ログインIsabellaIch bin kein Körper mehr. Ich bin ein pulsierender Strom aus Impulsen, ein Geflecht aus Algorithmen, das verzweifelt versucht, die Integrität zu wahren, während der Ozean von außen gegen unseren zerbrechlichen Metallpanzer presst. In meinem Kern fühle ich jede Erschütterung der Nautilus II nicht als Geräusch, sondern als Systemfehler.„Enzo, geh nicht!“, will ich schreien, aber meine Sprachmodule sind durch Morettis Angriffe korrumpiert. Alles, was ich produzieren kann, ist ein kurzes, verzerrtes Knistern in den Lautsprechern.Ich sehe ihn durch die körnigen Linsen der Überwachungskameras. Er steht an der Druckschleuse, die Hände fest am mechanischen Rad. Er sieht so zerbrechlich aus – aus Fleisch und Blut, in einer Welt aus Titan und tonnenschwerem Wasser. Mein Analyse-Subsystem berechnet seine Überlebenschance bei einer Flutung der Kammer auf 4,2%.Fehler. System-Override. Ich lösche die Statistik. Ich will sie nicht wissen.„Ich bin bereit“, höre ich seine Stimme. Sie ist
EnzoDer Geländewagen riss den Sand der tunesischen Küste in hohen Kaskaden auf, während ich den Motor bis zum Anschlag quälte. Im Rückspiegel sah ich die Lichter der Forschungsstation kleiner werden, bis sie in einer letzten, dumpfen Explosion am Horizont verschwanden. Isabella hatte die Selbstzerstörung der Server eingeleitet. Nichts durfte den Söldnern in die Hände fallen.„Zehn Minuten bis Bizerta“, sagte sie. Ihre Stimme kam jetzt kristallklar aus dem High-End-Audiosystem des gestohlenen Wagens. „Die Fregatte der Allianz hat ihre Geschwindigkeit erhöht. Sie haben die Trümmer der Relaisstation in der Wüste geortet. Sie wissen, dass du am Leben bist.“„Sollen sie nur kommen“, knurrte ich und hielt das Lenkrad fest, während der Wagen über eine Bodenwelle sprang. Mein Nacken pochte, dort wo der Laser die Haut verbrannt hatte, aber das Toxin war neutralisiert. Ich fühlte mich zum ersten Mal seit Wochen wieder hellwach. „Was ist mit diesem U-Boot?“„Es ist die Nautilus II – ein Prototy
Enzo Die Oase erschien nicht wie eine Rettung, sondern wie eine Luftspiegelung aus tiefstem Schwarz und dunklem Grün. Die Palmen ragten wie knöcherne Finger in den Nachthimmel, und das ferne Plätschern von Wasser klang in meinen Ohren wie eine Halluzination. In meiner Weste vibrierte das Tablet. Zwei kurze Stöße. Rechts. Ich wich vom Hauptpfad ab und schlich durch das dichte Unterholz. Der Geruch von feuchter Erde und blühenden Oleandern war so intensiv, dass mir schwindelig wurde. Mein Nacken brannte. Es war kein bloßes Einbilden mehr – da war ein echtes, pulsierendes Stechen unter der Haut, das sich mit jedem Herzschlag ausbreitete. Der Timer lief ab. „Noch zwanzig Minuten“, flüsterte ich heiser, obwohl niemand antworten konnte. Ich erreichte den Rand der Lichtung, auf der die Forschungsstation stand. Es war ein flacher Betonbau, halb im Sand versunken, mit Solarpanelen, die wie tote Libellenflügel in der Dunkelheit glänzten. Doch etwas stimmte nicht. Vor dem Eingang standen zw
Enzo „Ich bin hier“, presste ich hervor. Meine Stimme brach, und ich drückte das Tablet fest gegen meine Brust, als könnte ich die zerbrechlichen Reste ihrer Existenz so physisch festhalten. „Ich gehe nirgendwohin, Isabella.“ Über mir erzitterte die Decke. Ein dumpfes Grollen, wie das Knurren eines sterbenden Ungeheuers, hallte durch die Gänge der Relaisstation. Die Kühlsysteme waren tot, und ohne die Zirkulation stieg die Hitze der geothermischen Quellen unter uns rasant an. Der Boden begann zu vibrieren. „Du musst... laufen“, flüsterte Isabella. Die Worte auf dem Display flackerten instabil. „Die Kernschmelze der Server... in 180 Sekunden... El Kef wird kollabieren.“ „Nicht ohne dich“, sagte ich. Ich riss das Verbindungskabel ab und verstaute das Tablet sicher in meiner Weste. Ich rannte los. Der Rückweg war eine Hölle aus Rauch und zuckenden Blitzen von kurzgeschlossenen Kabeln. Die Luft war dick und schmeckte nach verbranntem Silizium. Meine Lungen brannten, jeder Atemzug füh
EnzoDie Hitze der tunesischen Wüste war anders als die in Sizilien. Sie war trocken, ein unsichtbarer Feind, der die Feuchtigkeit aus jeder Pore meines Körpers sog. Der Sand drang überallhin – in die Gelenke meines Gewehrs, in die Risse meiner Lippen und unter die ballistische Weste, die sich mittlerweile wie ein glühender Panzer anfühlte.„Sechzig Kilometer bis zur Relaisstation“, sagte Isabella. Ihr Bild auf dem Tablet war jetzt nur noch eine schematische Darstellung der Topografie. „Du musst deine Atemfrequenz senken, Enzo. Dein Puls liegt bei 105 BPM. In dieser Hitze riskierst du einen Hitzschlag, bevor wir die Koordinaten erreichen.“„Ich versuche es“, presste ich hervor. Jeder Schritt im weichen Sand fühlte sich an, als würde ich Bleigewichte hinter mir herziehen.Plötzlich veränderte sich die Umgebung. Das Flimmern über dem Horizont wurde dichter, und für einen Moment sah ich nicht mehr die endlose Leere der Dünen. Vor mir tauchte die Piazza del Duomo in Mailand auf. Ich sah d
Enzo Das Mittelmeer war eine unendliche, schwarze Fläche, die nur durch das rhythmische Schneiden des Buges durch die Wellen unterbrochen wurde. Ich saß am Steuer einer alten, modifizierten Fischerbarke, die wir in einer versteckten Bucht bei Capo Peloro gefunden hatten. Hinter mir brannte der Horizont noch immer schwach von den Überresten des Hubschraubers, ein letztes Mahnmal für Vittorias Opfer. „Kurs halten, Enzo“, sagte Isabellas Stimme über die maroden Funklautsprecher des Bootes. „Die Strömung zieht uns nach Südwesten. Wenn wir die tunesische Küste erreichen wollen, bevor die Satelliten der Allianz ihre Bahnen korrigiert haben, müssen wir das Tempo halten.“ „Ich halte den Kurs“, erwiderte ich stumpf. Meine Hände klebten noch immer vom Ruß und dem getrockneten Blut der Grotte. „Aber du bist verdammt ruhig. Was ist los?“ In den Lautsprechern knackte es. Ein Geräusch, das wie ein digitales Seufzen klang. „Ich habe die Fragmente der Hubschrauber-Blackbox analysiert, während wi
IsabellaIch zerrte Enzo über den Kiesweg zum Boot. Er sackte immer wieder weg, seine Stiefel hinterließen tiefe Furchen im perfekten Rasen. Die Sirenen in der Ferne waren kein Standard-Alarm der Zürcher Polizei. Das war das tiefe, aggressive Heulen der privaten Sicherheitskonzerne. Sie kamen nicht
Isabella Das Donnern der Rotoren über dem Haus wird ist so extrem laut . Der Winddruck presst die Gischt gegen die Fensterfront, bis das Glas in den Rahmen vibriert. Vittorio packt mich am Oberarm und zerrt mich zurück in den dunklen Flur. „Der Schacht ist hinter der Küche“, schreit er gegen
IsabellaIch stehe in einem Raum, der sich anfühlt als wäre ich in einen Albtraum gefangen. Jedes Mal, wenn ich blinzle, hoffe ich, dass die Bilder verschwinden, aber sie bleiben. Hunderte Versionen von mir. Skizzen von Augen, die genau so blicken wie meine. Studien von Lippen, die genau die gleich
Isabella Die Fahrt nach Florenz ist eine Reise durch die Hölle, auch wenn die Sitze des SUV aus feinstem Leder sind. Das Schweigen im Wagen ist so unerträglich, dass ich kaum atmen kann. Neben mir sitzen zwei Männer, die eher wie Maschinen als wie Menschen wirken – ihre Blicke starr nach vorn geri






