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„Bruder …?“
Damians Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch das Wort hallte durch die plötzliche Stille im Ballsaal. Verwirrt sah ich ihn an und blickte dann zu Jayden, der neben mir stand – mit demselben gelassenen Gesichtsausdruck wie beim Betreten des Saals. Kein Anflug von Überraschung lag auf seinen Zügen, nichts deutete darauf hin, dass Damians Reaktion ihn auch nur im Mindesten berührte. Es war fast so, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.
Wieder sah ich abwechselnd von dem einen zum anderen. *Bruder?*
Ich wusste natürlich, dass Damian Familie hatte. Schließlich war ich jahrelang mit ihm verheiratet gewesen, auch wenn er sich nie große Mühe gegeben hatte, mich an seinem Privatleben teilhaben zu lassen. Dennoch hatte er nie einen älteren Bruder erwähnt – und schon gar keinen, der nun totgeglaubt vor uns stand.
„Hat er ihn gerade seinen Bruder genannt?“, murmelte jemand hinter uns.
Das Geflüster breitete sich rasend schnell aus, und ich bemerkte, wie etliche Alphas verunsicherte Blicke austauschten. Damian schien zu dämmern, dass alle Augen auf ihn gerichtet waren. Seine Haltung veränderte sich; er straffte die Schultern, um das Selbstbewusstsein wiederzuerlangen, das er noch vor wenigen Augenblicken zur Schau gestellt hatte.
Schließlich sah Jayden ihn direkt an.
„Lange ist es her, kleiner Bruder.“
Die beiläufige Art, wie er es aussprach, ließ Damians Züge erstarren. Ich spürte Jaydens Hand an meiner Taille, die mich fest an seiner Seite hielt, während er dem Mann gegenüberstand, der sich einst mein Ehemann genannt hatte.
„Du …“ Damian machte einen Schritt nach vorn. Seine Augen musterten Jaydens Gesicht, als suchte er nach einer Erklärung. „Wie ist das möglich? Du solltest tot sein.“
Ein feines Lächeln stahl sich auf Jaydens unmaskiertes Gesicht.
„Hat man dir das erzählt?“
Damian ballte die Kiefer aufeinander. Für einen Moment schien ihm die Antwort zu fehlen, und ich beobachtete seinen vergeblichen Versuch, vor den anderen Alphas Haltung zu bewahren. Der Mann, der mich noch vor Minuten spöttisch gedemütigt und meine Tochter beleidigt hatte, sah nun aus, als hätte er einen Geist gesehen.
Ich verstand es nicht. Warum hatte er solche Angst vor Jayden?
„Bitte bleiben Sie alle ruhig“, verkündete Damian und wandte sich leicht an die Menge. „Dieser Mann ist ein gefährlicher Streuner. Ich weiß nicht, wie er sich hier eingeschlichen hat, aber er hat keinerlei Recht, hier zu sein.“
Seine Worte rissen mich aus meinen Gedanken. Ein gefährlicher Streuner? War das alles, was er über seinen eigenen Bruder zu sagen hatte?
Jayden ließ sich von der Beschuldigung nicht aus der Ruhe bringen. Er beobachtete Damian einfach nur und ließ ihn gewähren, während die übrigen Gäste gebannt auf den Fortgang warteten.
„Hast du vergessen, wer mich eingeladen hat?“, fragte Jayden.
Damian schoss ein scharfer Blick zu ihm herüber.
„Diese Versammlung ist den Alphas und ihren geladenen Gästen vorbehalten. Du kannst nicht einfach hier hereinspazieren und erwarten, dass dich jeder akzeptiert.“
„Und doch hast du mich erkannt.“
Die Antwort war schlicht, aber sie brachte Damian erneut zum Schweigen. Ich sah mich im Ballsaal um und bemerkte, wie das Tuscheln immer lautstärker wurde. Einige Gäste schienen genau zu wissen, wer Jayden war, während andere noch zu begreifen versuchten, warum Damian so reagierte, als wäre ein Toter auferstanden.
Ich neigte mich leicht zu Jayden und senkte die Stimme, sodass nur er mich hören konnte. „Ist er wirklich dein Bruder?“
„Ja“, antwortete er ohne Zögern.
Ich starrte ihn an. „Das hast du mir nie erzählt.“
Jayden warf mir einen kurzen Blick zu, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder auf Damian richtete. „Es war nicht wichtig.“
Fast hätte ich die Stirn runzelt. Mir schien es durchaus wichtig zu sein – erst recht, wenn ich sah, wie Damian ihn anschaute. Doch das war nicht der richtige Moment, um nachzubohren, also wandte ich mich wieder dem Geschehen zu.
Damian hatte etwas von seiner Fassung wiedererlangt, auch wenn die Anspannung in seinem Gesicht unübersehbar blieb.
„Du hast ganz schön Nerven, dich nach all dem, was du getan hast, hier zu zeigen“, sagte er. „Du wurdest wegen Hochverrats verurteilt. Was sucht ein ausgestoßener Streuner und Feind wie du wieder hier?“
Ich spürte, wie sich Jaydens Griff an meiner Taille leicht verfestigte.
„Ist das immer noch die Geschichte, die du den Leuten erzählst?“, fragte er.
Damians Miene verdunkelte sich. „Du wurdest schuldig gesprochen. Du hast diese Familie verraten und versucht, den Thron an dich zu reißen. Man gab dir die Chance, dich für deine Verbrechen zu verantworten, aber du hast die Flucht vorgezogen.“
Ich blickte zu Jayden auf und versuchte zu begreifen, was ich da hörte. Damians Blick wanderte zu mir hinüber.
„Und jetzt hast du *sie* hierher gebracht?“, fragte er. Seine Augen glitten über mein Kleid, ehe sie auf Jaydens Hand an meiner Taille hängen blieben. „Ist es das, was du all die Jahre getrieben hast? Dich unter Streunern verstecken und Frauen sammeln, die sich neben dich stellen?“
Meine Hände ballten sich zu Fäusten. Ich wusste genau, was er bezweckte. Wie immer, wenn er mich demütigen wollte, versuchte er, mich an den Pranger zu stellen.
„Vorsicht mit dem, was du sagst“, warnte Jayden mit ruhiger Stimme.
Damian lachte bitter auf. „Warum? Ist sie jetzt deine Frau? Ich kenne sie besser als du, Bruder. Sie war nur Dreck, den ich weggeworfen habe.“
Einige Gäste tauschten Blicke aus. Ich spürte die Scham darüber, dass meine gescheiterte Ehe vor allen bloßgestellt wurde, weigerte mich jedoch, den Kopf zu senken. Damian hatte mir bereits genug genommen. Ich würde nicht zulassen, dass er meine Vergangenheit benutzte, um mich vor diesen Leuten bloßzustellen.
Jayden schob sich ein Stück vor mich.
„Sie ist hier, weil ich sie mitgebracht habe“, erwiderte er. „Was auch immer zwischen euch war, geht dich nichts mehr an.“
Damians Augen verengten sich. „Du weißt nicht, was für eine Frau sie ist.“
„Ich glaube kaum, dass du irgendein Recht oder einen Grund hast, dir darüber den Kopf zu zerbrechen.“ Die Antwort kam so prompt, dass Damian wie vor den Kopf gestoßen wirkte. Ich blickte auf Jaydens Rücken – unfähig zu sagen, ob er lediglich seine Position verteidigte oder es tatsächlich so meinte. Wie dem auch sei.
Außer sich vor Wut wandte sich Damian an die Wachen am Eingang.
„Ergreift ihn!“
Mehrere Wachen traten sofort vor, hielten jedoch abrupt inne, als sie nah genug heranwaren, um den Mann vor ihnen zu erkennen. Ihre Blicke wanderten von Jayden zu Damian, und keiner von ihnen schien gewillt, den ersten Schritt zu machen.
„Habt ihr mich nicht gehört?!“, bellte Damian.
Einer der Wachen sah ihn verunsichert an. „Alpha, wir …“
„Tut es!“
Sie wechselten erneut einen Blick, doch niemand rührte sich. Ich spürte, wie sich die Verunsicherung unter ihnen ausbreitete. Jayden hatte weder die Stimme erhoben noch seine Haltung verändert, und dennoch zögerten Damians eigene Wachen, sich ihm zu nähern.
Jayden sah die Männer einen Moment lang an, ehe er seinen Blick wieder auf Damian richtete.
„Du kannst noch so viele Befehle erteilen“, sagte er. „Es ändert nichts an dem, was geschehen ist.“
Damians Gesichtszüge verhärteten sich. „Du hast kein Recht, darüber zu sprechen.“
„Warum nicht? Du hast schließlich damit angefangen.“
Ich beobachtete, wie sich Damians Hände zu Fäusten ballten. Niemand im Saal machte sich mehr die Mühe vorzugeben, dass hier nichts Ungewöhnliches vor sich ging.
„Wartet“, rief plötzlich einer der Alphas.
Die Gespräche um uns herum starben allmählich ab, als sich alle zu ihm umwandten. Er blieb in kurzer Entfernung vor Jayden stehen und starrte in sein Gesicht. Der Unglaube auf seinen Zügen wich dem Erkennen, und seine Lippen teilten sich leicht.
„Kann es wirklich sein …?“
Damian fuhr sofort herum. „Was tust du da?“
REBEKAH„Bruder …?“Damians Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, doch das Wort hallte durch die plötzliche Stille im Ballsaal. Verwirrt sah ich ihn an und blickte dann zu Jayden, der neben mir stand – mit demselben gelassenen Gesichtsausdruck wie beim Betreten des Saals. Kein Anflug von Überraschung lag auf seinen Zügen, nichts deutete darauf hin, dass Damians Reaktion ihn auch nur im Mindesten berührte. Es war fast so, als hätte er genau auf diesen Moment gewartet.Wieder sah ich abwechselnd von dem einen zum anderen. *Bruder?*Ich wusste natürlich, dass Damian Familie hatte. Schließlich war ich jahrelang mit ihm verheiratet gewesen, auch wenn er sich nie große Mühe gegeben hatte, mich an seinem Privatleben teilhaben zu lassen. Dennoch hatte er nie einen älteren Bruder erwähnt – und schon gar keinen, der nun totgeglaubt vor uns stand.„Hat er ihn gerade seinen Bruder genannt?“, murmelte jemand hinter uns.Das Geflüster breitete sich rasend schnell aus, und ich bemerkte, wie etliche
„Bitte, Miss, Sie übertreiben es total mit dem Training“, flüsterte Ellie, die junge Assistentin, die Jayden mir persönlich zugeteilt hatte, mit fast schon panischer Stimme. Sie trat vorsichtig näher und hielt mir eine kalte Flasche Wasser entgegen. „Wenn der Boss erfährt, dass Sie sich hier bis zur völligen Erschöpfung getrieben haben, ohne dass ich Sie gestoppt habe, werden wir beide seine unnachsichtige Strafe zu spüren bekommen.“Ich hielt inne, ließ die schwere Hantel sinken und atmete tief aus, während mir der Schweiß von der Stirn rann. Die Muskeln in meinen Armen brannten vor Schmerz, aber dieser Schmerz fühlte sich gut an er war ein Beweis dafür, dass ich lebte und stärker wurde.Ich nahm die Wasserflasche aus Ellies Händen und lächelte matt. „Es tut mir leid, Ellie. Du hast recht, ich werde für heute aufhören. Du musst dir keine Sorgen machen.“Sie atmete erleichtert aus und reichte mir ein weiches Handtuch. Als sie sich kurz wegdrehte, griff ich in die Tasche meiner Trainin
Ein sanfter, warmer Windzug streifte meine Haut, als ich langsam die Augen aufschlug.Kein peitschender Regen. Kein kalter Schlamm. Kein Geruch von feuchter Erde auf dem frischen Grab meiner Tochter.Ich starrte auf die riesige, stuckverziehrte Decke über mir und das sanfte Licht eines Kristallkronleuchters. Ein Seidenteppich lag unter dem wuchtigen Himmelbett, auf dem ich lag, und der Raum war erfüllt von einem schweren, rauchigen Duft nach Zedernholz.Bin ich... bin ich tot?, dachte ich flüsternd bei mir selbst. Ist das das Jenseits?„Du bist keineswegs tot, kleines Mädchen“, ertönte eine tiefe, raue Stimme direkt neben dem Bett.Ich schreckte auf und zog die samtige Decke schützend bis an meine Brust. In einem eleganten, dunklen Sessel am Fenster saß ein Mann. Er war breitgebaut, hatte ein scharf geschnittenes Kiefer und Augen wie flüssiges Eis. Er trug keine Maske. Er war makellos, gefährlich und atmete eine schiere, einflößende Dominanz aus, die den gesamten Raum erdrückte. Ich h
„Ich schwöre dir beim Blut deiner unschuldigen Seele, Seren... Damian und Vienna werden brennen“, flüsterte ich mit gebrochener, aber eiskalter Stimme in die Finsternis der Nacht.Mit meinen bloßen, blutigen Händen grub ich die nasse Erde hinter einem verlassenen Unterstand nahe der Rudelgrenze auf. Der kalte Regen wusch den Schlamm von meinen Wangen, während ich die starre, kleine Leiche meiner Tochter behutsam in das kühle Grab legte. Ich deckte ihren winzigen Körper vorsichtig mit der weichen Erde zu und schichtete schwere Steine darüber, um sie vor den wilden Tieren des Waldes zu schützen.„Sei nicht einsam, mein kleiner Engel“, murmelte ich, während ich meine Stirn an die kalten Steine presste. „Es werden schon sehr bald viele andere Menschen folgen, die dir in die Finsternis nachreisen.“Ich erhob mich langsam. Meine Kleidung war durchnässt, meine Hände bluteten, und die Wunde der zerrissenen Rudelverbindung brannte wie flüssiges Feuer in meiner Seele. Ich besaß nichts mehr auf
„Sie müssen meine Tochter retten! Sie ist die Tochter des Alphas, und ich bin die amtierende Luna! Warum verwehrt man mir den sofortigen Zugang zur Notaufnahme?!“Meine Stimme überschlug sich vor schierer Verzweiflung. Ich umklammerte das kleine, glühend heiße Bündel in meinen Armen so fest, wie ich nur konnte, während mir der kalte Regen unaufhaltsam über das Gesicht peitschte.Der Sicherheitsmann an den gläsernen Schiebetüren des Krankenhauses blickte mich voller Unbehagen an und verschränkte die Arme. „Ihre Biometrie ist im gesamten medizinischen System gesperrt, Ma’am. Ohne die persönliche Freigabe von Alpha Damian darf ich Sie nicht einmal in die Lobby lassen.“Ich fuhr mir mit zitternden, durchnässten Fingern durch die Haare und unterdrückte einen Hysterischen Schrei. Es war das vierte Krankenhaus in dieser verdammten Nacht, das mich eiskalt abwies. Jede einzelne Klinik des Rudels hatte denselben digitalen Befehl erhalten: Zugriff verweigert.„Mama...“, ertönte eine schwache, br







