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Kapitel 2

作者: Dunke
last update 公開日: 2026-10-21 14:10:31

„Ich schwöre dir beim Blut deiner unschuldigen Seele, Seren... Damian und Vienna werden brennen“, flüsterte ich mit gebrochener, aber eiskalter Stimme in die Finsternis der Nacht.

Mit meinen bloßen, blutigen Händen grub ich die nasse Erde hinter einem verlassenen Unterstand nahe der Rudelgrenze auf. Der kalte Regen wusch den Schlamm von meinen Wangen, während ich die starre, kleine Leiche meiner Tochter behutsam in das kühle Grab legte. Ich deckte ihren winzigen Körper vorsichtig mit der weichen Erde zu und schichtete schwere Steine darüber, um sie vor den wilden Tieren des Waldes zu schützen.

„Sei nicht einsam, mein kleiner Engel“, murmelte ich, während ich meine Stirn an die kalten Steine presste. „Es werden schon sehr bald viele andere Menschen folgen, die dir in die Finsternis nachreisen.“

Ich erhob mich langsam. Meine Kleidung war durchnässt, meine Hände bluteten, und die Wunde der zerrissenen Rudelverbindung brannte wie flüssiges Feuer in meiner Seele. Ich besaß nichts mehr auf dieser Welt keinen Namen, kein Rudel, kein Kind und keine Heimat. Ich war nur noch eine wandelnde Hülle, angetrieben von einem einzigen, unerbittlichen Wunsch nach blutiger Vergeltung.

Mit schleppenden Schritten stolperte ich weiter durch den peitschenden Sturm. Jeder Meter fühlte sich an, als würde ich durch geschmolzenes Blei waten. Der Schmerz der Entbehrung und die Schande der öffentlichen Demütigung schnürten mir die Kehle zu, doch ich zwang meine Beine dazu, sich weiterzubewegen. Ich wollte tiefer in das neutrale, gefährliche Territorium der Ausgestoßenen vordringen, selbst wenn es mein sicheres Ende bedeutete.

Plötzlich hielt ich mitten im Schritt inne. Über das Heulen des Windes hinweg drang ein dumpfes, schmerzhaftes Grohnen an meine Ohren.

Ich blieb stehen und lauschte in die Dunkelheit hinein. Eigentlich hätte es mir vollkommen egal sein müssen. Der Tod schien mir in diesem Augenblick ohnehin wie die einzige friedliche Erlösung von meinen unerträglichen Qualen zu sein. Doch etwas in mir ein altes, tief sitzendes Muster ließ mich den Kopf wenden und den leisen Geräuschen durch das dichte Unterholz folgen.

Hinter einer gewaltigen, alten Eiche entdeckte ich eine dunkle Gestalt, die im schlammigen Gras kauerte.

Es war ein massiver, breitgebauter Krieger. Er trug eine tiefschwarze Maske, die sein gesamtes Gesicht verbarg, und versuchte krampfhaft, sich an den Baumstamm zu klammern. Sein langer, dunkler Mantel war an mehreren Stellen zerfetzt und vollkommen von frischem, dunklem Blut getränkt.

Ich trat langsam näher und schluckte schwer. Das keuchende Atemgeräusch des Mannes verriet mir sofort, dass er nicht nur an physischen Schnittwunden litt. Seine Haut glühte unnatürlich heiß, und seine Adern zeichneten sich als dunkle, giftige Linien unter seiner Blässe ab.

Er war vergiftet worden. Ein hochkonzentriertes, tödliches Wolfsgift fraß sich gerade durch seine Vitalfunktionen und lähmte die Heilungskräfte seines inneren Wolfs.

Vor meinem geistigen Auge blitzte die spöttische Fratze von Damian auf. Er hatte mich immer ausgelacht, wenn ich in den alten medizinischen Büchern gelesen und heilende Kräuter studiert hatte. „Du bist eine wölflose Außenseiterin, Rebekah“, hatte Damian einst kaltschnäuzig zu mir gesagt. „Du wirst dieses Wissen niemals nutzen können, um die Menschen zu retten, die du liebst.“

Ein bitteres, schneidendes Lächeln stieg auf meinen feuchten Lippen auf. Damian hatte recht gehabt. Ich hatte mein eigenes Kind nicht retten können. Aber dieser sterbende Fremde vor mir war noch nicht tot.

„Gott verdammt...“, knurrte der maskierte Krieger mit rauer, bedrohlicher Stimme, als er meine Schritte wahrnahm. Er versuchte krampfhaft, nach einem Dolch an seinem Gürtel zu greifen, doch seine zitternden Finger hatten keine Kraft mehr. „Fass mich nicht an... Ausgestoßene... oder ich töte dich...“

„Halten Sie das Maul und sparen Sie Ihre Kräfte“, zischte ich mit einer Eiskälte, die ihn kurz innehalten ließ.

Ich kniete mich ohne das geringste Zögern neben ihn in den Schlamm. Trotz des peitschenden Regens tasteten meine Finger mit geübter Präzision nach seinen Pulspunkten. Ich riss einen Streifen meines eigenen, durchnässten Kleides ab und presste ihn fest auf die tiefste Arterienwunde an seiner Seite, um die Blutung zu stoppen. Anschließend suchte ich hektisch den dunklen Waldboden nach den spitzen Blättern der Silberwurzel ab ein seltenes Pflanzengift-Gegenmittel, das ich sofort mit meinen Steinen zermalmte.

Ich drückte dem heftig keuchenden Mann den bitteren Pflanzensaft gewaltsam zwischen die Lippen. „Schlucken Sie das! Wenn Sie es ausspucken, verrecken Sie in den nächsten zehn Minuten.“

Der Mann stöhnte schwer auf, kämpfte gegen den Würgereiz an und schluckte die Medizin schließlich herunter. Das Gift in seinen Adern begann sich langsam zu verlangsamen, und seine Atemfrequenz stabilisierte sich stückweise.

„Wir können hier nicht bleiben“, murmelte ich erschöpft und packte seinen schweren, muskulösen Arm. „Der Regen wird die Wunde infizieren. Stehen Sie auf!“

Mit meiner allerletzten verbliebenen Lebenskraft stützte ich den riesigen Krieger. Er war tonnenschwer, doch der eiserne Wille in meiner Brust verlieh mir übermenschliche Stärke. Schritt für Schritt schleppte ich ihn durch den Schlamm, bis wir einen geschützten, trockenen Hohlraum unter den dichten Wurzeln einer mächtigen Fichte erreichten.

Ich ließ den Mann vorsichtig an die hölzerne Wurzelwand gleiten und lehnte seinen Kopf nach hinten. Er lebte. Das Gift war neutralisiert, und seine Blutung gestillt.

In diesem Bruchteil einer Sekunde wich alle Energie schlagartig aus meinem Körper. Meine Knie gaben vollkommen nach, und ich brach schwer neben ihm auf dem kühlen Waldboden zusammen. Die Schwärze drängte sich von allen Seiten in mein Blickfeld, während mein Herz nur noch ganz langsam und schwach schlug.

Damians Worte hallten ein allerletztes Mal höhnisch in meinem Kopf wider: „Du wirst diese Fähigkeiten niemals nutzen können, um die zu retten, die du liebst...“

Ich blickte ein letztes Mal auf den reglosen, maskierten Mann neben mir.

„Ich hoffe... du bist gerettet, Fremder“, flüsterte ich mit meinem allerletzten Atemzug in die Dunkelheit hinein.

Meine Augen fielen zu, und die eisige Finsternis umhüllte meine Seele vollkommen. Vielleicht kann ich dich ja im nächsten Leben rächen, Seren... Es tut mir so leid. Mama hat versagt.

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