LOGINDer schwarze Van glitt ruhig über die Autobahn am Stadtrand, weit weg vom geschäftigen Zentrum. Die Scheiben waren getönt, der Motor kaum zu hören. Zwei weitere Fahrzeuge folgten in gleichmäßigem Abstand auf derselben Spur. Harold saß entspannt auf dem mittleren Sitz, die Beine übereinandergeschlagen, der Anzug makellos – als käme er gerade aus einer Geschäftsbesprechung und nicht von einer überstürzten Flucht.Ein zufriedenes Lächeln lag auf seinen Lippen.„Ich wusste es“, sagte er gelassen. Zwischen seinen Fingern steckte eine Zigarre, an der er bereits seit einiger Zeit rauchte. Dass die Luft im Wagen trotz des leicht geöffneten Fensters stickig war, schien ihn nicht zu stören. In der anderen Hand hielt er ein Handy, über das er mit einigen wenigen ausgewählten Leuten in Verbindung blieb.Oscar gehörte dazu.„Mir war klar, dass Oscar meinen Standort bereits verfolgte, als er mich anrief“, fuhr Harold fort. „Jemand, der völlig von der Bildfläche verschwunden ist, meldet sich nich
Bei der Staatsanwaltschaft nahm Daven die neuesten Informationen mit einem langen, schweren Atemzug zur Kenntnis. Erst am Abend zuvor fand er endlich ein wenig Ruhe – dank Altheas Besuch und der stillen Kraft, die seine Frau ihm gab, um das alles durchzustehen.Aber die Nachrichten an diesem Morgen wühlten ihn sofort wieder auf. Hätte er nicht rechtzeitig daran gedacht, dass das Handy in seiner Hand nicht ihm gehörte, wäre es längst an der Wand zerschellt.„Sie nutzen die Gelegenheit aus – vor allem die Tatsache, dass du jetzt hier festgehalten wirst“, erklärte sein Anwalt vorsichtig. Schon bevor er Daven die Neuigkeiten mitteilte, hatte er geahnt, wie sein Mandant darauf reagieren würde.Daven war für seine ruhige, wortkarge Art bekannt. Aber was dem blauäugigen Mann gerade zugemutet wurde, hätte wohl jeden an seine Grenzen gebracht.„Der öffentliche Druck richtet sich inzwischen ganz gezielt gegen deine Position als CEO.“„Was zum Teufel wollen sie eigentlich?“ Daven rieb sich a
Der Morgen begann wie jeder andere. Althea versuchte, sich nichts anmerken zu lassen und den Alltag so normal wie möglich weiterzuführen, obwohl die Sorge noch immer schwer auf ihrem Herzen lastete. Insgeheim hoffte sie an diesem Morgen nur auf eines: endlich von Arven etwas über ihren Mann zu hören.Im Haus der Millers saß Althea mit Josh und Grace am Frühstückstisch. Sie zwang sich zu einem Lächeln und sorgte dafür, dass alles seinen gewohnten Gang ging. Auch Riana und Daniel fehlte es an nichts. Althea hatte schon immer darauf geachtet, dass es allen an ihrer Seite gut ging.Wenig später machten sie es sich gemeinsam im Wohnzimmer gemütlich. Daniel war seit dem frühen Morgen mit seinem Tablet beschäftigt, während Josh und Grace über ihren Schulbüchern saßen. Bis sich die Lage deutlich beruhigt hatte, sollten die beiden zwar nicht zur Schule gehen, mit dem Unterrichtsstoff mussten sie trotzdem Schritt halten.Vor ihnen lief der Fernseher – stumm geschaltet.Althea wollte sich ger
„Grüß die Kinder ganz lieb von mir“, sagte Daven und strich Althea sanft durchs Haar. Seit sie angekommen war, lag in seinem Blick eine stille Wehmut – am liebsten hätte er sie einfach noch ein wenig länger bei sich behalten, aber …„Wenn du mich weiter so ansiehst“, sagte Althea leise, „kann ich nachher gar nicht mehr gehen.“Daven lächelte wehmütig. „Mir fällt es wirklich schwer, dich gehen zu lassen.“ Er zog sie fest in seine Arme, und Althea erwiderte die Umarmung genauso innig.Wenig später öffnete sich die Tür. Der Anwalt, der Althea zu Daven begleitet hatte, wartete bereits davor. Höflich neigte er den Kopf. „Frau Callister, die Besuchszeit ist vorbei.“Althea atmete leise aus. „In Ordnung. Danke.“ Dann wandte sie sich wieder Daven zu. „Ich muss los.“Daven schloss für einen Moment die Augen und nickte anschließend. „Ja. Fahr nach Hause. Die Kinder warten bestimmt schon auf dich – und machen sich Sorgen.“Althea nickte, obwohl man ihr deutlich ansah, wie schwer ihr der Abs
Daven betrachtete die Sachen eine ganze Weile. Seine Brust wurde eng – nicht wegen ihrer Lage, sondern wegen der stillen Fürsorge, die in jedem einzelnen Detail steckte.„Du solltest dir nicht all diese Mühe machen müssen“, sagte er leise.Althea sah zu ihm auf. „Ich bin deine Frau. Was ist denn falsch daran? Stört es dich?“ Ihre Worte waren schlicht, ihre Stimme jedoch bestimmt.„Überhaupt nicht.“ Daven atmete tief durch. „Es macht mich nur traurig, dass du das alles mitmachen musst.“Althea setzte sich aufs Sofa und klopfte auf den freien Platz neben sich. „Setz dich.“Daven folgte ihrer Aufforderung.Wenn sie sich sonst gemeinsam im Wohnzimmer entspannten – ob zu Hause oder im rechten Seitenflügel –, lehnte Althea sich ganz selbstverständlich an Davens Schulter. Dieses Mal kam Daven ihr aus irgendeinem Grund zuvor.Es kümmerte ihn nicht, ob jemand sie dabei sehen konnte. In diesem Moment brauchte er Altheas Schulter. Sie wirkte so schmal und beinahe zerbrechlich und hatte tro
Leise fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss.Der Raum, den die Staatsanwaltschaft Daven zur Verfügung gestellt hatte, war klein, aber zumindest angenehm warm. Neben einem Zweisitzersofa standen dort nur ein kleiner Tisch und ein Wasserspender. Durch ein Milchglasfenster fiel Tageslicht herein, ohne dass man nach draußen sehen konnte. Vor allem waren hier keine Kameras und keine grellen Scheinwerfer. Der Lärm von draußen drang nur gedämpft herein, und mit der Stille ließ auch die Anspannung ein wenig nach.Noch wichtiger war jedoch, dass sie hier endlich einfach nur Mann und Frau sein konnten – und nicht zwei Menschen, deren jedes Wort und jede Bewegung zur nächsten Schlagzeile werden konnte.„Setz dich“, sagte Daven und stieß langsam den Atem aus. Mit Altheas Besuch rechnete er überhaupt nicht. Seine Anwälte teilten ihm lediglich mit, dass jemand aus der Familie ihn sehen wollte. Hätte er gewusst, dass Althea kommen wollte, hätte er sofort abgelehnt.Hatte Arven das mit dem federfü
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß







