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Kapitel 5

Autor: Genesis
last update Fecha de publicación: 2026-10-10 02:16:58

„Frei?“

„Was zum Teufel soll das überhaupt bedeuten?“, fragte ich.

Er antwortete nicht sofort. Stattdessen ließ er seinen Blick langsam über mich wandern, vom Scheitel bis zu meinen Schuhen, als würde er etwas begutachten und hätte sich noch nicht entschieden, was er davon halten sollte. Dann deutete er mit dem Kinn auf die Taschen, die auf dem Boden standen.

„Warum stehst du immer noch einfach da herum? Hilf mir mit denen.“

„Oh.“

Ich eilte zu ihm, schnappte mir zwei der schwereren Taschen und blieb dicht hinter ihm. In der Küche stellte er seine beiden Taschen auf die Arbeitsplatte, drehte sich um, nahm mir die Taschen aus den Händen und stellte sie mit einem rauen Grunzen ab, als würde ihn selbst das Kraft kosten.

„Du siehst aus, als könntest du etwas Wasser gebrauchen“, sagte ich, während er sich mit dem Handrücken über die Stirn fuhr.

Er schüttelte den Kopf und winkte ab. „Nein. Mir geht’s gut.“ Er zupfte an seinem Hemd, richtete es und sah mich dann wieder an. „Also … du bist die neue Assistentin?“

Ich nickte.

„Ich bin Toby“, sagte er. „Früher habe ich ausgeholfen, wenn gerade kein richtiger Assistent da war. Im Grunde war ich der Typ, der die Einkäufe schleppen und hinter jeder Aushilfe aufräumen musste, die irgendwann die Flucht ergriff.“

„Fünf von ihnen?“

Ich beobachtete ihn, während er redete. Er sah erschöpft aus, aber die Worte kamen schnell aus seinem Mund, und seine Hände waren ständig in Bewegung. Ein bisschen dramatisch, ein bisschen so, als wäre er gedanklich schon bei der nächsten Klatschgeschichte. Ich vermutete, dass Geheimnisse bei ihm nicht lange geheim blieben.

„Also haben die letzten fünf Assistentinnen gekündigt?“, fragte ich und lehnte mich gegen die Arbeitsplatte.

„Gekündigt?“ Er verdrehte die Augen und wedelte mit der Hand, als wäre schon das Wort selbst völlig bescheuert. „Sie sind geflohen. Alle fünf. Eine hat mitten in der Nacht um zwei ihre Sachen gepackt und sich davongeschlichen. Eine andere hat einen Teller gegen die Wand geworfen und geschrien, dass sie die Schnauze voll hätte. Eine hat die Hälfte ihrer Schicht weinend in der Vorratskammer verbracht. Eine ist einfach … verschwunden. Und die letzte ist unter Tränen gegangen, weil Mr. James ihr gesagt hat, die Art, wie sie atmete, würde ihm Kopfschmerzen bereiten.“

„Was?“ Mein Mund klappte tatsächlich auf.

Das mit der Letzten kam mir besonders absurd vor. Ein kurzes, ungläubiges Lachen entwich mir, bevor ich es zurückhalten konnte. Es war so lächerlich, dass es beinahe lustig gewesen wäre, wenn es nicht so traurig gewesen wäre. Ein Teil von mir hoffte immer noch, dass er übertrieb.

Ich starrte ihn an. „Wenn es wirklich so schlimm ist, warum bist du dann noch hier?“

„Weil mein Job einfacher ist.“ Er deutete den Flur hinunter. „Ich bin nur der Reinigungskraft. Das meiste von dem, was ich mache, erledige ich draußen im Hauptgebäude. Dort draußen zu bleiben, ist der einfachste Weg, ihm nicht über den Weg zu laufen. Und das ist der einzige Grund, warum ich noch nicht den Verstand verloren habe.“

„Oh.“ Ich nickte. Das ergab Sinn.

Ich wollte ihn gerade noch mehr darüber fragen, wie schwierig es tatsächlich war, für Mr. James zu arbeiten, als sein Blick an mir vorbei zur Kaffeemaschine glitt. Seine Stirn legte sich in Falten.

„Ich habe diese Arbeitsplatten abgewischt und den Boden gewischt, bevor ich zum Markt gefahren bin. Ist das Wasser auf den Fliesen?“ Er trat näher an die Wasserlache heran, die ich vorhin in meiner Eile hinterlassen hatte. „Warst du das?“

„Oh … ja“, murmelte ich und wich zurück. „Ich habe irgendwie …“

Ich versuchte, meine linke Hand hinter meinem Rücken zu verstecken, doch er bemerkte die Bewegung sofort.

„Warte.“ Er kam näher. „Hast du dich etwa schon verbrannt?“

Ich nickte leicht. „Das passiert eben. Ich habe mich beeilt, weil er den Kaffee in drei Minuten haben wollte.“

„Jetzt schon?“, murmelte Toby.

Er sah mich mitfühlend an und schüttelte den Kopf. Er lachte nicht. Er betrachtete mich einfach wie jemanden, der bereits in einer ausweglosen Situation steckte.

Dann drehte er sich um und begann, einen der oberen Küchenschränke zu durchwühlen. Dabei schob er Proteinpulver und Teeschachteln beiseite.

„Weißt du was … Si … Ella, richtig?“, fragte er über die Schulter hinweg.

„Ja, Ella“, antwortete ich.

„Hör zu, Ella.“ Seine Stimme wurde leiser. Er holte eine kleine Tube Brandsalbe heraus, kam zurück und legte sie vor mir auf die Arbeitsplatte. „Mr. James benimmt sich wie ein Monster. Das weiß jeder. Aber du musst dich nicht selbst verletzen, nur um ihn zufriedenzustellen. Bleib lange genug hier, hab Geduld, und du wirst merken, dass er im Grunde nur ein trauriger Mann ist.“

Er stützte beide Hände auf die Arbeitsplatte. Sein Gesicht wurde ernst.

„Ich weiß nicht, ob du dich für Sport interessierst, aber Leroy James war früher ein ganz großer Name. Vor ein paar Monaten war er noch der beste Sportler des Landes“, sagte Toby jetzt leiser. „Stell dir vor, du bist so berühmt, stehst ganz oben, und plötzlich kannst du nicht einmal mehr von deinem Bett in die Küche gehen, ohne dass dein Bein vor Schmerzen zittert. Er hasst es, sich schwach zu fühlen. Also lässt er seine Wut an allen anderen aus.“

Während ich ihm zuhörte, begann mein physiotherapeutisches Denken, die Zusammenhänge herzustellen. Starke Schmerzen – besonders wenn einem die gesamte Karriere unter den Füßen weggerissen wird – können Menschen reizbar und gemein machen. Das entschuldigte sein Verhalten nicht, aber es ließ ihn weniger wie ein reines Monster erscheinen und mehr wie einen Patienten, der nicht ertrug, was sein eigener Körper ihm antat.

„Danke dafür, Toby“, sagte ich und griff nach der Salbe.

„Keine Ursache.“ Seine Stimme wurde wieder schneller, während er die leeren Einkaufstüten einsammelte. „Trag das auf, bevor er wieder herunterkommt. Ich gehe nach draußen und schneide die Büsche zurück, bevor er noch etwas findet, worüber er sich aufregen kann.“

„Danke!“, rief ich ihm hinterher, als er durch die Seitentür hinausging.

Ich drückte einen kühlen Streifen Salbe auf meinen Handrücken und verteilte ihn auf der wunden Stelle. Als das Brennen ein wenig nachließ, atmete ich leise aus.

Dann war mein Kopf plötzlich wie leer gefegt.

Oh mein Gott – Toby!

Ich blickte zur Tür, aber er war bereits draußen im Garten verschwunden. Ich hatte ihn nicht gefragt, wo mein Zimmer war. Ich hatte auch nicht gefragt, ob mir jemand das Haus zeigen sollte, damit ich mich überhaupt richtig einrichten konnte.

Frustriert stieß ich einen langen Seufzer aus und stand allein mitten in der riesigen Küche.

Mein Blick wanderte zurück zu den Einkaufstüten auf der Kücheninsel. Ich ging hinüber und begann, die Sachen auszupacken und einzeln abzustellen: Filets von wild gefangenem Lachs, frischer Spinat, Blaubeeren, griechischer Joghurt, Walnüsse, Süßkartoffeln und Sauerkirschsaft.

Ich erkannte die Liste sofort, als ich die Lebensmittel sah. Das waren nicht einfach nur teure Einkäufe. Es war ein gezielter, entzündungshemmender Ernährungsplan – genau die Art von Ernährung, die geschädigtes Gewebe unterstützen und die Genesung eines verletzten Sportlers fördern sollte.

Ich dachte mir, dass ich die Sachen genauso gut gleich einräumen konnte. Ich musste zwar raten, welcher Schrank für die trockenen Lebensmittel gedacht war und wohin das Obst und Gemüse gehörte, aber wenn die Küche jetzt zu meinem Aufgabenbereich gehörte, schien es ein vernünftiger Anfang zu sein, Ordnung hineinzubringen.

Ich war gerade fast damit fertig, die Arbeitsplatte abzuwischen, als mein Handy in der Tasche vibrierte.

Ich zog es heraus. Kates Name leuchtete auf dem Bildschirm. Ich nahm den Anruf an und hielt mir das Handy ans Ohr.

„Du bist also doch nicht tot!“ Kates Stimme dröhnte aus dem Lautsprecher, noch bevor ich überhaupt Hallo sagen konnte. „Gott sei Dank! Ich war zwei Sekunden davon entfernt, die Polizei anzurufen. Du hast nicht geschrieben, dass du angekommen bist! Ich dachte, dieser arrogante Arsch hätte dich schon in einen Brunnen geworfen oder irgendwo verscharrt!“

Ein kleines Lachen entwich mir, während ich zurück zur Kücheninsel ging. „Kate, atme erst mal durch. Mir geht’s gut.“

„Gut? Du arbeitest für einen wandelnden Albtraum, Ella!“, schoss sie zurück. „Erzähl mir alles. Ist er wirklich so schlimm, wie er in den Nachrichten dargestellt wird?“

„Ehrlich gesagt? Noch schlimmer“, sagte ich.

Ich legte das Handy auf die Arbeitsplatte, schaltete den Lautsprecher ein und drehte die Lautstärke herunter, damit meine Stimme nicht von den hohen Decken widerhallte. Ich brauchte beide Hände für die Brandsalbe. Ich zog einen der hohen Hocker heran, setzte mich und rieb das kühlende Gel in die gerötete Haut ein. Alle paar Sekunden pustete ich auf die Stelle, um das Brennen etwas zu lindern.

„Warte, ist er wirklich – wirklich so schlimm?“, fragte Kate und senkte die Stimme zu einem Flüstern, als könnte jemand sie hören. „Was hat er getan?“

„Er hat einen Drei-Minuten-Timer für den Kaffee gestellt, und dann gab es noch eine ganze Reihe anderer Dinge, auf die ich gerade gar nicht näher eingehen kann“, sagte ich und pustete erneut auf die verbrannte Stelle. „Du musst nur wissen, dass ich hier ganz allein mit ihm festsitze.“

„Ella“, sagte Kate, und ihre Stimme wurde plötzlich ruhig und ernst. „Du weißt doch, was man sagt. Ganz gleich, wie heftig der Sturm wird, jedes Schiff findet einen Weg, sich über Wasser zu halten. Du musst einfach durchhalten.“

Ich sog scharf die Luft ein, als ich etwas zu fest auf die schmerzende Stelle drückte.

„Hör mir zu“, fuhr sie fort. „Du darfst nicht zulassen, dass so ein Mann in deinen Kopf kommt. Reiche, arrogante Typen wie er leben von ihrer Macht. Die einzige Möglichkeit, mit Leroy James umzugehen, besteht darin, dasselbe Spiel zu spielen wie er. Lass ihn nicht merken, dass du nervös bist. Spring nicht jedes Mal, wenn er dich anblafft. Und halte Abstand. Behandle ihn wie eine Bombe, die du einfach unter Kontrolle halten musst, bis das Geld auf deinem Konto landet.“

„Leichter gesagt als getan“, murmelte ich und betrachtete meine Hand. „Ich wünschte, es wäre wirklich so einfach.“

„Schatz …!“ Sie stieß einen Laut aus, als könnte sie nicht glauben, was ich sagte. „Ich schaue mir gerade sein Bild in den Nachrichten an. Er gibt sich solche Mühe, bedrohlich auszusehen, aber mit diesem elenden finsteren Gesichtsausdruck sieht er einfach nur aus wie ein wütender, brütender Gargoyle-Vogel!“

Ein Lachen brach aus mir heraus, bevor ich es zurückhalten konnte. Ich schüttelte den Kopf. „Was zum Teufel ist ein Gargoyle-Vogel?“

Ich öffnete den Mund, um ihr zu sagen, sie solle die Klappe halten, doch die Worte blieben mir im Hals stecken.

Ein großer Schatten erstreckte sich über den Küchenboden.

Mein Herz blieb stehen. Langsam drehte ich den Kopf in Richtung Tür, und mein Magen sackte mir bis in die Knie.

Leroy stand dort.

Er stützte sich schwer auf seinen Gehstock, während seine imposante Gestalt den gesamten Eingang ausfüllte. Sein Kiefer war so fest zusammengepresst, dass ein Muskel zuckte, und seine Augen – kalt und dunkel – waren unverwandt auf mich gerichtet. Er bewegte sich nicht. Er sagte kein Wort. Er stand einfach nur da und hörte zu.

Die Angst überrollte mich mit einem Schlag. Meine Hände begannen zu zittern. Mein Nacken brach in Schweiß aus. Ich griff nach dem Handy auf meinem Schoß, um den Anruf zu beenden, doch meine Finger waren voller Salbe und glitschig.

Das Handy rutschte mir direkt aus der Hand und schlug auf dem Boden auf.

Es landete mit dem Bildschirm nach oben, sodass Kate nichts davon mitbekam. Ihre Stimme schallte weiterhin fröhlich und laut aus dem Lautsprecher durch die stille Küche.

„Ich meine es ernst, Ella!“, lachte sie. „Nick einfach, ignorier sein hässliches, miesepetriges Gesicht und kassier sein Geld!“

Die Panik schnürte mir die Brust zu. Ich bekam kaum Luft. Mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, als ich vom Hocker rutschte und auf dem Boden landete. Ich packte das Handy mit beiden Händen und drückte so lange auf den Einschaltknopf, bis der Bildschirm schwarz wurde und Kates Stimme verstummte.

Totenstille erfüllte die Küche.

Einen Moment blieb ich auf den Knien, meine Lungen brannten. Dann zwang ich mich aufzustehen. Meine Beine fühlten sich kraftlos an. Jeder Teil meines Körpers wollte davonlaufen, aber sein Blick hielt mich wie gelähmt an Ort und Stelle.

Langsam hob ich den Kopf und zwang mich, dem Mann ins Gesicht zu sehen, der gerade jedes einzelne Wort gehört hatte.

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