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VOM TEUFEL GEZEICHNETER ALPHA
VOM TEUFEL GEZEICHNETER ALPHA
Author: RoguePumpkin

Kapitel 1: Der Verrat

Author: RoguePumpkin
last update publish date: 2026-10-19 02:34:04

Ich blinzelte gegen das grelle, weiße Licht der Deckenlampen. In meinem Kopf pochte es, als triebe jemand einen Nagel in meinen Schädel. Meine Haut fühlte sich klamm an, und als ich den Arm heben wollte, erinnerte mich ein scharfer Zug am Handrücken an die Infusionsnadel, die dort festgeklebt war.

„Laelith? Oh, dem Himmel sei Dank, du bist wach.“

Caldrens Gesicht schob sich in mein Blickfeld. Er sah vollkommen verstört aus. Sein dunkles Haar war zerzaust, seine Augen waren gerötet, und er klammerte sich an einen riesigen Strauß weißer Lilien, als wäre er eine Rettungsleine. Vier Jahre lang war dieses Gesicht mein fester Halt gewesen. Jedes Mal, wenn ich ihn ansah, fühlte ich mich sicher.

„Was … was ist passiert?“, krächzte ich. Meine Kehle fühlte sich an, als wäre sie mit Sand ausgekleidet.

„Du bist im Gutsbüro ohnmächtig geworden, mein Schatz“, murmelte er, legte die Blumen auf den Nachttisch und griff sofort nach meiner freien Hand. Er drückte sie, seine Handfläche war warm und tröstlich. „Der Arzt sagt, es ist reine Erschöpfung. Du hast dich über den alten Landurkunden deines Vaters fast zu Tode gearbeitet.“

„Wir hatten solche Angst, Laelith.“

Vom Fußende des Bettes erklang eine sanfte Stimme. Cynthia trat näher, ein mitfühlendes Lächeln auf den Lippen. In den Händen hielt sie eine Glasvase mit roten Rosen. Cynthia war Caldrens Cousine. Als Caldren und ich vor vier Jahren geheiratet hatten, war sie die Erste gewesen, die mich umarmt hatte. Sie hatte mich wie eine Schwester behandelt, während der Rest des Rudelrats über meinen Familiennamen die Nase rümpfte.

„Ich habe die hier mitgebracht, damit dieses trostlose Zimmer ein wenig freundlicher wird“, sagte Cynthia und stellte die Vase direkt neben Caldrens Lilien. „Der Arzt will noch ein paar Routineuntersuchungen machen, aber Caldren ist dir keine Sekunde von der Seite gewichen.“

„Ich konnte nicht anders“, fügte Caldren hinzu, beugte sich herab und drückte mir einen langen, weichen Kuss auf die Stirn. „Ich gehe jetzt hinunter zur Klinikapotheke und unterschreibe die vorläufigen Entlassungspapiere. Außerdem sehe ich nach, warum der Arzt so lange braucht. Cynthia, bleibst du bei ihr?“

„Natürlich“, antwortete sie süß.

Caldren drückte ein letztes Mal meine Hand. „Ruh dich aus, meine Liebe. Ich bin in ein paar Minuten zurück.“

Ich sah den beiden nach, wie sie hinausgingen. Ihr leises Flüstern verklang, als die schwere Holztür ins Schloss fiel. Im Zimmer wurde es still, bis auf das gleichmäßige, nervtötende Tropfen der Infusion über mir.

Meine Blase drückte schmerzhaft. Ich konnte es nicht länger ignorieren, und der Gedanke, auf eine Pflegerin zu warten, machte mich unruhig. Vorsichtig schlug ich die steife Krankenhausdecke zurück und schwang die nackten Beine über die Bettkante. Der Linoleumboden war eiskalt unter meinen Fußsohlen. Ich stöhnte, griff nach oben, zog das Pflaster von meinem Handrücken und riss mit schmerzverzerrtem Gesicht die Nadel heraus. Ein kleiner dunkelroter Blutstropfen quoll auf meiner Haut hervor. Ich wischte ihn am groben Stoff meines Krankenhaushemds ab und stand auf.

Der Raum drehte sich kurz. Ich hielt mich am Bettpfosten fest, bis sich mein Blick klärte, und schlurfte dann zu dem kleinen Bad in der Zimmerecke.

Ich wollte gerade die Badezimmertür schließen, als ich draußen Stimmen näher kommen hörte. Sie kamen nicht vom Hauptkorridor, sondern von der Milchglastür nebenan, die in das private Arztbüro führte. Die Klinke war nicht richtig eingerastet, ein schmaler Spalt ließ die Geräusche hindurch.

Ich erstarrte, als ich ein scharfes, bitteres Lachen hörte. Es war Cynthia.

„Vier Jahre“, spuckte Cynthia, ihre Stimme völlig befreit von der Süße, die sie noch vor wenigen Augenblicken an den Tag gelegt hatte. „Vier Jahre musste ich dasitzen und zusehen, wie du für diese ahnungslose, unfruchtbare Schlampe den treusorgenden Ehemann spielst. Hast du auch nur eine Vorstellung davon, wie es ist, mit anzusehen, wie eine andere Frau in meinem Haus lebt?“

Mir stockte der Atem. Ich presste den Rücken gegen die gekachelte Badezimmerwand, und mein Herz hämmerte plötzlich gegen die Rippen wie ein gefangener Vogel.

„Ich weiß, Cyn. Ich weiß“, antwortete Caldrens Stimme. Sie war kalt. Berechnend. Von der Wärme, die er mir eben noch geschenkt hatte, war keine Spur geblieben. „Aber du weißt, dass wir auf lange Sicht spielen mussten. Ich brauchte die Unterschrift ihres Vaters unter den Urkunden für die nördlichen Gebiete, bevor er starb, und ich brauchte sie als Titelhalterin, bis die Übergangszeit vorüber war. Hätte ich dich damals offen geheiratet, hätte der Rat das Land ihrem Onkel zugesprochen.“

„Sieben Jahre insgesamt, Caldren“, zischte Cynthia. „Wir haben drei Jahre geheim geheiratet, bevor du sie überhaupt kanntest. Meine Heiratsurkunde mit dir ist älter als ihr ganzes falsches Leben. Ich habe es satt, mich zu verstecken. Ich habe es satt, als die bemitleidenswerte Cousine vorgestellt zu werden.“

Der Raum schien zu kippen. Die Wände rückten auf mich zu. Sieben Jahre. Sie waren seit sieben Jahren zusammen. Unsere ganze vierjährige Ehe war eine berechnete Lüge gewesen. Sie war nicht seine Cousine. Sie war seine heimliche Ehefrau.

„Heute Nacht ist es vorbei“, sagte Caldren, und sein Ton sank zu einem skrupellosen Alpha-Bariton ab. „Der Rudelarzt bereitet gerade den Operationssaal vor. Wir führen einen Noteingriff durch. Dem Rat sagen wir, sie habe eine plötzliche, heftige Gebärmutterblutung erlitten. Bis sie aufwacht, ist ihre Gebärmutter vollständig entfernt.“

Ich presste beide Hände vor den Mund, um einen Schrei zu ersticken. Tränen brannten in meinen Augen und verschleierten meinen Blick.

„Sobald sie medizinisch ausgehöhlt und körperlich unfähig ist, einen Erben für die Penrose-Linie zu gebären“, fuhr Caldren glatt fort, „erlauben mir die alten Rudelgesetze, ihr das geerbte Land zu entziehen und wegen einer gescheiterten Blutlinie die Scheidung einzureichen. Sie wird völlig ruiniert sein. Außerdem hat Harven die Anklageschrift wegen Hochverrats längst aufgesetzt. Morgen früh wird sie nicht nur ihr Land los sein, sondern auch ihren Kopf. Den Skandal überlebt sie nicht.“

„Gut“, murmelte Cynthia. Ich hörte das Rascheln von Stoff und das unverkennbare Geräusch eines widerlichen, leidenschaftlichen Kusses. „Sorg dafür, dass der Arzt bei der Dosierung keinen Fehler macht. Ich will sie gefügig haben, wenn sie in die Zellen verlegt wird.“

Reiner, urtümlicher Schrecken riss mich aus meiner Starre. Sie wollten mich verstümmeln. Sie wollten mich töten.

Ich dachte nicht nach. Ich weinte nicht. Der Überlebensinstinkt übernahm. Ich wich von der Tür zurück, schlüpfte durch das kleine Badezimmerfenster, das auf die niedrig überdachte Gasse hinter der Klinik hinausführte, und ließ mich in den Dreck fallen.

Der eisige Regen traf mich sofort und durchnässte mein dünnes Krankenhaushemd binnen Sekunden. Ich war barfuß, die Haut voller Schlamm, und rannte blind durch die dunklen Kopfsteinpflasterstraßen des historischen Viertels. Meine Lunge brannte. Jeder Schritt fühlte sich an, als träte ich auf Glasscherben, doch das Bild von Caldrens kalten Augen trieb mich weiter. Ich musste zurück zum Herrenhaus. Die privaten Tagebücher meines Vaters und die originalen Rudelurkunden lagen unter den Dielen meines Schlafzimmers versteckt. Wenn ich fliehen wollte, brauchte ich einen Beweis dafür, was sie gestohlen hatten.

Als ich die eisernen Tore des Penrose-Anwesens erreichte, zitterte ich am ganzen Körper, meine Zähne schlugen aufeinander. Das Haus lag unheimlich und still da. Ich schlich durch den Dienstboteneingang an der Seite, mied die Haupthalle und hastete die große Treppe hinauf. Eine Spur aus nassen, blutigen Fußabdrücken blieb hinter mir zurück.

Ich stürmte in mein Schlafzimmer und warf die Tür hinter mir zu. Meine Hände zitterten so stark, dass ich kaum die Kante des schweren Eichennachttischs zu greifen vermochte. Ich sank auf die Knie und riss hektisch den Rand des gewebten Teppichs hoch, um die lose Diele darunter freizulegen. Ich griff hinein, und meine Finger schlossen sich um das ledergebundene Hauptbuch, das mein Vater mir hinterlassen hatte.

Bumm. Bumm. Bumm.

Aus dem Hof unten hallte das schwere, gleichmäßige Stampfen von Stiefeln herauf.

Ich erstarrte, das Buch fest an die Brust gepresst. Ich huschte zum Fenster und spähte durch die schweren Samtvorhänge. Die Einfahrt war in helles Licht getaucht. Ein Dutzend Elitewachen des Rudels, bewaffnet mit silberspitzen Speeren und Laternen, umstellten das Haus.

„Befehl des Kommandanten!“, dröhnte eine Stimme von der Vordertreppe. „Die Lady ist aus der Klinik entflohen! Sie wird wegen Hochverrats am Rudel gesucht! Sichert jeden Ausgang! Bringt sie heraus!“

Mein Magen stürzte in einen bodenlosen Abgrund. Jemand hatte mich die ganze Zeit beobachtet. Sie wussten, dass ich die Klinik verlassen hatte. Sie wussten genau, wo ich war.

Schwere Schritte polterten die Treppe herauf, geradewegs auf meine Schlafzimmertür zu. Ich stand mitten im Raum, völlig gelähmt, als der Schatten eines Wächters unter dem Türspalt erschien.

Bumm. Bumm.

Ein heftiges, wuchtiges Klopfen erschütterte den Türrahmen, die Angeln ächzten.

„Lady Laelith!“, brüllte der Wächter von der anderen Seite. „Öffnet sofort die Tür, oder wir brechen sie auf!“

Die Türklinke begann sich langsam zu senken.

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