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7

Author: Obaida
last update publish date: 2026-09-10 23:02:14

**Kapitel 7**

Luka legte den Kopf leicht schief und musterte seinen Gegenüber von oben bis unten.

„Warte mal … Woher wissen wir eigentlich, dass wir nach demselben Mädchen suchen?“

Mein Herz machte einen Satz. Ich bewegte mich noch vorsichtiger im Wasser und glitt tiefer in den Schatten, als könnte ich mit der Dunkelheit verschmelzen. Jede noch so kleine dunkle Ecke kam mir plötzlich wie ein möglicher Zufluchtsort vor.

Oh Gott … Wenn der Mond doch nur hinter den Mauern der Akademie verschwinden und mich für ein paar Minuten im Dunkeln lassen würde!

„Sei nicht albern, Luka“, knurrte der größere Mann und machte einen weiteren Schritt nach vorn. Allein seine Erscheinung schien den Raum enger werden zu lassen. „Glaubst du wirklich, dass in den Unterkünften der Anwärter an der Alpha-Akademie zwei Mädchen herumstreifen?“

Luka zuckte mit den Schultern. Seine Stimme klang gelassen, doch in seinem Blick lag eine Spur Herausforderung.

„Schon gut. Ich verstehe, worauf du hinauswillst …“

Trotz des offensichtlichen körperlichen Unterschieds wich er keinen Schritt zurück. Der andere war mindestens dreißig Pfund schwerer, fast nur aus harten Muskeln bestehend – eine massive Wand aus roher Kraft.

Dann fügte Luka etwas ruhiger, aber konzentrierter hinzu:

„Trotzdem sollten wir sicher sein. Wie riecht dein Mädchen?“

Ich erstarrte.

Mein Blick sprang zwischen den beiden hin und her. Ich beobachtete, wie sich die Spannung zwischen ihnen weiter auflud, während sie über mich sprachen.

Über **meinen Geruch**.

Rauch … Nelken … und Honig.

Die Worte hallten seltsam in meinem Kopf wider. Einen Moment lang wusste ich nicht, was ich davon halten sollte.

War das wirklich mein Geruch?

Doch ich konnte mich nicht lange mit dieser Frage aufhalten.

Die Gefahr war viel zu nah.

Ich spannte meinen Körper im Wasser an, atmete langsam und beobachtete die beiden Männer. Mein Kopf arbeitete fieberhaft.

Nicht darüber, was sie vorhatten.

Nur über eine einzige Frage:

**Wie komme ich hier weg, bevor sie herausfinden, wer ich wirklich bin?**

„Ja … ich bin es.“

Die Wölfin in mir flüsterte mit unverhohlenem Stolz, als würde sie sich gerade auf einer königlichen Bühne im Kreis drehen.

**„Unser Geruch ist umwerfend.“**

Ich hätte sie am liebsten zum Schweigen gebracht.

Doch genau in diesem Moment entbrannte der Streit zwischen den beiden erneut. Jeder beanspruchte für sich, zuerst nach dem Mädchen suchen zu dürfen.

Und plötzlich war die Lösung da.

Klar und scharf.

Ich wusste genau, was ich tun musste.

„Ähm …“

Ich hob meine Stimme gerade so weit, dass sie ihren Streit durchdrang.

Beide verstummten.

Gleichzeitig wandten sie sich mir zu.

Für einen Moment erstarrte ich. Dann tauchte ich tiefer ins Wasser, bis fast nur noch mein Kopf herausragte. Meine Wölfin war davon alles andere als begeistert. Innerlich schien sie mich regelrecht anzuschubsen.

**„Geh raus! Geh zu ihnen! Nackt! Sofort!“**

Ich ignorierte sie mit aller Kraft und zwang meine Stimme, ruhig zu bleiben.

„Sucht ihr … jemanden, der nach Nelken und Honig riecht?“

Die Augen des großen Mannes verengten sich augenblicklich. Er kam einen Schritt auf mich zu. Seine Stimme war kaum mehr als ein drohendes Knurren.

„Woher weißt du das?“

Seine Erscheinung allein hätte jeden anderen zurückweichen lassen. Noch einen falschen Satz, und ich war mir sicher, dass er ins Wasser springen und mich zerquetschen würde.

Hastig hob ich beide Hände zum Zeichen meiner Kapitulation. Nur meine zitternden Fingerspitzen ragten über die Wasseroberfläche.

„Gar nichts! Ich schwöre, gar nichts.“

Ich schluckte und setzte mit bewusst stockender Stimme hinzu:

„Ich habe sie nicht richtig gesehen … Eigentlich habe ich nicht einmal erkannt, dass es ein Mädchen war. Ich habe nur einen Schatten gesehen.“

„Gut. Wohin ist sie gegangen?“, knurrte der kräftige Anwärter. In seiner Stimme lag eine kaum verhüllte Drohung.

Doch für einen kurzen Moment hörte ich die Frage überhaupt nicht.

Denn ich starrte ihn an.

Eine plötzliche Verblüffung ließ mich völlig vergessen, wo ich war.

Trotz der tiefen Narben, die sein Gesicht zeichneten, trotz seines finsteren, einschüchternden Ausdrucks … war er auf eine geradezu schockierende Weise attraktiv.

Allein seine Größe ließ mich in seinen Händen wie eine zerbrechliche Puppe wirken. Doch seine Gesichtszüge waren markant – ein kantiger Kiefer, eine lange, gerade Nase und dunkle Brauen, die seine Augen umrahmten.

Diese Augen.

Ich konnte meinen Blick einfach nicht von ihnen lösen.

Ich machte unwillkürlich einen kleinen Schritt nach vorn.

Blau.

Nein … tiefer als Blau.

Wie Saphire, die in der Nacht versunken waren. Ein Farbton, der überhaupt nicht zu seinem dunklen Haar passen wollte – und gerade dieser Kontrast war atemberaubend.

„Was ist mit dir?“

Seine Stimme riss mich brutal aus meiner Starre.

Er musterte mich mit einer Mischung aus Ärger und Verwirrung, als hätte mein Blick eine Grenze überschritten, die ihm gehörte.

Ich wich hastig zurück.

Was zum Teufel tat ich da?

Ich hatte ihm gerade direkt in die Augen gestarrt, während er jederzeit über mich herfallen konnte!

„Nichts!“, platzte es aus mir heraus.

Ich schüttelte den Kopf und zog mich weiter in den Schatten zurück, verzweifelt auf der Suche nach irgendeinem Schutz.

„Entschuldigung – ja. Sie ist in diese Richtung gegangen!“

Ich deutete weit in die Dunkelheit, genau in die entgegengesetzte Richtung zu den Unterkünften.

„Wie sah sie aus?“, fragte er angespannt und betonte jedes einzelne Wort.

Ich zögerte kurz, dann antwortete ich hastig und spielte die Verwirrte.

„Sie war … sehr groß! Und hatte lange schwarze Haare … lockig und dicht.“

Mein Atem ging schneller.

Jedes Wort hing für einen Moment in der Luft.

Ich log.

Dreist.

Mit einer Ruhe, die ich selbst kaum aufrechterhalten konnte.

Luka musterte mich weiterhin. Neugier und Misstrauen lagen in seinem Blick.

Der andere jedoch drehte sich abrupt in die Richtung, die ich ihm gezeigt hatte. Er warf mir noch einen scharfen Blick zu und sprintete los.

Er wollte dieses geheimnisvolle Mädchen offenbar unbedingt vor Luka finden.

Oh Gott … oh Gott …

Ich starrte Luka an, ohne zu blinzeln. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen.

**Warum ist er nicht auch gegangen?!**

Luka beugte sich ein wenig vor und kniff die Augen zusammen, als wollte er mich genauer unter die Lupe nehmen.

Dann fragte er mit einem beinahe amüsierten Unterton:

„Mal im Ernst, Rubian … was machst du hier?“

Ich schluckte und hielt mich an der einfachsten Antwort fest, die mir einfiel.

„Ich … brauchte ein Bad.“

Die Wahrheit kam stockend über meine Lippen, aber mehr hatte ich nicht.

Vielleicht – nur vielleicht – würde er gehen, wenn ich schnell genug antwortete.

„Und warum hast du nicht dort gebadet … mit den anderen?“

„Weil sie … eklig waren.“

Das Wort war heraus, bevor ich darüber nachdenken konnte.

Ich schnappte erschrocken nach Luft und tauchte sofort bis zur Hälfte meines Gesichts ins Wasser, als könnte ich mich darin vor der glühenden Röte auf meinen Wangen verstecken.

Einen Moment lang war es vollkommen still.

Dann breitete sich ein breites Lächeln auf Lukas Gesicht aus.

Warm. Unerwartet.

Er schüttelte lachend den Kopf.

„Du bist wirklich ein seltsamer Kerl, Rubian … aber du bist lustig. Und ich mag lustige Dinge.“

In mir saß meine Wölfin, als hätte sie endgültig die Geduld verloren. Sie hob den Kopf zum Himmel und stieß ein klagendes Heulen aus.

**„Lass mich raus … Wenn du es nicht tust, stürze ich mich selbst in seine Arme!“**

Oh Gott … dieses Lächeln!

Etwas in mir schmolz jedes Mal dahin, wenn ich es sah. Es war, als würde mein Herz sich ganz von allein in seine Richtung bewegen. Ich musste mich mit aller Kraft beherrschen, nicht zu ihm hinzuschwimmen – trotz allem, was mich an ihm störte und gleichzeitig anzog.

Als ich kein Wort sagte, lachte Luka erneut und schüttelte leicht den Kopf. Dann fuhr er mit ruhiger, aber scharfer Stimme fort:

„Wie auch immer. Danke für den Hinweis wegen des Mädchens. Du hast gesagt, sie ist in diese Richtung gegangen?“

Ich nickte hastig, ohne dorthin zu sehen, wohin er zeigte. Es gab nur eine Sache, die für mich zählte:

**Er musste verschwinden.**

Er schenkte mir ein letztes Lächeln, drehte sich um und rannte davon. Bald war nur noch das leiser werdende Geräusch seiner Schritte zu hören.

Einige Minuten blieb ich im Schatten und lauschte der Stille um mich herum. Ich atmete tief durch und vergewisserte mich, dass sich nichts regte. Kein Laut durchschnitt die Luft. Keine Bewegung. Nicht einmal eine Grille war zu hören.

Dann handelte ich, ohne weiter nachzudenken.

Ich sprang aus dem Becken und zog mich so schnell an wie noch nie zuvor. So hastig, dass ich nicht einmal sicher war, ob ich meine Hose richtig herum angezogen hatte.

Ich schnappte mir die restlichen Badesachen und stürmte zu den Unterkünften. Mein Atem ging stoßweise, doch mein Herz raste nicht nur wegen des Laufens. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein Schritt näher an den Moment, in dem mein Geheimnis auffliegen könnte.

Ich konnte schon beinahe spüren, wie sich eine starke Hand um meinen Hemdkragen schloss und mich zu einer dramatischen Erklärung zwang – ganz wie in diesen Romanen, in denen niemand einfach einmal ruhig davonkommt.

Doch eines wusste ich ganz genau:

Meine Tarnung musste um jeden Preis bestehen bleiben.

Niemand durfte erfahren, dass ich ein Mädchen war.

Niemand durfte wissen, dass ich zwei Gefährten hatte – und dass beide hier waren.

Und vor allem durfte niemand erfahren, dass sich die Prinzessin in der Alpha-Akademie versteckte.

Denn sobald die Wahrheit ans Licht kam, gab es nur zwei Möglichkeiten: eine Zwangsheirat mit diesem Idioten oder ein Krieg, den ich auf keinen Fall gebrauchen konnte.

Gott … wie dumm und leichtsinnig ich heute Nacht gewesen war!

Ich hätte auf Rav hören sollen …

**Du hättest die beiden einfach mit zu uns ins Becken einladen sollen**, murmelte meine eigensinnige Wölfin in meinem Inneren. Dann fügte sie voller Überzeugung hinzu:

**Dann hätten wir uns nicht mit einem zufriedengeben müssen … wir hätten mit beiden spielen können.**

Ich ignorierte sie und lief weiter.

Erst als ich die Tür erreichte, blieb ich abrupt stehen. Ich zwang mich, langsam zu atmen und meinen rasenden Puls unter Kontrolle zu bringen, bevor ich nach der Klinke griff.

Ruhe.

Ich brauchte jetzt unbedingt Ruhe.

Nun … vollkommen ruhig war ich nicht.

Ich schoss in die hintere Ecke des Zimmers. Meine Füße trommelten über den Boden, angetrieben von einer fieberhaften Energie, die ich einfach nicht abschütteln konnte.

Alles, was ich hoffte, war, dass jeder, der aufwachte, einfach annahm, ich sei auf dem Weg zur Toilette oder so etwas.

Ich kletterte auf mein Bett und war erleichtert, dass die Landung vollkommen lautlos blieb. Dann sprang ich geschickt auf Jesses Bett.

Meine Hand schoss nach unten und presste sich auf seinen Mund.

Seine Augen rissen auf.

Für einen Moment huschte blanker Schrecken über sein Gesicht, dann Ärger – und schließlich völlige Verwirrung, als er mich über sich sah, meine Hand auf seinem Mund und meinen Blick, der ihn verzweifelt anflehte, still zu sein.

Er rief meinen Namen, doch ich nahm die Hand nicht weg.

Stattdessen warf ich einen schnellen Blick zu Ravens Bett und schüttelte heftig den Kopf.

Jesse musste verstehen, dass wir Rav auf keinen Fall wecken durften.

Rav?

Er würde mich umbringen.

Oder schlimmer …

Er würde von mir enttäuscht sein.

Und diese Last wollte ich ihm nicht aufbürden. Noch nicht.

Jetzt brauchte ich Jesse.

Ich beugte mich zu ihm hinunter. Inzwischen war er vollständig wach. Ich nahm die Hand von seinem Mund und flüsterte hastig, den Mund dicht an seinem Ohr:

„Jesse … ich habe gebadet!“

„Und was soll das jetzt heißen, Ari?!“, zischte er wütend. „Musstest du mich dafür wirklich so erschrecken?! Herzlichen Glückwunsch … du bist wieder gesund!“

Ich starrte ihn einen Moment an und verdrehte demonstrativ die Augen.

„Nein … du Idiot! Du musst mir ein Duftmal geben! Ich habe das vergessen. Ich hatte keine Ahnung, dass ich nach dem Baden so weiblich riechen würde!“

Er seufzte, schlug sich für einen Moment die Hände vors Gesicht und hob dann die Handgelenke. Vorsichtig rieb er damit über meinen Hals und meine Handgelenke.

„Mehr“, beharrte ich.

Ich packte sein Handgelenk und rieb sein Handgelenk über mein Gesicht.

„Ich kann diesen verdammten Nelken-und-Honig-Geruch nicht mehr riechen …“

„Ari!“

Jesse riss sein Handgelenk aus meinem Griff.

„Was zum Teufel ist mit dir los?! Warum benimmst du dich so seltsam?!“

Ich hielt inne.

Mein Blick wanderte sofort durch den Raum. Ich suchte nach irgendwelchen Anzeichen – breiten Schultern, leuchtenden Augen oder einem Körper, der die natürliche Haltung eines Boxers angenommen hatte …

Doch nichts.

Der Raum war vollkommen still. Kein Laut, keine Bewegung.

Ich war zurück.

Und niemand hatte mich bemerkt. Zumindest bisher.

Ich holte tief Luft. Eine seltsame Welle der Erleichterung und Sicherheit durchströmte mich.

„Nichts … Tut mir leid, Jesse.“ Ich schüttelte den Kopf. „Nur … ähm, sag Rav nichts, ja?“

„Wovon soll ich ihm nichts erzählen?“, flüsterte Jesse.

Dann rief er plötzlich laut auf, als ich von seinem Bett sprang und wieder auf mein eigenes kletterte:

„Davon, dass du über Nacht verrückt geworden bist?!“

„Du hattest einen Albtraum!“, rief ich über die Schulter, bemüht, die Situation mit gedämpfter Stimme zu entschärfen. „Es ist nichts passiert! Schlaf wieder … Ich liebe dich, Cousin!“

Dann schlüpfte ich vollständig bekleidet unter meine Decke, legte eine Hand auf mein Gesicht und rollte mich zusammen, während ich versuchte, wieder zu Atem zu kommen.

**Zwei!!**

Ich hatte **zwei Gefährten**!

Und beide wussten, dass ich hier war.

Und beide suchten nach mir.

Wie sollte ich mein Geheimnis bewahren, wenn zwei Männer meine Spur verfolgten und alles daransetzten, mich zu finden?

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