LOGINSie blickte mich finster an und verschränkte die Arme. „Ich kann mir deine Miete nicht auch noch leisten, Aleena. Deshalb brauchte ich ja überhaupt erst eine Mitbewohnerin.“
„Ich weiß, Emma.“ Ich konnte sie nicht ansehen, holte einen Bagel aus dem Gefrierschrank und steckte ihn in den Toaster. „Ich gehe gleich los, wenn ich fertig bin, und ich hatte gestern schon ein paar Vorstellungsgespräche. Da kommt bestimmt bald was zusammen.“ Emma schnaubte verächtlich. Ich unterdrückte den Impuls, ihr den Mittelfinger zu zeigen. Zum Glück entschied sie sich, mir den Stinkefinger zu zeigen, drehte sich um und ging mit großen Schritten davon. Ich hatte ein paar Minuten Ruhe, um mein Frühstück zu essen, und ging dann nach draußen. Der Januar in New York ist zwar ungemütlich, aber wenigstens trocken. Solange es über Null Grad war und kein Schnee lag, ging ich zu Fuß und sparte, was ich konnte. Nach sechs Monaten hatte ich mich fast daran gewöhnt, kein Auto zu haben. Fast. Aber eben nur fast.
Als es Mittag wurde, hatte ich mit einem halben Dutzend weiterer Restaurants gesprochen. Ich wollte hoffen, dass sich etwas ergeben würde, aber ich wusste es einfach nicht. Irgendetwas würde sich schon ergeben. Daran musste ich glauben. In einer Stadt wie New York – wie viele Restaurants gibt es denn? Tausende, wenn nicht sogar mehr, in jeder Richtung. Irgendwo musste doch jemand Hilfe brauchen. Es war fast soweit, als ich in einem kleinen Café anhielt und mir das billigste und kleinste Getränk kaufte, das ich finden konnte. Es diente eher dazu, mich aufzuwärmen. Ich kaufte nichts zu essen, obwohl mein Magen protestierend knurrte. Ich verweilte noch ein paar Minuten und machte mich dann auf den Weg in die andere Richtung. Zwei der Lokale, die ich ansprach, machten tatsächlich einen vielversprechenden Eindruck, obwohl eines davon so weit weg war, dass ich jeden Tag fast vierzig Minuten für die Hin- und Rückfahrt bräuchte. Nicht gerade ideal. Aber man kann nicht wählerisch sein, oder? Ich hatte mehrere Visitenkarten und ein paar Zusagen für Zweitgespräche. Die würde ich mir aufheben, sagte ich mir. Es war nicht viel, aber immerhin mehr als gestern. Naja, nicht ganz. Gestern hatte ich einen Job. Einen miesen, aber immerhin einen Job. Aber das hier waren Vorstellungsgespräche, und die hatten nicht an miesen Orten stattgefunden.
Ich versuchte, mich damit zu trösten und ging zurück in die Wohnung. Ich war fast genauso erschöpft wie gestern Abend, als ich endlich ins Bett ging. Ich konnte mir nicht vorstellen, das morgen noch einmal durchzumachen.
Also lass es.
Ich verwarf den Gedanken fast, hielt dann aber inne.
Vielleicht sollte ich es doch nicht. Morgen war Sonntag. Emma hatte frei. Sie verbrachte ihren freien Tag immer mit ihrem Freund Malachi. Ich hätte etwas Ruhe und könnte ein bisschen online stöbern.
*** Der Sonntag war ein Reinfall.
Der Montag versprach genauso zu werden – bei einem meiner vermeintlichen Zweitgespräche rief man an, um einen neuen Termin zu vereinbaren, und ein anderes wurde komplett abgesagt.
Molly rief kurz vor Mittag an. „Hast du Zeit?“ Sie begrüßte mich nicht einmal.
Ich seufzte. „Ja, aber lieber nicht. Ich bin seit acht Uhr auf Jobsuche.“
„Du brauchst Mittagessen“, sagte Molly. Ihrer Meinung nach machte Essen alles ein bisschen besser. „Wo bist du?“
Ich kniff die Augen zusammen und antwortete dann: „Nicht weit vom MoMA.“
Das Museum of Modern Art und die Gegend darum herum waren normalerweise einer meiner Lieblingsorte, aber ich war nicht da, um abzuhängen oder die Zeit totzuschlagen. Ich war auf Jobsuche – immer noch – und hatte auch dabei kein Glück.„Super. Hör mal, da gibt es diesen Laden …“ Sie gab mir eine Adresse. „Wir treffen uns in dreißig Minuten dort, okay?“
Das Café, zu dem Molly mich schickte, war klein und etwas abgelegen. Es war so ein kitschiger Laden, in dem ich gerne arbeiten würde, aber als ich fragte, ob sie Leute suchten, lächelte die Frau höflich und schüttelte den Kopf. Sie gab mir aber einen Bewerbungsbogen zum Ausfüllen. Ja, ich habe es getan – man weiß ja nie, nicht wahr? Ich war gerade damit beschäftigt, als Molly ankam. Sie ließ sich mir gegenüber fallen und lächelte. Ich lächelte zurück, aber innerlich war ich nicht wirklich dabei.„Wie geht es dir?“, fragte sie besorgt.
„Mir ging es schon mal besser“, sagte ich. Ich sah auf, als der Kellner auf uns zukam, und zählte im Kopf mein Kleingeld durch.
„Ich hab’s“, sagte Molly. Bevor ich widersprechen konnte, war der Kellner da, und Molly bestellte zwei Tassen Kaffee. Als er weg war, drehte sie sich wieder zu mir um. „Ich hatte gestern eine Doppelschicht, deshalb habe ich etwas Trinkgeld mehr.“
Ich stöhnte, als ich mir vorstellte, wie seine Zähne über meinen Hals strichen, dann zu meinen Brustwarzen hinunter, bevor er immer tiefer wanderte… Meine Finger fuhren durch die nassen Locken, das Wasser pulsierte und hämmerte um mich herum. Dominics Hand, dachte ich, umkreiste meine Klitoris. Erregung durchfuhr mich. Ich wimmerte, als mir mein Geist das Bild vorstellte, wie er vor mir auf die Knie ging, sein goldblonder Kopf zwischen meinen Schenkeln, sein Mund mich verwöhnte. Seine Zunge – wie würde sich das anfühlen? Ich wusste es natürlich nicht. Niemand hatte mich jemals zuvor oral befriedigt. Ein Stöhnen entfuhr mir, als ich zwei Finger in meine Vagina einführte. Ich stellte mir vor, es wäre Dominic, und meine Muskeln krampften sich um meine Finger zusammen. Gleichzeitig wölbte ich mich nach oben. Mein Handballen drückte gegen meine Klitoris, und der Druck ließ ein Kribbeln der Lust durch mich strömen. Bilder blitzten vor meinem inneren Auge auf. Dominics Po, der sich anspannte
Es war kein besonders angenehmes Gefühl, also entfernte ich mich und eilte in die Küche. Hier wusste ich wenigstens, was ich tat. Ich hatte schon immer gern gekocht, und sowohl Fawna als auch Dominic hatten mir versichert, dass ich die Küche so oft benutzen konnte, wie ich wollte. Es gab einen professionellen Koch, der für Dominic kam, und mir wurde gesagt, er stünde auch für mich zur Verfügung, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass jemand für mich kochte.Es war ewig her, dass ich richtig kochen konnte. Die winzige Küche bei Emma war kaum als richtige Küche zu bezeichnen, und ich konnte nichts zubereiten, ohne ständig gegen die Arbeitsfläche zu stoßen. Es war unmöglich, eine richtige Mahlzeit zu kochen, ohne zwischendurch die Töpfe und Pfannen abwaschen zu müssen. Ich ließ die glänzenden Oberflächen und das polierte Chrom hinter mir und schlich den Flur entlang zu den Büros, in denen ich mit Dominic arbeiten würde, wenn wir dort wohnten. Mehr Fenster, durch die viel Licht herein
Ich ließ mich in den schalenförmigen Sessel fallen, der zur Wohnung gehörte. Fawna und Dominic hatten mir zwar gesagt, ich könne die Wohnung nach Belieben umgestalten lassen, aber mir gefiel sie so, wie sie war. Sie war hell, luftig und feminin, ohne überladen zu wirken. Und meine Wohnung… Ich hatte nie gewagt, von so einem Ort zu träumen. Nicht ein einziges Mal. Nun ja, nicht nachdem ich gesehen hatte, was New Yorker Immobilien kosten.„Wie hat Emma die Neuigkeit aufgenommen?“, fragte Molly, drehte sich kraftlos auf den Bauch.„Na ja, nachdem ich die Miete für diesen und nächsten Monat bezahlt hatte?“, zuckte ich mit den Achseln. „Es war ihr völlig egal.“ Dann rümpfte ich die Nase und fügte hinzu: „Aber du hättest ihr Gesicht sehen sollen, als ich ihr von meinem neuen Job erzählt habe. Man hätte meinen können, sie hätte eine ganze Zitrone verschluckt.“„Das glaube ich dir.“ Molly lachte laut auf. „Du hast den Jackpot geknackt, Baby. Ich meine … wow. Der Typ kam mir bekannt vor, aber
Ich hasste es, so mit ihr zu reden.Ich hasste diese Kluft zwischen uns.Aber sie weigerte sich zu verstehen, dass der Mann, den sie aus mir machen wollte, und der Mann, der ich bereits war, Welten voneinander entfernt waren.Die Welt, in der sie lebte, und die Welt, in der ich leben wollte, hätten unterschiedlicher nicht sein können.Ihre Welt bestand aus Vergünstigungen, Banketten und gesellschaftlichen Veranstaltungen.Wenn es nach mir ginge, würde ich mich vom Aufwachen bis … ach … acht oder neun Uhr abends in der Arbeit verlieren, dann würde ich mich zwischen den Schenkeln einer Frau verlieren. Dann würde ich schlafen und der Kreislauf von Neuem beginnen. Geldverdienen war ein Spiel, und Sex die Erlösung.Das war alles, was meine Welt brauchte. Die Gesellschaft konnte mich mal.Aber dieser Gedanke war meiner Mutter fremd.„Es tut mir leid, Dominic. Ich …“ Sie hielt inne, und als sie wieder sprach, war ihre Stimme leiser. „Ich mache mir nur Sorgen um dich. Es tut mir leid, dich zu
Fawna und meine Mutter hatten sich nie gut verstanden, hauptsächlich wegen meiner Mutter. Fawna hatte mehr als einmal versucht, Kontakt aufzunehmen. Ich glaube, ein Teil meiner Mutter war eifersüchtig, neidisch auf das unkomplizierte Verhältnis, das ich zu Fawna hatte. Sie hatten mich praktisch adoptiert, großgezogen … und ich verstand mich besser mit einer Lehrerin, die ich nur ein paar Minuten am Tag sah, als mit meinen Eltern.Natürlich hatte diese Lehrerin es versucht.Sie hatte sich bemüht.Sie hatte mir das Gefühl gegeben, dass ich wichtig war, dass ich mehr war als meine Herkunft.Meine Eltern liebten mich, und das wusste ich, aber sie wussten nicht, wie man mit Kindern umgeht. Den größten Teil meiner Kindheit wurde ich von Kindermädchen betreut und nur an Feiertagen und besonderen Anlässen herausgebracht. Ansonsten war ich in einem Internat nach dem anderen. Irgendwann hatte ich genug davon und rebellierte, was zu Ärger führte. Es dauerte nicht lange, bis ich wieder nach Hause
„Das tust du nicht“, sagte ich barsch. Ich stellte die Limonade ab, griff nach dem Stück Pizza auf meinem Teller und biss hinein. Nachdem ich den Bissen heruntergeschluckt hatte, sagte ich: „Du hast sie eingestellt.“„Du bist der Geschäftsführer. Du hast sie eingestellt.“ Sie lächelte mich an.Sie nippte an ihrer Limonade. Ich aß das erste Stück Pizza auf und verschlang das zweite, bevor wir beide wieder etwas sagen wollten.„Wie geht es dem Kleinen?“„Eli ist …“ Sie holte tief Luft. „Es geht ihm ganz gut.“ Ihr Gesichtsausdruck wurde weicher. „Noch einen Monat. Die Ärzte denken, er ist in einem Monat stark genug, um das Krankenhaus zu verlassen.“Ich dachte an das winzige Baby, das um sein Leben kämpfte, eine Maschine, die für ihn atmete.Ich griff nach Fawnas Hand. „Du weißt, dass du und Eli jederzeit hier oder im Haus wohnen könnt, solange ihr wollt. Sag einfach Bescheid.“„Ich weiß“, sagte Fawna und schenkte mir ein liebevolles Lächeln. „Aber ich habe eine Wohnung außerhalb der Sta







