LOGINKapitel 2
Mein Gesicht wurde blass. Meine Sicht verschwamm bei dem Anblick vor mir. „Das kann nicht passieren“, sagte ich mit leiser, aber harter Stimme.
„Ich war es, Stephan. Ich habe dich gerettet“, sagte ich mit Tränen in den Augen. Ich konnte den Schleim spüren, der drohte, sowohl aus meiner Nase als auch aus meinem Mund zu laufen.
Er verzog das Gesicht. „Mach es nicht schwieriger, als es sein sollte, Selena. Was zum Teufel!“ schrie Stephan wütend, und ich konnte spüren, wie sich sein Wolf regte.
Stephan war etwas Besonderes. Anders als andere Wölfe hatte die Mondgöttin ihm die Macht verliehen, selbst zu entscheiden, wen auch immer er als seine Gefährtin wählen wollte.
Ich hatte mir immer gewünscht, dass ich es sein würde, doch wieder einmal nahm Olivere mir diesen Moment.
„Wenn du glaubst, ich würde vor dir auf die Knie fallen, nur weil du denkst, du hättest den Schlag für mich eingesteckt, dann machst du Witze“, sagte Stephan mit einem Grinsen, und mein Gesicht wurde blass.
Er wusste es.
Genau diesen Ausdruck hatte ich im Gesicht. Ihr hättet sehen sollen, wie mein Herz schneller schlug, wie es einen Schlag aussetzte. Die Hitze, die durch meinen Körper schoss. Ich ballte meine Hände vor Reue und Schmerz zu Fäusten. Wenn er doch nur wüsste, wie sehr ich ihn liebte und wie viel er mir bedeutete. Aber ich glaube, dieser Tag wird niemals kommen.
Für Stephan war Olivere die einzige Frau, die er sah. Und ich? Ich war nichts für ihn, egal wie sehr ich versuchte, von ihm wahrgenommen zu werden.
Und genau in diesem Moment geschah alles, wovor ich mich gefürchtet hatte.
Stephan ging auf ein Knie und öffnete langsam die Schachtel, die er in der Hand hielt.
„Olivere Silverton. Würdest du mir die Ehre erweisen und meine Luna werden?“
In diesem Augenblick blieb meine Welt stehen.
Diese Worte, nach denen ich mich so lange gesehnt hatte. Sie aus seinem Mund zu hören. Dieses eine Angebot, das mich im Rudel zu jemandem gemacht hätte. Es hätte mir alles bedeutet, wenn es von ihm gekommen wäre.
Doch diese Worte waren für sie bestimmt.
Für Olivere.
Ich hörte ihr leises Kichern, als sie das Wort sagte:
„Ja.“
Der Schmerz. Die Qual.
Es war zu viel für mich.
„Was hat sie denn erwartet?“
„Hat sie wirklich geglaubt, sie hätte gegen Olivere eine Chance?“
„Allein der Gedanke, dass sie Stephans Aufmerksamkeit wollte, ist lächerlich.“
„Die Tochter einer Dienerin mit dem Sohn des Alphas ausgehen? Wie lächerlich.“
„Ich würde sogar eine Hündin ihr vorziehen!“
Diese Worte schnitten tief in mein Herz. Und in genau diesem Moment streute Stephan noch Salz in meine Wunde.
Er nahm Oliveres Gesicht in seine Hände und küsste sie.
Als ich das sah, drehte ich mich langsam um. Tränen liefen nun unaufhaltsam über meine Wangen. Verletzt ging ich davon.
Während ich wegging, sprach ich nur ein einziges Gebet zur Mondgöttin.
LASS STEPHAN WÄHREND DER GEFÄHRTENBINDUNG MEINER WERDEN!
[ DIE GEFÄHRTENZEREMONIE ]
Die Nachtluft war erfüllt von Anspannung. Der Vollmond hing am Himmel und tauchte die heilige Lichtung, auf der die Gefährtenzeremonie stattfinden sollte, in silbernes Licht. Wölfe aus allen Teilen des Rudels hatten sich versammelt, ihr Gemurmel erfüllte die Luft wie eine heranrollende Flut.
Ich stand am Rand der Lichtung, die Hände zu Fäusten geballt. Mein Blick fiel auf meine Mutter, die vorne stand und den Kelch trug, der als Symbol diente, um das Schicksal von Olivere und Stephan zu besiegeln.
Ich sah Stephans Vater an und wie stolz er war. Ich war mir sicher, dass Stephan genau das getan hatte, was sein Vater von ihm erwartet hatte. Doch das war nicht das, was ich wollte. Auch wenn das keine Rolle spielte.
Mein Herz schlug so heftig, dass ich fürchtete, es würde aus meiner Brust springen. Heute Nacht würde die Mondgöttin die Gefährtenbande besiegeln, und ich klammerte mich an den letzten Funken Hoffnung, der mir geblieben war.
Stephan stand in der Mitte. Seine Haltung war stolz, seine dunklen Augen voller Vorfreude, während er auf Olivere wartete. Er sah sie an, als wäre sie das Einzige auf der Welt, das für ihn zählte.
Ich schluckte gegen die Übelkeit an, die in meiner Kehle aufstieg. Der Schmerz war unerträglich, doch ich weigerte mich zusammenzubrechen.
Nicht hier.
Nicht vor ihnen.
Olivere trat nach vorne. Ihr silbernes Kleid floss wie flüssiges Mondlicht um ihren Körper. Sie war strahlend. Makellos.
Die perfekte Luna.
„Tretet vor“, befahl der Älteste mit einer uralten, machtvollen Stimme. „Lasst die Mondgöttin eure Schicksale miteinander verweben.“
Stephan griff nach Oliveres Hand, während ein sanftes Lächeln seine Lippen umspielte.
Meine Fingernägel bohrten sich tief in meine Handflächen.
Das war es.
Meine letzte Chance.
Ich schloss fest die Augen.
Bitte, Mondgöttin.
Erhöre mein Gebet.
Lass ihn mein sein.
Lass das Band mich wählen.
Plötzlich fegte ein starker Wind über die Lichtung. Eine seltsame Energie knisterte in der Luft und jagte mir einen Schauer über den Rücken. Erschrockene Rufe gingen durch die Menge, als der Älteste ins Stocken geriet und seine Augen sich vor Schock weiteten.
Etwas stimmte nicht.
Ein stechender Schmerz riss durch meine Brust und zwang mir ein Keuchen über die Lippen. Er brannte und versengte jede einzelne Faser meines Körpers.
Stephan taumelte zurück und griff sich an die Brust. Sein Gesicht verzerrte sich vor Schmerz, während ihm ein ersticktes Keuchen entwich. Er hatte geglaubt, er hätte die Freiheit, selbst zu wählen, wer seine Gefährtin sein sollte.
„Was passiert da?“
„Ich dachte, Stephan wäre anders?“
„Ich dachte, er hätte die Freiheit, selbst zu entscheiden, wer seine Gefährtin ist?“
Gemurmel erfüllte die Luft, während alle gespannt darauf warteten, was als Nächstes geschehen würde.
Olivere drehte sich voller Panik zu ihm um.
„Stephan?“
Sein Atem wurde schwer, seine Augen waren voller Verwirrung.
Dann hoben sich dieselben Augen langsam…
…und richteten sich auf mich.
Eine unheimliche Stille legte sich über die Lichtung.
Langsam, wie ein schrecklicher Sonnenaufgang, wurde allen die Wahrheit bewusst.
Das Band…
…hatte mich gewählt.
Stephans Lippen öffneten sich. Auf seinem Gesicht lagen Unglaube und blanke Wut.
„Nein“, presste er hervor. „Nein… das ist unmöglich.“
Olivere wirbelte zu mir herum, ihr Gesicht vor Zorn verzerrt.
„Was hast du getan?!“
Ich machte mit zitternden Beinen einen Schritt nach vorn.
Mein Herz hämmerte gegen meine Brust.
Die Mondgöttin hatte mein Gebet erhört.
Stephan war mein.
Doch nach dem mörderischen Blick zu urteilen, den er mir zuwarf, würde er lieber sterben, als mich als seine Gefährtin zu akzeptieren.
Der Schlaf kam in dieser Nacht nicht leicht.Ich lag wach im Bett, meine Gedanken schweiften hin und her. Ich starrte an die Decke, während sich die Gedanken in meinem Kopf gegenseitig jagten.Jedes Mal, wenn ich meine Augen schloss, erschien Alpha Jacquets Gesicht—verletzt, sein Stolz vor seinem Rudel verwundet.Dann folgte Lucians Gesicht, angespannt und wachsam, wie ein Mann, der sich bereits auf einen Krieg vorbereitet.In Wahrheit war Lucian immer auf der Hut.Das Rudelhaus war still, aber ich konnte es spüren. Die Anspannung. Ich wusste, morgen würde kein lächelnder Tag zwischen Alpha Jacquet und mir werden.Ich drehte mich auf die Seite und sah Lucian an. Er schlief auch nicht. Seine Augen waren geöffnet, auf die Wand gerichtet.„Du bist noch wach“, flüsterte ich.„Du auch“, antwortete er leise.Wir schwiegen beide. Wir hatten beide heute Nacht einen Fehler gemacht. Der Gedanke daran, wie wir es reparieren würden, war im Moment das Einzige, was mir durch den Kopf ging.„Es tut
Hier ist die deutsche Übersetzung, treu am Original:Ich bin noch nie in meinem ganzen Leben zurückgewiesen worden. Selena hat mich nicht nur vor dem gesamten Rudel zurückgewiesen, sie hat meine Gefühle auch noch zum Gespött gemacht.„Hat sie nicht die ganze Zeit dasselbe empfunden?“, sagte ich wütend und lief auf und ab.Mara hob langsam die Augenbrauen, um meinem Blick zu begegnen. Ich konnte spüren, dass sie hinter diesen smaragdgrünen Augen etwas verbarg.„Wenn du etwas weißt, dann ist jetzt der beste Zeitpunkt, es auszuspucken.“, sagte ich mit scharfem Blick.„Du liebst sie wirklich, nicht wahr?“, sagte sie und erhob sich langsam. „Ich habe dich noch nie wegen irgendetwas so sehr aus der Fassung gebracht gesehen.“„Natürlich liebe ich sie. Seit sie diesen Rudel betreten hat, wusste ich immer, dass sie die Richtige ist, aber es scheint, als würde sie etwas zurückhalten.“„Oder jemand.“, entgegnete Mara sofort.„Was soll ich tun? Ich liebe sie, Mara.“, sagte ich und trat näher an m
Die nächsten drei Tage vergingen gleichzeitig zu langsam und zu schnell.Zu langsam, weil sich jede Stunde schwer anfühlte, erfüllt von Warten und Nachdenken.Zu schnell, weil der Tag der Feier kam, bevor ich es wusste.Das Ravenclaw-Rudel war auf eine Art lebendig, wie ich es seit unserer Ankunft nicht mehr gesehen hatte.Das gesamte Gelände war beschäftigt.Frauen liefen mit Körben voller Essen umher. Krieger standen in ordentlichen Reihen Wache.Junge Wölfe lachten, während sie das offene Gelände mit Laternen und bunten Stoffen schmückten.Es war wunderschön. Ein Teil von mir hatte Angst. Eine Feier bedeutete, dass Wölfe aus anderen Clans kommen würden.Aber eines war sicher, Alpha Stephans Clan, der Clan meines Vaters, würde nicht kommen.Elder Vincent und Stephan hatten es geschafft, Ravenclaw zu einem Feind zu machen.Eine Sache, die ich unbedingt klären wollte, sobald ich meinen Platz auf dem Thron einnahm.Ich stand in unserem Zimmer und zog die Riemen meiner ärmellosen Jacke
„Sie mag mich.“ Die Worte kamen aus meinem Mund. Ich stotterte ein wenig und versuchte, Siennas Reaktion einzuschätzen.Sie sah nur weg und sagte nichts.Ich wusste, dass sie die Tatsache hasste, dass eine andere Frau mich mochte. Ich erinnerte mich daran, auch Juliet geküsst zu haben, aber das war, weil ich sie beschützen wollte.Hier im Ravenclaw-Rudel brauchte sie niemanden, der sie beschützte.„Die Alphas mögen mich. Ich kann die Emotionen lesen“, sagte Sienna ruhig.Ich stieß einen langen Seufzer aus.„Was sollen wir tun?“, sagte ich und hob leicht die Augenbrauen. „Sie denken, wir sind Geschwister.“„Ich weiß es nicht, Lucian. Ich habe das nur gesagt, weil ich Angst hatte, dass die Männer versuchen könnten, dir etwas anzutun, wenn sie wüssten, dass wir Gefährten sind“, antwortete Sienna.„Ich brauche die Armee dieses Rudels. Sie können mir helfen, meinen Thron zurückzuerobern“, sagte ich und sah sie wieder an.Stattdessen zog sie ihre Augenbrauen zusammen. „Ist das wirklich alle
Das Ravenclaw-Rudel war nicht nur freundlich, sondern schien auch alles zu haben, was ich wollte. Sie waren stark und zuverlässig.Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass sie starke Männer hatten, die furchteinflößend und geschickt im Kampf waren.Aber ich trainiere gerne allein, seit es mir besser geht. Meine Wunden waren gut verheilt, und ich musste mir keine Sorgen machen, dass jemand herausfinden könnte, wer ich wirklich war.Alles dank Sienna, die den Alpha angelogen und ihm gesagt hatte, ich sei ihr Bruder. Ich konnte sehen, wie er sie jedes Mal ansah, wenn wir gerufen wurden.Ich wurde von Tag zu Tag wütender, aber dann wusste ich, dass sie mir gehörte. Sienna liebte mich, und sie machte es dem Alpha viel zu offensichtlich.Aber es störte mich nicht. Wir könnten das Rudel verlassen, wenn er uns nicht mehr hier haben wollte. Das war mein Gedanke, bis seine Schwester begann, ein wenig Interesse an mir zu zeigen.Ich hatte jedes Mal versucht, ihr aus dem Weg zu gehen, aber sie li
Das Rudel war freundlich. Alles fühlte sich wie ein Traum an, aus dem ich Angst hatte aufzuwachen. Niemand befahl mir etwas oder versuchte, in mein Höschen zu kommen.Ich war frei.Frei, meine eigenen Entscheidungen zu treffen, frei herumzulaufen, ohne dass mir gesagt wurde, was ich tun und was ich nicht tun durfte.Wir bekamen eine kleine Hütte nicht weit vom Rudelhaus entfernt. Sie war nicht groß, aber warm und sauber.Ronan sagte, sie habe einst einem gefallenen Krieger gehört. Ich stellte keine Fragen. Ich war einfach dankbar, dass wir nicht in einer Zelle eingesperrt wurden.Sie war ziemlich geräumig. Mir gefiel sie.Lucian wurde hineingetragen und auf das Bett gelegt. Kurz darauf kam ein Heiler.Sie war eine ältere Frau mit freundlichen Augen und grauem Haar, das ordentlich zurückgebunden war. Sie sagte, ihr Name sei Eugene. Sie untersuchte Lucian sorgfältig und drückte ihre Finger gegen seine Brust, sein Handgelenk und seinen Hals.Ich hatte Angst, dass sie sein Blut sehen würd







