LOGINAlthea bemerkte erst, dass sie weinte, als ihr die Tränen bereits über die Wangen liefen. Normalerweise hätte sie bei solchen süßen Worten ihres Mannes nur die Augen verdreht. Dieses Mal war es anders. Auch sie hatte die Sehnsucht kaum noch ausgehalten. In manchen Nächten hatte sie ununterbrochen daran denken müssen, wie Daven seine Tage in der Staatsanwaltschaft verbrachte.„Ich habe dich auch vermisst“, murmelte sie. „Ich hatte solche Angst. Aber jetzt, wo ich dich sehe … bin ich erleichtert.“Daven strich ihr sanft durchs Haar. „Ich komme bald nach Hause. Das verspreche ich dir.“„Ich glaube dir“, erwiderte Althea leise.Felicia wandte diskret den Blick ab, um den beiden diesen Moment zu lassen. Schnell wischte sie sich eine Träne aus dem Augenwinkel und atmete tief durch. Die Szene ging ihr nahe, trotzdem wusste sie, dass sie jetzt alle stark bleiben mussten – für ihre Familie.Von draußen drang erneut Graces leises Lachen herein, dazwischen Joshs Stimme, der von seinem Traini
„Wo ist Arven?“, fragte Chris, kaum dass er aus dem Aufzug der Führungsetage trat.Da Chris häufig in Davens Büro ein und aus ging, besaß er eine besondere Zugangsberechtigung für diese Etage. Hin und wieder traf er dort auch Arven, denn in dem Büro wurden einige wichtige Unterlagen aufbewahrt.Daven hatte nie etwas dagegen gehabt. Er wusste, dass sowohl Arven als auch Chris wussten, wie wichtig gegenseitiges Vertrauen und eine gute Zusammenarbeit waren.„Er wartet im Konferenzraum der Geschäftsleitung auf dich“, sagte Beatrix zur Begrüßung.Chris folgte dem Flur in die Richtung, die sie ihm gezeigt hatte. Als er kurz darauf die Tür öffnete, besprach sich Arven bereits mit einem Mitarbeiter der Rechtsabteilung. Auf dem Tisch stapelten sich dicke Aktenberge, weitere Unterlagen lagen ungeordnet in großen Kartons.„Guten Morgen“, begrüßte Chris die Anwesenden und setzte sich Arven gegenüber. „Was haben wir für heute?“„Guten Morgen, Chris“, erwiderte Arven mit einem höflichen Nicken
„Was glaubst du, was Mama heute zum Frühstück gemacht hat?“, fragte Grace und sah Felicia erwartungsvoll an.Seit dem Vortag klebte Grace förmlich an Felicia. Egal, was sie gerade machte – am liebsten wollte sie ihre Tante ständig bei sich haben.„Keine Ahnung“, erwiderte Felicia lächelnd und strich ihr liebevoll übers Haar. „Hoffentlich etwas, das du besonders gern magst.“ Dann warf sie einen Blick über die Schulter. „Josh, soll ich nach dem Besuch bei deinem Papa noch bleiben und mir dein Training für den Wettbewerb ansehen?“Josh, der ein paar Schritte hinter ihr lief, hob sofort den Kopf. Einen Moment lang schien er überrascht, dann breitete sich ein strahlendes Grinsen auf seinem Gesicht aus. „Ja, unbedingt.“ Schnell holte er zu Felicia auf und hakte sich bei seiner Tante unter.„Ach … und mich wollt ihr jetzt einfach loswerden?“, fragte Lydia mit gespieltem Schmollen.Josh brach in Gelächter aus. „Natürlich nicht! Dich haben wir doch auch lieb, Tante Lydia.“ Er rückte näher
„Nein“, antwortete Cale ruhig. „Aber was er dort wollte, war mehr als verdächtig.“Althea presste die Hände ineinander. „Wer ist dieser Mann?“ Dann gab sie Cale sein Handy zurück.Cale warf einen kurzen Blick auf das Display, das inzwischen wieder den Startbildschirm zeigte. „Ein Journalist. Und kein unbekannter. Er hat bereits mehrere Artikel veröffentlicht, in denen er gezielt gegen Daven vorgeht.“Felicia schnaubte verächtlich. „Dann wollte er sich wohl neues Material beschaffen?“„Davon gehe ich aus“, erwiderte Cale. „Der Sicherheitsdienst hat ihn rechtzeitig aufgehalten.“Althea konnte einfach nicht verstehen, warum manche Menschen derart weit gingen, nur um ihren Mann zu Fall zu bringen. Sie gingen dabei nicht wahllos vor. Ihre Methoden waren durchdacht – und skrupellos.Was hatte Daven ihnen überhaupt getan? Soweit Althea wusste, hatte er sich nichts zuschulden kommen lassen, schon gar nicht bei der Führung seines Unternehmens. Sein verstorbener Vater hatte ihm Callister E
Im rechten Seitenflügel herrschte eine deutlich ruhigere Atmosphäre als im Haupthaus. Felicia stand am großen Fenster, die Arme vor der Brust verschränkt, und lief rastlos auf und ab. Immer wieder schüttelte sie den Kopf. Wie sehr sie sich ärgerte, war ihr deutlich anzusehen.Althea dagegen ging direkt in die Küche und bereitete Zitronentee zu. Sie war überzeugt, dass Daniel und Riana ohnehin bald zu ihnen kommen würden.„Ich begreife es einfach nicht“, murmelte Felicia. „Wie konnten sie eine Frau wie Marlene überhaupt in dieses Haus lassen?“Althea stellte ein Tablett auf den Tisch. Darauf stand eine große Kanne mit Zitronentee. Daneben stellte sie mehrere Tassen, damit sich später jeder selbst bedienen konnte, und schließlich noch einen Teller mit reichlich Kuchen. Als alles bereitstand, ließ sie sich erschöpft auf das Sofa sinken und lehnte sich zurück. Die Müdigkeit zeichnete sich deutlich in ihrem Gesicht ab, doch in ihren Augen lag noch immer dieselbe Ruhe.„Daniel und Riana
In diesem Augenblick fasste Marlene den Entschluss, Josh eine Lektion zu erteilen. Er sollte endlich begreifen, wo sein Platz war. Schließlich war er in diesem Haus nur ein Außenseiter – ganz im Gegensatz zu ihr. Zumindest war Marlene fest davon überzeugt, hier inzwischen weitaus mehr Ansprüche zu haben. Erst recht jetzt, da Eli als Enkelin der Familie Miller anerkannt wurde.In den Garten ging Marlene nicht zurück. Stattdessen machte sie sich direkt auf den Weg zu Elis Zimmer. Dort wollte sie auf ihre Tochter warten.Die Tür war nicht abgeschlossen. Marlene öffnete sie kurzerhand und trat in das dunkle Zimmer. Dann schaltete sie die Tischlampe in der Ecke ein, setzte sich auf den Stuhl am Fenster und wartete.Wenige Minuten später erklangen Schritte vor der Tür. Langsam wurde die Klinke heruntergedrückt. Eli kam herein – und erstarrte, als sie ihre Mutter bereits im Zimmer sitzen sah.„Mama?“ Sie blieb wie angewurzelt stehen. „Was machst du hier? Wie lange bist du schon hier?“Ma
„Ich finde, diese Krawatte passt dir am besten.“Althea suchte eine aus Davens großer Sammlung heraus. Sie wusste, dass er ihre Nähe nur ertrug, aber sie verdrängte die Scham. Was sie sich vorgenommen hatte, musste funktionieren – zumindest bis der Monat vorbei war.Danach würden sich ihre Wege en
„Sag mal … bist du völlig verrückt geworden?“Althea verstand nur zu gut, warum ihre beste Freundin so reagierte, mit einem Gesichtsausdruck, der vor blanker Fassungslosigkeit förmlich erstarrte. Sie hatte Lydia alles erzählt – und obwohl keine einzige Träne gefallen war, wusste Lydia genau, wie ti
Es wäre gelogen zu behaupten, dass es Althea nicht verletzen würde. Und es wäre scheinheilig zu behaupten, sie sei nicht traurig oder enttäuscht. Aber … was hätte sie tun können? Nichts konnte diesen Lauf der Dinge aufhalten. Nicht einmal der Mann, auf den sie einst zu vertrauen glaubte, war auf ihr
„Bist du völlig von Sinnen?“, fuhr Catherine Callister – oder einfach Kate – sie an, und ihre gellende Stimme zerriss die Ruhe des Gartens wie ein Messerstich. Ihre perfekt gepflegten Finger krallten sich so fest in Altheas Schulter, dass die zierliche Frau ins Wanken geriet. Die leichte Plastikgieß







