ANMELDEN
Eileen.
„Herzlichen Glückwunsch an Mr. und Mrs. Reinhardt.“
Die Worte echoten durch den kristallbestrahlten Ballsaal, und für einen zerbrechlichen Moment vergaß ich, wie grausam das Leben immer zu mir gewesen war.
Mrs. Reinhardt.
Meine Finger klammerten sich fester um den Stiel meines Champagnerglases, während ich langsam den Kopf hob, um ihm in die Augen zu sehen.
Er stand direkt vor mir, sein Blick schweifte über die Menge, ein neutraler Ausdruck lag auf seinem Gesicht.
Er hatte gerade unsere Heiratsurkunde unterschrieben.
Ich konnte nicht verhindern, dass sich meine Lippen zu einem leichten Lächeln verzogen; vielleicht war es wirklich das Beste, vielleicht war dies meine Flucht vor all dem Leid und eine Chance für meine Mutter, wieder zu leben.
Ich war noch ganz in diesem Moment, noch ganz dabei, mein Schicksal als getarnten Segen zu akzeptieren, als die Flügeltüren des Ballsaals mit einem dröhnenden Knall aufgerissen wurden.
Jeder Kopf im Saal wandte sich dem Eingang zu, auch meiner.
Ein junges Mädchen, etwa in meinem Alter, rannte in den Saal; sie atmete schwer, als hätte sie gekämpft, unmittelbar gefolgt von zwei Wachmännern.
Sie zog alle Aufmerksamkeit auf sich, auch meine, während ich die Augen zusammenkniff und versuchte mich zu erinnern, wo ich sie schon einmal gesehen hatte.
„Ich trage dein Kind unter meinem Herzen!“, schrie sie, kurz bevor die Wachen sie erreichen konnten.
Stille legte sich über den Saal, als ich sah, wie er sich langsam von seinem Platz erhob.
Ich warf ihm einen Seitenblick zu – sein Ausdruck, seine Haltung, sein Blick, alles war auf sie fixiert.
„Was?“, murmelte er, fast zu sich selbst, doch der Saal war zu still, als dass es jemand hätte überhören können.
„Ja! Ja, Lukas, ich trage dein Kind“, wiederholte sie, als die Wachen sie plötzlich von hinten packten.
„Wagt es ja nicht!“, donnerte er, woraufhin sie sofort von ihr abließen.
Ich stand still, reglos, meine Augen wie festgefroren auf ihn gerichtet, während mein Herz nicht wusste, was als Nächstes zu erwarten war.
Dann trat einer der Trauzeugen, wie ich glaubte, auf ihn zu und flüsterte ihm unhörbare Worte ins Ohr.
„Nein!“, kam seine Stimme laut und deutlich, „diese Hochzeit ist abgesagt!“
Das Champagnerglas entglitt meinen Händen und zersplitterte auf dem Boden.
Und zum ersten Mal, seit sie hereingekommen war, sah er mich an. „Es tut mir leid, Eileen“, flüsterte er und ging an mir vorbei.
Ich vergaß zu atmen.
Ich konnte mich nicht bewegen, konnte nicht blinzeln.
Ich konnte nicht einmal den Boden unter meinen Füßen spüren.
Alles, was ich tun konnte, war zuzusehen, wie Lukas von meiner Seite wich und den Raum durchquerte, direkt auf sie zu.
Meine Hand zitterte und sandte feine Wellen durch meine Adern.
Dennoch stand ich da wie eine Statue, festgewurzelt, während mein Herz in der Stille zerbrach.
Das Murmeln im Raum wurde immer lauter.
Jemand musste zu der Menge sprechen, und ich sah zu, wie er eines der Mikrofone nahm.
Mein Herz hämmerte, als wolle es aus meiner Brust reißen, während Tränen in meinen Augen aufstiegen.
„Meine Damen und Herren, ich entschuldige mich für diese unerwartete Unterbrechung.“
Sein Blick schweifte über den stillen Raum, bevor er kurz auf mir ruhen blieb.
„Aufgrund unvorhergesehener Umstände wird diese Hochzeitsfeier hier enden.“
Er legte einen Arm um ihre Taille, seine Hand ruhte schützend auf der Wölbung ihres Bauches.
„Sie trägt mein Kind“, sagte er, während ein Raunen durch die Menge ging, „die Ehe, die Sie gerade miterlebt haben, ist beendet, und die Scheidung wird beiden Parteien zugestellt“, fügte er hinzu, diesmal sah er mich direkt an.
Ich stand einfach nur da.
Keine Worte, keine Regung, keine Emotionen. Und als ob ich nicht existierte, ging er hinaus – er ging mit ihr hinaus.
Und einer nach dem anderen begann seine Familie zu gehen, gefolgt von den Gästen.
Kein Wort von ihnen. Und jene, die ich Familie nannte, die mich nie als eine der ihren akzeptiert hatten, verhielten sich nicht anders.
Mein Vater starrte mir in die Augen. „Du warst schon immer zu nichts nütze“, sagte er mir direkt ins Gesicht, Hass in Tonfall und Blick.
Das war alles, was er sagte, bevor er mich stehen ließ, gefolgt von seiner Lieblingstochter Sophia.
Meine Beine begannen zu zittern, unfähig, mein Gewicht länger zu tragen, und ich sank auf die Knie, wobei ich mir die Haut auf dem harten Boden aufschürfte.
Die Scherben des zerbrochenen Glases bohrten sich in mein Fleisch.
Ein lauter Schrei entwich meinen Lippen, während heiße Tränen aus meinen Augen rollten.
Ein Klopfen ertönte an meiner Bürotür und riss mich von meinem Handy los. Ich hob den Blick und sah zur Tür.„Guten Tag, Sir“, begrüßte Nelly mich, während sie auf mich zukam. „Hier sind die Berichte für diese Woche. Wir brauchen nur noch Ihre Unterschrift“, sagte sie und versuchte, ihre Fassung zu bewahren.Ohne ihr zu antworten, wandte ich meinen Blick wieder meinem Handy zu und zoomte das darauf angezeigte Foto heran.„Das wäre alles, Sir“, sagte sie und unterbrach mich erneut.Ich hob den Blick und sah ihr mit einem ernsten Ausdruck in die Augen.„Das wäre alles, Sir“, wiederholte sie stotternd und verließ mein Büro hastig.Nelly war seit fünf Jahren meine Sekretärin. Sie war schön und machte ihre Arbeit gut. Meine Mutter hatte einmal vorgeschlagen, dass ich eine romantische Beziehung mit ihr eingehen sollte, da sie ebenfalls aus einer wohlhabenden Familie stammte. Doch ich hatte wenig Interesse daran gezeigt.Ich sah ihr nach, wie sie hinausging und die Tür leise hinter sich schl
Lucas’ POVIch stand auf dem Balkon des Fünf-Sterne-Hotels, nur mit einem dunklen Seidenmorgenmantel bekleidet. Die kühle Nachtluft strich über die unbedeckte Haut meiner Brust und meines Halses.Ein Glas Wein lag locker zwischen meinen Fingern.Unter mir erstreckte sich die Stadt endlos.Die Lichter der Gebäude erhellten die Straßen und bildeten ein Meer aus Gold und Weiß unter dem dunklen Himmel.Autos bewegten sich wie winzige Lichtstreifen über die Straßen, ihre Scheinwerfer verschwanden zwischen den hohen Gebäuden und tauchten kurz darauf wieder auf. Aus dieser Höhe wirkte alles klein.Fern.Fast unbedeutend.Ich nahm einen langsamen Schluck von meinem Wein und ließ die Stille um mich herum auf mich wirken.Dann hörte ich Schritte hinter mir.Sie kamen langsam näher, bevor sie schließlich stehen blieben.„Boss.“Ich drehte mich nicht um.„Entschuldigen Sie die Störung“, sagte Max. Seine tiefe, kräftige Stimme strahlte wie immer Ruhe aus. „Ich habe eine Weile geklopft.“Ich sagte
Elsas POVIch warf einen Blick auf meine Armbanduhr, stieß einen frustrierten Seufzer aus und ging weiter nervös auf und ab.„Wo zum Teufel war sie?“, murmelte ich und blickte zum Eingang.Das hier war eine Sackgasse. Erwartete sie wirklich, dass ich hier weiterhin auf sie wartete? Das ergab keinen Sinn und begann mich langsam richtig wütend zu machen.Oder war sie zurückgegangen, um die Beweise zu holen?Ich konnte die unzähligen Gedanken, die mir durch den Kopf schossen, einfach nicht kontrollieren.Genervt holte ich mein Handy heraus und rief sie erneut an.„Wo zum Teufel bist du?“, schrie ich, sobald sie den Anruf entgegennahm.„Es tut mir leid, bitte vergib mir“, hörte ich ihre reumütige Stimme durch das Telefon.„Wofür zum Teufel entschuldigst du dich? Sag mir nicht, dass du noch nicht auf dem Weg hierher bist!“, meine Stimme wurde leiser, während sich Enttäuschung in mir ausbreitete.„Du musst da sofort weg. Ich verspreche, ich erkläre dir alles, sobald du an einem sicheren Ort
Eileens POVIch spuckte Blut aus, während meine Augen von Tränen überströmt waren. Wut brodelte in mir, als ich langsam den Blick zu ihr hob.„Sieh dir diese Augen an.“ Sie lachte höhnisch. „Sie brodeln ja geradezu vor Wut. Hat dich etwa jemand verletzt?“, sagte sie spöttisch und lachte weiter.„Wo ist sie!“Das war Felicias Stimme, als ich ihre Schritte näher kommen hörte.„Hier ist sie, quicklebendig.“ Sie spottete, als ihr Blick auf mich fiel.„Wohin auf der Welt glaubst du eigentlich, dass du gehen kannst, hm?“, schrie Felicia, während sie mich an den Haaren packte und daran zog, um mich vor ihr zum Niederknien zu zwingen. „Was hast du neulich noch gesagt, hm? Dass du es auf mich abgesehen hast?“ Ein lautes, höhnisches Lachen entwich ihr.Ich stöhnte laut auf und versuchte, mich zu wehren, doch ich war viel zu schwach, während sie mich immer weiter zurückdrängte.Sie lachten im Chor, während sie weiter an meinen Haaren zog, diesmal noch brutaler.„Du wirst dafür bezahlen, Felicia!
Robins POV„Sir, das ist inakzeptabel“, beschwerte sich Mr. Smith, während er hinter mir und meinem Assistenten herging.„Ich habe das Marketingteam losgeschickt, damit sie sich um unsere Partner kümmern, sie überzeugen und sich bei ihnen entschuldigen, während ich mich um die Angelegenheit mit der unzuverlässigen Mitarbeiterin kümmere“, sagte er zuversichtlich.„Das wird nicht nötig sein“, sagte ich ruhig, als ich mein Büro betrat.Zunächst herrschte Stille, da meine Antwort ihn völlig unvorbereitet getroffen hatte.„Aber, Sir …“„Danke, Mr. Smith“, sagte ich, nahm auf meinem Drehstuhl Platz und fuhr fort: „Sie ist meine Sekretärin. Ich werde mich selbst um sie kümmern.“„Natürlich, Sir“, antwortete er mit einem enttäuschten Lächeln, bevor er gemeinsam mit meinem Assistenten mein Büro verließ.„Boss, haben Sie das wirklich so gemeint?“, fragte er.„Ja. Sie soll sofort in mein Büro kommen“, befahl ich.„Bin schon dabei, Boss“, antwortete er und machte sich auf den Weg nach draußen.Me
Lucas’ POVIn dem Moment, in dem sie den Raum betrat, huschte ein Ausdruck des Schocks über mein Gesicht, bevor ich ihn verbergen konnte.Mein Blick blieb an ihr hängen und folgte jedem ihrer Schritte durch den Raum.Zum ersten Mal seit langer Zeit vergaß ich zu atmen.Eileen Whitmore?Was machte sie hier?Mein Blick blieb auf ihr gerichtet, während sie weiter in den Raum hineinging. Etwas Zögerliches lag in ihren Schritten, etwas, das sofort meine Aufmerksamkeit erregte.Dann bemerkte ich es.Ihre Zurückhaltung.Meine Augen wanderten langsam von ihrem Gesicht zu ihrer Haltung und studierten jede noch so kleine Bewegung, jede Veränderung ihrer Körperhaltung.Nach außen wirkte sie gefasst, doch ihre Körpersprache erzählte eine ganz andere Geschichte.Sie war nervös.Und was auch immer sie hierhergeführt hatte, ich wusste, dass es kein Zufall war.Sie wirkte angespannt. Ihre Beine zitterten, während mein Blick langsam zu ihren Händen wanderte.Auch sie zitterten.Warum war sie so nervös
Eileens PerspektiveMein Flug war für 17:00 Uhr angesetzt, und es blieben nur noch 30 Minuten bis zum Abflug.Ich konnte spüren, wie Angst durch mich hindurchschoss. Ich konnte mein ganzes Nervensystem vibrieren fühlen.Es war keine Unsicherheit darüber, ob ich das Richtige tat oder ob ich wirklich
Lukas’ SichtIch saß an der Bar, während das gedimmte, bernsteinfarbene Licht über mir lange Schatten auf den kalten Marmortresen und die leere Villa um mich herum warf.Die Stille war laut heute Nacht.Zu laut, fast schon erstickend.Ein fast leeres Glas stand vor mir, während die Flasche daneben
Eileens SichtIch sah zu, wie sie sie aus dem Zimmer schoben; sie war in weiße Tücher gehüllt.Meine Augen waren bereits müde – müde vom Vergießen von Tränen.Ich stand einfach nur neben der Tür, mein Blick folgte ihnen, als sie sie in die Lobby und dann in Richtung Ausgang schoben.Ich stand still
Eileen POVMeine Füße prallten gegen den Boden des Krankenhauses, meine Zehen berührten kaum den Boden, während ich in Richtung des Krankenzimmers meiner Mutter rannte.Das Krankenhaus wirkte ganz normal. Krankenschwestern liefen an mir vorbei, Menschen unterhielten sich leise, manche Patienten saß







