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Kapitel 6: Die Entscheidung

作者: Viv Rex
last update 公開日: 2026-05-07 16:35:27

Am nächsten Morgen war die Stimmung im Dorf angespannt. Lily spürte es sofort, als sie aus dem Haus trat. Die Leute sprachen leise miteinander. Viele schauten sie an, einige mit Sorge, andere mit Misstrauen.

Jake war schon früh aufgestanden. Er stand mit mehreren starken Männern auf dem großen Platz und redete ernst mit ihnen. Als er Lily sah, unterbrach er das Gespräch und kam direkt zu ihr.

„Guten Morgen“, sagte er sanft. „Hast du ein bisschen schlafen können?“

„Nicht viel“, antwortete Lily ehrlich. „Ich habe die ganze Zeit an die drei Tage gedacht.“

Jake nickte. Er sah müde aus, aber seine blonden Haare und die goldenen Augen machten ihn trotzdem attraktiv. „Komm mit. Wir frühstücken zusammen, dann reden wir.“

Sie gingen zurück ins Haus. Jake machte wieder Kaffee und stellte Brot, Butter und Käse auf den Tisch. Während sie aßen, sprach er offen mit ihr.

„Die Ältesten haben die ganze Nacht beraten“, sagte er. „Einige wollen dich wegbringen, um das Rudel zu schützen. Andere sagen, ich soll dich als meine Gefährtin offiziell vorstellen. Dann würde das ganze Rudel dich beschützen.“

Lily legte ihr Brot hin. „Und was willst du?“

Jake schaute sie lange an. „Ich will dich nicht verlieren. Aber ich will dich auch nicht in Gefahr bringen. Das ist meine Schuld. Ich hätte dich in der ersten Nacht nicht so schnell mitnehmen sollen.“

Lily spürte ein warmes Gefühl in ihrer Brust. Jake war der Alpha, ein starker Anführer, aber bei ihr zeigte er eine andere Seite.

„Ich will nicht schuld sein, wenn jemand verletzt wird“, sagte sie leise.

Jake griff über den Tisch und nahm ihre Hand. Diesmal zog Lily sie nicht weg. Seine große warme Hand fühlte sich gut an.

„Du bist nicht schuld“, sagte er fest. „Der Bund hat uns ausgesucht. Das Blutmond-Rudel sucht schon lange einen Grund zum Angriff. Sie benutzen dich nur als Ausrede.“

In diesem Moment klopfte es wieder an der Tür. Viktor, der oberste Älteste, kam herein. Er sah sehr ernst aus.

„Jake, wir müssen reden. Jetzt.“

Jake stand auf. „Lily, bleib bitte im Haus. Ich bin gleich zurück.“

Aber Lily stand auch auf. „Nein. Ich will mitkommen. Es geht schließlich um mich.“

Viktor schaute sie überrascht an, nickte dann aber. „Gut. Mutig. Das gefällt mir.“

Sie gingen zusammen zum Versammlungshaus. Viele Mitglieder des Rudels waren schon dort. Der Raum war voll. Als Lily eintrat, wurde es still.

Viktor stellte sich vor alle. „Wir haben eine schwere Entscheidung zu treffen. Das Blutmond-Rudel droht mit Krieg, wenn wir die Menschenfrau nicht ausliefern. Was sollen wir tun?“

Einige Männer riefen sofort: „Wir kämpfen!“

Andere sagten: „Wir dürfen keinen Krieg riskieren wegen einer Fremden!“

Lily fühlte sich klein zwischen all den großen, starken Werwölfen. Jake stellte sich neben sie und legte eine Hand auf ihren Rücken. Diese kleine Berührung gab ihr Kraft.

„Ich werde Lily nicht ausliefern“, sagte Jake mit lauter, klarer Stimme. „Sie ist meine Gefährtin. Wer sie angreift, greift mich an.“

Viele nickten zustimmend. Aber ein älterer Mann stand auf. „Und was ist mit unseren Kindern? Mit unseren Familien? Wollen wir alles riskieren für eine menschliche Frau?“

Lily trat einen Schritt nach vorne. Alle Augen richteten sich auf sie. Ihr Herz klopfte wie verrückt, aber sie sprach trotzdem.

„Ich will keinen Krieg verursachen“, sagte sie mit fester Stimme. „Wenn es besser für das Rudel ist, dass ich gehe… dann gehe ich.“

Jake drehte sich schnell zu ihr um. „Lily, nein.“

Aber sie schaute ihn direkt an. „Ich will nicht, dass wegen mir jemand stirbt.“

Im Raum wurde es laut. Viele diskutierten wild. Viktor hob die Hand, damit alle ruhig wurden.

„Wir haben noch zwei Tage. Bis dahin beobachten wir die Grenzen genau. Lily bleibt unter Jakes Schutz. Und wir bereiten uns auf das Schlimmste vor.“

Die Versammlung endete. Die Leute gingen hinaus, um ihre Aufgaben zu erledigen. Jake führte Lily zurück zum Haus. Er war still.

Als sie drinnen waren, drehte er sich zu ihr um.

„Du wolltest wirklich gehen?“, fragte er. Seine Stimme klang verletzt.

Lily schaute zu Boden. „Ich wollte das Richtige tun.“

Jake kam näher. Er hob ihr Kinn sanft mit zwei Fingern, damit sie ihn anschaute.

„Das Richtige ist, dass du bei mir bleibst“, sagte er leise. „Der Bund ist kein Zufall, Lily. Ich fühle schon jetzt, dass du zu mir gehörst.“

Die Luft zwischen ihnen wurde wieder heiß. Jake war ihr so nah. Lily konnte seinen Duft riechen. Sie schaute auf seine Lippen.

Diesmal wartete Jake nicht auf eine Unterbrechung. Er beugte sich langsam vor und küsste sie.

Es war ein sanfter, vorsichtiger Kuss. Aber er löste ein Feuer in Lily aus. Sie schloss die Augen und erwiderte den Kuss. Jakes Hand legte sich auf ihren Rücken und zog sie näher. Der Kuss wurde tiefer, intensiver.

Als sie sich trennten, atmeten beide schwer.

„Wow“, flüsterte Lily.

Jake lächelte. „Ja… wow.“

In diesem Moment fühlten sie beide, wie stark der Bund wirklich war. Es war nicht nur Anziehung. Es war etwas Tieferes.

Der Rest des Tages verging ruhig. Jake zeigte Lily, wie man mit Pfeil und Bogen schießt. Lily war überraschend gut darin. Am Abend saßen sie zusammen auf der Veranda und schauten in den Himmel. Der Mond wurde jede Nacht voller.

„In drei Nächten ist Vollmond“, sagte Jake. „Dann wird der Bund noch stärker. Viele Gefährten können sich dann kaum noch voneinander trennen.“

Lily lehnte ihren Kopf an seine Schulter. „Ich habe immer noch Angst.“

„Ich weiß“, antwortete Jake und legte den Arm um sie. „Aber ich bin bei dir. Immer.“

Plötzlich hörten sie laute Geräusche aus dem Wald. Schreie. Knurren.

Jake sprang sofort auf. „Bleib hier!“

Er rannte los. Lily wartete nur kurz, dann folgte sie ihm. Sie konnte nicht einfach sitzen bleiben.

Am Waldrand sah sie mehrere Wölfe kämpfen. Jake hatte sich schon verwandelt. Sein großer blonder Wolf war wunderschön und furchterregend zugleich. Er kämpfte gegen zwei dunkle Wölfe.

Lily versteckte sich hinter einem Baum und schaute zu. Ihr Herz raste.

Jake war stärker. Er besiegte einen der Angreifer schnell. Der zweite Wolf floh in den Wald.

Als Jake sich zurückverwandelte, war er nur halb angezogen. Schweiß und ein paar kleine Wunden waren auf seiner Brust. Er sah wild aus.

Er entdeckte Lily sofort.

„Du solltest doch im Haus bleiben!“, sagte er streng, aber besorgt.

„Ich konnte nicht“, antwortete sie. „Ich hatte Angst um dich.“

Jake kam zu ihr und zog sie in seine Arme. Diesmal war der Kuss nicht sanft. Er war hungrig und leidenschaftlich. Lily klammerte sich an ihn.

Als sie sich trennten, schaute Jake sie mit leuchtenden Augen an.

„Die drei Tage haben begonnen, Lily. Und ich werde alles tun, um dich zu behalten.“

Lily nickte. Sie hatte ihre Entscheidung schon getroffen.

Sie würde nicht weglaufen.

Sie würde an Jakes Seite bleiben – egal was kommt.

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