LOGINKapitel 8
„Zwei … das ist schon viel besser“, murmelte meine Wölfin verspielt, während ich irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein festhing. Ihre Worte schienen sich wie verwirrende, verführerische Fäden durch meinen benommenen Kopf zu ziehen.
„Stehst du jetzt endlich auf?!“
Ich fuhr hoch. Raphs Gesicht tauchte über dem Bettrand auf, die Stirn genervt gerunzelt.
„Im Ernst, Ari! Die Glocke hat vor zehn Minuten geläutet. Ich verstehe nicht, wie du immer noch schlafen kannst!“
Ich blinzelte ihn träge an. Meine Laune war im Keller, mein Kopf schwer. Bitter fragte ich mich, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er nur zwei Stunden Schlaf bekommen hätte … nach einem ganzen Tag voller Schläge und Erschöpfung.
Aber Raph war wie immer nicht bereit, auf eine Antwort zu warten. Er verdrehte die Augen, sprang leichtfüßig auf den Boden und machte sich daran, seinen Tag zu beginnen, als wäre nichts geschehen.
Bei mir war es nicht so einfach.
Nachdem ich gestern Nacht in mein Bett zurückgekehrt war, hatte ich noch stundenlang wach gelegen. Ich hatte mich von einer Seite auf die andere gewälzt und vergeblich versucht, zu begreifen, was in mir vorging.
Tief in mir wusste ich, dass es nur eines gab, was zählte: mein Geheimnis zu bewahren. Es war nicht bloß wichtig.
Es war eine Frage des Überlebens.
Und trotzdem …
Zwei Gefährten.
Am selben Ort.
Zur selben Zeit.
Und ich … mittendrin, als hätte das Schicksal selbst mich genau in dieses Chaos gestoßen.
Langsam ließ ich die Luft aus meinen Lungen und starrte an die Decke. Irgendetwas in mir flüsterte eine Antwort, die ich nicht einmal zu benennen wagte.
Mein Gott …
Vielleicht war das alles gar kein Zufall.
Unsere Familie hatte schließlich schon eine Geschichte mit solchen Dingen. Die Großmutter meiner Mutter – und Koras Tante – war immerhin eine Göttin und hatte die Schicksale einiger Mitglieder unserer Familie deutlich beeinflusst.
Trotzdem war das, was gerade geschah, so seltsam, dass mein Verstand kaum hinterherkam.
Ich erinnerte mich daran, wie ich gestern Nacht gerade eingeschlafen war, als sich die Tür der Kaserne lautlos geöffnet hatte.
Ein großer Mann trat herein. So breit, dass er den Eingang beinahe vollständig ausfüllte.
Er bewegte sich langsam durch den Raum, unheimlich still, wie ein schwerer Schatten. Doch als er sich auf sein Bett sinken ließ, verriet jede Bewegung seines Körpers dasselbe:
Er war am Ende.
Wenige Minuten später kam Luca herein.
Er machte nicht einmal den Versuch, sich unauffällig zu verhalten.
Er ging direkt zu seinem Bett, blieb dann jedoch abrupt stehen und richtete den Blick in meine Ecke des Raumes.
In diesem Moment zog ich die Decke hastig über den Kopf, hielt den Atem an und hoffte – nein, flehte beinahe –, dass er einfach weiterging, ohne näher zu kommen.
Denn obwohl meine Wölfin seinen Namen heulte und mich mit aller Kraft zu ihm drängte …
war ich nicht bereit.
Nicht jetzt.
Nicht, solange alles auf dem Spiel stand.
Nicht, solange ich Gefahr lief, meine Chance an der Akademie zu verlieren.
Und ganz bestimmt nicht … bei dem, wie—
Ich brach den Gedanken ab und vergrub das Gesicht im Kissen. Eine verräterische Wärme stieg mir in die Wangen.
Wie naiv ich doch war …
Ich war schon immer ziemlich ahnungslos gewesen, wenn es um solche Dinge ging. Ich wusste, dass die Ehe mein Schicksal sein würde. Aber Edward war mir gerade deshalb attraktiv erschienen, weil er mich nie unter Druck gesetzt hatte.
Selbst als er nach der Hochzeit seine Absichten angedeutet hatte, war er nie über einen unschuldigen Kuss hinausgegangen.
Ich hatte geglaubt, dass er mir Zeit geben würde.
Ich wollte …
eine ruhige Liebesgeschichte.
Etwas, das sich langsam einschlich, wuchs und entwickelte, ohne mich völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Aber Gefährten?
Nach allem, was ich darüber gehört hatte, war es eher wie ein Blitzschlag.
Plötzlich.
Gewaltig.
Und ohne dir auch nur die geringste Chance zu geben, davonzulaufen.
Und ich …
War ich wirklich bereit, mich auf so etwas einzulassen?
Oder war ich gerade dabei, in einen Sturm hineingezogen zu werden, den ich nicht mehr kontrollieren konnte?
„Im Ernst, Ari!“, rief Raph erneut.
Er stürmte auf mich zu, packte den Saum meiner Uniform und riss daran. Ich keuchte auf, als er mich mit einem kräftigen Ruck vom Kissen zog, als hätte er nicht eine Sekunde länger Geduld.
„Aufstehen! Wir haben nur noch zwei Minuten bis zum Frühstück!“
„Ich bin doch schon fertig, Raph!“, rief ich zurück, stieß seine Hand weg und ließ die Beine über die Bettkante schwingen. „Ich muss nur noch meine Schuhe anziehen!“
Doch Raphs Gesicht veränderte sich augenblicklich.
Seine Augen weiteten sich. Im nächsten Moment packte er mich wieder, diesmal mit überraschender Härte, und zog mich vom Bett. Mein Körper prallte gegen die Metallstreben.
Ein erschrockenes Aufschreien entwich mir, während ich ins Wanken geriet.
„Ari …“, knurrte er und hielt mich so fest, dass es beinahe wehtat. „Wo zum Teufel ist deine verdammte Mütze?!“
Mein Atem stockte.
Ich hob die Hand an den Kopf – und erst jetzt begriff ich, was passiert war.
Meine Haare …
waren noch immer zu einem deutlich sichtbaren Knoten im Nacken gebunden.
Nicht offen und offensichtlich feminin, aber …
sichtbar.
Das Blut wich mir aus dem Gesicht.
„Sie liegt auf meinem Bett!“, rief ich hastig.
Raph bedachte mich mit einem glühenden Blick. Ohne zu zögern, riss er sich seine eigene Mütze vom Kopf und drückte sie mir auf den Kopf, bis kein Haar mehr zu sehen war.
Dann sprang er zurück, um meine Mütze zu holen.
Im nächsten Moment hob er meine Schuhe vom Boden auf und drückte sie mir gegen die Brust.
„Zieh sie an, du Idiotin“, befahl er scharf. „Und lern endlich, vorsichtiger zu sein!“
Mein Gesicht brannte, während ich sah, wie Raph meine Mütze ohne jedes Zögern auf seinen eigenen Kopf setzte.
Ich widersprach nicht. Dafür war ohnehin keine Zeit.
Ich beugte mich hastig hinunter, schlüpfte in die Schuhe, ohne sie zu binden, und begann gleichzeitig, mein Haar zusammenzuraffen. Mit flinken Fingern stopfte ich es unter den Rand der Mütze, als könnte ich damit ein Geheimnis begraben, dessen Entdeckung mich alles kosten würde.
„Guten Morgen, Cousins!“
Jessies Stimme klang leicht und fröhlich, als er mit seinem breiten Lächeln näher kam – einem Lächeln, das mehr verbarg, als es zeigte.
Er wusste genau, dass etwas nicht stimmte.
Aber er hatte offenbar beschlossen, es mit bemerkenswerter Eleganz zu ignorieren.
„Gut geschlafen?“
Dann wandte er sich mir zu. Sein Lächeln wurde eine Spur verschmitzter.
„Ich persönlich … hatte einen ziemlich seltsamen Traum.“
„Dafür haben wir keine Zeit“, schnitt Raph ihm scharf das Wort ab.
Kaum war ich fertig, packte er mich am Arm und zog mich auf die Füße.
„Wir müssen sofort los, sonst verpassen wir das Frühstück. Und wenn wir das Frühstück verpassen, verpassen wir auch die Einstufungen. Wir müssen unbedingt wissen, wo wir stehen. Also los!“
Wir eilten hinter ihm her.
Jessie warf mir dabei immer wieder Seitenblicke zu. Eine Augenbraue war spöttisch angehoben, als würde er schweigend eine Erklärung dafür verlangen, warum ich mitten in der Nacht bei ihm aufgetaucht war.
Ich schüttelte hastig den Kopf und wich seinem Blick aus.
Dann warf ich Raph einen kurzen, flehenden Blick zu.
Bitte. Sag nichts.
Jessie verstand die Botschaft. Er zuckte nur gleichgültig mit den Schultern und ließ es dabei bewenden.
Sein Unmut war ihm trotzdem deutlich anzusehen.
Wir schafften es im allerletzten Moment.
Wir schlüpften wenige Sekunden vor dem Schließen der Tür hinein, während hinter uns wütendes Klopfen und die Rufe der verspäteten Kandidaten erklangen. Offenbar hatte der Captain nicht übertrieben, als er auf Pünktlichkeit bestanden hatte.
Raph, Jessie und ich stellten uns in die Reihe. Ich nahm mein Tablett und versuchte, möglichst unauffällig zu wirken, doch als eine der Letzten, die den Raum betreten hatten, blieb mir nicht viel Auswahl.
Ein Würstchen …
zwei kleine Packungen Apfelsaft …
und eine winzige Orange, so welk, als hätte sie einen Kampf nur knapp überlebt.
Ich atmete langsam aus und starrte auf mein Tablett.
Mein Tag hatte offenbar noch nicht einmal richtig begonnen.
Als wir die letzten drei Plätze am Ende des langen Tisches einnahmen, warf Raph mir einen strengen Blick zu und schob mir wortlos zwei Kekse auf den Teller.
„Hey!“, protestierte ich und zog die Brauen zusammen. „Ich mag Kekse überhaupt nicht—“
„Es geht nicht um den Geschmack, Ari“, murmelte Raph kühl, während er eine Schüssel kalten Haferbrei hinunterschlang, als würde er nicht einmal merken, wie widerlich er schmeckte. „Es geht um die Kalorien. Du brauchst sie. Also iss.“
Ich widersprach nicht.
Schweigend gehorchte ich, zwang mich, den trockenen Keks zu kauen, und spülte ihn mit Apfelsaft hinunter. Insgeheim wünschte ich mir, das Essen an der Akademie wäre wenigstens ein bisschen besser … oder zumindest weniger brutal für meinen Hals.
Während ich aß, hob ich den Blick und ließ ihn scheinbar beiläufig durch die Halle wandern.
Nur zum Schein.
Denn in Wahrheit …
suchte ich.
Meine Wölfin lachte leise und boshaft in meinem Inneren und führte mich ohne jedes Zögern.
**Da.**
Mein Blick glitt zu Luca, der zwei Tische weiter saß und mitten in einer Gruppe von Männern lachte. Seine Präsenz war nicht zu übersehen, seine Stimme erfüllte den Raum mit einer selbstbewussten Sicherheit, die niemand überhören konnte.
Dann …
zum anderen.
Er saß allein.
Eine schwere, schweigsame Präsenz, die sich kaum von der Umgebung abzuheben schien. Er verschlang einen riesigen Teller voller Essen, während seine angespannten Züge verrieten, dass irgendwo tief in ihm ein Zorn wohnte, der nicht weichen wollte.
Langsam schälte ich meine Orange. Jede Bewegung war ruhig und kontrolliert, während in meinem Kopf ein Sturm tobte.
Mein Blick wanderte zwischen den beiden hin und her.
Ich beobachtete.
Ich verglich.
Ich versuchte zu verstehen.
Warum ausgerechnet sie?
Warum hatte meine Großmutter – die Göttin – ausgerechnet mich für dieses Schicksal ausgewählt?
Zwei Gefährten …
so unterschiedlich, dass sie kaum gegensätzlicher sein konnten.
Und trotzdem …
waren beide mit mir verbunden.
Ich atmete leise aus und nahm ein Stück Orange. Doch ihr Geschmack war kaum mehr als ein blasser Schatten neben der Frage, die in mir brannte.
—
Als Raph aufstand, um sich eine Serviette zu holen, stieß Jessie mich leicht mit dem Ellbogen an.
Es war nur eine kleine Bewegung, doch sie ließ mich erschrocken zusammenfahren.
„Was zum Teufel ist mit dir los?“, flüsterte er. Seine Stimme war leise, aber angespannt.
Mein Gesicht wurde sofort heiß. Ich schüttelte hastig den Kopf und klammerte mich an meine Orange, als wäre sie mein letzter Halt.
„Nichts …“, murmelte ich und vermied seinen Blick.
Oh Gott …
Ich konnte nicht glauben, dass ich mich tatsächlich so hatte erwischen lassen.
Ich hatte sie angestarrt.
Meine **beiden Gefährten**.
Mitten in der Halle. Vor allen anderen.
Was zum Teufel hatte ich mir dabei gedacht?!
„Irene …“
Diesmal war Jessies Stimme noch leiser, doch seine Schärfe war unüberhörbar.
„Ich weiß, dass etwas nicht stimmt.“
Ich fuhr herum. Meine Augen weiteten sich.
Nicht nur, weil er meinen richtigen Namen benutzt hatte.
Sein Tonfall war es, der mich erschütterte.
Jessie war normalerweise ruhig. Er knurrte niemanden an.
„Jessie …“, flüsterte ich und sah ihn flehend an. „Ich werde es dir sagen, okay? Aber—“
Ich deutete hastig mit dem Kopf in Richtung Raph, der gerade zu uns zurückkam.
Jessie presste die Kiefer aufeinander und atmete langsam aus, als müsste er sich zwingen, nicht weiter nachzuhaken.
„Geht es dir gut?“, fragte er schließlich leiser.
Seine Stimme war jetzt vollkommen ernst.
„Und wenn nicht … wirst du es mir sagen?“
Meine Stimme zitterte leicht, als ich antwortete:
„Ich verspreche es.“
Er hielt meinen Blick noch einen Moment fest, als wollte er prüfen, ob er mir wirklich glauben konnte.
Dann nickte er widerwillig einmal und wandte sich ab.
Dabei fiel sein Blick auf sein beinahe leeres Tablett.
Raph kehrte auf seinen Platz zurück. Eine Handvoll Servietten hielt er in der Hand. Er musterte uns misstrauisch, als hätte er etwas bemerkt, das noch niemand ausgesprochen hatte.
Er öffnete bereits den Mund, um etwas zu sagen—
Doch bevor er auch nur ein Wort herausbrachte, veränderte sich die Atmosphäre schlagartig.
Alle Köpfe in der Halle drehten sich zum Captain.
Er war gerade am Kopf des großen Tisches aufgestanden, und allein seine Anwesenheit genügte, um den gesamten Raum zum Schweigen zu bringen.
Seine Stimme hallte durch die Halle, laut und schneidend.
„Kandidaten. Heute wird die erste Rangliste bekannt gegeben.“
Er deutete auf den großen schwarzen Bildschirm über ihm.
„Die Rangliste basiert auf euren Leistungen in sämtlichen Trainingsaktivitäten. Hinzu kommen weitere Faktoren: Regelbefolgung, Pünktlichkeit und Disziplin.“
Er machte eine kurze Pause und ließ den Blick über die Gesichter wandern.
Dann wurde sein Ton noch härter.
„Am Ende der ersten zwei Wochen werden die unteren zwanzig Prozent von euch ausscheiden.“
Ein leises Raunen ging durch die Halle.
Seine nächsten Worte schnitten jedoch wie ein Messer durch das Gemurmel.
„Das bedeutet … vierundzwanzig Kandidaten von insgesamt einhundertzwanzig. Ich rate euch dringend, eure Platzierung ernst zu nehmen.“
Er ließ noch einmal einen scharfen Blick durch den Raum wandern – eine letzte Warnung.
Dann nickte er einmal.
„Als Nächstes steht das Geschicklichkeitstraining an. Ihr habt fünf Minuten, um euer Frühstück zu beenden. Danach begebt ihr euch in die Trainingshalle. Pünktlich um acht Uhr.“
Ohne ein weiteres Wort verließ er seinen Platz.
Wie auf ein unsichtbares Signal hin erwachte der Bildschirm zum Leben.
Die Namen erschienen.
Einer nach dem anderen.
Nach Rang geordnet.
Ich erstarrte.
Meine Augen glitten hastig über die Liste. Mein Puls beschleunigte sich mit jedem Namen, den ich überflog.
Bis ich ihn fand.
Meinen Namen.
Genau dort, wo ich ihn am meisten gefürchtet hatte.
**Platz 120.
Ari Clark.**
Die Worte trafen mich wie ein schwerer Schlag gegen die Brust.
*Ich bin Letzte!!*
**Kapitel 10**Jesse grinste noch immer und unterdrückte ein leises Lachen.„Ari ist einfach nur neugierig, Raff“, sagte er mit einem verschmitzten Unterton. Er ließ den Blick kurz durch den Raum wandern, um sicherzugehen, dass niemand etwas bemerkt hatte. Doch die Schlange vor den Duschkabinen war leer, und alle anderen waren viel zu beschäftigt, um sich um uns zu kümmern. „Sie hat bisher ein ziemlich abgeschottetes Leben geführt.“„Und sie wird auch weiterhin ein abgeschottetes Leben führen“, fauchte Raff.Zuerst sah er Jesse an, dann mich.„Ich meine das ernst, Ari. Das ist kein …“Er stockte kurz und suchte nach den richtigen Worten.Jesse beugte sich mit einem verschmitzten Grinsen zu ihm.„Ein Fleischmarkt?“Sofort schoss mir die Hitze ins Gesicht.„Na schön“, sagte Raff scharf. Er machte noch einen Schritt auf mich zu, während das Rauschen der Duschen allmählich wieder lauter wurde.Er packte meinen Arm, beugte sich zu mir und flüsterte mir mit einer tiefen, eindringlichen Stim
**Kapitel 9**„Einhundertzwanzig …“, stöhnte ich leise und vergrub das Gesicht in meinen Händen. Allein diese Zahl fühlte sich an, als hätte sie mir meinen Traum in einem einzigen Augenblick aus den Händen gerissen und zwischen meinen Fingern zerfallen lassen.Jesse trat näher, legte einen Arm um meine Schultern und drückte sie sanft. Seine Geste war still, aber beruhigend.„Mach dir keine Sorgen, Ari“, flüsterte er. „Wir werden dich richtig trainieren. Heute war einfach ein schlechter Tag. Außerdem haben sie noch nicht einmal getestet, was du wirklich kannst.“„Er hat recht“, sagte Raff ruhig.Ich hob langsam den Kopf. Sein ernster Blick ruhte auf mir. Für einen Moment wusste ich nicht, was ich mit diesem Gefühl anfangen sollte, das sich in mir ausbreitete. Dieser Blick erinnerte mich so sehr an meinen Vater – diese Mischung aus strenger Wachsamkeit und einer Zuneigung, über die man nicht sprach.„Wir bringen dich schnell auf ein anderes Niveau, Ari“, fuhr er gelassen fort. „Du brauc
Kapitel 8„Zwei … das ist schon viel besser“, murmelte meine Wölfin verspielt, während ich irgendwo zwischen Schlaf und Wachsein festhing. Ihre Worte schienen sich wie verwirrende, verführerische Fäden durch meinen benommenen Kopf zu ziehen.„Stehst du jetzt endlich auf?!“Ich fuhr hoch. Raphs Gesicht tauchte über dem Bettrand auf, die Stirn genervt gerunzelt.„Im Ernst, Ari! Die Glocke hat vor zehn Minuten geläutet. Ich verstehe nicht, wie du immer noch schlafen kannst!“Ich blinzelte ihn träge an. Meine Laune war im Keller, mein Kopf schwer. Bitter fragte ich mich, wie er sich wohl fühlen würde, wenn er nur zwei Stunden Schlaf bekommen hätte … nach einem ganzen Tag voller Schläge und Erschöpfung.Aber Raph war wie immer nicht bereit, auf eine Antwort zu warten. Er verdrehte die Augen, sprang leichtfüßig auf den Boden und machte sich daran, seinen Tag zu beginnen, als wäre nichts geschehen.Bei mir war es nicht so einfach.Nachdem ich gestern Nacht in mein Bett zurückgekehrt war, hat
**Kapitel 7**Luka legte den Kopf leicht schief und musterte seinen Gegenüber von oben bis unten.„Warte mal … Woher wissen wir eigentlich, dass wir nach demselben Mädchen suchen?“Mein Herz machte einen Satz. Ich bewegte mich noch vorsichtiger im Wasser und glitt tiefer in den Schatten, als könnte ich mit der Dunkelheit verschmelzen. Jede noch so kleine dunkle Ecke kam mir plötzlich wie ein möglicher Zufluchtsort vor.Oh Gott … Wenn der Mond doch nur hinter den Mauern der Akademie verschwinden und mich für ein paar Minuten im Dunkeln lassen würde!„Sei nicht albern, Luka“, knurrte der größere Mann und machte einen weiteren Schritt nach vorn. Allein seine Erscheinung schien den Raum enger werden zu lassen. „Glaubst du wirklich, dass in den Unterkünften der Anwärter an der Alpha-Akademie zwei Mädchen herumstreifen?“Luka zuckte mit den Schultern. Seine Stimme klang gelassen, doch in seinem Blick lag eine Spur Herausforderung.„Schon gut. Ich verstehe, worauf du hinauswillst …“Trotz de
Kapitel 6Mitten in der Nacht wachte ich von einem leisen Stöhnen auf, das sich schmerzhaft zwischen meinen Lippen hindurchzwängte. Jeder Muskel in meinem Körper fühlte sich steif und erschöpft an, und mein Gesicht pochte unangenehm.Vorsichtig hob ich die Hand und tastete nach meiner Nase. Sie hatte sich tatsächlich erstaunlich gut erholt – die Heilungskräfte eines Wolfes waren wirklich unglaublich schnell. Doch die Schwellung war noch immer so stark, dass ich nicht einmal die einfachsten Gerüche wahrnehmen konnte.Als ich mich aufsetzte, wurde mir allerdings etwas viel Unangenehmeres bewusst.Ich sah furchtbar aus.Mein Körper war mit einer klebrigen Mischung aus Schweiß und Blut bedeckt, und mein Anblick war so abstoßend, dass ich angewidert die Zunge herausstreckte, während ich mich musterte. Ich konnte kaum glauben, dass ich in diesem Zustand eingeschlafen war.Gott … wie groß mussten die Schmerzen gewesen sein, wenn ich nicht einmal mehr bemerkt hatte, wie ich aussah?„Sehr groß
## Kapitel 5„Jetzt ist die Auslese an der Reihe.“Die Stimme des Kommandanten schnitt scharf über den Platz. Ärger schwang darin mit, während sein Blick voller unverhohlener Verachtung über uns hinwegstrich.„Ihr tragt immer noch Grau – die Farbe der Anwärter. Das Schwarz, die Farbe der Akademie, habt ihr euch noch nicht verdient. Und am Ende der zweiten Woche werden die schwächsten zwanzig Prozent von euch aussortiert.“Er ließ die Worte einen Moment lang wirken, bevor er mit eisiger Ruhe fortfuhr:„Nehmt diese Warnung ernst … sofern ihr überhaupt das Zeug dazu habt, hier zu bleiben.“Sein Blick streifte uns nur kurz, doch allein das genügte, um mir das Blut in den Adern gefrieren zu lassen. Dann donnerte seine Stimme über den gesamten Platz.„Der heutige Test prüft, was ihr hier unbedingt braucht: körperliche Stärke. Raf Sinclair! Kenny Dexterin! In den Ring – wer den anderen zuerst zu Boden bringt, gewinnt!“Ein leises Raunen ging durch die Reihen.Die Akademie, die sich ständig i







