Axel Vulcan stand neben dem toten Grenzwächter und starrte auf das Blut im Schnee. Der nördliche Wald lag still um ihn herum, zu still, und ihm war sofort klar, dass etwas nicht stimmte.
Er hockte sich hin und berührte den Boden mit zwei Fingern. Das Blut war noch warm.
„Wie lange ist das her?“, fragte er.
Hauptmann Roran stieg hinter ihm vom Pferd. „Weniger als eine Stunde, mein König.“
Axel blickte zum Bergpass hinauf. „Wie viele?“
„Drei Wächter sind tot. Zwei Späher werden vermisst.“
„Menschen?“
Roran nickte. „Asterier.“
Axel richtete sich langsam auf. Seit Monaten testeten asterische Soldaten die nördliche Grenze, ohne jemals so weit vorzustoßen, dass ein Angriff gerechtfertigt gewesen wäre. Doch in dieser Nacht hatten sie die Linie überschritten, und drei Werwolf-Wächter lagen tot im Schnee.
„Wir haben Spuren gefunden, die zur alten Handelsstraße führen“, sagte Roran. „Diese Straße ist seit Jahren gesperrt.“
„Genau deshalb.“
Er deutete auf mehrere Soldaten, die zwischen den Kiefern standen. Sechs Holzkisten lagen unter Zweigen und Schnee verborgen. Ein Soldat öffnete die nächste. Darin lagen Schwerter, Speerspitzen, Pfeile und Schilde mit dem Wappen des Südlichen Werwolfkönigreichs, des Sundren-Rudels.
Roran runzelte die Stirn. „Das sind nicht unsere Waffen.“
Axel nahm ein Schwert in die Hand. Der Wolf, der in den Griff eingraviert war, glich dem Emblem der Sundren-Krieger fast vollkommen. „Fast“, sagte er und drehte die Klinge. „Das Schmiedezeichen stimmt nicht. Jemand hat diese Waffen so anfertigen lassen, dass sie aussehen wie unsere.“
Er sah zu den toten Wächtern hinüber. Die versteckten Kisten und die asterischen Soldaten ergaben ein klares Bild. Niemand hatte das Sundren-Rudel angegriffen. Jemand hatte einen Angriff inszeniert und dabei absichtlich Beweise zurückgelassen.
„Wenn man diese Waffen in Asteria findet“, sagte Roran, „könnten sie behaupten, unsere Krieger hätten die Grenze überschritten.“
„Und wenn asterische Soldaten mit diesen Waffen getötet werden, wird Asteria Vergeltung fordern. Jemand will einen Krieg.“
Axel betrachtete die Kisten lange. Ein Krieg konnte mit einem inszenierten Überfall, einem gefälschten Bericht oder einer Lieferung mit dem falschen Wappen beginnen.
„Sichert das Gebiet“, befahl er. „Schickt noch keine Nachricht nach Asteria. Wenn ihr König darin verwickelt ist, würde eine Warnung unseren Verdacht offenbaren. Wenn nicht, handelt jemand in seinem Reich ohne sein Wissen. In beiden Fällen müssen wir herausfinden, wer dahintersteckt.“
Ein Soldat eilte auf sie zu. „Mein König, wir haben einen von ihnen gefangen.“
Der Gefangene wurde aus den Bäumen gezerrt. Unter einem dunklen Umhang trug er eine asterische Uniform, doch das königliche Abzeichen war entfernt worden.
„Warum verbergt Ihr Eure Zugehörigkeit?“, fragte Axel.
Der Mann schwieg.
„Ihr seid mit gefälschten Waffen über meine Grenze gekommen, drei Wächter sind tot. Wer hat euch geschickt?“
„Euer Krieg kommt“, sagte der Mann schließlich. „Ihr werdet es sehen.“
Roran durchsuchte den Gefangenen und fand einen Metallanhänger, dessen asterisches Wappen abgekratzt war, sowie eine gefaltete Karte. Auf ihr waren drei Routen markiert: die alte Handelsstraße, ein asterisches Dorf nahe der Grenze und ein schmaler Bergpass. Daneben standen Daten. Morgen. In drei Tagen. In sechs Tagen.
„Was passiert morgen?“, verlangte Axel zu wissen.
Der Gefangene blieb stumm. Sein Blick wanderte zu den Bergen. „Die Leute, die mich geschickt haben, werden meine Familie töten, bevor ihr sie beschützen könnt.“
„Wer sind sie?“
Doch der Mann biss plötzlich zu.
„Haltet ihn auf!“, rief Roran.
Das Gift tötete ihn innerhalb weniger Sekunden. Axel starrte auf die Leiche. Wer das geplant hatte, hatte auch mit dem Scheitern gerechnet.
„Durchsucht das Lager.“
Roran kehrte bald mit Dokumenten zurück, die Patrouillenpläne, Wachrotationen, Versorgungsstationen und Verzeichnisse nördlicher Siedlungen enthielten. Jemand hatte monatelang Informationen gesammelt. Das war kein Überfall, sondern die Vorbereitung eines Krieges.
„Schickt Reiter zu jeder nördlichen Siedlung“, befahl Axel. „Verdoppelt die Wachen an jedem Pass. Bringt die Kisten an einen sicheren Ort und erzählt niemandem, dass wir sie gefunden haben.“
Dann durchfuhr ein stechender Schmerz seine Brust. Hitze schoss durch seine Adern, als der Wolf in ihm erwachte.
Vier Jahre lang hatte Axel darum gekämpft, ihn zu beherrschen. Mit jedem Jahr war das Tier stärker geworden, und mit ihm die Angst, eines Tages die Kontrolle vollständig zu verlieren.
Die Stimme des Wolfs füllte seinen Geist. Lass mich raus.
„Nicht hier.“
Sie sind in unser Gebiet eingedrungen.
„Ich weiß.“
Sie wollen uns verletzen.
„Ich kümmere mich darum.“
Der Wolf knurrte. Axel schloss die Augen und zwang sich zu atmen. Dann verstummte das Knurren. Als er die Augen wieder öffnete, wurde ihm bewusst, dass das Tier in all den vier Jahren nie freiwillig geschwiegen hatte.
„Warum bist du still?“
Keine Antwort. Dann erschien ein einziges Wort in seinem Kopf: Dort.
Axel wandte sich dem nördlichen Wald zu und folgte der Spur. Bald entdeckte er zwei verschiedene Fußabdruckspuren. Die eine Person war normal gegangen, die andere war immer wieder gestolpert. Blut klebte an den Spuren, und an einem Ast hing ein zerrissenes Stück eines Frauenkleides. Jemand Verletzter war auf Sundren-Gebiet eingedrungen, und jemand anderes hatte ihr geholfen.
Ihre Spur führte in die Region, die auf der asterischen Karte markiert war. Sie könnte eine Zeugin sein. Vielleicht wusste sie, wohin die gefälschten Waffen geliefert werden sollten. Wenn die Asterier sie jagten, musste Axel sie zuerst finden.
Roran ritt zu ihm heran. „Ein weiterer Soldat?“
„Nein. Eine Frau.“ Axel betrachtete das Blut. „Sie ist verletzt, und jemand verfolgt sie. Sie hält auf dieselbe Region zu, die auf ihrer Karte markiert ist.“
Er saß auf. „Wir finden sie, bevor sie es tun.“
Nachdem Laelith dem Tod nur knapp entkommen war, erreichte sie den Rand des Sundren-Gebiets. Kaum noch fähig zu stehen, blutete sie aus tiefen Schnitten an den Händen, während ihr Atem in schmerzhaften Stößen ging. Sie taumelte blindlings durch die eisigen Bäume. Ihre nackten Füße waren taub geworden, und jeder Schritt schnitt ins scharfe Eis, doch sie zwang ihre Beine weiterzugehen.
„Nur noch ein Stück“, flüsterte sie, ihre Stimme brach im Wind. „Bleib nicht stehen.“
Hinter ihr bewegten sich Fackeln durch den Wald. Caldrens südliche Soldaten hatten sich aufgeteilt und näherten sich von beiden Seiten, während ihre Spürhunde laut in der eisigen Luft bellten. Sie trieben sie auf die Hauptstraße zu. Vor ihr ragten die zerklüfteten grauen Gipfel empor, und es gab keinen anderen Ausweg. Diese Berge gehörten dem mächtigsten Werwolfkönigreich des Südens, und sie wusste genau, was dessen Grenzpatrouillen mit Eindringlingen machten. Doch wenn sie umkehrte, wusste sie ebenso gut, was Caldren mit ihr tun würde.
„Ich gehe nicht zurück“, krächzte sie.
Sie kletterte höher und schleppte ihren frierenden Körper durch tiefe Schneewehen, während ihr Blick verschwamm. Am Ufer eines gefrorenen Baches setzte sie einen Fuß auf das milchige Eis. Es knackte scharf unter ihrem Gewicht, und ein Schauer der Angst lief ihr über den Rücken. Vorsichtig verlagerte sie ihr Gewicht, schob ihre tauben Füße über die Mitte und zog sich das nördliche Ufer hinauf.
Aus dem Dickicht hinter ihr ertönte ein Jagdhorn. Ein zweites antwortete vom östlichen Hang. Sie war umzingelt. Reiter brachen nur wenige Meter entfernt durchs Gebüsch. Panik flammte in ihrer Brust auf, und sie wandte sich von den Fackeln ab, um tiefer in das verbotene Gebiet vorzudringen.
Die Schatten riesiger Zedern drehten sich um sie. Ihre Knie gaben nach. Die Erschöpfung riss sie nieder, und sie sank in den Schnee unter den Wurzeln eines uralten Baumes. Dann wurde die Welt schwarz.
Axel folgte der Blutspur durch die Bäume, während seine Soldaten mehrere Minuten hinter ihm zurückblieben. Der Wolf in ihm blieb stumm, und das beunruhigte ihn mehr als jeder seiner wütenden Ausbrüche. Er überquerte das gefrorene Flussbett und drang tiefer in den Wald vor.
Dann sah er sie. Eine junge Frau lag bewusstlos unter einem Baum, ihre Kleidung war zerrissen und ihre Hände waren mit Blut bedeckt. Sie war ein Mensch.
Axel näherte sich vorsichtig. Der Wolf regte sich in ihm, und dann verstummte er vollständig. Er kniete nieder und berührte ihre Hand. Der Schmerz, der ihn seit vier Jahren gequält hatte, verschwand.
Axel starrte sie an. Zum ersten Mal seit vier Jahren kämpfte nichts in ihm um die Kontrolle. Und sein Wolf sprach endlich ein einziges Wort.
Mein.
Axel Vulcan stand neben dem toten Grenzwächter und starrte auf das Blut im Schnee. Der nördliche Wald lag still um ihn herum, zu still, und ihm war sofort klar, dass etwas nicht stimmte.
Er hockte sich hin und berührte den Boden mit zwei Fingern. Das Blut war noch warm.
„Wie lange ist das her?“, fragte er.
Hauptmann Roran stieg hinter ihm vom Pferd. „Weniger als eine Stunde, mein König.“
Axel blickte zum Bergpass hinauf. „Wie viele?“
„Drei Wächter sind tot. Zwei Späher werden vermisst.“
„Menschen?“
Roran nickte. „Asterier.“
Axel richtete sich langsam auf. Seit Monaten testeten asterische Soldaten die nördliche Grenze, ohne jemals so weit vorzustoßen, dass ein Angriff gerechtfertigt gewesen wäre. Doch in dieser Nacht hatten sie die Linie überschritten, und drei Werwolf-Wächter lagen tot im Schnee.
„Wir haben Spuren gefunden, die zur alten Handelsstraße führen“, sagte Roran. „Diese Straße ist seit Jahren gesperrt.“
„Genau deshalb.“
Er deutete auf mehrere Soldaten, die zwischen den Kiefern standen. Sechs Holzkisten lagen unter Zweigen und Schnee verborgen. Ein Soldat öffnete die nächste. Darin lagen Schwerter, Speerspitzen, Pfeile und Schilde mit dem Wappen des Südlichen Werwolfkönigreichs, des Sundren-Rudels.
Roran runzelte die Stirn. „Das sind nicht unsere Waffen.“
Axel nahm ein Schwert in die Hand. Der Wolf, der in den Griff eingraviert war, glich dem Emblem der Sundren-Krieger fast vollkommen. „Fast“, sagte er und drehte die Klinge. „Das Schmiedezeichen stimmt nicht. Jemand hat diese Waffen so anfertigen lassen, dass sie aussehen wie unsere.“
Er sah zu den toten Wächtern hinüber. Die versteckten Kisten und die asterischen Soldaten ergaben ein klares Bild. Niemand hatte das Sundren-Rudel angegriffen. Jemand hatte einen Angriff inszeniert und dabei absichtlich Beweise zurückgelassen.
„Wenn man diese Waffen in Asteria findet“, sagte Roran, „könnten sie behaupten, unsere Krieger hätten die Grenze überschritten.“
„Und wenn asterische Soldaten mit diesen Waffen getötet werden, wird Asteria Vergeltung fordern. Jemand will einen Krieg.“
Axel betrachtete die Kisten lange. Ein Krieg konnte mit einem inszenierten Überfall, einem gefälschten Bericht oder einer Lieferung mit dem falschen Wappen beginnen.
„Sichert das Gebiet“, befahl er. „Schickt noch keine Nachricht nach Asteria. Wenn ihr König darin verwickelt ist, würde eine Warnung unseren Verdacht offenbaren. Wenn nicht, handelt jemand in seinem Reich ohne sein Wissen. In beiden Fällen müssen wir herausfinden, wer dahintersteckt.“
Ein Soldat eilte auf sie zu. „Mein König, wir haben einen von ihnen gefangen.“
Der Gefangene wurde aus den Bäumen gezerrt. Unter einem dunklen Umhang trug er eine asterische Uniform, doch das königliche Abzeichen war entfernt worden.
„Warum verbergt Ihr Eure Zugehörigkeit?“, fragte Axel.
Der Mann schwieg.
„Ihr seid mit gefälschten Waffen über meine Grenze gekommen, drei Wächter sind tot. Wer hat euch geschickt?“
„Euer Krieg kommt“, sagte der Mann schließlich. „Ihr werdet es sehen.“
Roran durchsuchte den Gefangenen und fand einen Metallanhänger, dessen asterisches Wappen abgekratzt war, sowie eine gefaltete Karte. Auf ihr waren drei Routen markiert: die alte Handelsstraße, ein asterisches Dorf nahe der Grenze und ein schmaler Bergpass. Daneben standen Daten. Morgen. In drei Tagen. In sechs Tagen.
„Was passiert morgen?“, verlangte Axel zu wissen.
Der Gefangene blieb stumm. Sein Blick wanderte zu den Bergen. „Die Leute, die mich geschickt haben, werden meine Familie töten, bevor ihr sie beschützen könnt.“
„Wer sind sie?“
Doch der Mann biss plötzlich zu.
„Haltet ihn auf!“, rief Roran.
Das Gift tötete ihn innerhalb weniger Sekunden. Axel starrte auf die Leiche. Wer das geplant hatte, hatte auch mit dem Scheitern gerechnet.
„Durchsucht das Lager.“
Roran kehrte bald mit Dokumenten zurück, die Patrouillenpläne, Wachrotationen, Versorgungsstationen und Verzeichnisse nördlicher Siedlungen enthielten. Jemand hatte monatelang Informationen gesammelt. Das war kein Überfall, sondern die Vorbereitung eines Krieges.
„Schickt Reiter zu jeder nördlichen Siedlung“, befahl Axel. „Verdoppelt die Wachen an jedem Pass. Bringt die Kisten an einen sicheren Ort und erzählt niemandem, dass wir sie gefunden haben.“
Dann durchfuhr ein stechender Schmerz seine Brust. Hitze schoss durch seine Adern, als der Wolf in ihm erwachte.
Vier Jahre lang hatte Axel darum gekämpft, ihn zu beherrschen. Mit jedem Jahr war das Tier stärker geworden, und mit ihm die Angst, eines Tages die Kontrolle vollständig zu verlieren.
Die Stimme des Wolfs füllte seinen Geist. Lass mich raus.
„Nicht hier.“
Sie sind in unser Gebiet eingedrungen.
„Ich weiß.“
Sie wollen uns verletzen.
„Ich kümmere mich darum.“
Der Wolf knurrte. Axel schloss die Augen und zwang sich zu atmen. Dann verstummte das Knurren. Als er die Augen wieder öffnete, wurde ihm bewusst, dass das Tier in all den vier Jahren nie freiwillig geschwiegen hatte.
„Warum bist du still?“
Keine Antwort. Dann erschien ein einziges Wort in seinem Kopf: Dort.
Axel wandte sich dem nördlichen Wald zu und folgte der Spur. Bald entdeckte er zwei verschiedene Fußabdruckspuren. Die eine Person war normal gegangen, die andere war immer wieder gestolpert. Blut klebte an den Spuren, und an einem Ast hing ein zerrissenes Stück eines Frauenkleides. Jemand Verletzter war auf Sundren-Gebiet eingedrungen, und jemand anderes hatte ihr geholfen.
Ihre Spur führte in die Region, die auf der asterischen Karte markiert war. Sie könnte eine Zeugin sein. Vielleicht wusste sie, wohin die gefälschten Waffen geliefert werden sollten. Wenn die Asterier sie jagten, musste Axel sie zuerst finden.
Roran ritt zu ihm heran. „Ein weiterer Soldat?“
„Nein. Eine Frau.“ Axel betrachtete das Blut. „Sie ist verletzt, und jemand verfolgt sie. Sie hält auf dieselbe Region zu, die auf ihrer Karte markiert ist.“
Er saß auf. „Wir finden sie, bevor sie es tun.“
Nachdem Laelith dem Tod nur knapp entkommen war, erreichte sie den Rand des Sundren-Gebiets. Kaum noch fähig zu stehen, blutete sie aus tiefen Schnitten an den Händen, während ihr Atem in schmerzhaften Stößen ging. Sie taumelte blindlings durch die eisigen Bäume. Ihre nackten Füße waren taub geworden, und jeder Schritt schnitt ins scharfe Eis, doch sie zwang ihre Beine weiterzugehen.
„Nur noch ein Stück“, flüsterte sie, ihre Stimme brach im Wind. „Bleib nicht stehen.“
Hinter ihr bewegten sich Fackeln durch den Wald. Caldrens südliche Soldaten hatten sich aufgeteilt und näherten sich von beiden Seiten, während ihre Spürhunde laut in der eisigen Luft bellten. Sie trieben sie auf die Hauptstraße zu. Vor ihr ragten die zerklüfteten grauen Gipfel empor, und es gab keinen anderen Ausweg. Diese Berge gehörten dem mächtigsten Werwolfkönigreich des Südens, und sie wusste genau, was dessen Grenzpatrouillen mit Eindringlingen machten. Doch wenn sie umkehrte, wusste sie ebenso gut, was Caldren mit ihr tun würde.
„Ich gehe nicht zurück“, krächzte sie.
Sie kletterte höher und schleppte ihren frierenden Körper durch tiefe Schneewehen, während ihr Blick verschwamm. Am Ufer eines gefrorenen Baches setzte sie einen Fuß auf das milchige Eis. Es knackte scharf unter ihrem Gewicht, und ein Schauer der Angst lief ihr über den Rücken. Vorsichtig verlagerte sie ihr Gewicht, schob ihre tauben Füße über die Mitte und zog sich das nördliche Ufer hinauf.
Aus dem Dickicht hinter ihr ertönte ein Jagdhorn. Ein zweites antwortete vom östlichen Hang. Sie war umzingelt. Reiter brachen nur wenige Meter entfernt durchs Gebüsch. Panik flammte in ihrer Brust auf, und sie wandte sich von den Fackeln ab, um tiefer in das verbotene Gebiet vorzudringen.
Die Schatten riesiger Zedern drehten sich um sie. Ihre Knie gaben nach. Die Erschöpfung riss sie nieder, und sie sank in den Schnee unter den Wurzeln eines uralten Baumes. Dann wurde die Welt schwarz.
Axel folgte der Blutspur durch die Bäume, während seine Soldaten mehrere Minuten hinter ihm zurückblieben. Der Wolf in ihm blieb stumm, und das beunruhigte ihn mehr als jeder seiner wütenden Ausbrüche. Er überquerte das gefrorene Flussbett und drang tiefer in den Wald vor.
Dann sah er sie. Eine junge Frau lag bewusstlos unter einem Baum, ihre Kleidung war zerrissen und ihre Hände waren mit Blut bedeckt. Sie war ein Mensch.
Axel näherte sich vorsichtig. Der Wolf regte sich in ihm, und dann verstummte er vollständig. Er kniete nieder und berührte ihre Hand. Der Schmerz, der ihn seit vier Jahren gequält hatte, verschwand.
Axel starrte sie an. Zum ersten Mal seit vier Jahren kämpfte nichts in ihm um die Kontrolle. Und sein Wolf sprach endlich ein einziges Wort.
Mein.