspian auf.

Kein Ruck des Wiedererkennens. Keine Erleichterung. Nur Reizung.

„Was machst du hier oben?“, war seine Stimme scharf. „Der Arzt hat dir gesagt, du sollst dich ausruhen. Du sollst im Bett liegen. Warum schleppst du dich wie eine Märtyrerin herum?“

Ich starrte ihn an. Das Wort Arzt hallte nach. Er wusste es. Er hatte mit dem Krankenhaus gesprochen. Er wusste, dass ich mich einer Operation unterzogen hatte — und er war nicht gekommen.

„Du wusstest es“, flüsterte ich, meine Stimme rau von dem Schlauch, der noch vor Stunden in meinem Hals gesteckt hatte. „Du hast mit dem Arzt gesprochen.“

Caspian verlagerte sein Gewicht, den Arm immer noch um Vesper geschlossen. „Ich habe vor einer Stunde mit dem Chefarzt gesprochen, um sicherzugehen, dass du nicht in unmittelbarer Gefahr bist. Ich habe ihnen gesagt, dass ich hier eine Krise bewältige.“

„Eine Krise?“, ballten sich meine Hände zu Fäusten. Das Armband schnitt in mein Handgelenk. Ich machte einen Schritt nach vorne, meine Stimme erhob sich trotz des Schmerzes in meinen Nähten. „Ich war im OP, Caspian. Ich habe zwei Liter Blut verloren. Sie haben mich für eine Transfusion vorbereitet, während ich die Oberschwester anflehte, meinen Ehemann zu finden. Und du hast mich wegen eines Verbands im Stich gelassen?“

Vesper zuckte zusammen. Sie zog sich von seiner Brust zurück, tränenüberströmte Augen schnellten zu mir.

„Oh Gott, Tanith, bitte nicht“, schluchzte sie. Sie hielt ihre bandagierte Hand nahe an ihr Herz. „Bitte schrei ihn nicht an. Es ist meine Schuld. Ich wusste nicht, dass es so ernst war. Ich schwöre, das wusste ich nicht.“

Sie glitt vom Sofa auf die Knie.

„Als Caspian in die Galerie kam, dachte ich, du hättest nur wieder diese Magenschmerzen. Du hast doch immer diese schrecklichen Krämpfe. Ich habe nicht begriffen, dass es diesmal echt war. Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich ihn gebettelt, mich allein in der Klinik zu lassen. Er hätte nicht die ganze Nacht bei mir bleiben dürfen. Mir ist schlecht bei dem Gedanken, eure Ehe zu stören. Bitte, Caspian, geh zu ihr. Ich werde gehen. Ich werde meine Sachen packen —“

„Vesper, setz dich wieder hier herauf“, sagte Caspian, sein Tonfall wurde weicher, als er sie an der Taille fasste und sie auf die Polster zog.

Jedes Wort aus ihrem Mund war Irreführung. Sie entschuldigte sich für ein Verbrechen, das ich nicht ausgesprochen hatte, malte sich selbst als die selbstlose Schwester, während sie mich als die überdramatische Nörglerin brandmarkte, die ständig grundlos Alarm schlug.

Übelkeit überkam mich — nicht vom Narkosemittel, sondern von der Vorhersehbarkeit.

„Hör auf damit“, spie ich aus. Meine Knie knickten ein. „Hör auf, dich wie ein Opfer zu verhalten. Ich habe kein Wort darüber gesagt, dass du meine Ehe störst. Ich habe meinen Ehemann gefragt, warum er nicht im Krankenhaus war, während ich verblutet bin.“

„Das reicht jetzt, Tanith!“, fuhr Caspian dazwischen und stand auf. „Sieh sie dir an. Sie hyperventiliert. Sie hätte sich an zerbrochenem Glas beinahe eine Sehne durchtrennt, sie ist traumatisiert, und du kommst herein und machst einen Szenenwechsel.“

„Sie hat sich am Handgelenk an einer Vitrine geschnitten!“, schrie ich. „Ich habe innerlich geblutet. Ich bin auf einem Operationstisch gestorben, während du ihre Hand gehalten hast!“

„Sie ist deine Schwester!“, brüllte er und machte einen Schritt auf mich zu. Seine Augen brannten. Er blickte hinab auf mein blasses Gesicht, meine zitternen Hände, meine gekrümmte Haltung, und seine Lippe krümmte sich.

„Sieh dich doch an“, sagte er. „Du stehst hier, nicht wahr? Offensichtlich bist du nicht gestorben.“

Die Welt schrumpfte zusammen.

Etwas tief in mir — der Faden, der mich durch fünf Jahre stiller Aufopferung und endloser Ausreden zusammengehalten hatte — riss schließlich. Es löste sich in Asche auf.

Ich sah Caspian an. Den Mann, den ich geliebt hatte, den Mann, um den herum ich mein Leben geformt hatte. Der Schleier hob sich. Ich sah ihn als das, was er war: eine hohle Hülle, leer von jeglicher Wärme für mich. Es gab nichts mehr wiederaufzubauen. Nichts mehr zu retten.

Eine seltsame Ruhe kehrte in mir ein. Der Schmerz schloss sich hinter Eis weg.

Ich hob das Kinn und sah ihm in die Augen.

„Ich will die Scheidung.“

Die Worte hingen in der Luft, unumkehrbar.

Caspian erstarrte und starrte mich an, als hätte ich in einer toten Sprache gesprochen. Sein Stirnrunzeln wandelte sich in Leere.

Auf dem Sofa hörte Vespers Wimmern auf. Ihre Finger zogen sich auf der Decke zusammen, die Knöchel weiß.

Und für eine kurze Sekunde, bevor sie den Kopf neigte und zurück in ihre zarte Fassade glitt, fing ich den reinen Ausdruck auf dem Gesicht meiner Schwester ein.

Es war kein Entsetzen.

Es war keine Trauer.

Es war absolute, glänzende Genugtuung.

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