로그인ÉlenaAm nächsten Tag gehe ich todunglücklich ins Büro. Die schlaflose Nacht, die Tränen, die Schuld – alles lastet auf meinen Schultern wie ein Mantel aus Blei. Ich habe Augenringe, einen fahlen Teint, ein zerschlagenes Gesicht.Aber sobald ich das Gebäude betrete, sobald ich in den Aufzug steige, spüre ich diese vertraute Aufregung. Diese Wärme, die aufsteigt, dieses Herzrasen. Das, sie nah zu wissen. Das, sie bald zu sehen.7:28 Uhr. Ich klopfe an ihre Tür. Drei leichte Schläge.— Herein.Ihre Stimme. Nur ihre Stimme, und mein Körper reagiert.Sie ist da. Perfekt. Ein nachtblaues Kostüm heute, das ihre grauen Augen betont. Ihr Haar fällt offen auf ihre Schultern. Sie lächelt mich an, dieses diskrete Lächeln, das sie nur für mich hat.— Guten Morgen, Élena.— Guten Morgen, Madame Volkov. Ihr Kaffee.Ich stelle die Tasse auf ihren Schreibtisch. Ich sollte gehen. Ich bleibe.— Noch et
Élena Ich komme nach Hause. Die Wohnung ist hell, warm. Thomas hat Musik aufgelegt, den Tisch gedeckt, Kerzen angezündet. — Endlich! Ich habe mir schon Sorgen gemacht. Er küsst mich. Seine Lippen sind weich, vertraut. Ich erwidere den Kuss mechanisch. — Alles gut? War die Besprechung erfolgreich? — Ja, ja. Tut mir leid, ich hätte dich früher informieren sollen. — Macht nichts. Komm essen, die Nudeln sind fertig. Ich setze mich. Ich esse. Ich beantworte seine Fragen. Ich tue so. Aber ich bin woanders. Ich bin in dieser Wohnung im 8. Arrondissement, in diesem Bett, bei ihr. Ich spüre noch ihre Lippen auf meinen, ihre Hände auf meiner Haut, ihre Worte in meinem Kopf. — Du bist müde, sagt Thomas. Sollen wir früh ins Bett? — Ja, gute Idee. Im Schlafzimmer zieht er mich zu sich. Seine Hand gleitet über meinen B
ÉlenaSie küsst mich.Ihre Lippen sind weich, warm, eindringlich. Nicht wie die anderen Male. Tiefer, länger, ... besitzergreifender. Ihre Hand legt sich auf meinen Nacken, zieht mich zu sich. Ich spüre ihre Finger in meinen Haaren, ihre Wärme an mir.Ich erwidere den Kuss. Ich kann nicht anders. Es ist stärker als ich, stärker als alles. Es ist, als ob mein Körper nur darauf gewartet hätte, als ob mein ganzes Sein von Anfang an zu ihr hingezogen worden wäre.Der Kuss dauert. Eine Minute. Zwei. Ich weiß es nicht mehr. Die Zeit existiert nicht mehr. Es gibt nur noch sie, ihre Lippen, ihre Hände, ihr Duft, ihre Gegenwart.Dann zieht sie sich zurück. Gerade genug, um mich anzusehen, um Atem zu schöpfen.— Kommen Sie.Sie steht auf. Reicht mir die Hand. Ich nehme sie ohne zu zögern.Sie führt mich ins Schlafzimmer. Mein Herz rast. Jetzt? Hier? Nach all den Wochen des Wartens, der Spannung, des Verlangens?Aber sie bleibt vor dem Nachttisch stehen. Sie nimmt das Buch, das ich mir vorhin an
AdrianaIch trete lautlos ein.Das ist ein Talent, das ich als Kind entwickelt habe – um meine Mutter zu überraschen, meinem Vater zu entkommen, mich bei Bedarf in den Wänden aufzulösen. Heute dient mir dieses Talent dazu, sie zu sehen, bevor sie mich sieht.Sie ist da. Artig auf dem weißen Sofa sitzend, die Hände auf den Knien gefaltet, aufrecht wie ein »i«. Sie sieht aus wie ein Kind, das etwas angestellt hat und auf seine Strafe wartet, die Wangen rosig, die Lippen halb geöffnet, die Augen auf einen unsichtbaren Punkt gerichtet.Sie ist schön. Unglaublich schön in diesem sanften Licht des späten Nachmittags. Ihr Haar fällt auf ihre Schultern, weich, glänzend. Ihr Rock ist leicht über ihre Oberschenkel gerutscht. Ihre Finger sind verschränkt, verknotet, nervös.Sie hat mich nicht hereinkommen hören.Ich nähere mich lautlos. Ich betrachte sie. Ich nehme jedes Detail in mich auf. Die Art, wie sich ihre Brust bei ihrem schnellen Atem hebt. Die kleine Ader, die an ihrer Schläfe pulsiert
ÉlenaDie Wohnung ist riesig.Ich bleibe auf der Schwelle stehen, buchstäblich atemlos. Das Wohnzimmer ist weitläufig, mit hohen Decken und wunderschön restaurierten, alten Stuckverzierungen. Aber die Einrichtung ist modern, fast minimalistisch. Makellos weiße Sofas, Couchtische aus dickem Glas, abstrakte Kunstwerke an den Wänden – Leinwände, die ich nicht kenne, aber die ein Vermögen wert sein müssen.Es ist schön. Es ist stylisch. Es ist kalt.Wie sie. Die Fassade, die sie der Welt zeigt.Ich schließe die Tür hinter mir. Das Geräusch ist gedämpft, weich. Die Stille ist völlig, nur unterbrochen vom fernen Summen der Klimaanlage.Ich bin allein in ihrer Wohnung. Allein in ihrer tiefsten Intimität.Ich sollte die Akten suchen. Dafür bin ich gekommen. Das ist meine Aufgabe, meine Arbeit.Aber meine Füße tragen mich anderswohin.Ich durchquere langsam das Wohnzimmer. Meine Finger streifen die Sofas, die Tische, die hier und da verteilten Gegenstände – eine Vase, ein Kunstband, eine abstr
Élena Der Vormittag vergeht in einem dichten Nebel, als hätte die Außenwelt aufgehört zu existieren. Jede Minute ist eine Ewigkeit, jede Sekunde eine unerträgliche Wartezeit. Ich starre auf den Bildschirm meines Computers, ohne die Zahlen zu sehen, ohne die Worte zu lesen. Die E-Mails laufen durch, die Akten häufen sich, aber mein Geist ist woanders. Mein Geist ist bei ihr. In diesem Büro. In ihren Armen. In ihren Küssen. Heute Abend. Sie hat heute Abend gesagt. Ich denke an ihre Worte zurück, an ihre Stimme, als sie flüsterte: »Heute Abend werden wir reden.« Was bedeutet das, reden? Ist das ein Code für etwas anderes? Will sie wirklich reden, oder will sie ... Ich schüttle den Kopf. Ich muss mich beruhigen. Ich bin bei der Arbeit. Ich bin professionell. Das Telefon klingelt. Die Gegensprechanlage. Ihre Stimme. — Élena? Können Sie kommen? Mein Herz rast sofort. Ich stehe zu schnell auf, stoße fast meinen Stuhl um. Das Geräusch hallt in der Stille meines Büros wider. Ich glätt







