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Loving Darkness of Prophecy
Loving Darkness of Prophecy
Author: Gizem Rae

Der Abschied

Author: Gizem Rae
last update publish date: 2026-05-11 01:06:08



„LOS wir kommen sonst zu spät Kurwa“!

Ich hörte meine Mutter neben an schreien und murmeln. „Kurwa ta dziewczyna zabiera mnie do grobu“ 
(„Verdammt, dieses Mädchen bringt mich ins Grab.“)


Ich mochte meine Großmutter nicht.Ich weis wie herzlos das klingt aber ich hätte mehr erwartet.


Vielleicht lag es daran, dass sie mich nie wirklich ansah, wenn wir uns trafen, oder daran, dass ihre Augen immer so wirkten, als würde sie in mir nach etwas suchen – und es nicht finden. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass sie mich nie so behandelt hatte, wie eine Großmutter ihr Enkelin behandeln sollte. Keine warmen Umarmungen, keine liebevollen Worte. Nur dieses strenge, prüfende Schweigen.


Doch trotzdem stand ich jetzt hier, in meinem kleinen Zimmer in einer winzigen Wohnung in Polen, und zog mich für ihre Beerdigung an.


Ich war nur noch für ein paar Tage hier. In 2 Tage würde ich in die Vereinigten Königreich fliegen. Mein Visum lag sorgfältig zwischen den Seiten eines Buches auf meinem Schreibtisch. Ein Ticket in eine bessere Zukunft. Ein Ticket raus aus diesem Leben.


Ich hatte hart dafür gekämpft, auf die Uni zu gehen. Während andere ihre Freizeit genossen, hatte ich gelernt. Während sie Partys feierten, hatte ich bis spät in die Nacht Essays geschrieben, mit Kopfhörern in den Ohren, um die Schreie meines Vaters und das Weinen meiner Mutter nicht hören zu müssen.


Ich hatte gearbeitet, geschuftet, mich selbst durch die Schule gebracht – weil ich wusste, dass mir hier nichts gehörte, außer dem Wunsch, wegzukommen.


Und jetzt, kurz bevor es so weit war, musste ich ausgerechnet an der Beerdigung einer Frau teilnehmen, die mir nie das Gefühl gegeben hatte, willkommen zu sein.


Ich zog meinen schwarzen Pullover über, schlüpfte in meine Schuhe und trat ins Wohnzimmer. Meine Mutter saß in ihrem Rollstuhl am Fenster, die Kaffeetasse in der Hand. Ihr schwarzes Kleid hing lose an ihr, ihre Augen waren müde.
„Bist du fertig?“, fragte sie leise.


Ich nickte.


Hinter der Schlafzimmertür meines Vaters war nur lautes Schnarchen zu hören. Natürlich. Er hatte sich die Nacht über betrunken, wie immer. Ich war froh, dass er nicht mitkommen würde.


„Lass uns gehen“, sagte meine Mutter und ich griff nach den Autoschlüsseln.


Ich fuhr sie nach draußen. Die Luft war kalt, der Himmel grau.
Ich wusste nicht, ob es nur an der Beerdigung lag – oder an dem merkwürdigen Gefühl, dass dieser Tag mein Leben verändern würde.


Ich öffnete den Beifahrer Sitz nach hinten und holte die Rampe raus platzierte meine Mutter in den behinderten gerechten Auto machte sie fest und stieg vorne ins Auto. Der alte Fiat roch nach kaltem Rauch und dem billigen Parfum meiner Mutter. Ich startete den Motor und fuhr los.


Die Straßen waren nass vom nächtlichen Regen..
„Sie hat immer gesagt, du wärst anders“, sagte meine Mutter plötzlich, ohne den Blick von der Fensterscheibe zu nehmen.


Ich wandte den Kopf zu ihr über den Rückspiegel. „Wie meinst du das?“
„Deine Großmutter. Sie sagte… du hättest zu viel vom Westen in dir. Zu viel Wille. Zu wenig Gehorsam.“


Ich wusste nicht, ob das ein Kompliment oder eine letzte Beleidigung war.


„Vielleicht hatte sie recht“, murmelte ich.


Ich fuhre am alten Friedhof vorbei, an der zerfallenen Steinmauer mit dem rostigen Gittertor. Die Toten lagen hier wie Geschichten, die niemand mehr erzählte.


Die Kapelle war klein und aus dunklem Stein gebaut. Vor dem Eingang versammelten sich schon einige Verwandte alles Gesichter, die ich nur von vergilbten Fotos kannte oder in den Sommern, die ich lieber vergessen würde.


Als ich ausstieg, traf mich ein eiskalter Windstoß. Ich zog meinen Pullover enger um mich, holte meine Mutter raus und ging auf die Kapelle zu.


Drinnen roch es nach Wachs und Moder. Der Sarg war geschlossen. Dunkles Holz. Schlicht. Keine Blumen, keine Fotos. Nur ein einziger Kranz, und darauf ein Band mit der Aufschrift:
„In Stille verbunden.“
meine Mutter saß vorne, neben meinem Onkel und meiner Tante. Ich selbst setzte mich ganz nach hinten. In die letzte Bank.


Niemand sprach mit mir. Niemand beachtete mich.
Es war, als hätte meine Großmutter selbst aus dem Grab heraus dafür gesorgt, dass ich auch in ihrem Tod nicht dazugehörte.


Sie hat mich immer beschuldigt.
Dass ich der Grund sei.
Für alles.
Für den Wahnsinn meines Vaters. Für das Leid meiner Mutter. Für das Unglück, das diese Familie zerstört hat.
Ich war ein Unfall. Ein Fehler. Ein Kind, das nie gewollt war.


Ich war Fünf Jahre alt, als ich mitansehen musste, wie meine Mutter aus dem vierten Stock eines Hochhauses sprang.


Er hatte ihr gedroht. Wieder einmal.


Sie war schwanger. Und er hatte geschrien, er würde mich töten, wenn sie das Kind meinen ungeborenen Bruder nicht abtreiben ließe.
Ihr Körper zerbrach an diesem Tag nicht nur äußerlich.
Etwas in ihr starb.


Sie überlebte. Querschnittsgelähmt.
Aber das Kind in ihr tat es nicht. Mein Bruder. Der nie atmen durfte.

Und trotzdem war ich dankbar. Dass sie lebte. Dass ich sie noch hatte. Ich verstand sie. Mein Vater?


Ein Bastard. Ein Monster.
Ein Alkoholiker, der sie schlug, vergewaltigte, brach.
Immer und immer wieder.


Und ich war sein Schatten. Sein Erbe.
Manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt hätte gehen dürfen. Ob ich sie zurücklassen sollte, in diesem Zustand, mit dieser Angst.


Aber mein Onkel der Bruder meiner Mutter, nicht dieser Teufel von einem Mann versprach, auf sie aufzupassen.Solange, bis ich mein Studium abschließe.
Bis ich endlich eigenes Geld verdiene. Bis ich sie retten kann.


Ich hob den Kopf.
Zwang mich, den Blick vom Boden zu lösen.
Ich wollte nicht weinen. Nicht jetzt. Nicht hier.

Und dann passierte es.


Der Priester sprach gerade ein leises Gebet.


Stille senkte sich über die Reihen.
Und mein Blick fiel auf sie. Eine Frau. Ganz vorne. Schwarz gekleidet wie alle anderen. Und doch 
Etwas stimmte nicht.


Sie wirkte falsch. Ihre Haltung zu aufrecht. Ihr Gesicht zu starr.
Wie eine Statue inmitten von Fleisch und Blut. Als wäre sie nicht wirklich hier.


Und doch ihre Augen. Sie bewegte kaum den Kopf.
Aber ihre Blicke fanden mich. Direkt. Wie ein kalter Hauch in meinem Nacken.

 

(Nach der Beerdigung)


Wir saßen im Wohnzimmer meines Onkels einem alten grauen Betonklotz. Die Wände waren gelb vom Rauch vergangener Jahrzehnte, der Flur roch nach Mottenkugeln, abgestandenem Braten und dieser unausweichlichen Mischung aus Tod und Familienlügen.


In der Küche flackerte das Licht.
Der Wodka floss, als gäbe es etwas zu feiern oder zu verdrängen. Vielleicht beides.
Fast alle waren da. Nur mein Vater fehlte wie immer, wenn es wirklich zählte. Wahrscheinlich lag er in irgendeiner Kneipe und suhlte sich in Selbstmitleid, während die Frau, die er ein Leben lang gequält hatte, begraben wurde.


Sein Fehlen war das Beste, was uns an diesem Tag passieren konnte. Ich hätte ihn nicht noch einmal neben ihrer Urne ertragen.


Ich stand mit verschränkten Armen in der Ecke, halb im Schatten, halb in der Verachtung, die mir von jedem Gesicht im Raum entgegenschlug. Neben mir Tante Zofia.


Diese Frau war das Paradebeispiel einer lebenden Lüge: makellos geföhnte Haare, knallroter Lippenstift, Fingernägel wie Krallen und ein Herz, das wahrscheinlich schon vor Jahren zu Staub zerfallen war.


„Oliwia“, säuselte sie, während sie an ihrem Glas nippte, „schön, dass du dich mal blicken lässt. Ich dachte, du wärst längst nach Oxford abgehauen. Oder hat man dir dort etwa die Grenzen deiner Fähigkeiten aufgezeigt?“


Ich erwiderte das Lächeln kühl.
„Ach, Tante Zofia. Natürlich gehe ich. Morgen. Aber ich wollte euch vorher noch ein letztes Mal an meinem Glanz teilhaben lassen.“


Ein paar der Tanten kicherten nervös. Andere tuschelten. Die Blicke sprachen Bände:
Was bildet die sich ein? Die Tochter von der? Die mit der kaputten Mutter?
Ich sah es ihnen allen an. Jeder Einzelne hasste mich. Weil ich der Spiegel war für all das, worüber sie seit Jahren schwiegen.

Dann.
Ein brutales Klopfen. Dreimal. Laut. Schwer.

Die Gespräche verstummten schlagartig.

Mein Onkel erhob sich, sein Gesicht gezeichnet vom Leben und der Scham dieser Familie.
„Wer zum Teufel…?“, murmelte er, während er zur Tür ging und sie öffnete.


Ein Mann trat ein.
Groß. Schlank. Eleganz in der Haltung, Unbarmherzigkeit im Blick.
Ein maßgeschneiderter Anzug spannte sich über seinen Körper, als wäre er aus Schatten geschneidert worden.
Ein schwarzer Aktenkoffer in der einen Hand.
Die andere – leer. Sein Gesicht war aus Stein.
Seine Stimme leise, aber sie schnitt durch den Raum wie ein Skalpell.

„Guten Abend.“
Niemand antwortete. Niemand bewegte sich.
Stille.
Alle starrten ihn an, als wäre er ein Geist

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