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# Kapitel 3: Abschied

作者: RoguePumpkin
last update 公開日: 2026-10-19 02:48:22

Ich huschte unter den massiven Eichentisch, gerade als die schweren, eisenverstärkten Türen zum oberen Korridor aufflogen. Das dicke Holz krachte gegen die Steinwand und warf lange Schatten über den fettglatten Boden.

Ich presste den Kiefer zusammen und drückte das Gesicht in den Dreck und den Mehlstaub unter der Arbeitsfläche. Durch die Lücken zwischen den Tischbeinen sah ich zwei Paar schwere Lederstiefel in den Raum marschieren. Die Silberspitzen ihrer Speere fingen den matten, bernsteinfarbenen Schein der Kaminglut ein und blitzten unangenehm nah an meinen Fingern auf, die sich um das Tischbein gekrallt hatten.

„Elias“, rief eine harte Stimme. Es war der ältere Wächter vom Flur, sein Atem ging noch stoßweise von der Jagd. „Habt Ihr Lady Laelith hier durchkommen sehen? Die Spürer haben ihre Witterung bis zu den unteren Treppenhäusern verfolgt.“

Elias sah nicht zu mir hinunter. Ich sah nur seine dicken Wollsocken, die sich verschoben, als er sich wieder dem Hackblock zuwandte und einen großen hölzernen Rührlöffel nahm. Er klang unglaublich ruhig, zu ruhig, und sein Ton hatte das beiläufige, raue Brummen eines Mannes, der zwölf Stunden am Tag mit anspruchsvollen Adligen zu tun hatte.

„Seit dem Ende des Abendessens vor drei Stunden habe ich keine Menschenseele gesehen, Herr“, sagte Elias, und seine Stimme hallte leicht durch die weite Gewölbeküche. „Nur mich und die Teigtröge. Was hat sie denn angestellt? Die Wachen an der Außenmauer haben genug Lärm gemacht, um Tote aufzuwecken.“

Der jüngere Wächter trat tiefer in den Raum, das Leder seiner Rüstung knarrte bei jeder Bewegung. „Verrat. Sie hat ein Geständnis unterschrieben, dass sie die Getreidespeicher an die Nordwölfe verkauft hat. Auf ihren Kopf sind fünfhundert Silberstücke ausgesetzt, falls Ihr sie zufällig in Euren Mehlsäcken findet.“

„Fünfhundert?“ Elias stieß einen leisen, trockenen Pfiff aus. Er ging zum großen Pökelfass neben meinem Tischbein, seine Schürze streifte das Holz. „Nun, wenn ich sie sehe, hänge ich ihr einen Fleischhaken ins Kleid, bevor ich Euch rufe. Für so viel Geld käme ich endgültig raus aus diesem feuchten Keller.“

Der ältere Wächter schnaubte, seine Stiefel schritten zur hinteren Ecke, wo die kalten Speisekammern lagen. „Haltet die Augen offen. Sie ist barfuß und trägt ein Krankenhaushemd. Lange hält sie im Sturm nicht durch, aber der Kommandant will sie ausfindig gemacht haben, bevor der Rudelrat im Morgengrauen zusammentritt.“

Mein Herz hämmerte so heftig gegen die Rippen, dass ich fürchtete, sie würden es über das Knistern des Holzfeuers hinweg hören. Kalter Schweiß vermischte sich mit dem weißen Mehlstaub auf meinen Wangen, und meine Haut juckte unerträglich. Ich wagte nicht zu blinzeln.

Dann blieb der jüngere Wächter stehen. Seine Stiefel waren keine zwei Fuß von meinem Gesicht entfernt.

Er beugte sich leicht vor, sein silberspitzer Speer neigte sich zu den Dielen. „Was ist das denn?“

Mir stockte der Atem. Dicht am Tischbein hatte ein winziger Fleck dunkelroten Blutes von meiner aufgeschnittenen Ferse eine feuchte Spur auf den grauen Steinplatten hinterlassen. Er war noch nicht getrocknet.

Elias zögerte keinen Augenblick. Er riss einen schweren Holzeimer mit schmutzigem Spülwasser von der Arbeitsplatte, sodass das graue, fettige Wasser über den Rand schwappte und genau auf die Stiefel des Wächters und den Blutfleck klatschte.

„Passt auf das Fett auf, Junge!“, bellte Elias, hörbar genervt, schnappte sich einen schmutzigen Lappen und begann, die Steine genau an der Stelle zu schrubben, wo das Blut gewesen war. „Ich habe eben erst drei Kaninchen für den Eintopf von morgen ausgenommen. Wenn Ihr auf den Innereien ausrutscht, hat mich der Kommandant am Kragen, weil Ihr ihm den Boden ruiniert habt.“

Der junge Wächter fluchte, trat zurück und wischte sich mit purem Ekel das schmutzige Spülwasser von den Lederbeinlingen. „Passt auf Euch auf, Koch. Wir sind in amtlicher Ratsangelegenheit unterwegs.“

„Und ich in Frühstücksangelegenheit“, brummte Elias zurück, ohne aufzusehen, während er den Boden sauber wischte und die Blutspur vollständig tilgte. „Wenn der Rat seine Fleischpasteten bis Sonnenaufgang will, muss ich den Raum frei von Speeren haben.“

Der ältere Wächter rief von der Hintertür: „Komm schon, vergeude keine Zeit mit dem Suppenrührer. Sie ist bestimmt schon halb im Obstgarten. Sehen wir in den Ställen nach.“

Die beiden Stiefelpaare drehten sich endlich um und marschierten hinaus. Die schweren Küchentüren fielen mit einem dumpfen Schlag hinter ihnen zu. Der Riegel rastete ein, und der Raum versank wieder in drückender, erstickender Stille.

Noch zehn Sekunden lag ich reglos da, bis Elias’ schwielige Hand unter den Tisch griff, meinen Unterarm packte und mich ins Licht zog.

„Als Nächstes sehen sie in den Aborten nach“, flüsterte Elias hastig, das Gesicht unter den Fettspritzern blass und angespannt. „Sobald der Regen aufhört, setzen die Spürer die Hunde ein. Ihr könnt nicht hierbleiben, Lady Laelith. Finden sie Euch unter meinem Tisch, hängen sie mich neben Euch auf.“

Ich kam auf die Füße, meine Beine zitterten so sehr, dass ich mich an das raue Holz des Arbeitstischs lehnen musste, um nicht zusammenzubrechen. „Ich weiß. Ich weiß, Elias. Ich musste nur raus aus den Haupthallen.“

„Ihr müsst raus aus dem Gebiet“, sagte er und wandte sich dem schweren Eisenring mit Schlüsseln zu, der an einem Haken neben dem Kamin hing. Er riss ihn herunter, die Knöchel weiß. „Hinter den Waschtrögen gibt es eine alte Abflussklappe. Sie führt an der westlichen Außenmauer vorbei hinaus, direkt in die untere Schlucht nahe der Nordgrenze.“

„Warum hilfst du mir?“, fragte ich mit brüchiger Stimme und sah auf den Steckbrief, der noch unter seinen Spültüchern hervorlugte. „Du hättest die fünfhundert Silberstücke haben können. Du hättest deinen Bruder aus den Minen freikaufen können.“

Elias hielt inne, den Rücken kurz zu mir gewandt. Als er sich umdrehte, war sein Blick hart und erfüllt von einer alten, tief sitzenden Bitterkeit. „Euer Vater hat meinem Bruder seine erste Arbeit gegeben, als der alte Alpha unsere Familie aushungern wollte. Er war ein gerechter Wolf, Laelith. Kommandant Caldren … er holt diese skrupellosen Ratsschergen ins Haus, seit dem Tag, an dem er den Titel übernommen hat. Wenn er sagt, Ihr seid eine Verräterin, dann seid Ihr die Einzige, die noch die Wahrheit sagt.“

Er ging zu den niedrigen hölzernen Waschtrögen ganz hinten in der Vorratskammer. Er schob zwei schwere Holzbottiche beiseite und legte eine kleine, verrostete Eisenklappe frei, die direkt in das nasse Steinfundament eingelassen war. Die Luft, die aus dem Spalt drang, roch nach fauligem Flussschlamm und altem Kupfer.

„Es ist eng“, sagte Elias und steckte einen schweren Vierkantschlüssel in das rostige Schloss. Er warf sich mit seinem ganzen Gewicht dagegen, bis das Metall aufächzte und nachgab. „Ihr müsst etwa hundert Schritt kriechen, bis es sich zum Bach hin öffnet. Aber Ihr müsst jetzt los. Ich höre die Hunde im Hof anschlagen.“

Ein fernes, tiefes Bellen hallte durch die hohen Küchenschächte. Die Spürhunde waren wach.

Ich blickte in das dunkle, schleimige Loch und dann zurück zu Elias. Meine Finger fuhren zur Vorderseite meines nassen Krankenhaushemds, wo ich unter dem Stoff ein kleines Band um die Taille gebunden hatte. Ich löste es und zog den schweren goldenen Siegelring meiner Mutter hervor, das Einzige, was ich aus dem Tresor meiner Familie hatte retten können, bevor Caldren alles übernahm.

Ich drückte das schwere Goldstück in Elias’ schwielige Handfläche. „Nimm ihn. Für deinen Bruder. Er ist mehr wert als die fünfhundert Silberstücke, wenn du ihn an die Händler im Süden verkaufst.“

Elias starrte auf den Ring, sein Mund öffnete sich leicht, doch ich ließ ihm keine Gelegenheit zu widersprechen.

„Ändert Euren Namen, Laelith“, flüsterte er eindringlich, seine Hand schloss sich über dem Gold, während er mir half, die nackten Beine in den dunklen, eiskalten Schlamm des Abflussrohrs hinabzulassen. „Wenn sie Euch mit diesem Familiennamen im Gesicht erwischen, kommt Ihr keine fünf Meilen weit hinter den Fluss.“

„Ich bin nicht mehr Laelith“, flüsterte ich zurück, während das kalte Wasser sofort durch mein Hemd drang, als meine Füße den glitschigen Grund des Schachts berührten.

„Gut“, sagte Elias. Er bückte sich und griff nach der Eisenklappe.

Ich sah mit tränenfeuchten Augen zu ihm auf.

„Danke, dass du mich gerettet hast“, sagte ich. „Das werde ich nie vergessen.“

Er lächelte traurig und verneigte sich tief. „Gebt auf Euch acht. Lebt wohl.“

Dann schlug er die Klappe über meinem Kopf zu.

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