Der Wolf, der sie wurde

Der Wolf, der sie wurde

last updateTerakhir Diperbarui : 2026-05-28
Oleh:  DestinyBaru saja diperbarui
Bahasa: Deutsch
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Sera hat ihr ganzes Leben als Außenseiterin verbracht. Halb Mensch, halb Wolf, ist sie in den Augen jedes Rudels der Fünf Territorien eine Abscheulichkeit. Ihre Werwolfmutter wurde hingerichtet, weil sie sich mit einem Menschen gepaart hatte. Ihr Vater wurde kaltblütig ermordet, um die Wahrheit zu vertuschen. Alles, was Sera geblieben ist, ist Wut und die unvollständige Verwandlung, die sie als zerbrochen kennzeichnet. Sie hätte nie existieren sollen. Sie hätte nie überleben sollen. Sie hätte nie ihm gehören sollen. Dann holen die Wölfe auch sie. Der Souveräne Alpha – Kael Voss, der gefürchtetste Wolfskönig seit einem Jahrhundert – tötet sie nicht. Er beansprucht sie für sich. Eine erzwungene Gefährtenbindung, die sie an den Thron fesselt und sie unter seiner Kontrolle hält. Er sagt, es sei Politik. Sie weiß, es ist ein Käfig. Doch der Käfig hat Risse. Am Hof des Souveräns entdeckt Sera, dass die Rudel von innen heraus verrotten. Bündnisse, geschmiedet mit Blut. Älteste, die ihre eigenen Wölfe für Macht verkaufen. Eine Rebellion, die im Verborgenen brodelt. Und ein Geheimnis über die Blutlinie ihrer Mutter, das die Hierarchie, die die Werwolfgesellschaft seit tausend Jahren beherrscht, erschüttern könnte. Kael glaubt, er könne sie kontrollieren. Er irrt sich. Sera ist nicht hier, um sich vereinnahmen zu lassen. Sie ist hier, um alles zu zerstören. Doch je näher sie ihrer Rache kommt, desto näher kommt sie ihm. Und der Wolf in ihr – der, der niemals hätte existieren sollen – muss sich entscheiden. Wird sie den König vernichten, der sie gefangen hielt? Oder die Königin werden, mit der niemand gerechnet hat?

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Bab 1

Unter den Dielen

„Wo ist das Mädchen, Valdis?“ Die Stimme kam direkt über ihr, getrennt von Sera durch drei Zoll Kieferndielen und ein Leben voller Verstecke. Sie presste ihre Wange fester gegen den Lehmboden des Kriechkellers, schmeckte Kupfer, wo sie sich in die Lippe gebissen hatte, und hielt den Atem an, bis ihre Lungen brannten.

„Sie ist weg.“ Die Stimme ihres Vaters war ruhig. So ruhig, wie er immer war, wenn er ihr beibrachte, ein Reh auszuweiden – geduldig, methodisch, als wären die drei Männer, die seine Haustür eingetreten hatten, nichts weiter als eine schwierige Lektion. „Sie ist vor zwei Wochen gegangen. Ich weiß nicht, wohin sie gegangen ist.“ Ein Stiefel krachte gegen Holz. Etwas zerbrach – der Tonkrug, den Sera ihm zum Geburtstag gemacht hatte, der mit dem schiefen Henkel, den er so charmant fand. Sie zuckte zusammen, gab aber keinen Laut von sich.

„Du lügst.“ Eine andere Stimme. Höher. Der Akzent trug die abgehackten Vokale des alten Ironmaw-Dialekts in sich, jener Sprache, die in den inneren Territorien des Rudels gesprochen wurde, wo Menschen unerwünscht und Halbblüter nicht geduldet wurden. „Wir können sie riechen, Valdis. Der Gestank der Halbblüter hängt in der ganzen Hütte.“

„Sie lebte hier“, sagte Marin. Immer noch ruhig. Immer noch geduldig. Sera hörte das Lächeln in seiner Stimme – das traurige, resignierte Lächeln eines Mannes, der diesen Besuch seit neunzehn Jahren erwartet hatte. „Natürlich riecht es nach ihr. Sie ist meine Tochter.“

Eine dritte Stimme. Leiser als die anderen. Kälter. „Die Knochenmutter will Bestätigung. Beide Verdächtigen sind ausgeschlossen. Wir können das schnell erledigen, Professor, oder wir können es anders machen. Sie haben die Wahl.“

Beide Verdächtigen. Die Worte drangen in Seras Konzentration ein und bohrten sich wie Splitter unter ihre Rippen. Beide Verdächtigen. Sie waren nicht nur wegen des Tagebuchs hier, wegen der Aufzeichnungen, die ihr Vater zwei Jahrzehnte lang zusammengetragen hatte. Sie waren wegen ihr hier. Sie waren schon immer hinter ihr her gewesen.

Sie presste die Faust gegen den Mund und biss sich auf die Knöchel. Über ihr hörte sie, wie der Stuhl ihres Vaters über den Boden kratzte, als er aufstand. Sie stellte sich vor, wie er seine Brille zurechtrückte – die Geste, die er machte, wenn er etwas sagen wollte, worüber er schon lange nachgedacht hatte.

„Meine Tochter ist kein Subjekt“, sagte Marin. „Sie ist ein Mädchen. Sie mag Zimt im Kaffee, sie liest zu schnell, sie hat den Kiefer ihrer Mutter und das Temperament ihrer Großmutter. Sie ist kein Eintrag in eurer Akte.“

Die dritte Stimme – die kalte – gab ein Geräusch von sich, das kein richtiges Lachen war. „Sentimentalität. Von einem Mann, der sich mit einem Tier gepaart hat.“

Das Knacken der Knöchel auf dem Knochen war so laut, dass Sera zusammenzuckte. Ihr Vater hatte jemanden geschlagen. Marin Valdis, ehemaliger Universitätsprofessor, Wildblumensammler, der Mann, der sich bei Spinnen entschuldigte, bevor er sie nach draußen brachte – er hatte gerade einem Vollstrecker der Ironmaw ins Gesicht geschlagen. Die Stille, die folgte, war das Lauteste, was Sera je gehört hatte.

Dann begannen die Schläge.

Sie zählte die Schläge, denn das gab ihr etwas zu tun, außer zu schreien. Vierzehn. Vierzehn Treffer – Faust gegen Fleisch, Stiefel gegen Rippen, etwas Härteres gegen etwas, das mit einem nassen, schrecklichen Knacken zerbrach, das sie ihr Leben lang in ihren Albträumen hören würde.

Ihr Vater bettelte nicht. Er verriet ihren Aufenthaltsort nicht. Zwischen dem vierten und fünften Schlag stieß er etwas hervor, das wie ein Gebet klang, aber es war keins – es war ein Satz in der Alten Zunge, der Wolfssprache, die Sera nie gelernt hatte, gesprochen mit dem Akzent eines Menschen, der sie so studiert hatte wie andere Männer Poesie. Für sie. Alles für sie.

Die Vollstrecker verstanden die Worte nicht. Sera auch nicht. Aber sie spürte, wie sie in ihr Blut drangen wie Steine in stilles Wasser, sich in einem Erbe ausbreiteten, das sie kaum verstand, etwas Tiefes und Schlummerndes in ihr berührten, das sich bei dem Klang regte und dann wieder verstummte.

Der neunte Schlag brachte ihn zum Schweigen. Sera biss sich die Lippe durch. Blut füllte ihren Mund, warm, salzig und widerlich. Sie schluckte es hinunter, denn Spucken würde ein Geräusch verursachen, und Geräusche würden sie dazu bringen, nach unten zu schauen, und nach unten zu schauen hieße, den Eingang zum Kriechkeller hinter dem Holzofen zu finden, und den Eingang zu finden hieße, sie zu finden, und sie zu finden hieße –

Bleib versteckt. Egal was passiert. Versprich es mir, Sera. Versprich mir, dass du versteckt bleibst.

Sie hatte es versprochen. Vor drei Wochen, als Marin sie um zwei Uhr morgens mit zitternden Händen und einem Gesicht so rot wie altes Papier weckte, als er ihr den Kriechkeller zeigte, den er monatelang heimlich und nächtlich unter der Hütte gegraben hatte, als er sie üben ließ, sich in die enge Spalte zu zwängen, bis sie es in weniger als zehn Sekunden schaffte. Sie hatte es versprochen, weil ihr Vater sie darum gebeten hatte, und ihr Vater hatte sie nie um etwas gebeten.

Der vierzehnte Schlag war der letzte. Sie hörte den Mord selbst nicht – nur das Geräusch danach. Die besondere, unverkennbare Stille eines Raumes, der einen Körper statt eines Menschen enthielt. Die Luft veränderte sich. Das Gewicht der Hütte verlagerte sich. Etwas, das einst gelebt hatte, war nun ein Ding, und die Hütte wusste es, wie Häuser es immer wissen.

Über ihr bewegten sich Stiefel über die Dielen. Suchend. Schubladen öffneten sich. Möbel fielen um. Das Geräusch von zerreißendem Papier – die Bücher ihres Vaters, seine jahrzehntelange Forschung, das Leben, das er aus den Trümmern des Verlustes seiner Geliebten aufgebaut hatte. Sie rissen es auf, wie Hunde Müll durchwühlen, achtlos, verächtlich, mit der typischen Respektlosigkeit von Menschen, die nie etwas aufgebaut haben und daher die Wucht der Zerstörung nicht begreifen.

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