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Kapitel 4

Author: Mikki b
last update publish date: 2026-07-11 04:49:05

Gary Scotts Sicht

Ich wartete darauf, dass die Verbindung hergestellt wurde, mit dem Blick fest auf die Leere hinter meiner Millionen-Dollar-Villa gerichtet. Ich ließ mich in ein plüschiges Sofa sinken, eine brennende Zigarre zwischen meinen Fingern, deren Rauch sich träge unter die hohe Decke kräuselte.

„Hallo, Chef“, sagte die Stimme, die ich erwartet hatte.

„Mark, was gibt es Neues?“, fragte ich und zog an der Zigarre.

„Sie sind bereit, Chef. Alles, worum Sie gebeten haben.“

„Gut. Mach dich bereit, David ist zurück.“ Ich nahm einen weiteren langen Zug. „Wir treffen uns mit Morris, um das Dokument unterschreiben zu lassen. Stell sicher, dass der Anwalt die Klausel einfügt; ich will ihn in der Falle haben. Dieser alte Narr muss für das bezahlen, was er getan hat.“

„Sicher, Chef.“

Die Leitung wurde unterbrochen. Ich umklammerte das Telefon fester, während sich auf meinem Gesicht ein Ausdruck von Irritation abzeichnete, als ich in den riesigen Raum starrte.

Morgan Morris mag sich für die Verrätereien der Vergangenheit entschuldigt haben, aber ich würde ihn niemals damit durchkommen lassen. Ich wählte eine weitere Nummer mit bewusster Präzision, meine Wut spannte sich an wie ein unter Strom stehendes Kabel.

„Sohn, ist es nicht Zeit, nach Hause zurückzukehren?“, fragte ich und nahm die Schärfe aus meiner Stimme.

„Guten Morgen, Vater“, antwortete er in einem trägen Tonfall, als wäre er gerade erst aufgewacht. „Ich habe letzte Nacht die Zeit vergessen. Ich werde in Kürze bei dir sein.“

„Ich werde warten“, sagte ich, bevor ich das Gespräch beendete.

Selbst als ich auflegte, kehrten meine Gedanken zu Morris zurück – vor fünf Jahren hatte er einen Vertrag gebrochen und unser Geschäft untergraben. Dieser Verrat hatte meine Firma einen Verlust gekostet, von dem wir uns nie vollständig erholt haben. Wut überkam mich erneut. Ich packte das Telefon so fest, als könnte ich es in meinen Händen zerquetschen.

„Dieser Idiot muss bezahlen“, murmelte ich mit zusammengebissenen Zähnen und legte das Telefon mit kontrollierter Kraft ab.

_______

Miriams Sicht

„Du bist wach“, durchbrach eine raue Stimme das Neblige in meinem Kopf. Ich fuhr aufrecht hoch und wandte mich dem Mann zu, der die Nacht so rücksichtslos und unvergesslich gemacht hatte. Er senkte das Telefon, das er in der Hand hielt, und legte es beiseite. Mit nacktem Oberkörper ließen die engen Boxershorts, die er trug, nichts der Fantasie über.

Ich schluckte schwer, meine Stimme steckte irgendwo zwischen Verlegenheit und Schock fest. Meine Hände umklammerten das Bettlaken wie ein Schutzschild und zogen es näher heran, als könnte es mich beschützen. Ich mied den Blick des Fremden – ihn anzusehen fühlte sich an, als würde ich ihm eine Macht übergeben, die ich nicht bereit war zu gewähren.

„Ich kann dich nach Hause fahren“, sagte er bestimmt.

„Ich komme schon klar“, fuhr ich ihn an und zog das Laken enger um mich, während ich nach meinem Kleid auf dem Boden griff.

Er beobachtete mich einen Moment lang, trat dann vor, hob das Kleid auf und reichte es mir.

„Hier.“

„Danke“, murmelte ich, während meine Augen auf das Muttermal an seiner Hand fielen. Meine Brust zog sich zusammen. Wie konnten Henry und dieser Mann dasselbe Mal an derselben Stelle sein?

„Da drüben ist ein Bad, du kannst es benutzen“, riss mich seine kalte Stimme aus meinen wirren Gedanken. Er ging zum Tisch neben der Lampe, nahm ein paar Dollar-Scheine und ließ sie auf die Oberfläche fallen.

Ich sträubte mich. Wollte dieser Mann mich etwa bezahlen?

„Du willst nicht, dass ich dich mitnehme. Dieses Geld sollte ausreichen, um sicher nach Hause zu kommen“, sagte der Fremde.

„Und was macht dich so sicher, dass ich das annehmen würde?“ Mein Tonfall war scharf und defensiv.

„Ich sehe keine Handtasche oder Tasche“, erwiderte er ruhig, während sein Blick zu mir huschte. „Wie hattest du vor, die Drinks von letzter Nacht zu bezahlen?“

„Das geht dich nichts an“, schoss ich zurück und schlüpfte in mein Kleid, während ich das Laken weiterhin fest um mich gewickelt hielt.

„Nun, wie du willst“, sagte er und trat auf den Kühlschrank zu. „Nimm es oder lass es.“

Ein Anflug von Enttäuschung durchzog mich, obwohl ich mich weigerte, ihn zu zeigen. Der Fremde hatte mich nicht gezwungen, auf das Thema zu bestehen. Nur eine kalte Schulter. Völlig anders als die Person, die er letzte Nacht war. Bitterkeit flammte in meiner Brust auf. Männer verfolgten mit Feuer im Blut, was sie wollten – doch sobald sie es hatten, kühlte die Hitze oft ab. Er war einer dieser Männer.

Dann summte mein Telefon und unterbrach den Moment. Meine Brust zog sich zusammen, als sich die Angst in meinem Magen festsetzte. Wer auch immer mich beobachtet hatte, musste eine weitere Nachricht geschickt haben.

Langsam griff ich nach dem Telefon neben dem Kopfkissen, meine Finger zitterten.

Doch als ich den Bildschirm entsperrte, war es überhaupt nicht die Geisternummer. Eine Nachricht von Dad:

„Frühstückstreffen mit Herrn Gary Scott heute Morgen. Großes Geschäft. Komm nicht zu spät.“

Ich erstarrte. Heute war mein erster Tag in der Firma meines Vaters; Hass und Verachtung vertrieben die zuvor gefühlte Angst schnell.

„Großartig“, murmelte ich und knallte das Telefon zurück in die Laken – eine weitere Erinnerung daran, wie kontrollierend er sein konnte.

Ich zog mich schnell an, achtete darauf, dass mein Kleid richtig saß, und ging ins Bad, das er erwähnt hatte, um mir das Haar zu richten. Ich kam an dem Fremden vorbei, der immer noch auf dem hohen Hocker neben dem Kühlschrank saß, ein Glas Saft in der Hand, und mich mit stiller Aufmerksamkeit beobachtete.

„Einfach so?“, fragte er. „Keine Nummer für mich? Irgendeine Möglichkeit, dich zu erreichen?“

Ich drehte mich um. Sein Blick blieb starr auf dem Saft in seiner Hand, nicht einmal auf mir.

„Willst du mich nicht wiedersehen?“

„Es war nur Sex“, erwiderte ich mit einem süffisanten Lächeln. „Und es endet genauso, wie es angefangen hat.“

„Bist du dir da sicher?“ Er hob endlich seine Augen zu meinen, und ein langsames Grinsen formte sich. „Denn diese Stöhner haben mir letzte Nacht etwas anderes erzählt.“

„Fick dich“, zischte ich und stürmte aus der Suite.

Ich kam genau rechtzeitig zu Hause an, alles dank Mia, die mein Taxi ohne ein Wort zu beschweren bezahlt hat. So ist sie, seit ich sie vor drei Jahren kennengelernt habe: Sie hinterfragt nie mein Chaos, sondern hilft mir nur, es zu überleben.

Ein ordentlich gefaltetes Business-Outfit erwartete mich auf meinem Bett. Ich musste nicht fragen, wer es dorthin gelegt hatte; ich wusste es bereits. Jedes neue Outfit in diesem Haus kommt mit einem Hintergedanken.

Ich zog mich schnell an und ging zur Garage.

„Ich bin immer noch skeptisch wegen dieses Geschäfts mit Gary“, sagte meine Mutter nervös und stand neben einem der schwarzen Mercedes-Maybachs von Dad. Der Fahrer wartete drinnen, der Motor lief.

„Wie sicher bist du dir, dass er mit der Vergangenheit abgeschlossen hat, Morgan?“

„Er hat es, das versichere ich dir“, sagte Dad und legte beide Hände auf ihre Schultern. „Wir haben uns beide gegenseitig verziehen. Seine Firma hat sich gut erholt.“ Er rückte seinen ohnehin schon perfekten Anzug zurecht. „Und ich werde hauptsächlich mit seinem Sohn arbeiten. Gary ist nur eine zweitrangige Partei in diesem Geschäft.“

„Aber du musst trotzdem vorsichtig sein, Morgan.“

Ich verlangsamte meinen Schritt und fühlte mich unsicher. Gut erholt? Irgendetwas im Tonfall meiner Mutter klang unglaubwürdig.

Bevor ich weiter darüber nachdenken konnte, piepte mein Telefon.

Nicht schon wieder! Ich entsperrte den Bildschirm.

Viel Glück an deinem ersten Arbeitstag, Schwester. Lass dich nicht zu schnell feuern.}

Mein Blut gefror.

Oh, und grüß Dad von mir. Er muss meine Mutter wirklich vermissen.}

Plötzlich wurde alles um mich herum still.

Der anonyme Absender wusste von heute, und sie wagte es sogar, meine Mutter mit hineinzuziehen.

Wut flutete mich. Mein Griff um das Telefon verstärkte sich, als ich auf die hasserfüllten Nachrichten starrte, während sich mein Sichtfeld am Rand verschwamm.

Langsam hob ich den Kopf.

Ich war nur noch Momente davon entfernt, meinen Vater dort, direkt vor meiner Mutter, zur Rede zu stellen.

Ich öffnete den Mund, um zu sprechen.

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