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Kapitel 2

Author: Carla Cadete
last update publish date: 2026-04-09 11:55:15

Kapitel 2

Ísis stand langsam auf und betrachtete den Raum mit neugierigem Blick. Das Zimmer war weitläufig und elegant, mit einer perfekten Harmonie aus dunklem Holz, Naturstein und großen Glasflächen, die den Garten wie einen Teil der Einrichtung hereinholten.

Als sie sich dem Kamin näherte, stellte sie sich kalte Winterabende hier vor: ein guter Wein, eine schwere Decke, das Knistern des Feuers. Sie lächelte leicht. Es war lange her, dass sie sich erlaubt hatte, von etwas so Einfachem und Ruhigem zu träumen.

Dann fiel ihr Blick auf eine Fotografie auf dem Bücherregal. Unter dem Rahmen befand sich ein kleines Silberplättchen mit der Aufschrift: Leon Whitmore.

Der Name klang stark, fast aristokratisch. Doch es war der Blick auf dem Foto, der sie fesselte. Intensives Grün, Augen, die die Seele dessen zu durchdringen schienen, der auf der anderen Seite der Linse stand. Ein markantes Kinn und ausgeprägte Züge.

Ísis wandte den Blick ab und sah zu dem Mann im Sessel. Derselbe Leon. Dieselben grünen Augen, jetzt verloren an einem unerreichbaren Ort.

Vor dem Fenster sitzend, blieb er vollkommen reglos, als hätte die Zeit beschlossen, nur für ihn stillzustehen.

Einen Augenblick lang stellte sie sich vor, wie es gewesen wäre, ihn vor dem Unfall kennenzulernen. Hatte er leicht gelacht? Mochte er laute Musik? Reiste er spontan oder war er der Typ Mann, der jeden Schritt plante? Ernst, aber fähig zu unerwartet sanften Gesten?

Sie wusste es nicht. Aber seit ihrer Ankunft verspürte sie eine immense, fast dringende Neugier, mehr über ihn zu erfahren.

Sie stellte sich vor den Sessel und kniete sich hin, sodass sie fast auf Augenhöhe mit ihm war.

Ihr Blick wanderte zu seiner großen, reglosen Hand auf der Armlehne. Ohne genau zu verstehen, was sie antrieb, hob sie ihre Hand und berührte seine Finger. Die Haut war warm. Überraschend lebendig.

Seine Hand war groß, ihre verschwand fast unter diesen langen Fingern. Selbst unbeweglich hatte er Präsenz: breite Schultern, lange Beine, wahrscheinlich um die eins neunzig pure Statur.

„Du bist riesig …“, murmelte sie leise, mehr zu sich selbst.

Sie legte ihre Finger erneut auf seine, und Leons Lider schlossen sich langsam.

Ísis hielt den Atem an, ihr Herz raste. Bevor sie verarbeiten konnte, was passiert war, kam jemand herein:

„Entschuldigung.“

Die Krankenschwester trat mit dem Klemmbrett in der Hand ein und ging zu Leon.

„Ich komme, um die Medikation zu überprüfen.“

Ísis zog ihre Hand schnell zurück und spürte, wie ihr Gesicht heiß wurde. Die Krankenschwester kontrollierte die Vitalwerte, passte den Tropf an und wechselte die Medikamente mit der Ruhe jemandes, der dieses Ritual schon lange wiederholte.

Als sie fertig war, lächelte sie Ísis an.

„Bleiben Sie den ganzen Tag bei ihm?“

„Ja. Herr Caio hat mich dafür eingestellt.“

Die Krankenschwester sah zu Leon und lächelte schief.

„Gut so. Er verdient jemanden, der wirklich mit ihm spricht.“ Bevor sie das Klemmbrett weglegte, fügte sie leichthin hinzu: „Und mal ehrlich … er sieht selbst so noch gut aus.“

Ísis lächelte, ohne es verbergen zu können.

„Ja, das tut er.“

„Bei irgendetwas rufen Sie mich einfach.“

Sobald sie gegangen war, kehrte die Stille zurück. Leon öffnete die Augen erneut und richtete den Blick wieder auf denselben Punkt jenseits des Fensters, als wäre nichts geschehen.

Ísis beobachtete ihn lange Sekunden. War es nur ein Reflex gewesen? Oder hatte er ihre Berührung wirklich gespürt? Der Zweifel blieb in ihrer Brust.

Sie beschloss, nicht zu drängen. Sie nahm die Fernbedienung und schaltete den Fernseher ein.

„Ich suche einen Film für uns beide aus“, sagte sie, als könnte er antworten.

Während der Bildschirm den Raum erhellte, bemerkte sie, dass der späte Nachmittag eine leichte Kühle mitgebracht hatte. Auf dem Sofa lag eine Decke. Sie nahm sie und legte sie mit großer Vorsicht über seine Beine, überprüfte, ob der Tropf richtig saß.

Dann setzte sie sich wieder neben ihn. Ohne es zu merken, suchte ihre Hand erneut die seine. Ihre Finger verschränkten sich zärtlich mit seinen.

„Ich hoffe, du magst Actionfilme … denn ich liebe sie.“

Sie lächelte für sich allein und spürte die Wärme seiner Haut an ihrer. Die Stille blieb dieselbe. Aber merkwürdigerweise wirkte sie nicht mehr so bedrückend. Fast … angenehm.

Ísis senkte den Blick auf die verschränkten Hände. Es war seltsam. Sie kannte diesen Mann seit weniger als einem Tag.

Trotzdem verspürte sie nicht den geringsten Wunsch, seine Hand loszulassen.

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