로그인MARCUS
Ihre kleinen Schritte hallen noch in meinem Kopf wider, synchron mit den ungeordneten Schlägen meines Herzens. Léon. Lilou. Die Namen kreisen, prägen sich ein. Sanfte, leichte Namen, die einen krassen Gegensatz zum Gewicht ihrer Existenz bilden.
Ich habe mich nicht bewegt. Die Sonne steigt, wärmt den Stein der Terrasse, aber eine Kälte bleibt in mir, tief im Inneren. Es ist nicht mehr die Scham des Traums. Es ist ein weitaus gr&oum
ÉLIANORDie Haustür fällt hinter mir mit einem dumpfen Schlag ins Schloss, der in meinem ganzen Körper widerhallt. Ich lehne mich dagegen, die Handflächen flach auf dem kalten Holz, als wolle ich mich an der Realität verankern, die sie repräsentiert. Meine Realität. Die einzige, die zählt.Aber hinter meinen geschlossenen Lidern sehe ich sein Gesicht. Marcus. Entstellt von einer schlagartigen Gewissheit. Und seine Worte. Seine Worte, die sechs Jahre des Schweigens und der Barrikaden wie Messer durchdrungen haben.Das Hotel Mercure. Die Narbe.Ein unkontrollierbarer Schauer läuft mir über den Rücken. Ich presse meine Hände fester gegen das Holz, bis die Knöchel weiß werden. Nein. Das ist unmöglich. Er kann es nicht wissen. Er kann sich nicht erinnern.»Mama?«Die kleine Stimme, voller ungestillter Neugier, durchbohrt mich. Ich öff
MARCUSIhre kleinen Schritte hallen noch in meinem Kopf wider, synchron mit den ungeordneten Schlägen meines Herzens. Léon. Lilou. Die Namen kreisen, prägen sich ein. Sanfte, leichte Namen, die einen krassen Gegensatz zum Gewicht ihrer Existenz bilden.Ich habe mich nicht bewegt. Die Sonne steigt, wärmt den Stein der Terrasse, aber eine Kälte bleibt in mir, tief im Inneren. Es ist nicht mehr die Scham des Traums. Es ist ein weitaus größerer Schwindel. Der Schwindel der Gewissheit.Ihre Ähnlichkeit ist kein vager Zufall. Es ist eine Kopie. Eine Replik. Das Erbe ist offensichtlich, in jedem Detail von Léons Gesicht. Und Lilou… ihre Augen, diese Art, den Kopf zu neigen. Élianor ist darin als Wasserzeichen erkennbar.»Unser Papa ist im Himmel.«Der Satz des Kindes kommt zurück, schneidend. Ein frommes Märchen. Ein Grabmal, aus dem Nichts errichtet. F&uum
MARCUSDer Kaffee rinnt mir die Kehle hinunter, heiß, bitter. Ein Bollwerk gegen die Schlaflosigkeit und die Erinnerungen, die noch hinter meinen Augenlidern tanzen. Ich sitze auf der Terrasse des Gästehauses, im Schutz der Blicke, und beobachte, wie das große Haus erwacht. Die frische Morgenluft schafft es nicht, die zurückbleibende Wärme des Traums abzuwaschen.Dann sehe ich sie.Auf der sonnigen Veranda des Haupthauses, zwei kleine Gestalten. Ein Junge und ein Mädchen. Sie müssen fünf Jahre alt sein. Der Junge spricht mit seiner Schwester, lebhaft, und zeigt mit dem Finger in den Garten.Und mein Herz bleibt stehen.Der Junge… es ist, als würde ich auf ein vergilbtes Foto von mir selbst in diesem Alter blicken. Dieselben unordentlichen kastanienbraunen Haare. Dieselbe eigensinnige Kinnpartie. Dieselbe Art, sich hinzustellen, leicht trotzig, selbst in der Entspannung.Das
MARCUSDie Nacht im Gästehaus ist dicht, porös. Sie lässt Erinnerungen durchsickern, aber das Wesentliche fließt hindurch: die Empfindung. Es ist nicht ein Bild, das zuerst kommt, es ist eine Stimmung. Die schwüle Hitze einer Sommernacht. Leise Musik, von irgendwoher. Das scharfe, berauschende Gefühl des Verbotenen.Vor sechs Jahren. Ein anonymes Hotel. Ich, dort gestrandet, ausgelaugt von der Müdigkeit. Sie…Im Traum hat sie kein Gesicht. Nur eine Präsenz. Die Rundung einer Hüfte unter Seide. Ein dargebotener Nacken. Ein ersticktes Lachen an meiner Schulter. Eine Fremde. Eine Flucht. Mein Verlangen und meine Einsamkeit, die sich in einem anderen Körper zu vernichten suchen.Ich sehe, wie ich sie an mich ziehe. Mund auf Mund, im Fahrstuhl mit seinen endlosen Spiegeln. Der Geschmack eines süßen Cocktails auf ihren Lippen. Die Dringlichkeit. Dieses viszerale Bedürfnis, m
MARCUSDie Nacht im Gästehaus ist dicht, porös. Sie lässt Erinnerungen durchsickern, aber das Wesentliche fließt hindurch: die Empfindung. Es ist nicht ein Bild, das zuerst kommt, es ist eine Stimmung. Die schwüle Hitze einer Sommernacht. Leise Musik, von irgendwoher. Das scharfe, berauschende Gefühl des Verbotenen.Vor sechs Jahren. Ein anonymes Hotel. Ich, dort gestrandet, ausgelaugt von der Müdigkeit. Sie…Im Traum hat sie kein Gesicht. Nur eine Präsenz. Die Rundung einer Hüfte unter Seide. Ein dargebotener Nacken. Ein ersticktes Lachen an meiner Schulter. Eine Fremde. Eine Flucht. Mein Verlangen und meine Einsamkeit, die sich in einem anderen Körper zu vernichten suchen.Ich sehe, wie ich sie an mich ziehe. Mund auf Mund, im Fahrstuhl mit seinen endlosen Spiegeln. Der Geschmack eines süßen Cocktails auf ihren Lippen. Die Dringlichkeit. Dieses viszerale Bedürfnis, m
ÉLIANORSie errötet leicht, verraten. Wir wissen beide, dass »verwirrt« ein schwaches Wort ist, um die elektrisierende Wirkung zu beschreiben, die zwischen ihnen im Garten hin- und hergefahren ist.— Und wenn du erwischt wirst?— Ich werde nicht erwischt. Das ist unser Haus. Unser Garten. Ich bin eine harmlose alte Dame, die nachschaut, ob für ihren Mieter alles in Ordnung ist.— Martha…— Es ist entschieden, Élianor. Ich bitte nicht um deine Zustimmung. Ich bitte dich, nichts zu sagen. Tu, als ob nichts wäre. Beobachte ihn. Ich kümmere mich um den Beweis.Sie schüttelt den Kopf, erschöpft, besiegt von der Entschlossenheit, die in meinen Augen leuchten muss.— Ich will es nicht wissen. Ich will nichts vom Ergebnis wissen, hörst du? Wenn du das tust… tu es für dich. Nicht für mich.Sie dreht sich um un







