LOGINKapitel 6
Mitten in der Nacht wachte ich von einem leisen Stöhnen auf, das sich schmerzhaft zwischen meinen Lippen hindurchzwängte. Jeder Muskel in meinem Körper fühlte sich steif und erschöpft an, und mein Gesicht pochte unangenehm.
Vorsichtig hob ich die Hand und tastete nach meiner Nase. Sie hatte sich tatsächlich erstaunlich gut erholt – die Heilungskräfte eines Wolfes waren wirklich unglaublich schnell. Doch die Schwellung war noch immer so stark, dass ich nicht einmal die einfachsten Gerüche wahrnehmen konnte.
Als ich mich aufsetzte, wurde mir allerdings etwas viel Unangenehmeres bewusst.
Ich sah furchtbar aus.
Mein Körper war mit einer klebrigen Mischung aus Schweiß und Blut bedeckt, und mein Anblick war so abstoßend, dass ich angewidert die Zunge herausstreckte, während ich mich musterte. Ich konnte kaum glauben, dass ich in diesem Zustand eingeschlafen war.
Gott … wie groß mussten die Schmerzen gewesen sein, wenn ich nicht einmal mehr bemerkt hatte, wie ich aussah?
„Sehr groß“, flüsterte meine Wölfin in meinem Inneren.
Ihre Stimme klang so überzeugt, dass sie sich beinahe wie ein Stich durch mein Bewusstsein bohrte.
„Können wir jetzt nach ihnen suchen?“
Ich zog die Stirn kraus und versuchte, ihre Stimme zurückzudrängen. Ich schob sie beiseite, als wäre sie eine Last, mit der ich mich im Moment nicht auseinandersetzen konnte.
Oder vielleicht wollte ich mich einfach noch nicht damit auseinandersetzen.
Was zum Teufel ging hier eigentlich vor?
Und was genau empfand ich wirklich?
War das alles nur Einbildung gewesen?
…
Oder war tatsächlich das Unmögliche geschehen?
Hatten sich innerhalb eines einzigen Tages zwei Gefährtenbindungen gebildet?
Gestern Nachmittag … unmittelbar nachdem ich diesem idiotischen Prinzen am Altar entkommen war?
Nein.
Das konnte nicht sein.
Das Schicksal schenkte einem Wolf nur einen einzigen Gefährten. Einen. Den einen Menschen, der für ihn bestimmt war. Und viele bekamen nicht einmal dieses Geschenk.
Ich wusste selbst nicht, wie sich eine Gefährtenbindung überhaupt anfühlen sollte. Wie sollte ich dann wissen, wie es sich anfühlte, wenn man gleich zwei Gefährten hatte?
Nein. Meine Sinne mussten mich getäuscht haben.
Vielleicht war es nur ein instinktiver Impuls gewesen. Oder irgendein hormonelles Chaos, ausgelöst davon, dass ich plötzlich von so vielen jungen Männern umgeben gewesen war.
„Ich liege nicht falsch!“, knurrte meine Wölfin scharf.
In meinem Inneren fletschte sie wütend die Zähne, als wäre allein meine Weigerung, ihr zu glauben, eine persönliche Beleidigung.
Ich ignorierte sie trotzdem.
Wieder einmal.
Ich sprang aus dem Bett und eilte zu den Gemeinschaftsduschen am anderen Ende des Raumes. Meine Schritte waren viel zu hastig und alles andere als damenhaft – doch sie passten perfekt zu einer Frau, die verzweifelt versuchte, ihrer eigenen Haut zu entkommen.
Ich schnappte mir ein paar Sachen vom Regal, drückte die Tür einer Duschkabine auf und zog den Vorhang zur Seite.
Im nächsten Moment erstarrte ich.
Ich schnappte erschrocken nach Luft.
Das Chaos vor mir war schockierend.
Schlamm klebte am Boden und an den Wänden. Überall lagen verstreute Haarbüschel, und in einer Ecke befand sich ein dunkler Fleck.
Blut.
Daran bestand kein Zweifel.
Meine Augenbrauen zogen sich missbilligend zusammen. In mir regte sich sofort diese andere Stimme – die Stimme, die Schmutz verabscheute, die nach Ordnung und Reinheit verlangte …
Die Stimme einer Prinzessin.
Ich schloss für einen Moment die Augen und atmete langsam aus.
Dieser Teil von mir ging mir manchmal selbst auf die Nerven.
Aber er war real.
Und dann war da noch die andere Seite von mir.
Die war weitaus dringlicher.
Mein Körper verlangte danach, sich zu reinigen. Nicht aus Bequemlichkeit oder Eitelkeit, sondern aus einem tiefen, beinahe instinktiven Bedürfnis heraus.
Als würde etwas in meinem Blut schreien:
**Mach das alles weg. Sofort.**
Da fiel mir plötzlich wieder ein, was Jesse unterwegs erzählt hatte.
Die heißen Quellen …
hinter dem Hügel.
Ich hob sofort den Kopf.
Endlich hatte ich einen Ausweg gefunden.
Die kalte Luft schlug mir ins Gesicht, als ich hastig hinauslief. Doch in meinem Inneren brannte ein seltsames Verlangen.
Es ging längst nicht mehr nur darum, sauber zu werden.
Ich wollte etwas anderes.
Eine tiefere Ruhe.
Etwas, das die Unruhe besänftigte, die unter meiner Haut brodelte.
Nach einigen Minuten der Suche blieb ich stehen.
Ich hatte sie gefunden.
Und sie war perfekt.
Klares Wasser floss zwischen den Felsen hindurch, während ein feiner Dampf darüber aufstieg. Ein schwacher Schwefelgeruch lag in der Luft.
Eine kleine, warme, stille Quelle.
Es wirkte wie ein geheimes Versteck, von dessen Existenz niemand wusste.
Vorsichtig sah ich mich um.
Eine Gewohnheit – und zugleich mein Instinkt.
Ich musste sicher sein, dass ich wirklich allein war.
Erst dann zog ich mich aus.
Diesmal langsam, beinahe bedächtig, als würde ich nicht nur meine Kleidung, sondern auch eine weitere Schicht der Anspannung abstreifen.
Ich nahm meine Mütze ab und fuhr mit den Fingern durch mein Haar, um es zu lösen.
Als würde ich nicht nur mein Haar befreien.
Sondern mich selbst.
Dann glitt ich ins Wasser.
Die Wärme umhüllte meinen Körper augenblicklich.
Sie drang tief in mich ein, beruhigend und wohltuend, als würde sie nicht nur meine Haut erwärmen, sondern bis in meine Knochen vordringen.
Ein leises Stöhnen entwich mir.
Nicht allein wegen der Erleichterung.
Da war noch etwas anderes.
Ein seltsames, beinahe vertrautes Gefühl …
Als wäre meine Wölfin in mir endlich ein wenig zur Ruhe gekommen.
Nachdem ich fertig war, band ich mein Haar zu einem festen Knoten am Hinterkopf. Dann holte ich tief Luft – langsam und ausgiebig, als wollte ich meine Lungen mit einer Ruhe füllen, die mir seit langer Zeit fehlte.
Ich schloss für einen Moment die Augen. Dann hob ich langsam das Gesicht und blickte wieder hinauf zu der leuchtenden Burg am Himmel.
Sie wirkte wie ein ferner Traum, der mir aus der Höhe zuwinkte.
Oder wie ein Schicksal, das schweigend auf mich wartete.
Sanft begann ich, meinen Körper einzuseifen und das warme Wasser über meine Haut laufen zu lassen. Das Stück Seife glitt angenehm zwischen meinen Fingern hindurch, während ich mir ein wenig Zeit für mich gönnte. Die Wärme drang immer tiefer in meine müden Muskeln ein und löste die Anspannung, die sich dort festgesetzt hatte, Stück für Stück.
Doch mein Kopf kam nicht zur Ruhe.
Immer wieder kreiste derselbe Gedanke durch meine Gedanken:
**Kampfmagie … wie konnte man sie erlernen? Und wie sollte eine Akademie so etwas überhaupt unterrichten?**
Raf, Jesse und ich …
Eigentlich trugen wir alle eine Form von Magie in uns. Ein Geschenk unserer Großmutter – der Göttin selbst.
Das hatten uns meine Mutter und Tante Cora erzählt, als wir sechzehn geworden waren.
Damals hätte sich unsere Magie zeigen sollen.
Irgendetwas.
Eine Spur.
Eine Reaktion.
Doch nichts war geschehen.
Keine Funken. Kein Leuchten. Nicht einmal ein leises Aufflackern von Kraft.
Meine Mutter konnte mit einer einzigen Berührung Wunden heilen.
Und Tante Cora beherrschte das Wetter, als wäre es eine Verlängerung ihrer eigenen Seele.
Aber wir?
Nichts.
Trotz all unserer Versuche, all des Wartens und der Hoffnung, die wir an diesen einen Moment gehängt hatten, war bei keinem von uns etwas Erwähnenswertes zum Vorschein gekommen.
Meine Mutter hatte trotzdem immer gelächelt und uns versichert, dass wir uns keine Sorgen machen sollten. Die Göttin würde jedem von uns seine Gabe schenken, sobald die richtige Zeit gekommen war.
Aber wann sollte das sein?
Und konnte die Akademie vielleicht der Schlüssel sein?
Besaß sie eine Methode, um das hervorzuholen, was tief in uns verborgen lag? Um etwas zu erwecken, von dessen Existenz ich bisher nicht einmal etwas gespürt hatte?
Und wenn es tatsächlich geschah …
Wie würde meine Magie aussehen?
Die Fragen breiteten sich in meiner Fantasie aus und verzweigten sich in unzählige Möglichkeiten, während ich mich weiter langsam wusch.
Unbewusst legte sich ein kleines Lächeln auf meine Lippen.
Zum ersten Mal seit Langem fühlte ich mich wieder wie ich selbst.
Nein …
Mehr als das.
Ich begann leise vor mich hin zu summen und verlor mich in einem seltenen Gefühl vollkommener Klarheit. Für einen kurzen Moment schien die ganze Welt leichter zu werden.
Doch diese Ruhe hielt nicht lange.
Kaum hatte ich die Seife beiseitegelegt und mir eine Handvoll Wasser ins Gesicht gespritzt, durchschnitt eine tiefe Stimme hinter mir die nächtliche Stille.
„Was zum Teufel machst du hier?“
Die Luft blieb mir im Hals stecken.
Ich schnappte erschrocken nach Luft und wirbelte herum. Instinktiv sank ich tiefer ins Wasser, bis nur noch mein Kinn herausragte, als könnte ich mich darin verstecken.
Meine Augen weiteten sich.
Am Rand der Quelle stand eine dunkle Gestalt.
Ich wich im Wasser zurück. Mein Herz begann schneller zu schlagen, während sich nackte Angst durch meine Adern zog.
Doch sein Gesicht lag tief im Schatten. Ich konnte keine Einzelheiten erkennen.
Ich paddelte weiter zurück, bis mein Rücken schließlich das andere Ende der Quelle berührte.
In diesem Moment schob sich die Wolkendecke vor dem Mond zur Seite.
Silbernes Licht ergoss sich über die Quelle.
Und enthüllte die Wahrheit.
Es war weder mein Bruder …
noch mein Cousin.
Es war ein anderer Anwärter.
Meine Augen weiteten sich, als ich ihn erkannte.
**Luca Grant.**
Mit seiner beeindruckenden Größe stand er am Ufer und musterte mich aufmerksam.
Er beugte sich ein wenig vor, ließ den Blick über die Umgebung schweifen und sagte genervt:
„Im Ernst, Garnele … was machst du hier? Hast du zufällig ein Mädchen gesehen, das in diese Richtung gerannt ist? Ich suche sie.“
Meine Lippen öffneten sich unwillkürlich.
Dann traf mich die Erkenntnis mit voller Wucht.
Bei diesem schwachen Licht konnte er mein fest zusammengebundenes Haar nicht erkennen. Meine Gesichtszüge lagen im Schatten. Und von meinem Körper war ohnehin kaum etwas zu sehen, da ich bis zum Kinn im Wasser stand.
Aber das Wichtigste war mein Geruch.
Ich hatte mich gründlich gewaschen.
Der Duft, den Jesse mir gegeben hatte, um meine Spur zu verbergen, war verschwunden.
Für seine Sinne war ich jetzt einfach nur irgendein Mädchen.
Gedanken schossen wie ein Sturm durch meinen Kopf.
Doch meine Zunge war schneller.
„Nein … ich habe niemanden gesehen.“
Meine Stimme klang erstaunlich ruhig, obwohl mein Inneres völlig aufgewühlt war.
Luca atmete langsam aus. Er richtete sich wieder auf und steckte die Hände in die Taschen.
„Das ist schlecht … Ich konnte ihren Duft den ganzen Tag riechen. Sie muss ganz in der Nähe sein, da bin ich mir sicher. Aber ich kann sie einfach nicht finden.“
Ich schluckte.
Dann fragte ich zögernd, während ich mir unbewusst über die Nase rieb und mir verzweifelt wünschte, selbst wieder irgendetwas riechen zu können:
„Warum … suchst du sie überhaupt?“
Für einen Moment schwieg er.
Dann stieß er einen schweren, genervten Seufzer aus.
„Weil sie … meine Gefährtin ist.“
„Unmöglich!“
Die raue Stimme krachte wie ein Donnerschlag durch die Nacht.
Ich und meine Wölfin zuckten gleichzeitig zusammen.
Ruckartig wandte ich mich der Stimme zu.
Aus den tiefen Schatten trat eine gewaltige Gestalt hervor. Allein seine Präsenz schien das schwache Mondlicht um ihn herum zu verschlucken.
Meine Augen weiteten sich vor Schock.
Das durfte doch nicht wahr sein.
Als wäre diese Situation nicht bereits kompliziert genug, musste ausgerechnet dieses wandelnde Monster auftauchen.
Der muskelbepackte, von Narben übersäte Mann.
Derselbe Mann, den Raf im letzten Kampf besiegt hatte.
Jetzt stand er dort, schwer und bedrohlich, mit festem Stand am Ufer. Sein Kopf war leicht gesenkt, als könnte er jeden Moment zum Angriff übergehen.
Luca hob nur eine Augenbraue und sagte mit beinahe provozierender Gelassenheit, ohne sich vollständig zu ihm umzudrehen:
„Wie bitte? Was hast du gesagt?“
Der Riese kam noch einen Schritt näher.
Sein Kiefer spannte sich an, seine Hände ballten sich langsam zu Fäusten. In seinem Gesicht lag unverhohlener Zorn, doch darunter brodelte etwas Verletzlicheres – Unglauben, Besitzanspruch und die verzweifelte Angst, dass ihm etwas entrissen werden könnte, das er gerade erst gefunden hatte.
Seine Brust hob und senkte sich schwer.
Als er sprach, klang seine Stimme wie ein gedämpftes Knurren.
„Ich sagte … sie kann unmöglich deine Gefährtin sein.“
Die Spannung zwischen den beiden wurde mit einem Schlag greifbar.
Dann trat er noch näher.
Sein Blick blieb fest auf Luca gerichtet. Er würdigte mich nicht einmal eines Blickes, als wäre seine gesamte Aufmerksamkeit auf den Mann vor ihm gerichtet.
„Denn sie … gehört zu mir.“
In meinem Inneren explodierte meine Wölfin.
Sie heulte auf, wirbelte vor Aufregung wie ein Sturm um sich selbst, den Schwanz hoch erhoben, als könnte sie vor Freude aus meiner Brust springen.
**Ja! Ja! Beide! Unsere Gefährten! Beide!**
Ich hingegen war das genaue Gegenteil.
„Oh mein Gott … nein.“
Die Worte kamen kaum hörbar über meine Lippen.
Langsam schüttelte ich den Kopf. Mein Blick sprang zwischen den beiden Männern hin und her, während sich eisige Angst bis in meine Fingerspitzen ausbreitete.
Suchten sie etwa beide nach mir?
Und standen sie jetzt nur wenige Schritte voneinander entfernt und stritten um mich, ohne auch nur zu ahnen, dass ich hier war?
Dass ich direkt vor ihnen im Wasser saß, mich versteckte, sie beobachtete und verzweifelt den Atem anhielt?
Mein Brustkorb hob und senkte sich hastig.
Nur ein einziger Gedanke hallte immer wieder durch meinen Kopf.
**Wie … sollte ich aus diesem Schlamassel wieder herauskommen?**
**Kapitel 10**Jesse grinste noch immer und unterdrückte ein leises Lachen.„Ari ist einfach nur neugierig, Raff“, sagte er mit einem verschmitzten Unterton. Er ließ den Blick kurz durch den Raum wandern, um sicherzugehen, dass niemand etwas bemerkt hatte. Doch die Schlange vor den Duschkabinen war leer, und alle anderen waren viel zu beschäftigt, um sich um uns zu kümmern. „Sie hat bisher ein ziemlich abgeschottetes Leben geführt.“„Und sie wird auch weiterhin ein abgeschottetes Leben führen“, fauchte Raff.Zuerst sah er Jesse an, dann mich.„Ich meine das ernst, Ari. Das ist kein …“Er stockte kurz und suchte nach den richtigen Worten.Jesse beugte sich mit einem verschmitzten Grinsen zu ihm.„Ein Fleischmarkt?“Sofort schoss mir die Hitze ins Gesicht.„Na schön“, sagte Raff scharf. Er machte noch einen Schritt auf mich zu, während das Rauschen der Duschen allmählich wieder lauter wurde.Er packte meinen Arm, beugte sich zu mir und flüsterte mir mit einer tiefen, eindringlichen Stim
**Kapitel 9**„Einhundertzwanzig …“, stöhnte ich leise und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Allein diese Zahl fühlte sich an, als hätte sie mir meinen Traum in einem einzigen Augenblick aus den Händen gerissen und zwischen meinen Fingern zerfallen lassen.Jesse trat näher, legte einen Arm um meine Schultern und drückte sie sanft. Seine Geste war still, aber beruhigend.„Mach dir keine Sorgen, Ari“, flüsterte er. „Wir werden dich richtig trainieren. Heute war einfach ein schlechter Tag. Außerdem haben sie noch nicht einmal getestet, was du wirklich kannst.“„Er hat recht“, sagte Raff ruhig.Ich hob langsam den Kopf. Sein ernster Blick ruhte auf mir. Für einen Moment wusste ich nicht, was ich mit diesem Gefühl anfangen sollte, das sich in mir ausbreitete. Dieser Blick erinnerte mich so sehr an meinen Vater – diese Mischung aus strenger Wachsamkeit und einer Zuneigung, über die man nicht sprach.„Wir bringen dich schnell auf ein anderes Niveau, Ari“, fuhr er gelassen fort. „Du brauc
Kapitel 8„Zwei … das ist schon viel besser“, murmelte meine Wölfin verspielt, während ich irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein festhing. Ihre Worte schienen sich wie verwirrende, verführerische Fäden durch meinen benommenen Kopf zu ziehen.„Stehst du jetzt endlich auf?!“Ich fuhr hoch. Raphs Gesicht tauchte über dem Bettrand auf, die Stirn genervt gerunzelt.„Im Ernst, Ari! Die Glocke hat vor zehn Minuten geläutet. Ich verstehe nicht, wie du immer noch schlafen kannst!“Ich blinzelte ihn träge an. Meine Laune war im Keller, mein Kopf schwer. Bitter fragte ich mich, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er nur zwei Stunden Schlaf bekommen hätte … nach einem ganzen Tag voller Schläge und Erschöpfung.Aber Raph war wie immer nicht bereit, auf eine Antwort zu warten. Er verdrehte die Augen, sprang leichtfüßig auf den Boden und machte sich daran, seinen Tag zu beginnen, als wäre nichts geschehen.Bei mir war es nicht so einfach.Nachdem ich gestern Nacht in mein Bett zurückgekehrt war, hat
**Kapitel 7**Luka legte den Kopf leicht schief und musterte seinen Gegenüber von oben bis unten.„Warte mal … Woher wissen wir eigentlich, dass wir nach demselben Mädchen suchen?“Mein Herz machte einen Satz. Ich bewegte mich noch vorsichtiger im Wasser und glitt tiefer in den Schatten, als könnte ich mit der Dunkelheit verschmelzen. Jede noch so kleine dunkle Ecke kam mir plötzlich wie ein möglicher Zufluchtsort vor.Oh Gott … Wenn der Mond doch nur hinter den Mauern der Akademie verschwinden und mich für ein paar Minuten im Dunkeln lassen würde!„Sei nicht albern, Luka“, knurrte der größere Mann und machte einen weiteren Schritt nach vorn. Allein seine Erscheinung schien den Raum enger werden zu lassen. „Glaubst du wirklich, dass in den Unterkünften der Anwärter an der Alpha-Akademie zwei Mädchen herumstreifen?“Luka zuckte mit den Schultern. Seine Stimme klang gelassen, doch in seinem Blick lag eine Spur Herausforderung.„Schon gut. Ich verstehe, worauf du hinauswillst …“Trotz de
Kapitel 6Mitten in der Nacht wachte ich von einem leisen Stöhnen auf, das sich schmerzhaft zwischen meinen Lippen hindurchzwängte. Jeder Muskel in meinem Körper fühlte sich steif und erschöpft an, und mein Gesicht pochte unangenehm.Vorsichtig hob ich die Hand und tastete nach meiner Nase. Sie hatte sich tatsächlich erstaunlich gut erholt – die Heilungskräfte eines Wolfes waren wirklich unglaublich schnell. Doch die Schwellung war noch immer so stark, dass ich nicht einmal die einfachsten Gerüche wahrnehmen konnte.Als ich mich aufsetzte, wurde mir allerdings etwas viel Unangenehmeres bewusst.Ich sah furchtbar aus.Mein Körper war mit einer klebrigen Mischung aus Schweiß und Blut bedeckt, und mein Anblick war so abstoßend, dass ich angewidert die Zunge herausstreckte, während ich mich musterte. Ich konnte kaum glauben, dass ich in diesem Zustand eingeschlafen war.Gott … wie groß mussten die Schmerzen gewesen sein, wenn ich nicht einmal mehr bemerkt hatte, wie ich aussah?„Sehr groß
## Kapitel 5„Jetzt ist die Auslese an der Reihe.“Die Stimme des Kommandanten schnitt scharf über den Platz. Ärger schwang darin mit, während sein Blick voller unverhohlener Verachtung über uns hinwegstrich.„Ihr tragt immer noch Grau – die Farbe der Anwärter. Das Schwarz, die Farbe der Akademie, habt ihr euch noch nicht verdient. Und am Ende der zweiten Woche werden die schwächsten zwanzig Prozent von euch aussortiert.“Er ließ die Worte einen Moment lang wirken, bevor er mit eisiger Ruhe fortfuhr:„Nehmt diese Warnung ernst … sofern ihr überhaupt das Zeug dazu habt, hier zu bleiben.“Sein Blick streifte uns nur kurz, doch allein das genügte, um mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Dann donnerte seine Stimme über den gesamten Platz.„Der heutige Test prüft, was ihr hier unbedingt braucht: körperliche Stärke. Raf Sinclair! Kenny Dexterin! In den Ring – wer den anderen zuerst zu Boden bringt, gewinnt!“Ein leises Raunen ging durch die Reihen.Die Akademie, die sich ständig i






