เข้าสู่ระบบDer Morgen des Rituals dämmerte klar und eisig. Der Himmel über dem Ebereschenhain war von einem blassen, durchsichtigen Blau, und die Bäume standen reglos im Schnee, ihre weißen Blüten seltsam leuchtend in der winterlichen Landschaft. Es war, als hielte die Natur selbst den Atem an.Die vier jungen Wölfe standen an den vier Ecken des Hains, genau so, wie Viktor es auf der alten Karte eingezeichnet hatte. Aurora im Norden, wo der älteste Baum stand. Kael im Osten, wo die Quelle entsprang. Maya im Süden, wo die Wurzeln am tiefsten reichten. Darian im Westen, wo die Berge den Hain umschlossen.Um sie herum hatte sich das gesamte Dorf versammelt. Lily und Jake, Elara und Selene, Morwen und Viktor, Magnus und Seraphina, die eigens von der Küste angereist war. Sogar Valeria war gekommen, mit einer kleinen Delegation des Ordens. Die Halbwölfe standen am Rande des Hains, Kaelen an ihrer Spitze, seine gelben Augen wachsam.„Erinnert euch an die Worte", sagte Morwen, die in der Mitte des Hains
Die Nachricht von Auroras Vision verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Innerhalb weniger Stunden hatte sich die große Halle mit den Ältesten, Kriegern und Verbündeten gefüllt — alle wollten hören, was die Thronfolgerin in der Geisterebene gesehen hatte.Aurora stand in der Mitte des Raumes, flankiert von Kael, Maya und Darian. Ihre silbernen Augen leuchteten heller als sonst, als sie von den Luna Primes berichtete — von ihren Gesichtern, ihren Stimmen, den Worten, die sie ihr durch die Jahrtausende zugeraunt hatten.„Vereinigt die vier Gaben", wiederholte Lily nachdenklich. „Das silberne Licht, das goldene Feuer, die absorbierende Hand und den berggebundenen Geist. Das seid ihr vier."„Und die Worte", sagte Selene. „'Durch Erinnerung besiegen wir das Vergessen. Durch Liebe besiegen wir die Leere. Durch Einheit besiegen wir die Einsamkeit.' Das ist kein Zauberspruch. Das ist ein Schwur."„Ein Schwur, den wir gemeinsam ablegen müssen", sagte Aurora. „Nicht nur wir vier. Son
Sie erreichten Blackthorn Hollow am dritten Tag, erschöpft, aber triumphierend. Die Nachricht von Elaras Rettung hatte sich bereits verbreitet — Selene hatte sie durch die Geisterebene gespürt —, und das gesamte Rudel stand am Nordtor, als die Reiter durch den Schnee kamen. Blumen wurden geworfen, obwohl es Dezember war und die Blumen aus dem Wintergarten stammten, den Jake vor Jahren für Lily gebaut hatte.Elara, noch immer schwach, aber lächelnd, wurde von Lily und Selene in ihr Haus am Waldrand gebracht. Marga, die alte Heilerin, erwartete sie bereits mit einem Bett aus warmen Decken und einem Kessel voller Heilkräutertee.„Du hast uns einen schönen Schrecken eingejagt", sagte Selene und drückte Elaras Hand. „Das nächste Mal, wenn du beschließt, entführt zu werden, gib wenigstens Bescheid."„Ich werde es mir merken", sagte Elara schwach, aber sie lächelte.Lily blieb bei ihrer Mutter, bis diese einschlief. Dann ging sie hinaus in den Garten, wo die silbrigen Pflanzen, die Elara so
Der Ritt zurück nach Blackthorn Hollow war langsamer als der Hinweg. Elara war zu schwach, um allein zu reiten, also hatte Jake sie vor sich auf sein Pferd gesetzt und hielt sie mit einem Arm fest, während er mit dem anderen die Zügel führte. Sie schlief die meiste Zeit, erschöpft von der Tortur, die der Vergessene ihr angetan hatte. Aber ihre Augen waren silbern, nicht schwarz. Und das war alles, was zählte.Am Abend des ersten Tages schlugen sie ihr Lager in einer geschützten Schlucht auf. Während die anderen das Feuer entfachten und die Pferde versorgten, saß Lily bei ihrer Mutter. Elara war wach, aber schwach, den Rücken gegen einen Felsen gelehnt, eine dicke Decke um die Schultern gewickelt.„Ich habe von dir geträumt", sagte Elara leise. „In der Dunkelheit. Ich wusste nicht mehr, wer ich war, aber ich wusste, dass da jemand war, der mich liebte. Jemand, der nach mir suchte. Das hat mich am Leben gehalten."„Ich hätte dich nie aufgegeben, Mama. Niemals."Elara lächelte schwach. „
Lily erstarrte. Vor ihr stand ihre Mutter — und doch nicht ihre Mutter. Elaras Körper, Elaras Gesicht, Elaras silbernes Haar, das im fahlen Licht schimmerte. Aber die Augen waren schwarze Löcher, und die Stimme, die aus ihrem Mund kam, war nicht die sanfte, warme Stimme, die Lily ihr ganzes Leben gekannt hatte. Sie war kalt, hallend, als käme sie aus einem tiefen Brunnen.„Lass sie los", sagte Lily, und ihre eigene Stimme zitterte nicht. Sie klang ruhig, fast beiläufig, als würde sie über das Wetter sprechen. Aber Jake, der hinter ihr stand, sah, wie ihre Hände sich zu Fäusten ballten, so fest, dass die Knöchel weiß wurden.„Warum sollte ich?" Der Vergessene neigte Elaras Kopf in einem Winkel, der unnatürlich war, als ob die Knochen im Nacken falsch zusammengesetzt wären. „Sie hat mir so viel gegeben. Ihr Wissen. Ihre Erinnerungen. Ihre Angst, als sie merkte, dass sie dich vergisst. Diese Angst war... köstlich."Kael trat vor, goldenes Feuer loderte auf seinen Handflächen. „Lass sie l
Am vier ten Tag nach ihrer Rückkehr verschwand Elara.Es geschah nicht dramatisch. Kein Kampf, kein Schrei, keine schwarzen Wurzeln, die aus dem Boden brachen. Sie war einfach nicht mehr da.Lily fand das leere Bett, die unberührte Morgensuppe, das Buch, das aufgeschlagen auf dem Tisch lag — eine alte Chronik der ersten Silberwölfe, die Elara seit Wochen studierte. Die Kerze daneben war bis auf den Docht heruntergebrannt.„Sie hat die ganze Nacht gelesen", sagte Selene, als sie den Raum betrat. Ihre Stimme war ruhig, aber ihre Hände zitterten. „Ich habe ihr gesagt, sie solle schlafen. Aber sie wollte unbedingt eine bestimmte Passage finden."„Welche Passage?", fragte Lily.Selene deutete auf das aufgeschlagene Buch. Die Seite war fast leer, nur ein einzelner Satz stand in verblasster Tinte am unteren Rand:Der Vergessene nimmt nicht das Leben. Er nimmt den Namen. Und was keinen Namen hat, wurde nie geboren.Jake, der hinter Lily stand, runzelte die Stirn. „Was soll das bedeuten?"„Es
Lily versuchte erneut, ihren Arm aus Jakes Griff zu befreien. Seine Finger waren warm und stark, aber sie taten ihr nicht weh. Trotzdem hatte sie große Angst. „Lass mich los!“, sagte sie laut. „Ich will nach Hause!“ Jake schaute sie nur an. Seine goldenen Augen leuchteten im Mondlicht. Er antwor
Der Regen fiel gleichmäßig in Blackthorn Hollow. Er kam leise und grau vom Himmel und machte die alten Bäume dunkel und nass. Lily Morgan hielt das Lenkrad fest, während sie die schmale Straße hinauf fuhr. Sie war sechsundzwanzig Jahre alt und kehrte nach sechs langen Jahren in die Hütte ihrer Groß
Jake hielt Lily noch eine Weile in seinen Armen. Sie spürte seinen starken Herzschlag an ihrer Wange. Für einen Moment vergaß sie alles – die Angst, die Werwölfe, die Gefahr. Es fühlte sich einfach nur richtig an.Dann löste sie sich vorsichtig von ihm. Ihre Wangen waren rot.„Danke“, murmelte sie.
Lily wachte auf, weil Sonnenlicht durch das Fenster fiel. Für einen Moment wusste sie nicht, wo sie war. Dann kamen die Erinnerungen zurück. Der Wald. Jake. Die Werwölfe. Das Dorf.Sie setzte sich im Bett auf und schaute sich um. Das Zimmer war schön. Holzwände, weiche Decken und ein großer Kleider







