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5

Author: Oluyemz
last update publish date: 2026-07-02 17:31:01

Kapitel 5

 Ich drehte mich um und bekam Angst.

 „Wer bist du?“, fragte ich nervös. Dieser fremde Mann hatte nicht nur meinen Wolf wieder erweckt, sondern war auch mein Gefährte.

 Wie konnte das überhaupt möglich sein?

 Doch der Ausdruck auf seinem Gesicht sagte etwas anderes.

 Er sah nicht so aus, als hätten wir Zeit für ein Gespräch.

 „Warum bist du hier?“, fragte er und sah mich an. „Hast du nicht gehört, dass niemand den Palast betreten darf?“, flüsterte er.

 „Warum?“, fragte ich und wunderte mich, weshalb er mich festhielt und daran hinderte, den Palast zu betreten.

 „Weil der Alpha tot ist“, sagte der Wächter und sah mich an.

 Mein Gesicht wurde blass.

 „Tot? Du meinst... wirklich tot?“, fragte ich und hielt mir die Hand vor den Mund. „Warum ist sie dann noch im Palast?“, murmelte ich.

 „Wer?“, fragte der Wächter.

 „Paulina“, antwortete ich sofort.

 Meine Mutter war im Rudel sehr bekannt. Sie war ein unbeschwerter Mensch und half außerdem gern den Armen.

 „Und du bist?“, fragte der Wächter.

 „Ich bin Selena“, antwortete ich.

 „Oh... du bist das Mädchen, das...“

 Er brach ab und sah mich an.

 „Wie auch immer. Ich tue das, weil deine Mutter gut zu mir war. Und nicht nur zu mir, sondern zu den Menschen.“

 „Moment mal. Was meinst du damit? Warum erzählst du mir das?“, fragte ich und sah den fremden Wächter an, der zufällig mein Gefährte war.

 „Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber Paulina gilt als die Schuldige am Tod des Alphas. Sie wurde gefangen genommen und wird in diesem Moment verhört.“

 Mir wurde übel.

 Panik überkam mich.

 Das Einzige, woran ich denken konnte, war, sie zu retten.

 „Meine Mutter ist unschuldig. Sie kann den Alpha nicht getötet haben“, sagte ich unter Tränen.

 „Ich weiß. Genau deshalb werde ich dir helfen, das Rudel heute Nacht zu verlassen. Aber du musst so weit wie möglich von hier weg. Ist das klar?“, sagte der Wächter und sah mich ernst an.

 Ich nickte.

 „Komm mit.“

 Der Wächter griff nach meiner Hand und führte mich durch das Hintertor.

 Ich folgte ihm ohne zu zögern. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen. Im Palast herrschte Chaos, und doch war die Nacht unheimlich still, als würde die Welt selbst den Atem anhalten. Der Griff des Wächters um mein Handgelenk war fest, aber nicht grob. Seine Wärme drang durch meine Haut.

 Mein Wolf regte sich erneut.

 Verwirrt.

 Und doch fühlte sie sich zu ihm hingezogen.

 Aber ich hatte keine Zeit, über das Gefährtenband nachzudenken.

 Meine Mutter war in Gefahr.

 Wir bewegten uns schnell durch die hinteren Gänge des Palastes und schlüpften an den Wachen vorbei, die an jeder Ecke postiert waren. Er wusste genau, wohin er treten musste und wo wir uns verstecken konnten.

 Er kannte den Palast in- und auswendig.

 Doch ich wusste immer noch nicht, wer er war.

 „Wer bist du?“, flüsterte ich, als wir uns hinter einem Stapel Kisten versteckten.

 Er sah mich an. Seine silbernen Augen glänzten im Mondlicht.

 „Ein Freund.“

 Eine frustrierende Antwort.

 Doch ich drängte nicht weiter.

 Am Ende des Ganges ragte eine schwere Eisentür vor uns auf.

 Mein Puls beschleunigte sich.

 Sie war hier.

 Meine Mutter.

 Der Wächter steckte einen Schlüssel ins Schloss, und die Tür öffnete sich knarrend gerade weit genug, damit wir hindurchschlüpfen konnten.

 Der Raum war nur schwach beleuchtet.

 Eine einzelne Fackel flackerte an der Steinwand.

 Und dort...

 In der Mitte des Raumes...

 An die Wand gekettet...

 ...war meine Mutter.

 „Mutter!“

 Ich stürzte zu ihr und fiel neben ihr auf die Knie.

 Ihr Gesicht war voller Blutergüsse.

 Ihre Lippe war aufgeplatzt.

 Doch in ihren Augen brannte noch immer dasselbe Feuer wie immer.

 „Selena“, hauchte sie erleichtert, während ihre Handgelenke gegen die Ketten zogen. „Was machst du hier? Du hättest nicht herkommen dürfen!“

 „Ich bin gekommen, um dich zu retten.“

 Meine Hände zitterten, als ich versuchte, die Fesseln zu öffnen.

 Doch sie waren aus Silber.

 Mit Wolfsbann versetzt.

 „Ich... ich verstehe das nicht. Warum beschuldigen sie ausgerechnet dich?“

 Sie zögerte.

 Sie warf dem Wächter einen kurzen Blick zu und sah dann wieder mich an.

 „Weil ich die Wahrheit kenne.“

 „Welche Wahrheit?“

 Ihr Blick wurde hart.

 „Olivere und Juliet haben das geplant. Sie haben den Alpha getötet.“

 Mir stockte der Atem.

 „Was?“

 „Ich habe sie reden hören“, flüsterte sie hastig. „Juliet hat den Alpha verführt, sein Vertrauen gewonnen und ihn anschließend vergiftet. Olivere steckt mit ihr unter einer Decke. Er will den Thron an sich reißen und Stephan zu seiner Marionette machen.“

 Meine Hände ballten sich zu Fäusten.

 Stephan.

 Mein Gefährte.

 Mein Verräter.

 War er ein Teil davon?

 Wusste er überhaupt etwas davon?

 „Du musst gehen“, drängte meine Mutter. „Jetzt. Bevor sie dich hier finden.“

 „Nein! Ich lasse dich nicht hier!“

 Meine Worte erstickten in einem Schluchzen, während ich ihre Arme fest umklammerte.

 „Ich kann nicht...“

 „Selena.“

 Sie nahm mein Gesicht in ihre Hände.

 Ihre Berührung war zugleich entschlossen und sanft.

 „Hör mir zu. Du musst überleben. Du musst dieses Rudel verlassen. Wenn du bleibst, werden sie dich töten.“

 Tränen liefen über mein Gesicht.

 „Aber... ich weiß nicht, wohin ich gehen soll.“

 Sie sah den Wächter an.

 „Bring sie weit weg von hier. Versprich es mir.“

 Er zögerte.

 Sein Kiefer spannte sich an.

 Dann nickte er.

 „Ich schwöre es.“

 Das Geräusch schwerer Stiefel, die den Gang entlangliefen, löste eine neue Welle der Panik in mir aus.

 „Sie kommen“, murmelte der Wächter.

 Er griff nach meiner Hand.

 „Wir müssen jetzt gehen.“

 „Nein!“

 Ich klammerte mich an meine Mutter.

 „Ich kann dich nicht hier zurücklassen!“

 „Du musst.“

 Ihre Augen waren voller Entschlossenheit.

 „Für mich.“

 Mit einem lauten Knall flog die Tür auf.

 Eine Gruppe Wachen stürmte mit gezogenen Waffen herein.

 Meine Mutter stieß mich nach hinten.

 „Lauf!“

 Das Letzte, was ich sah, war ihr trotziges Lächeln, bevor der Wächter mich mit sich riss und durch einen verborgenen Gang zog...

 ...während meine Welt hinter mir in tausend Stücke zerbrach.

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