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Kapitel 7 – Tag 6

مؤلف: Brownieee
last update تاريخ النشر: 2026-09-10 19:18:09

Sarah – Begrenzte dritte Person

Ich denke immer wieder an das Haus. Das stille am Rand des Rudelgebiets. Morgenlicht durch das Küchenfenster. Thomas am Tisch mit Kaffee. Ich hinter ihm, Arme um seine Taille. Er dreht sich um und küsst mich, als wäre es das Natürlichste der Welt.

Sie schrieb langsam.

Sarah saß an dem kleinen Schreibtisch im Immersionsbüro, der Stift bewegte sich über das offene Tagebuch.

Sie hielt inne und biss auf das Ende des Stifts.

Ich vermisse ihn. Er ist nicht in der Stadt und ich vermisse ihn. Ich will, dass er zurückkommt.

Sie unterstrich die letzte Zeile einmal, härter als nötig.

Das Büro blieb still.

Dreißig Minuten später öffnete sich die Tür.

Thomas kam zuerst herein. Shirt leicht zerknittert. Dunkle Male über dem Kragen sichtbar.

Elias folgte direkt hinter ihm.

Sarahs Stift blieb stehen.

Elias schloss die Tür mit dem Fuß und lehnte sich dagegen, als hätte er alle Zeit der Welt.

Sarah stand zu schnell auf. Der Stuhl kratzte.

„Elias?“

Er lächelte ein wenig. „Hey.“

Ihre Augen sprangen von ihrem Bruder zu Thomas. Die Male. Die Art, wie Thomas’ Körper selbst im Stillstehen zu Elias hin ausgerichtet war.

Die Luft im Raum fühlte sich falsch an.

„Was machst du hier?“

Elias stieß sich von der Tür ab. „Immersionsarbeit.“

Sarah sah Thomas an. „Mit ihm?“

Thomas antwortete nicht.

Sie trat einen Schritt näher. Der Duft traf sie diesmal richtig. Salz. Haut. Hitze, die nicht zu Thomas gehörte.

Ihr Magen drehte sich.

„Das ist mein Bruder, Thomas.“ Ihre Stimme kam schärfer heraus, als sie wollte. „Mein kleiner Bruder.“

Thomas’ Kiefer spannte sich. Immer noch nichts.

Elias ging weiter in den Raum, ruhig. „Er weiß es.“

Sarah starrte ihn an. „Du hast es ihm gesagt?“

„Musste ich nicht.“

Sie drehte sich zurück zu Thomas. „Du wusstest es?“

Stille.

„Sag etwas.“

Thomas sah sie an, dann Elias, dann den Boden.

Das reichte.

Sarahs Lachen kam gebrochen heraus. „Du wirst es nicht einmal abstreiten?“

Elias’ Stimme blieb weich. „Nichts abzustreiten.“

Sie zeigte auf die Male an Thomas’ Hals. „Die sind von ihm.“

Thomas sprach immer noch nicht.

Elias neigte den Kopf. „Unter anderem.“

Sarahs Hände ballten sich. „Er ist hetero.“

„War“, sagte Elias.

Das Wort landete schwer.

Sie sah Thomas wieder an. „Stimmt das?“

Thomas öffnete den Mund, schloss ihn dann wieder.

Sarahs Stimme sank. „Ich habe dich geküsst.“

Keine Antwort.

„Ich habe dich geküsst und du hast nichts gespürt.“ Ihr Hals fühlte sich eng an. „Und jetzt lässt du ihn Male überall an dir hinterlassen, als würde er dich besitzen.“

Thomas sprach endlich, leise. „Sarah…“

„Nicht.“ Sie schnitt ihn ab. „Sag meinen Namen nicht, während du da stehst und nach meinem Bruder riechst.“

Elias beobachtete sie beide, fast amüsiert. „Du machst das lauter, als es sein muss.“

„Lauter?“ Sarahs Stimme brach. „Du bist zweiundzwanzig. Er ist fünfunddreißig. Er soll Klienten betreuen, nicht…“ Sie gestikulierte zwischen ihnen. „Das hier.“

„Das hier ist der Job“, sagte Elias.

„Bullshit.“

„Es steht im Vertrag.“

„Mir ist der Vertrag egal!“

Ihr Atem war flach geworden. Sie spürte den Puls in ihrem Hals.

Thomas trat einen Schritt vor. „Nicht hier.“

„Dann wo?“ Sie lachte wieder, scharf. „Willst du, dass das ganze Rudel weiß, dass du mit meinem kleinen Bruder schläfst?“

Elias’ Mund zuckte.

Sarah sah es. Etwas Heißes stieg in ihrer Brust auf.

„Findest du das lustig?“

„Ein bisschen“, sagte Elias. „Du tust so, als hätte ich dir dein Spielzeug gestohlen.“

Die Worte trafen härter, als sie erwartet hatte.

Sie starrte ihn an. „Was hast du gerade gesagt?“

Elias sah nicht weg. „Du kreist seit Jahren um ihn. Weiche Augen. Kaffee. Verweilende Berührungen. Er hat dich nie so angesehen, wie er mich ansieht.“

Thomas’ Stimme kam tief. „Elias. Genug.“

Sarahs Gesicht fühlte sich heiß an. „Du hast kein Recht, über mich zu reden.“

„Warum nicht? Du stehst hier und tust so, als wäre ich das Problem.“ Elias’ Ton blieb gleichmäßig. „Ich bin der Einzige, der ehrlich ist.“

Sie drehte sich zurück zu Thomas. „Ist das, was das hier ist? Ehrlichkeit?“

Thomas’ Kehle bewegte sich. Er gab ihr immer noch nicht die Antwort, die sie wollte.

Sarahs Stimme wurde dünn. „Ihr seid beide krank.“

Elias zuckte mit einer Schulter. „Wir sind beide erwachsen.“

„Er benutzt dich.“ Die Worte kamen heraus, bevor sie sie stoppen konnte. „Das weißt du, oder? Oder bist du zu beschäftigt damit, dich von ihm markieren zu lassen, um es zu merken?“

Thomas’ Kopf schnellte zu ihr herum.

Elias’ Ausdruck änderte sich nicht, aber etwas Kälteres legte sich hinter seinen Augen.

Sarah machte weiter, Stimme zitternd. „Er ist zweiundzwanzig. Er spielt irgendein Spiel und du fällst darauf rein. Du wirfst alles weg für einen Vertrag und ein paar Male an deinem Hals.“

Thomas sah Elias an. Wirklich an.

Elias sagte nur: „Sie redet zu viel.“

Sarah trat näher an Thomas heran, Augen brennend. „Deshalb hat deine Frau dich verlassen, oder?“

Thomas’ ganzer Körper wurde still.

„Sie ist gegangen, weil du sie nicht befriedigen konntest.“ Sarahs Stimme brach, aber sie hörte nicht auf. „Weil du sie nie wirklich wolltest. Nicht so, wie ein Mann jemanden wollen soll. Und jetzt schau dich an. Du lässt meinen kleinen Bruder das tun, was sie nie konnte.“

Thomas’ Kiefer spannte sich so hart, dass ein Muskel in seiner Wange zuckte.

Elias beobachtete ihn, zum ersten Mal still.

Sarah drückte härter. „Sie hat ihre Sachen gepackt und ist rausgegangen, weil du kalt warst. Distanziert. Leer. Und statt das zu reparieren, lässt du dich hier von einem Jungen markieren, der nicht einmal in deinem Bett sein sollte.“

„Sarah…“ Thomas’ Stimme kam rau heraus.

„Nein. Du darfst mich jetzt nicht zum Schweigen bringen.“ Sie lachte einmal, gebrochen. „Ich habe gewartet. Ich war geduldig. Ich habe dir Kaffee gebracht. Ich habe zugehört. Ich habe dich geküsst und nichts zurückgespürt. Und die ganze Zeit hast du schon ihn gewählt.“

Der Raum fühlte sich zu klein an.

Sarah sah zwischen ihnen hin und her. Thomas’ Schweigen. Elias’ Ruhe. Die Male. Der Duft. Die Art, wie keiner von beiden sich bewegte, um irgendetwas davon zu beheben.

Ihre Stimme kam leise heraus. „Ich kann das nicht.“

Sie drehte sich zur Tür.

Thomas sprach hinter ihr. „Sarah.“

Sie blieb nicht stehen.

„Sarah, warte…“

Sie riss die Tür auf. Die Flurluft traf ihr Gesicht.

Sie sah nicht zurück.

Hinter ihr hörte sie Elias’ Stimme, weich.

„Sie ist weg.“

Dann Thomas, tief und rau.

„Schließ die Tür ab.“

Die Tür fiel zu.

Sarah stand im Flur mit dem Rücken an der Wand, atmete schwer, starrte ins Leere.

Im Raum legte sich für eine Sekunde Stille.

Dann das leise Geräusch von jemandem, der näher an jemand anderen herantrat.

Sarah stieß sich von der Wand ab und ging schnell weg, bevor sie noch etwas hören konnte.

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