LOGINPünktlich nach Ablauf der vereinbarten halben Stunde hörte Yuna auf zu wischen. Sie warf das schmutzige Tuch auf den Tisch und rief vergnügt: „Die Zeit ist um. Komm, wir gehen!“Dann wandte sie sich an Adrian. „Schatz, ich habe Hunger“, sagte sie schmeichelnd. „Machst du mir deinen gebratenen Reis mit Ei?“Adrian lächelte sie voller Zärtlichkeit an. „Klar. Den mache ich dir.“Er stand auf, trat zu Yuna, beugte sich hinunter und hob sie mit einer geübten Bewegung auf die Arme.Yuna schlang ihm die Arme um den Hals und legte die Wange an seine Brust. Über seine Schulter hinweg sah sie Claudia an, die reglos und mit verhärteter Miene am Tisch saß. Yuna lächelte betont unschuldig, doch ein wenig Triumph ließ sich nicht verbergen.„Die Tischdecke ist sauber, Eure Hoheit. Lassen Sie es sich schmecken.“„Sie …!“Claudia rang nach Luft. Vor Wut schmerzte ihr die Brust, während sie zusehen musste, wie Adrian Yuna hinaustrug.Durch die bodentiefen Fenster fiel das Morgenlicht auf die beiden. Ihr
Die Schritte verklangen. In der Küche war es wieder still.Yuna blieb allein zurück. Die Röte wich langsam aus ihrem Gesicht. Sie berührte mit den Fingerspitzen ihre noch leicht tauben Lippen. Schließlich lächelte sie ganz leicht.Zehn Minuten? So lange überließ sie Claudia ihren Mann ganz sicher nicht.Claudia nahm wieder am Kopfende der langen Tafel Platz. Sie saß aufrecht da und lächelte. Von ihrem Ärger war ihr nichts mehr anzusehen.Claudia kostete den kleinen Triumph aus, Adrian Yuna weggeschnappt zu haben. Selbst wenn ihr nur zehn Minuten blieben, musste er diese Zeit mit ihr verbringen. Sie stellte sich vor, wie Yuna in der Küche vor Eifersucht beinahe platzte. Gleich schmeckte ihr das Frühstück wieder besser.„Adrian, wegen des Kaffees vorhin …“Weiter kam Claudia nicht.„Die Tischdecke ist noch schmutzig, Eure Hoheit. Ich wische das gleich weg.“Yunas helle Stimme erklang erneut, übertrieben freundlich.Claudia fuhr herum. Yuna war unbemerkt zurückgekommen. Mit einem kleinen
Nach den Ereignissen des Vortags war Yuna im Bett noch einmal alle Einzelheiten der vergangenen Tage und jede ungeklärte Lücke in Adrians Tagesablauf sorgfältig durchgegangen.Dabei hatte sie sich daran erinnert, wie sie ihn eines Morgens bei seiner Rückkehr ertappt hatte. Daraus hatte sie geschlossen, dass Claudia ihn regelmäßig zu dieser frühen Stunde zu sich bestellte.Deshalb hatte Yuna sich eigens einen Wecker gestellt und war früher aufgestanden.Adrian betrachtete ihre empörte Miene und musste noch breiter lächeln.Geduldig und nachsichtig erklärte er: „Ich wollte sie nur kurz abspeisen. Eine halbe Stunde, mehr nicht. Ich wollte dich deswegen nicht wecken.“Yuna ließ das nicht gelten. Sie setzte eine strenge Miene auf und erwiderte in herrischem Ton: „Nicht einmal kurz. Du bist mein Mann und darfst keine andere Frau auch nur eine Minute lang allein treffen!“Die Forderung war völlig unvernünftig – und ließ Adrians Herz vor Freude schneller schlagen.Er lachte leise, und seine un
Adrian beobachtete, wie Yuna sich bei ihrem Zerstörungswerk betont ungeschickt anstellte und das Frühstück ruinierte. Statt sich zu ärgern, lächelte er immer breiter; in seinem Blick lagen unverhohlene Zärtlichkeit und Freude.Claudia schoss das Blut in den Kopf. Ihre Brust schmerzte vor Zorn, und für einen Moment wurde ihr sogar schwarz vor Augen.Sie biss die Zähne zusammen. Nur mit größter Mühe hielt sie ihre Stimme ruhig.„Es sind nur ein paar Trauben. Dann gibt es eben keine.“Dann presste Claudia mit mühsam beherrschter Stimme hervor: „Bringen Sie als Kellnerin den Teller weg, Frau Sommer!“Wenn Yuna schon freiwillig hergekommen war, um sich demütigen zu lassen, brauchte Claudia keine Rücksicht auf ihre Gefühle zu nehmen.Sie hatte keinesfalls vor, das Frühstück vorzeitig zu beenden. Yuna musste den Teller forttragen und anschließend mit ansehen, wie Adrian hierblieb, bis Claudia ihre Mahlzeit beendet hatte.Was spielte es für eine Rolle, wie sehr er Yuna liebte? Während dieser h
An derartige Forderungen war Adrian längst gewöhnt. Nicht einmal eine Braue hob sich.Ausdruckslos griff er nach der kleinen silbernen Gabel, spießte eine Weintraube auf und streckte den Arm über den halben Tisch, um Claudia die Traube direkt an die Lippen zu halten.Er bewegte sich ohne jedes Zögern, doch seine Ungeduld machte die Geste beinahe grob.Claudia störte sich nicht daran. Im Gegenteil, sie genoss es sichtlich, sich von ihm füttern zu lassen.„Adrian, merk dir eines: In deinem ganzen Leben hast du nur zwei Frauen gefüttert – Yuna und mich, Claudia. Sonst niemanden.“Wenn sie schon nicht die Einzige sein konnte, wollte sie wenigstens eine von nur zweien sein.So blieb sie ihm ein Leben lang im Gedächtnis.In Adrians Blick lag unverhohlener Widerwille. Er sparte sich jede Antwort und schob Claudia die Gabel ungeduldig bis an die Lippen, um die lästige Pflicht möglichst rasch hinter sich zu bringen.Sie öffnete den Mund und wollte gerade in die Traube beißen.Da schob sich unve
Adrian zog die Brauen zusammen. „Und wie willst du …“Weiter kam er nicht.Yuna stellte sich unvermittelt auf die Zehenspitzen und beugte sich zu ihm.Ihre weichen, kühlen Lippen legten sich sanft auf seine.In Adrians Kopf rauschte es. Im nächsten Moment war er vollkommen leer.Die Geräusche um ihn herum verstummten. Auch seine Wut und sein Ärger waren mit einem Schlag verflogen.Seine Welt schrumpfte auf die sanfte Berührung ihrer Lippen zusammen.Sie hatte ihn geküsst.Mitten in der belebten Flughafenhalle hob Yuna das Gesicht zu ihm und küsste ihn einfach.Adrians Augen weiteten sich. Sein Herz machte einen heftigen Satz und begann gleich darauf unkontrolliert zu rasen.Aufregung und grenzenlose Freude überwältigten ihn.Erst allmählich begriff er:Vielleicht waren diese Gerüchte doch nicht ganz so schlimm.Wenn das ihr unverhoffter Nebeneffekt war, konnte er ihnen beinahe etwas abgewinnen.…Am nächsten Morgen lag die Suite im Palast im Halbdunkel; die Vorhänge waren fest geschlos
Yuna war zurückgekommen, um ihre Sachen zu holen.Kaum hatte sie die Tür aufgestoßen, drang ein schrilles Lachen an ihr Ohr.Henrik, der sonst nie lachte, saß neben Chiara und erzählte ihr trockene Witze, um sie aufzuheitern.„Hatschi…“Chiara nieste lieblich.„Frierst du?“, fragte Henrik sofort bes
„Henrik, das Kind in ihrem Bauch – ist es deins?“Yuna war kreidebleich. Sie traute ihren eigenen Ohren nicht.Vor sieben Monaten war Henriks älterer Bruder Erwin Wolfhardt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aus Mitleid mit Chiara Jensen, der jungen Witwe, die zudem schwanger war, hatte Yuna s
Chiara starrte sie an. Selbst ihre gespielt verletzte Miene erstarrte mitten in der Bewegung. Die brennende Wange ließ sie für einen Moment alles vergessen.Wie konnte Yuna es wagen, wirklich zuzuschlagen?Henrik war einen Moment lang sprachlos. Dann brach seine Wut hervor.„Yuna, hast du den Versta
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna







