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Kapitel 3 – Adriana

ผู้เขียน: Déesse
last update วันที่เผยแพร่: 2026-07-23 06:03:25

— Sie ist da.

Irina kommt herein, ohne anzuklopfen, wie immer. Ich hebe den Blick von meinem Computer.

— Und?

— Schüchtern. Schlecht gekleidet. Nervös.

Ich nicke. Nichts Außergewöhnliches also.

— Aber da ist etwas.

Ich runzle die Stirn. Irina ist nicht der Typ für überflüssige Kommentare.

— Was?

— Ich weiß nicht. Ihre Augen. Sie hat solche ... hellen Augen. Sie sieht die Dinge wirklich an, nicht durch sie hindurch.

Ich überlege einen Moment. Was soll das heißen, helle Augen zu haben, die wirklich hinsehen?

— Lassen Sie sie herein.

Irina geht hinaus. Ich stehe auf, gehe zum Fenster, schaue auf Paris, ohne es zu sehen. Warum bin ich nervös? Ich bin nie nervös. Ich führe jeden Monat Vorstellungsgespräche, empfange jede Woche Kandidaten, beurteile, bewerte, entscheide, und ich habe nie Zweifel.

Warum heute?

Die Tür öffnet sich.

Ich drehe mich um.

Und sehe sie.

Sie steht da, im Türrahmen, und sie ist genau wie auf dem Foto, aber gleichzeitig völlig anders. Auf dem Foto lächelte sie schüchtern. Hier lächelt sie nicht. Sie hat Angst. Ihre Hände sind aneinandergedrückt, ihre Schultern sind leicht gebeugt, und ihre Augen ...

Ihre Augen sind braun. Überhaupt nicht hell. Sie sind von einem tiefen Braun, fast haselnussbraun, mit goldenen Reflexen, wenn das Licht sie trifft. Und sie sehen mich wirklich an. Wie Irina sagte. Sie weichen nicht aus, sie senken sich nicht, sie tun nicht so. Sie sehen mich, wirklich mich, an.

Ich halte ihren Blick eine Sekunde, zwei, drei. Sie wendet den Blick nicht ab. Sie hat Angst, das sehe ich, aber sie flieht nicht. Interessant.

Ich lasse meinen Blick langsam, methodisch über ihren Körper gleiten. Das tue ich immer, um zu verunsichern, zu testen. Ihr Kostüm ist zu groß, schlecht geschnitten, altmodisch. Ihre Schuhe sind abgetragen. Ihre Haare sind einfach zurückgebunden, ohne jeden Anspruch. Nichts an ihr ist bemerkenswert.

Dennoch kann ich den Blick nicht abwenden.

— Setzen Sie sich.

Meine Stimme kommt tiefer heraus als sonst. Sie gehorcht sofort, ohne zu zögern, und auch das notiere ich mir. Sofortiger Gehorsam. Selten.

Ich bleibe noch eine Minute stehen und sehe sie an. Sie hält meinem Blick stand, aber ihre Atmung beschleunigt sich. Ich sehe ihre Brust sich schneller heben, ich sehe einen Schweißtropfen an ihrer Schläfe perlen. Ihr ist heiß. Sie hat Angst. Aber sie flieht nicht.

Ich setze mich endlich.

Stille.

Ich sehe sie weiter an. Ihre Wangen röten sich leicht. Ihre Unterlippe zittert kaum. Ihre Finger krampfen sich auf ihren Knien fest. Sie ist verletzlich, völlig verletzlich, meinem Blick ausgesetzt ohne jeden Schutz.

Und ich mag das. Ich sollte es nicht, aber ich mag es.

— Élena Dubois.

— Ja.

Ihre Stimme ist tiefer, als ich mir vorgestellt habe. Warm. Fast heiser. Ich frage mich, wie sie schreit. Wie sie stöhnt.

Ich verdränge diesen Gedanken sofort.

— Juristische Assistentin. Sechs Monate arbeitslos. Untergebracht im neunten Arrondissement mit einem Lebensgefährten, Thomas, Vertriebsmitarbeiter in einem Startup.

Ich zitiere die Informationen, ohne den Blick von ihr zu nehmen. Sie zuckt kaum zusammen, als ich Thomas' Namen ausspreche. Interessant, noch mehr.

— Sie brauchen diesen Job.

— Ja.

— Ich frage Sie nicht nach Ihrer Geschichte. Ich stelle Ihnen nur eine Frage.

Ich stehe auf. Ich umrunde den Schreibtisch langsam, wie ein Raubtier, das sich seiner Beute nähert, ohne sie zu erschrecken. Sie folgt mir mit den Augen, regungslos. Ihr Parfüm erreicht mich vor mir – ein einfaches Parfüm, wahrscheinlich aus dem Supermarkt, aber an ihr riecht es ... gut. Warm. Menschlich.

Ich bleibe einen Meter von ihr entfernt stehen. Ich könnte die Hand ausstrecken und ihr Gesicht berühren. Ich könnte sehen, ob ihre Haut so weich ist, wie sie aussieht.

— Können Sie gehorchen?

Ihre Augen weiten sich leicht. Ihr Mund öffnet sich, dann schließt er sich wieder. Sie sucht nach Worten, findet sie nicht. Ich sehe den Kampf in ihr, die Frage, die sich dreht, das Unverständnis, und dann ...

— Ja.

Das Wort kommt wie von selbst heraus, wie herausgerissen. Als hätte nicht sie entschieden, sondern etwas Tieferes, Ursprünglicheres. Gehorchen. Sie hat Ja gesagt, ohne zu wissen, wozu.

Ich spüre etwas in mir regen sich. Ein Schauer, ein Erwärmen, ich weiß nicht. Ich will es nicht wissen.

— Sie sind eingestellt.

Ich gehe zurück hinter meinen Schreibtisch, nehme die Papiere aus der Schublade. Meine Hände sind vollkommen ruhig. Ich zeige nichts. Ich zeige nie etwas.

— Irina wird Ihnen die vertraglichen Details erklären. Sie beginnen morgen, 7:30 Uhr pünktlich. Kommen Sie nicht zu spät.

Sie steht auf. Sie wankt kaum. Sie geht hinaus, ohne ein Wort, ohne einen Blick zurück.

Ich bleibe allein in der Stille.

Warum schlägt mein Herz schneller? Warum rieche ich immer noch ihr Parfüm? Warum denke ich an ihre Augen, ihren Mund, ihre Art, Ja zu sagen?

Ich nehme mein Telefon, rufe Irina an.

— Sie ist genommen. Bereiten Sie ihren Vertrag vor.

Ich lege auf. Ich gehe zurück zum Fenster. Paris ist immer noch da, fügsam zu meinen Füßen.

Aber zum ersten Mal seit langer Zeit sehe ich nicht Paris. Ich sehe braune Augen mit goldenen Reflexen.

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